Samstag, 29. April 2017

Sonne am 29.4.2017

»Beobachten bis die Wolken kommen«, das war des Motto am frühen Morgen, denn kaum wachgeworden, stürzte ich aus dem Bett, nahm meine »Sonnensachen« und lief auf den Dachboden. Nach dem Aufbau war ich zunächst erschrocken, denn das Seeing war gruselig, besserte sich aber mit zunehmender Beobachhtungsdauer. Und vor allem: der Himmel war wolkenfrei … noch!

Im Weißlicht hatte es keine Veränderungen gegeben. Die AR 12651 war im Norden weiter eine C2 und stand nun mitten im randnahen Fackelfeld. Im Sünden war die AR 12653 wieder eine J1. Beide sehr leicht zu finden. Probleme machte nur die kleine A1-Gruppe, die ich gestern noch relativ problemlos fand, was mit heute aber nicht auf Anhieb gelingen sollte. Erst nach ein paar Minuten, als das Seeing mal kurz »stand« ploppte sie plötzlich auf und ich konnte sie sicher halten. Von der NOAA hatte sie inzwischen eine eigenständige Nummer erhalten: AR 12654.

Das in dem Augenblick deutlich bessere Seeing ließ mich deutlich mehr Einzelheiten erkennen. Herausragende Erscheinungen waren am Ostrand zwei steil aufragende Protuberanzen, die auch gleichzeitig die beiden größten von insgesamt 7 waren. Der Rest war wieder nur klein und mickrig. Auf der Oberfläche waren 4 sehr großflächige Flaregebiete zu erkennen, auch an Positionen, an denen es im Weißlicht keinen Fleck gab. Das Gesamtbild wurde durch 8 kleine Filament-Stummel abgerundet, die ziemlich regellos verteilt waren.

Als ich eine ruhige Abschlussbetrachtung vornehmen wollte, tauchten plötzlich Wolken auf und beendeten meine Beobachtung. Beim Entstehen dieses Blogbeitrags sind sie übrigens wieder verschwunden ...

Freitag, 28. April 2017

Sonne am 28.4.2017

Erst gegen Mittag konnte ich heute die Sonne unter einigermaßen vernünftigen Bedingungen beobachten und da war ausnahmsweise – trotz der Tageszeit – das Seeing mal ganz gut. Störend waren nur die kaum Platz machenden hohen Wolkenschichten, die nur selten echte Wolkenlücken zuließen.

Im Weißlicht hatte sich nur wenig verändert: die AR 12651 war immer noch eine C2 und stand nahe dem Westrand in einem Fackelfeld: das erste, das ich seit Tagen sehen konnte. Die nun westlich des Sonnenmeridians stehende AR 12653 war weiter eine J1 und am Ostrand – auf der Nordhalbkugel – war eine kleine A1 um den Rand herumrotiert. Sie stand in dem zweiten Fackelfeld, das heute im Weißlicht zu sehen war.

Das gute Seeing animierte natürlich zu einer H-alpha-Beobachtung, doch auch hier war die Gesamtaktivität der Sonne dürftig. Am Rand gab es nur 5 Protuberanzen, die allesamt steil aufragenden Spritzern glichen, während auf der Oberfläche 3 Flaregebiete und 4 stummelartige Filamente zu sehen waren. Und wieder waren weite Teile der Sonnenoberfläche vollkommen ohne Erscheinungen jedweder Art.

Donnerstag, 27. April 2017

Sonne am 27.4.2017

Die heutigen Sichtbedingungen waren kaum besser als die gestrigen. Es standen nur wenige Wolkenlücken zur Beobachtung zur Verfügung und darin war das Seeing abermals grottig. Ein heftig wallender Sonnenrand und eine blubbernde Oberfläche behinderten die ohnehin nur knappen Möglichkeiten zusätzlich.

Im Weißlicht konnte ich nur noch die AR 12651 als C2 und die AR 12653 als H1 sehen und kein einziges Fackelfeld am Sonnenrand.

Im H-alpha-Licht sah es kaum besser aus: Am Rand 6 mickrige Protuberanzen, die kaum mehr als knapp über den Rand hinausragende Spitzen zeigten, auf der Oberfläche 3 nur noch wenig aufgehellte, aber großflächige Flaregebiete sowie 5 kleine Filamente – nur eines im Nordwesten nahm etwas mehr Fläche ein. Weite Teile der Oberfläche waren erscheinungsfrei und es sieht so aus, als ob sich die Aktivität unseres Tagesgestirns erst einmal wieder zur Ruhe begibt.

Mittwoch, 26. April 2017

Sonne am 26.4.2017

Endlich konnte ich einigermaßen störungsfrei nach Feierabend beobachten und es hätte wirklich schön werden können: wenn ich nicht hätte länger arbeiten müssen und wenn das Seeing nicht grottig gewesen wäre. Am Rande einer träge dahinziehenden Gewitterwolke war der Himmel blau und mutig stellte ich mein Teleskop auf der Fensterbank auf. Nur vereinzelte Windstöße störten mein Treiben. Doch der Blick durch das Teleskop war zum Abgewöhnen: ein zittriger Sonnenrand und eine blubberige Oberfläche. Für Sekunden war das Bild zwar besser, um gleich danach wieder katastrophal schlecht zu werden.

Im Weißlicht hatte ich denn auch echte Probleme, überhaupt etwas zu sehen. Von der AR 12651 im Norden sah ich nur die beiden Penumbren, weshalb ich sie als D2 einstufte und die AR 12651 als A1 sah ich zunächst überhaupt nicht. Erst, als ich schon aufgeben wollte, zeigte sie sich ganz kurz, um danach wieder im Seeinggeblubber zu verschwinden. Bei der AR 12653 im Süden war es etwas einfacher: sie war für mich eine H1.

Eigentlich hätte ich mir eine nachfolgende H-alpha-Beobachtung schenken können. Das Seeing schlug hier noch grausamer zu, denn am Anfang sah ich nur ein konturlose Oberfläche und einen wabbeligen Rand ohne Protuberanzen. Aber auch hier zeigte sich zeitweise dann doch etwas und so zählte ich schnell die Erscheinungen durch, bis die Gewitterwolke die Beobachtung vorzeitig beendete. Ich kam – nur mit sehr großer Mühe – auf 6 Protuberanzen (inkl. Einem schwebenden Teil am Westrand), 4 kleine Filamente und 2 Flaregebiete. Es gab nur zählbare Beobachtungen, keine wirklich schönen Astrobeobachtungen am heutigen Tage.

Dienstag, 25. April 2017

Sonne am 25.4.2017

Heute zog Murphy -  nach dem nächsten Ausfalltag - mal wieder alle Register: erst zog es schlagartig zu, als ich zu Hause ankam, dann hing die einzig verfügbare Wolkenschicht direkt vor der Sonne, als nächstes drehte sich wieder mal der Okularauszug und warf das Okular heraus – ich konnte es gerade noch auffangen, bevor es aus dem Fenster viel – und dann war bei allem Überfluss das Seeing zeitweise eine mittelschwere Katastrophe. Zwischen den wenigen wolkenfreien Augenblicken, die sich mir boten, waren der Sonnenrand und die Oberfläche so am Wabern, dass ich schon wieder abbauen wollte.

Als nächstes – das Teleskop stand auf der Fensterbank - wehte der Wind so in das Zimmer hinein, dass ein Gefäß herunterfiel und seinen gesamten Inhalt – frisches Wasser – über den Boden ergoss. Darüber verging dann eine weitere Wolkenlücke und ich musste fast 20 Minuten auf die nächste warten. Vom Aufstellen des Teleskops bis zum Ersten durchschauen verging eine gute halbe Stunde … und dann war das Sonnenbild nur mäßig gut.

Im Weißlicht fand ich zunächst nur 2 Fleckengruppen, die AR 12651 als D2 und die AR 12653 als H2. Die AR 12652 war zunächst nicht zu finden und tauchte erst Minuten später aus dem allgemeinen Gewaber auf. Ich klassifizierte sie als A1, mehr konnte ich da nicht sehen und auch keine Fackelfelder entdecken.

Mutig setzte ich noch mein PST ein. Mit dem gleichen Effekt: ich verscheuchte damit die Wolkenlücken und es dauerte abermals eine gute Viertelstunde, bis ich mich bei miesem Seeing regelrecht durchkämpfen musste. Am Rand zählte ich 6 Protuberanzen, darunter zwei, fast gegenüber stehende, schwebende Bögen und auf der Oberfläche 3 Flaregebiete und 5 kleine Filamente. Kaum damit fertig, kam die nächste Wolke an. Mittlerweile, wo dieser Blogbeitrag entstand, wurden die Wolkenlücken größer, doch nahm gleichzeitig der Wind an Heftigkeit zu, sodass ich auf einen weiteren Beobachtungsversuch verzichtete ...

Sonntag, 23. April 2017

Sonne am 23.4.2017

Der Morgen nach der »Langen Nacht der Museen« begann mit einem dicken Murph: bis kurz vor der Zeit, genauer gesagt: 5 Minuten (!!!), wo ich auf dem Dachboden hätte beobachten können, zog der bis dahin klare Himmel zu und es schüttete wie aus Eimern. Die nächste größere Wolkenlücke kam erst 4 Stunden später, als die Sonne exakt über der Häuserkante stand und ich mit meinem Teleskop nicht rankam. Es musste nochmals eine Stunde vergehen, bis ich endlich das Fernrohr auf die Sonne ausrichten konnte und feststellen musste, dass das Seeing eine einzige Katastrophe war: Sonnenrand in ständiger Bewegung und auf der Oberfläche nichts zu sehen. Erst allmählich – das Ende der Wolkenlücke war schon zu sehen – wurden die Sichtbedingungen etwas besser.

Im Weißlicht war die Ar 12651 auf der Nordhalbkugel weiterhin zu sehen und zwar als D4 mit jeweils zwei Flecken in den und außerhalb der Penumbren. Dahinter stand eine nur in den Augenblicken ruhiger Luft sichtbare A1. Im Sünden war die AR 12653 als H2 zu sehen, wobei nur schwer zu entscheiden war, ob es sich hier um zwei dicht beieinander stehende Penumbren mit Fleck handelte, oder ob das Hofgebiet beide Flecken umfasste. Imposant war das dahinter stehende Fackelfeld, in dem es so aussah, als ob da ein weiterer Fleck drinsteckte, den ich aber nicht sicher sehen konnte und daher nicht mitzählte.

Im H-alpha-Licht – hierfür hatte ich wegen des Endes der Wolkenlücke nur wenig Zeit – fand ich 5 kleine Protuberanzen, auf der Oberfläche 4 zum Teil sehr große Flaregebiete und 4 Filamente, wobei das größte im Nordosten als dicker »Flatschen« zu sehen war. Kurz nach Ende der Schnellauszählung zog der Himmel wieder zu und es begann wieder zu regnen und zu stürmen ...

Samstag, 22. April 2017

Sonne am 22.4.2017

In der heutigen „Langen Nacht der Museen“ in Hamburg, an der ich auf der Bergedorfer Sternwarte tätig sein werde und vorher noch eine Führung mache, steht viel Astronomie auf der Agenda, da konnte ich nicht unbedingt erwarten, morgens auch noch beobachten zu können. Aufgrund der aktuellen Sturmlage wechselten sich aber Wolken und blauer Himmel in rascher Folge ab und so gelang mit eine Relativzahlbestimmung kurz nach 8 Uhr. Leider war das Seeing – wie immer bei solchen Wetterlagen – nicht berauschend.

Im Weißlicht war die AR 12651 auf der Nordhalbkugel als D5 mit zwei richtigen Penumbren zu sehen, die kleine AR 12652, vor zwei Tagen noch deutlich als A1 zu erkennen, hatte sich offenbar aufgelöst und war verschwunden. Im Süden war die AR 12653 neu um den Ostrand herum gekommen und eine J1, die mitten in einem Fackelfeld stand.

Im H-alpha-Licht konzentrierte sich die Aktivität unseres Tagesgestirns weitgehend auf die Osthälfte, bis auf die Protuberanzen, von denen ich 7 Exemplare fand und 2 davon am Westrand (eine Pyramide und die unteren Enden eines schwachen Bogens). Am Ostrand befand sich eine Protuberanz gerade im Übergang zu einem wirklich dicken, fetten Filament, das ein wenig an eine Raupe erinnerte. Ansonsten waren die 8 insgesamt Filamente wieder wild verstreut. Im näheren Umfeld der AR 12651 fand ich gleich 3 von 4 Flaregebieten (eines stand weiter westlich war war nahezu punktförmig). Abermals waren aber weite Teile der Sonnenoberfläche im H-alpha-Licht völlig erscheinungsfrei!