Sonntag, 30. Dezember 2012

Sonne am 30.12.2012

Recht klein war sie, die Wolkenlücke, die sich mir heute zur Beobachtung bot, sie war aber ausreichend, um zumindest die tägliche Sonnenfleckenrelativzahl bestimmen zu können. Das Seeing war überraschend gut und so konnte ich heute endlich auch mal alle Flecken sehen, die vom Sonnenobservatorium auf der Kanzelhöhe in der Zeichnung eingetragen waren.

Sechs Gruppen waren es, die ich heute erkennen konnte: Eine C7, eine H1, eine D6, wieder zweimal A1 und eine B5, dazu ein paar Fackelfelder.  Vor der heranrückenden Regenfront musste ich mich jedoch beeilen und so konnte ich auch am heutigen Tage die H-Alpha-Rekativzahl nicht mehr bestimmen, weil wir zwar am Vormittag immer wieder klaren Himmel hatten, was aber bis auf die eine kurze Gelegenheit nachließ, als die Sonne endlich hinter den Bäumen rauskam. Die nächste größere Wolkenlücke kam dann erst, als die Sonne wieder hinter dem "dämlichen" Hochhaus stand, wodurch ein weiteres Mal eine vollständige Sonnenbeobachtung verhindert wurde ...

PS: Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, war der Himmel solange vollkommen wolkenfrei, als die Sonne für mich unerreichbar hinter dem Hochhaus stand, als sie eben rechts davon wieder rauskam, stand sie nicht nur hinter Bäumen, auch die Wolken waren wieder da ... Unglaublich!

Samstag, 29. Dezember 2012

Sonne am 29.12.2012

Wieder war es ein Wettrennen gegen die Zeit, das ich dieses Mal zum Teil verloren habe. Zunächst kam die in den letzten Tagen häufig zu beobachtende Auflockerung in den Wolken mit erheblicher Verspätung an, was dazu führte, dass ich mich mit dem Beobachten beeilen musste, da gegen 13:20 Uhr die Sonne hinter dem Nachbarhaus verschwindet und danach weitere Beobachtungen unmöglich sind. Erst gegen 13:10 kam die Sonne aus dem Wolkenschleim hervor, sodass ich auf die Weißlichtbeobachtung beschränkt blieb, obwohl sich der Himmel danach richtig aufklarte, unser Tagesgestirn aber für mich unerreichbar war.

Von den sechs beim Sonnenobservatorium Kanzelhöhe registrierten Gruppen konnte ich fünf einigermaßen sicher ausmachen: eine H1, eine D9, zweimal A1 und eine B2. Das Seeing war etwas besser als gestern, doch der Wolkenschleim erschwte die Beobachtung und auch die Tatsache, dass die Beobachtungsbedingungen besser wurden, je näher das Hochhaus kam, bis die Sonne schließlich dahinter verschwand.

Freitag, 28. Dezember 2012

Sonne am 28.12.2012

Es bewahrte sich heute mal wieder der alte Grundsatz "Wenn Du die erste Gelegenheit zur Sonnenbeobachtung nicht nutzt, gibt es keine zweite Chance". Die letzte Nacht war weitgehend sternenklar und auch der Morgen versprach viel mit blauem Himmel, einer Nebensonne und kalten Temperaturen. Aufgrund der hohen Häuser und Bäume kann ich im Winter erst ab 12 Uhr mittags beobachten und da hieß es heute, schneller zu sein, als der sich aus Nordwesten heran schiebende Wolkenschleim. Was ist nicht beachtete: Auch rund um die Sonne nahm der Schleim immer mehr zu. Und so kam es, wie es kommen musste, als die Sonne endlich über dem verhassten Baum stand, war sie von Wolkenschleim umhüllt, der nur Beobachtungen unter extrem schlechten Bedingungen mit heftig in Bewegung befindlichem Sonnenrand zuließ. Auf der Oberfläche waren nur in Sekundenbruchteile die Flecken zu sehen.

Trotzdem konnte ich vier Gruppen erkennen: die H1 und D5 am Ostrand, die A1 in Richtung auf die Sonnenscheibenmitte und in Richtung Westrand die zur B zurückgestufte D von gestern.

Im H-Alpha war die Beobachtung noch schwieriger. Der Hintergrund war orangefarben und nicht schwarz, die Protuberanzen - von denen ich 9 zählte - kaum auszumachen, Filamente (nur 7 gefunden) fast nicht zu sehen und die 5 hellen Flaregebiete allenfalls grob zu schätzen. Die Werte für Ruhe und Schärfe lag zwischen 4 und 5, also fast wertlos, weil kaum Details wahrzunehmen waren, dennoch wage ich eine Zählung, da auch hier Momente ruhiger Luft für die Wahrnehmung von Details genutzt werden können, dazu die Fähigkeit des Beobachtungsauges, Strukturen schnell erkennen zu können. Im Ergebnis bleibt ein sonniger Tag mit grausigem Seeing - im Winter nichts ungewöhnliches.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Sonne am 27.12.2012

Die mittäglichen Wolkenlücken, die mir gestern schon einen Blick auf die Sonne ermöglicht hatten, waren auch heute wieder da. Im Weißlicht hatte sich gegenüber gestern eine Menge getan. So war die randnahe A-Gruppe, die mitten in einem Fackelfeld stand, wegrotiert - nur das Fackelgebiet war noch zu sehen. Die "große" D-Gruppe hatte sich enorm zurückentwickelt und den Großteil ihrer Penumbren verloren. Am Ostrand sind heute zwei neue Fleckengruppen erschienen - derzeit noch ohne NOAA-Nummer - und die ich als J 1 und C 3, jeweils umgeben von ausgedehnten Fackelfeldern, klassifizierte.

Eine weitere Wolkenlücke erlaubte dann noch die Beobachtung mittels PST im H-Alpha. Die Sonne wies heute zum Zeitpunkt der Beobachtung 12 Protuberanzen - eher von geringerer Größe -, 15 Filamente - von denen die meisten aber eher klein und schwer als solche zu identifizieren waren - und vier helle Flaregebiete auf - keines davon erdwärts ausgerichtet. Am auffälligsten war dabei die sehr große Fackelzone im Aktivitätsgebiet rund um die D-Gruppe (AR 11635), das sich aber in den kommenden Tagen dem Westrand nähert und somit für Polarlichter, die nach wie vor Mangelware sind in diesem Zyklus, nicht mehr als Verursacher in Frage kommt.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Sonne am 26.12.2012

Völlig überraschend, weil von keinem Wetterbericht vorhergesagt, riss um die Mittagszeit die etwa eine Woche andauernde Hochnebeldecke zum zweiten Mal an diesem Tag auf, nachdem es bereits am Vormittag klar geworden, es sich dann aber binnen Minuten wieder zugezogen hatte.

Das Seeing war für die Jahres- und auch Tageszeit ganz passabel, die Sonnenaktivität aber enttäuschend. Nur drei Gruppen - eine D und zwei A - sowie ein paar auffallende Fackelgebiete, wahrlich keine hohe Fleckentätigkeit ein Jahr vor dem prognostizierten Maximum, das immer noch für Herbst 2013 erwartet wird. Aber wie realistisch ist das angesichts einer derzeit immer geringer werdenden Häufigkeit von Aktivitätsgebieten auf der Sonne.

Im H-Alpha sah es ein klein wenig besser aus. Das Seeing war hier zwar deutlich schlechter - wellenförmig schob sich die "schlechte Luft" durch das Bild -, offenbarte aber auch in dieser Wellenlänge keine wirklich hohe Aktivität, trotz der acht eher mickrigen Protuberanzen, den 10 auch nicht berauschend langen Filamenten und den drei hellen Fackelgebieten. Und genau die sind derzeit besonders interessant, weil in den letzten Tagen mehrfach, allerdings nicht erdwärts gerichtete, Ausbrüche registriert wurden.

Samstag, 15. Dezember 2012

Sonne am 15.12.2012


Heute mal umgekehrt: kein Sonnenschein angekündigt, aber ein schön blauer Winterhimmel ... mit typisch miesem Seeing. Ein extrem wallender Sonnenrand und nur ab und zu Einzelheiten auf der Sonnenoberfläche. Nur in wenigen Augenblicken gelang mal ein Blick auf die vier Fleckengruppen, die heute auf der Sonne zu sehen waren: Zwei D im Westen, eine D und eine J im Osten, schön verteilt. Aufgrund der schlechten Beobachtungsbedingungen - nach mehreren Frostnächten hat Tauwetter eingesetzt - konnten keine besonderen Merkmale in den Gruppen beobachtet werden. 

Das Seeing schlug im H-alpha auch heute nicht ganz so schlimm durch. 12 Protuberanzen, vier große Flaregebiete, aus denen durchaus noch was aufsteigen kann, aber nur 5 Filamente waren zu sehen. Ein Filament wölbte sich bogenförmig über ein im Weißlicht nicht sichtbares Aktivitätsgebiet und wirkte im PST annähernd dreidimensional. Starke Bewegungen am Sonnenrand waren aber auch hier zu sehen und manchmal liefen regelrecht Wellen durch das Bild, die alle Details verschwinden ließen. Ebensowenig konnte das chromosphärische Netzwerk beobachtet werden.

Andererseits darf man froh sein, in dieser Jahreszeit überhaupt die Sonne beobachten zu können. Und so habe ich mein Jahresziel mit mindestens 200 Beobachtungen nach einem Totalausfall im November doch noch erreicht.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Sonne am 11.12.2012

Kaum das letzte Posting beendet, ergab sich für mich, wo ich heute noch zu Hause bin, eine weitere Möglichkeit zur Sonnenbeobachtung, wenn ich richtig gezählt habe, ist es die 200te in 2012.

Eigentlich passte alles wunderbar zusammen: blauer Himmel und Zeit zum Beobachten. Doch die Rechnung habe ich wieder ohne den Wirt gemacht, denn auch an diesem Tage war das Seeing nahezu unerträglich. Wieder ein heftig wallender Sonnenrand, kaum erkennbare Konturen und die beiden einzigen Fleckengruppen - sie gehörten der Waldmeierklasse D an - verschwammen immer wieder vor meinem Auge. Dennoch bildete ich mir ein, für kurze Momente Strukturen in den Penumbren gesehen zu haben. Außerdem traten immer mal wieder ein paar Fackelgebiete hervor.

Aus dem Nordosten - eine für Hamburg eher seltene Richtung - rückte eine Wolkenfront heran, ließ aber den Himmelsabschnitt mit der Sonne frei. Daher entschloss ich mich, nach einem Monat Unterbrechung, mein PST aufzustellen. Erstaunlicherweise konnte ich mehr Einzelheiten wahrnehmen als im Weißlicht. Ich kam auf 8 eher kleinere Protuberanzen, 12 Filamente, die oft sehr fein strukturiert oder nur lokal begrenzt waren, und zwei helle Flaregebiete. Das chromosphärische Netzwerk war allerdings bedingt durch das miese Seeing nicht sichtbar und auch Protuben und Filamente verschwanden immer wieder mal für ein paar Sekunden. 

Im H-Alpha war die Sonnenaktivität fast analog zu der im Weißlich deutlich geringer als ein Jahr vor dem vermeintlichen Maximum zu erwarten ist. Und wenn ich dieser Tage lese, dass man für 2013 ein sehr hohes Maximum und globale Katastrophen erwartet, so kann ich darüber nur den Kopf schütteln, denn die gegenwärtige Sonnenaktivität und alle derzeit verfügbaren Prognosen sagen etwas vollkommen anderes.

Sonne am 07.12.2012

Aufgrund einer kurzfristigen Erkrankung, die etliche Nebenwirkungen nach sich zog, komme ich erst heute zu meinem Bericht vom 7. Dezember 2012. Die Beobachtung an dem Tag war wieder geprägt von einem sehr dichten Zeitfenster, denn ich kann am frühen Nachmittag, wenn die Sonne zwischen zwei Hochhäusern steht, nur etwa für 15 Minuten beobachten, bis sie hinter Bäumen verschwindet. Eine elende Quälerei ...

Da ich an diesem Tage abends noch zwei Führungen auf der Bergedorfer Sternwarte vor mir hatte, hatte ich etwas früher Feierabend gemacht und kam so in den Genuss meiner ersten Sonnenbeobachtung im Dezember.

Doch ganz so einfach wie gedacht, war es wieder nicht, denn das Seeing war grausig, zeitweise wallte der Sonnenrand so heftig, dass man wandernde Zacken und Wellen sehen konnte, die über ihre Oberfläche dahinzuziehen schienen. Die allerschlimmsten Beobachtungsbedingungen, aber der Winter ist nun mal nicht die Zeit für Sonnenbeobachter.

Dennoch gelang es mir, drei Fleckengruppen, eine A1, eine B2 und eine H1 sowie drei kleine Fackelgebiete zu sehen. Wobei man das Sehen auch in Frage stellen konnte, denn das Seeinggeblubber war so intensiv, dass gerade bei der H-Gruppe oftmals keine Trennung zwischen Umbra und Penumbra mehr möglich war. Natürlich zog dann ausgerechnet in dem engen Zeitfenster auch noch eine Wolkenschicht durch und als diese weg war, stand die Sonne hinter Bäumen. Daher war auch an diesem Tage leider keine H-Alpha-Beobachtung mehr möglich.

Montag, 3. Dezember 2012

Die Sonne im November 2012


Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Weiterhin ausgesprochen gering war die Fleckentätigkeit in der ersten Dekade des Novembers, wo den meisten Beobachtern – besonders in Norddeutschland – die Sicht auf die Sonne durch andauernden Hochnebel verwehrt war. Die Zahl der Gruppen schwankte leicht zwischen drei und fünf und nicht eine davon kam über die Waldmeierklasse D hinaus. 

Am 6. wurden gar nur drei A- und eine H-Gruppe aufgezeichnet. Danach stieg die Zahl der Gruppen leicht an und am 10. konnte man erstmals wieder zwei D-Gruppen beobachten (eine davon wurde von der Kanzelhöhe – unverständlicherweise – als E klassifiziert, was aber anhand der eigenen Zeichnung nicht belegbar war). Die Aktive Region Nr. 11611 - erstmals am 9. auf der Nordhalbkugel sichtbar geworden – entwickelte sich am 11. zur Waldmeierklasse E (aber nur aufgrund ihrer Ausdehnung, nicht infolge großer Penumbren). Danach gewann die Sonnenaktivität allmählich an Fahrt: Die AR 11610 (erste Sichtung ebenfalls am 9., allerdings auf der Südhalbkugel) wurde am 13. ebenfalls zur E-Gruppe und die AR 11614 machte gar einen Sprung von D auf F. 

Schon einen Tag später aber – oder lag es an der Klassifikation durch die NOAA? -, gehörte nur noch die AR 11610 der Klasse E an. Für die kommenden Tage blieb die Aktivität erst einmal vergleichsweise hoch, dennoch stieg die Relativzahl beim S.I.D.C. in Brüssel nicht über 100 hinaus, obwohl die Kanzelhöhe bis zu 10 und die NOAA bis zu 9 Gruppen meldeten (was vorwiegend am Korrekturfaktor bei den S.I.D.C.-Zahlen lag, damit aber wieder mal offenbarte, dass die Zahlen nicht immer leicht zu interpretieren sind). Am 18. erschien am Ostrand die AR 11618, die schon am 19. einwandfrei als E- oder F-Gruppe (je nach Quelle) klassifiziert wurde. Lt. NOAA überschritt sie erst am 20. die Grenze zur Klasse F und zwar unzweifelhaft. 

Es war die erste wirkliche F-Gruppe seit ein paar Wochen, denn bei allen anderen waren bei der Klassifikation durchaus Zweifel angebracht. Hier lag der Fall anders. Ab 21. aber stufte sie die NOAA, aber auch die Kanzelhöhe, schon wieder nur als E-Gruppe ein. Überdies nahm die Zahl der sonstigen Gruppen wieder drastisch ab, am 26. gab es nur noch drei Aktivitätsgebiete, die man im Weißlicht finden konnte. Danach kam es wieder zu einem leichten Anstieg. Die AR 11620 war am 21. erstmals auf der Südhalbkugel zu sehen und entwickelte sich nur zögerlich, am 26. stieg sie zur Klasse D auf, am 27. zur Klasse E, sodass nach langer Zeit mal wieder zwei echte E-Gruppen parallel auf der Nord- und der Südhalbkugel über die Sonne wanderten. So waren am letzten Tag noch vier Gruppen zu sehen, wobei die AR 11618 schon halb über den Westrand wegrotiert war.

In den ersten Tagen war auch im Hα die Sonnenaktivität sehr gering, es wurden nur einige wenige Flares der Klassen b und c und ein leicht erhöhter Sonnenwind aus koronalen Löchern registriert. Die AR 11611 erzeugte am 8. einen mehrere 100.000 km weit ins All hinaus reichenden M1-Flare mit koronalem Massenauswurf (also Strahlung und Materie), der um 2:23 UT seinen Höhepunkt erreichte und mit einem Typ II Radiosturm verbunden war. 

Nach einem C1-Flare am 9. um 1:51 UT stieg um 15:24 UT ein eruptives Filament auf und erzeugte den zweiten CME des Tages. Einen relativ bescheidenen C2-Flare gab es am 10. um 5:04 UT samt CME und am Westrand tauchte u m 14:48 UT ein weiterer koronaler Massenauswurf auf. Leider stets zu den Zeiten, als die Sonne bei uns unter dem Horizont stand. Das gleiche, hinter dem Sonnenrand stehende, Aktivitätsgebiet warf um 22:24 UT abermals einen CME aus. 

Damit begann im November eine Phase deutlich höherer Sonnenaktivität. Die AR 11613 produzierte am 13. gleich mehrere M-Flares (der Höhepunkt des größten, eines M6-Flares wurde um 2:04 UT erreicht, allerdings ohne CME). Dem folgte am 14. um 4:04 UT ein M1-Flare. Um 16:31 UT gab es im Erdmagnetfeld einen leichten Sturm mit einer Spitzengeschwindigkeit der Teilchen von 466 km/s. Am 16. gab es aus der AR 11613 dann noch einen lang anhaltenden C1-Flare (Höhepunkt um 7:51 UT). Vorausgegangen war hier ein 24 heliographische Grade langes, eruptives Filament, das genau über der Region saß und seine Materie mit 511 km/s ins All hinaus schleuderte. 

Eine 700.000 km weit in den umgebenden Weltraum hinaus greifende Eruption (die deutlich das Gesichtsfeld von Sonnensatelliten und mancher Kamera auf der Erde überstieg) war am 16. ab 6:48 UT am Ostrand der Sonne zu sehen. Den nächsten größeren Ausbruch gab es erst wieder am 20. um 12:41 UT, zusammen mit einem erdwärts gerichteten CME, seine Teilchen trafen am Vormittag des 26. beim Erdmagnetfeld ein, ein Polarlicht war danach im deutschsprachigen Raum nicht zu sehen. Die AR 11618 meldete sich am 21. gegen 15:30 UT vehement zu Wort und ließ einen M3-Flare aufsteigen, der mit einem Typ IV und einem Typ II-Radiosturm mit Teilchengeschwindigkeiten von bis zu 1918 km/s verbunden war und einen 200 sfu Tenflare samt CME hervorbrachte. Zuvor hatte es um 6:56 UT bereits einen M1/1n-Flare (ebenfalls samt Radiostürmen und CME). 

Überdies stieg just in dieser Region zwischen 23:05 UT am 20. Und 2:00 UT am 21. ein bislang ruhendes, 14° langes Filament auf, allerdings ohne CME. Das nächste, nunmehr Filament, 29° lang, konnte am 23.11. zwischen 12:00 und 13:00 UT beobachtet werden, gefolgt von einem am 26. um 3:43 UT in der AR 11620. Am 27. zeigte die mittlerweile alte AR 11618 noch einmal eine beachtliche Reaktion, in dem sie um 15:57 UT einen M1/Sf-Flare hervorbrachte. Hinzu kamen zwei CMEs ohne Bezug auf eine AR, die um 2:45 UT und um 5:30 UT auf der Nordhalbkugel entstanden. Um 21:26 UT steig dann noch ein M1-Flare aus der AR 11620 auf. Der Monat verabschiedete sich dann mit einem M2/1f-Flare am 28. um 21:36 UT.

Samstag, 1. Dezember 2012

Sonne am 30.11.2012



Sonne am 30.11.2012

Erstaunlich, aber wahr: am letzten Tag des Monats gelang mir noch eine weitere, die insgesamt dritte Sonnenbeobachtung im November. Und das auch nur, weil sich der Tagbogen der Sonne mittlerweile soweit verkürzt hatte, dass sie tief zwischen zwei Hochhäuser knapp über den Wipfeln niedriger Bäume stand.

Schnell war der kleine 80/400er Refraktor auf dem Fotostativ auf dem Dachboden aufgestellt und schaute durch das schmale, geöffnete Bodenfenster hinaus. Die Sonne zeigte sich im Okular schon reichlich deformiert mit heftig wallendem Rand, aber einer doch ganz passablen Ruhe auf ihrer Oberfläche.

Die Bilanz meiner Zählung: drei D-Gruppen (eine davon war eine mir entgangene E- bzw. F-Gruppe, die gerade am Westrand verschwand und von der nur noch Teile zu sehen waren) und eine fast ellipsoid verformte H-Gruppe. Dazu sah ich noch drei Fackelfelder bevor die obligatorische Killerwolke kam und die Beobachtung vorzeitig beendete. 

Sie war selbstredend das einzige Exemplar ihrer Art, das man am Himmel finden konnte. Sie verhinderte dann auch wieder einmal eine H-Alpha-Beobachtung, es klarte dann aber noch mal für kurze Zeit auf, da aber stand die Sonne schon wieder tief hinter den Bäumen. Es ging also auch am heutigen Tage nicht ganz ohne Murphy im Gepäck …

Sonntag, 25. November 2012

Sonne am 25.11.2012

Die zweite Sonnenbeobachtung des Monats ließ lange auf sich warten, erst zwei Wochen nach der ersten - wodurch och sämtliche größeren Fleckengruppen in diesem Zeitraum verpasst habe -, klarte es sich heute um die Mittagszeit soweit auf, dass man mal wieder das schon leicht eingestaubte Teleskop hervorholen konnte. Das Seeing war für norddeutsche Verhältnisse und angesichts permanent durchziehender Wolken, die nicht mal eine Minute lang eine konzentrierte Beobachtung zuließen, gar nicht mal so schlecht. Es nervten die durchziehenden Wolkenfetzen mehr als die unruhige Luft. So musste ich mich ziemlich beeilen, wenn ich die Beobachtung auch abschließen und nicht ohne Ergebnis vorzeitig beenden wollte.

Für den heutigen Tag fand ich sechs Fleckengruppen, darunter auch eine E-Gruppe, die ihre Klassenzigehörigkeit aber eher ihrer Länge als der Größe ihrer Penumbren verdankte. Daneben gab es noch eine A, zwei B - im Gegensatz zum Sonnenobservatorium Kanzelhöhe sah ich hier keine Penumbren - eine randnahe J und eine kleine D. 

Für eine H-Alpha-Beobachtung reichte die Zeit dann nicht mehr, denn nach nur etwa 15 Minuten schloss sich die Wolkendecke wieder, nachdem die letzten Lücken über oder unter der Sonne durchliefen und diese sich bedrohlich dem gegenùberliegenden Hochhaus näherte, wodurch sich das kleine Beobachtungsfenster dann endgültig schloß. Sonnenbeobachtung zwischen November und Februar ist hier wahrlich kein Quell der Freude.

PS: Selbstverständlich kam eine große Wolkenlücke, als die Sonne hinterm Hochhaus stand ...

Montag, 12. November 2012

Die Sonne im Oktober 2012

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Wer im Oktober die Sonne beobachtete, konnte sich schon manches Mal verwundert die Augen reiben, denn mit einer Sonnenaktivität, ein Jahr vor dem vermeintlichen Maximum, hatte das wenig zu tun, was man in jenen Tagen im Fernrohr erblicken konnte. Zwei H-Gruppen (AR 11575 und AR 11582) dominierten das Geschehen, wobei von Tag zu Tag der Durchmesser ihrer Penumbren ein ganz klein wenig zunahm.

Daneben konnte man nur ein paar kleinere B-C- oder D-Gruppen finden, die eigentlich nicht der Rede wert waren. An diesem doch eher beschaulichen Anblick sollte sich bis zum Monatsende auch kaum etwas ändern. Vom 4. bis zum 6. waren nur noch vier Fleckengruppen zu sehen, am 7. sank diese Zahl auf 3 herab: eine H-Gruppe stand am Westrand, eine J am Ostrand und in der Mitte gab es eine C. Während die Kanzelhöhe schon am 8. wieder vier Gruppen sah, waren es bei der NOAA immer noch nur drei. Gleichwohl machte sich nach diesem Tief ein kleiner Anstieg in der Zahl der Fleckengruppen bemerkbar. Die interessanteste Gruppe war dabei die AR 11589, die erstmals am 10. als C-Gruppe am Ostrand erschien, einen Tag später dann ihre wahre Natur als D-Gruppe offenbarte. Sie wies bald eine irregulär geformte Penumbra und eine Vielzahl von Einzelflecken auf, deren Zahl bei über 30 lag, die aber auch – dem Schicksal vieler Gruppen folgend – kurze Zeit später ihren Lebenszenit überschritten hatte und dann von Tag zu Tag sukzessive in sich zusammenfiel.

Am 18. fiel sie auch die Stufe C zurück und bald verlor sie auch die letzten Penumbrateile und löste sich vor den Augen des Beobachters vollständig auf, bevor sie den Westrand erreicht hatte. In ihrem Umfeld bildeten sich Mitte Oktober viele kleine Gruppen, wobei aber nur die Klassen C und H als höchste Stufen beobachtet werden konnten. Das änderte sich aber mit dem 19. Oktober, als die AR 11596 am Westrand auftauchte und eindeutig als D-Gruppe mit einer großen Penumbra im voranschreitenden Teil der Fleckengruppe. Die NOAA machte – fälschlicherweise – am 20. eine E-Gruppe daraus, doch für diese Waldmeierklasse war sie einfach zu kurz, das war auch ohne Messung eindeutig zu erkennen. Immerhin vergrößerte sich ihre Penumbra zusehends und der eine oder andere Beobachter konnte den Fleck auch mit Hilfe einer Sonnenfinsternisbrille oder einem Objektivglasfilter mit bloßem Auge beobachten – mir gelang das jedoch nicht. Die AR 11598 erschien am 21. und war ebenfalls gleich als D-Gruppe zu identifizieren.

Beide Gruppen waren nun die Hauptmerkmale der Sonnenaktivität. Die AR 11596 hatte aber um den 25. herum ihren Höhepunkt überschritten, schrumpfte zusammen und zerfiel wieder, während die AR 11598 noch bis zum Monatsende sichtbar blieb, dafür aber binnen Tagen zur H zerfiel. Auch sonst ging die Fleckentätigkeit in der zweiten Monatshälfte wieder stark zurück. Am 26. konnten wieder nur drei Gruppen gesehen werden, die Zahl stieg danach wieder bis zum Ende des Monats auf fünf an, mehr als die Klassen C, H oder J wurden aber nicht mehr erreicht.

Neben vielen Protuberanzen und Filamenten zeigte die Hα-Sonne im Oktober eine ganze Reihe heller Flaregebiete, doch nur selten kam es zu einem nennenswerten Ausbruch. Am 9. konnte im Südosten mit Maximum um 23:31 UT ein M1-Flare beobachtet werden, dem am 10. um 5:04 UT ein weiterer folgte.

Die nächsten Tage gab es dann wieder nur maximal c-class-flares. Erst am 20. wurde ein – allerdings recht heftiger – M9-Flare registriert, dessen Höhepunkt um 18:14 UT erreicht wurde. Mit einer Geschwindigkeit von 516 km/s  jagten die Teilchen ins freie All hinaus, allerdings war der CME nicht erdwärts positioniert, sodass danach keine Polarlichter gesehen werden konnten. Am 21. stieg aus der AR 11598 ein M1/Sf-Flare auf, am 22. folgte hier um 18:51 UT ein M5/1f, und am 23. um 3:17 UT sogar ein X1-Flare, der mit einem Tenflare und einen Typ II-Radiosturm verknüpft war. Ein klassischer CME konnte jedoch nicht beobachtet werden, es handelte sich hier also nur um einen reinen Strahlungsausbruch, bei dem keine Materie mit nach außen gestoßen wurde.

Danach fiel die Häufigkeit der solaren Ausbrüche wieder auf das Niveau der Vorwochen zurück, als man nur maximal Flares der Klasse c beobachten konnte.

Sonntag, 11. November 2012

Sonne am 11.11.2012

Stress am Sonntagmorgen: Am Himmel über Hamburg zeigte sich ein teilweise wolkenloser Himmel, also baute ich meinen kleinen Refraktor auf der Fensterbank im Wohnzimmer auf. Nach zwei Wochen ohne die geringste Chance auf eine Sonnenbeobachtung - auch gestern war der Himmel immer dann wolkenfrei, wenn die Sonne unerreichbar hinter Häusern, Bäumen oder Wolken stand - stiegen meine Hoffnung, auch endlich mal wieder die Sonne zu beobachten und am Ende nicht ganz ohne etwas dazustehen.

Kaum hatte ich das Teleskop aufgebaut, kroch auch schon die Sonne über dem Dachfirst des Nachbarhauses hoch, ich sah schon einen Teil unserees Tagesgestirns und immerhin ein größeres Fackelgebiet, als wieder die Wolken kamen. Es dauerte nicht mehr lange, dann stand die Sonne ganz über dem Haus ... und hinter dem ersten Baum. Leichter Wind wischte die dünnen Äste leicht beiseite und so konnte ich doch noch sechs Gruppen sehen: zwei J, zwei D, eine A und eine H ganz dicht am Sonnenrand. Für Detailbeobachtungen blieb keine Zeit, denn die Sonne kam hinter dem Baum heraus und gleich zog es wieder zu. Unter diesem Umständen war eine H-Alpha-Beobachtung natürlich nicht mehr möglich, zumal die Sonne just im Moment hinter der Hauskante verschwand. das kleine Beobachtungsfenster hatte sich geschlossen und die Wolken wurden wieder dünner ...

Nachtrag: Dieses Mal blieb der Himmel am Mittag auch noch klar, als die Sonne nicht mehr hinter Hindernissen stand, allerdings störten nun Cirren die Beobachtung, weswegen eine H-Alpha-Beobachtung ziemlich schwierig war. Neben 11 Protuberanzen und 8 Filamenten sah ich 5 helle Flaregebiete. Aber auch hier musste ich mich beeilen, denn durchziehende fette Wolken unterbrachen immer wieder die Beobachtung, es bildeten sich zwei Nebensonnen und ein Teil des oberen Zirkumzenitalbogens. Die Sicht wurde erst besser, der Himmel deutlich blauer, als die Sonne hinter dem Hochhaus stand ...




Sonntag, 28. Oktober 2012

Sonne am 28.10.2012

Eine ganze Woche hat es gedauert, bis ich endlich mal wieder die Sonne beobachten konnte. Die Umgebung meines Beobachtungsplatzes, das Wetter und die gestrige Fahrt zur Bochumer Herbsttagung verhinderte, dass ich in der Zwischenzeit unser Tagesgestirn vor das Fernrohr bekam.

Am heutigen, leicht frostigen, Sonntag gelang mir dies aber endlich wieder. Die Sonne stand über dem Nachbarhaus aber unter den tief hängenden Ästen der Bäume, so das ich ein einigermaßen freies Gesichtsfeld bekam.

Durch die vielen Ausfalltage bekam ich die Entwicklung der letzten Tage nicht mit, daher war ich einigermaßen überrascht, als ich nur noch drei mittelgroße Sonnenflecken vorfand: eine H1, eine D6 (die praktisch nur aus zwei Penumbren mit darin eingebetteten Flecken bestand, aber etwas größer war) und eine H11 (dem Überrest einer E-Gruppe, die ich verpasst hatte).

Im H-Alpha hält die erhöhte Aktivität offenbar weiter an und scheint mir mittlerweile recht stabil zu sein. Drei etwas größere Protuberanzen am Sonnenrand, die sich in Form von Filamenten bis über die Sonnenoberfläche hinein fortsetzen, 10 weitere Filamente sowie 4 Flaregebiete rundeten das Bild ab. Aufgrund des Seeings war das chromosphärische Netzwerk, jene feine, über die ganze Sonne verteilte netzartige Sturkur - daher auch der Name - heute nur ansatzweise zu sehen. Auch schoben sich immer wieder mal Wellen schlechter Luft durch das Bild. Dennoch war eine einwandfreie Sichtung der Phänomene ohne Probleme gegeben.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Sonne am 21.10.2012

Am Tag unserer Abreise aus Kirchheim gibt es heute nur einen kurzen Blogbeitrag von mir. Gegenüber gestern haben sich offenbar einige der kleineren Fleckengruppen aufgelöst, dafür ist eine H um den Ostrand herumgekommen und die "große" D enthält immer noch zwei interessante Lichtbrücken. Insgesamt komme ich heute nur auf fünf Fleckengruppen.

Im H-Alpha ist es weiterhin sehr spannend, zwei große, bogenförmige Protuberanzen, einige frei schwebende sowie eine ganze Reihe netter Filamente runden das Bild ab. Auffällige Strukturen in den Flaregebieten konnte ich heute nicht ausmachen.


Samstag, 20. Oktober 2012

Sonne am 20.10.2012

Schönes Wetter am Urlaubsort sichert mir auch heute wieder eine morgendliche Sonnenbeobachtung. Das Seeing ist gerade außergewöhnlich gut, im Weißlicht zeigen sich - insbesondere bei der AR 11596 - ganz feine Strukturen in der Penumbra sowie mindestens zwei Lichtbrücken. Das sind helle Bögen, die von außen her in den Fleck eingreifen und gelten als Maß für eine hohe magnetische Aktivität in der Aktiven Region.

Ansonsten komme ich heute auf sieben Gruppen, darunter eine der beiden gestern nicht gesehenen A, die aber hart am Rande der Sichtbarkeit für mein kleines Fernrohr steht. Die Gruppen gehören heute der Waldmeierklassen A, B (2x), C, D (2x) und H an.

Das gute Seeing kam natürlich auch der H-Alpha-Beobachtung zugute: 15 Protuberanzen, 18 Filamente und 7 Flaregebiete konnte ich ausmachen. Nur nackte Zahlen, denn bei einer genauen Betrachtung der einzelnen Erscheinungen offenbaren sich ein paar nette Sachen. Die Protuberanzen zeigten sich heute in einem ungewöhnlichen Formenreichtum. So waren aufrecht stehende Spritzer ebenso dabei wie zwei dünne, frei schwebende Fädchen, drei bogenformige Protuberanzen und eine, die aussah, wie das Zeichen für Pi. Bei zwei Flaregebieten sah man zwei Aufwölbungen: Orte, in denen demnächst Flares aufsteigen könnten. Leider habe ich so ein Ereignis bis heute nicht live am Fernrohr verfolgen können.

Im Südwesten war sehr schön zu sehen, wie sich die große Bogenprotuberanz bis in ein kleine Filament hinein fortsetzte - sehr plastisch, fast dreidimensional wirkend - und dass der Materiebogen nicht exakt am Sonnenrand, sondern in einem kleinen Winkel dazu versetzt stand. Zur gleichen Zeit, ebenfalls im Südwesten, erhob sich helles Material aus einem Flare und bildete ebenfalls einen kleinen Bogen, ein anderes Flaregebiet zeigte zur Beobachtungszeit eine kastenartige Erhebung, die ebenfalls das Potenzial zu einem Ausbruch hatte.

Zu meinem Bedauern habe ich nur noch morgen früh, sofern das Wetter mitspielt, die Gelegenheit für eine ausgiebige Sonnenbeobachtung, denn da geht es wieder zurück nach Hamburg, so ich mich dann wieder mit Bäumen, Häusern und der tiefstehenden Herbstssonne abquälen darf.



Freitag, 19. Oktober 2012

Sonne am 19.10.2012

Der heutige Tag begann mit strahlendem Sonnenschein und einem fast wolkenlosen Himmel über der Volkssternwarte Kirchheim in Thüringen. Keine Frage, dass ich nach dem morgendlichen Duschen erst einmal mein Sonnenequipment vor dem Unterkunftsgebäude aufgebaut habe. 





So einen Luxus kann ich mir wegen der nervigen Bäume und Häuser ringsum in Hamburg nicht gönnen.

Die Zahl der Flecken im Weißlicht ist auch heute recht überschaubar. Ich konnte aufgrund des doch eher mittelmäßigen Seeings - strahlender Sonnenschein ist eben doch kein ausreichendes Indiz für gute Beobachtungen - nur sechs Aktivitätsgebeite sehen. Eine frisch um den Sonnenrand herum gekommene D-Gruppe, zwei B, eine weitere D, eine J und eine H. Das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe sah noch zwei weitere A-Gruppen, die ich aber nicht finden konnte. Möglicherweise lag es am Seeing, am begrenzten Auflösungsvermögen des Teleskops oder schlicht an beidem.

Der Blick durch das PST bestätigte auch heute wieder meinen persönlichen Eindruck, dass die Sonne derzeit im H-Alpha wesentlich aktiver ist, als im Weißlicht. Schon beim ersten Blick fand ich am Westrand eine scheibar frei im Raum schwebende Protuberanz in vergleichsweise großem Abstand zur Oberfläche. Erst eine genauere Beobachtung der Gegend offenbarte ein dünnes Gasfädchen, dass von der Oberfläche bis zur Protuberanz hochreichte. Sie zeigte, wie weit diese Erscheinungen prinzipiell in den Raum hinaus reichen können.

In Richtung Norden befand sich eine weitere Protuberanz, die wie eine verkleinerte Ausgabe der Giseh-Pyramide aussah. Insgesamt kam ich heute auf 14 Protuberanzen, 13 Filamente und 8, teilweise sehr ausgedehnte, Flaregebiete. Aus diesen zeichneten sich zarte Filamente heraus, deren filigrane Bögen geschwungen wieder zur Sonnenoberfläche zurückgingen. In Richtung Westrand befand sich überdies ein sehr helles Flaregebiet, aus dem bestimmt heute noch ein kleiner CME aufsteigen wird.

Es lohnte sich auch, sich die einzelnen Flaregebiete einmal genauer anzuschauen, bei zwischendurch gutem Seeing zeigte sich eine Vielzahl von Strukturen, die sich kaum beschreiben lässt. Der Tag dürfte spannend werden.

PS: Nur eine Stunde nach den obigen Beobachtungen war die schwebende Protuberanz nicht mehr zu sehen, fünf Stunden danach hatte sich an gleicher Stelle eine neue, kastenförmige, gebildet.


Donnerstag, 18. Oktober 2012

Sonne am 18.10.2012

Die Sonnenbeobachtung gestaltete sich auch am heutigen Tage eher etwas schwieriger, denn als ich nach dem Aufwachen Beobachten wollte, war der Himmel erst einmal wieder zu. Dazu zog dauernd mehr oder weniger dicker Wolkenschleim von Süden heran, der eine begonnene Beobachtung zunächst mal scheitern ließ.

Erst gut drei Stunden später ergab sich eine winzige Lücke im Wolkendickicht, die zumindest eine Beobachtung im Weißlicht erlaubte. Dort fand ich heuer wieder acht Fleckengruppen: Zwei der Klasse B, zwei C, eine D, eine H und zwei J. Keine davon hatte besonders erwähnenswerte Merkmale, alles war nur Durchschnitt.

Im H-Alpha - durchziehende Zirren erschwerte zwischendurch immer wieder die Beobachtung - sah das Ganze dann schon ein wenig anders aus. Neun Protuberanzen (davon drei große inkl. einer schwebenden), 10 Filamente (vier von etwas größerer Gestalt) und acht heller Flaregebiete. Leider ergab sich auch heute keine weitere Möglichkeit zur Nachbeobachtung, um zu kontrollieren, was sich gerade bei Flares und Protuberanzen verändert haben könnte. Dafür war es warm wie im August und Massen von Marienkäfern umschwärmten uns. Und man konnte häufiger mal Nebensonnen beobachten.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Sonne am 17.10.2012

Der heutige Tag begann zunächst sehr sonnig, doch sollte sich das schon sehr bald ändern, denn aus Richtung Westen kam die seit Tagen angekündigte Warmfront an, mit sehr viel Gewölk im Gepäck. Es gab nur noch wenige wolkenfreie Zonen am Himmel, als ich mit der Weißlichtbeobachtung beginnen konnte. Acht Gruppen waren zu sehen, die wieder nur den unteren Waldmeierklassen angehörten: zwei A-, zwei B-, zwei C- und zwei J-Gruppen. Die gestern noch als D mit über 20 Flecken zu klassifizierende AR 11589 war heute nur noch eine große B-Gruppe, da ihr sämtliche Penumbren verloren gegangen waren.

Mit der H-Alpha-Beobachtung musste ich mich dann wieder mal sehr beeilen, durchziehende Schleierbewölkung drohte sie zunichte zu machen. In Momenten ruhiger Luft und einem fast wolkenfreien Himmel sah ich 11 Protuberanzen, 8 Filemante - nur drei waren etwas größer - und 6 Flaregebiete, Eines davon sah auch wie eine kleine Rampe, auf dessen Oberseite ein Filament entlanglief. Im PST wirkte das sehr plastisch und in der Tat könnte dort heute einen der im Laufe des Tages registrierten c-class-Flares aufgestiegen sein, aufgrund der dichten Bewölkung war das aber leider nicht zu beobachten. Erst als am Abend die Sonne tief im Westen knapp über dem Horizont stand, lockerte sie sich wieder etwas, eine Nachbeobachtung zur Kontrolle war daher leider nicht mehr möglich.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Sonne am 16.10.2012

Gestern auf der Sternwarte Kirchheim angekommen, konnte ich hier nach drei Tagen endlich mal wieder die Sonne beobachten, da wir hier unter strahlend blauem Himmel aufwachten. Im Gepäck steckte mein 80/400er Refraktor und mein PST und so konnte ich ohne Behinderung durch Häuser oder Bäume unser Tagesgestirn beobachten.

Im Weißlicht war die Aktivität aber immer noch nicht wirklich spektakulär: Sieben Fleckengruppen, die fast gleichmäßig über die Sonne verteilt waren, aber nur niedrigen Waldmeierklassen angehörten. Ich fand eine A, zwei B, zwei C, eine D und eine J. Leider stand zum Zeitpunkt der Beobachtung - Murphy war mitgereist - die einzige, gerade am Himmel sichtbare, allerdings sehr dünne, Wolkenschicht.

Im H-Alpha war die ganze Geschichte schon spannender. Nicht nur, dass ich 16 Protuberanzen - zwei davon ziemlich interessant am Ostrand - und 16 oft aber nur sehr kleine Protuberanzen sah, ich beobachtete auch 6 helle Flaregebiete, von denen gleich zwei ungefähr in der Sonnenscheibenmitte standen. Hieraus waren im Laufe des Tages sechs b-class- und ein c-class-Flare entstanden, die aber kaum zu nennenswerten Polarlichtern führen dürften. Dafür hat sich die bereits um den westlichen Sonnenrand herum rotierte AR 11592 mit einem kräftigen CME verabschiedet, dessen Plasmawolke bis über 100.000 km in den Weltraum hinausreichte. Man darf gespannt sein, wie die Region in etwa 12 Tagen aussehen wird, wenn sie wieder am Ostrand erscheint, es sei denn, sie hat sich vorher aufgelöst. 

Samstag, 13. Oktober 2012

Sonne am 13.10.2012

Es stimmt: Unverhofft kommt oft und so war es mir heute schon gegen 8:20 UT möglich, die Sonne zu beobachten, als sie knapp über einem Haus und knapp unter tief herunter hängenden Ästen zu sehen war. Das Seeing war zwar entsprechend mäßig, aber ich beobachtete alle gerade auf der Sonne befindlichen Gruppen, als da wären: eine randnahe B in einem Fackelfeld, zwei J und eine C sowie die etwas größere Gruppe, ich vor ein paar Tagen noch als "Fleckenkomplex" bezeichnet hatte. Die Klassifikation war nicht ganz einfach, letztlich entschloss ich mich, sie als C einzustufen. Schnell zusammengerechnet kam ich heute also auf fünf Fleckengruppen.

Es war dann noch ein wenig Zeit für die H-Alpha-Beobachtung, die jedoch aufgrund des schlechten Seeings nicht berauschend war. Acht Protuberanzen, sieben mittelgroße Filamente und drei Flaregebiete war alles, was ich in der Kürze der Zeit beobachten konnte, denn nun bedeckt wieder der Baum die Sonne und nimmt mir in der Wohnung das Tageslicht.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Sonne am 10.10.2012

Manchmal sind kleine Teleskope von unschätzbarem Vorteil. Eine kleine Wolkenlücke war just in dem Moment zu erspähen, als ich von der Arbeit nach Hause kam. Schnell war der kleine 80/400er Refraktor aufgebaut. Bei ganz passablem Seeing, aber einer immer schneller näher kommenden Häuserwand, musste ich mich schon sehr mit der Beobachtung beeilen. 

Daher zählte ich von Westen her und kam auf fünf Gruppen, eine A, die hart am Sonnenrand mitten in einem Fackelfeld stand, eine B, eine C, eine J und dann die Zusammenballung am Ostrand, die ich als C einstufte, weil im nachfolgenden, dick in der Fackel stehenden, Teil zumindest ein Fleck ohne Penumbra zu sehen war.

Eine weitere Lücke tat sich auf, durch die ich dann noch mit dem PST schauen konnte, die Beobachtungsbedingungen - ich musste auf den Dachboden ausweichen -  waren aber eher suboptimal. Ich kam auf 11 Protuberanzen, fünf, zum Teil sehr helle, Flaregebiete - da wird sich bestimmt noch was in Richtung Flare tun - und  sieben  mittelgroße Filamente, doch dicke Wolken zogen schnell heran und beendeten die Beobachtung. Und während ich dies hier blogge, regnet es auch schon wieder, wie so oft in den letzten Tagen.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Sonne am 09.10.2012

Das überaus launische Wetter in Hamburg bescherte mir heute - im Gegensatz zu gestern - eine längere wolkenfreie Periode zu Feierabend, auch wenn die Sonne während der Beobachtung praktisch direkt neben einem Hochhaus stand und das Seeing durch die Wärmeemissionen des Hauses eher mittelmäßig war.

Enttäuscht wurde ich durch die immer noch sehr geringe Anzahl an Sonnenflecken. Lediglich vier Gruppen konnte ich finden, am Ostrand tauchte heute ein etwas größerer Komplex auf, den ich als H-Gruppe klassifizierte. Das ist mit Sicherheit nicht richtig, aber da die Gruppe exakt am Sonnenrand stand, konnte man nur das beurteilen, was man sah. Das dürfte sich in den kommenden Tagen noch ändern, vorausgesetzt, es ergibt sich alsbald eine weitere Möglichkeit zur Beobachtung. Des Weiteren sah ich noch eine J-, eine C- und eine B-Gruppe. Alles nicht wirklich spannend.

Interessanter wurde es hingegen im H-Alpha, wo ich an der Stelle, an der die neue Fleckengruppe herumwanderte, eine etwas größere Protuberanz und ein kleines Flaregebiet beobachten konnte. Insgesamt zählte ich 14 Protuberanzen, die meisten waren aber eher klein, aber häufig. Auf der Sonne gab es erstaunlich wenig Filamente (ich kam grad mal auf 6 Stück) und nur fünf Flaregebiete.

Das Ausmaß der Protuberanz war zwar ganz nett, aber kaum mit dem während eines richtigen Maximums zu vergleichen. Hätte es beispielsweise in dem Maximumsjahren 1979 und 1980 schon Personal Solar Telescopes (PSTs) gegeben, würden die mehrere Millionen Kilometer langen Materiebögen weit über das Gesichtsfeld im OKular herausreichen. So aber sind die derzeit zu beobachtenden Protuberanzen eher ein müder Abklatsch dessen, was die Sonne hervorzubringen vermag. 

Die geringe Größe der Protuberanzen, die derzeit immer noch geringe Zahl der Fleckengruppen und die geringe Häufigkeit großer E- und F-Gruppen ein Jahr vor dem angenommenen Maximum läßt nur wenige Schlüsse zu: Entweder - und darauf deutet momentan alles hin - wird das Maximum des 24, Fleckenzyklus eines der geringsten der letzten 100 Jahre, oder das Maximum kommt nicht Ende 2013, sondern vielleicht erst 2014 - sehr zum Ärgernis mancher Weltuntergangsfantasten, die das Maximum der Sonnenaktivität im Dezember 2012 erwartet hatten.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Sonne am 07.10.2012

Nach zwei Tagen ohne die Möglichkeit einer Beobachtung - als es gestern Nachmittag aufklarte, hatte ich gerade eine Führung auf der Bergedorfer Sternwarte -, war der Himmel über heute zum ersten Mal seit gefühlten Wochen mal völlig klar. Nach Durchzug einer Wolkenfront klarte es auf und bescherte sogar ein recht anständiges Seeing.

Doch der Blick durch das Fernrohr war enttäuschend, gerade mal drei Gruppen - eine C, eine H und eine J) - waren auf der Südhalbkugel zu sehen. Derzeit kann man eher den Eindruck gewinnen, sich im Minimum statt auf dem Weg zum Maximum in etwa einem Jahr zu befinden. Und schon mehren sich erste Prognosen, die das Maximum sogar erst 2014 sehen.

Im H-Alpha war die Sonnenaktivität am heutigen Tage ebenfalls eher gering. Das chromosphäreische Netzwerk war gut auszumachen, aber ansonsten war die Aktivität eher gering. Zwar konnte ich 11 - ausgesprochen mickrige - Protuberanzen zählen, aber nur drei Flaregebiete und fünf Filamente, davon zwei etwas auffälliger am Westrand, wo die Weißlicht die AR 11582 zu sehen war.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Sonne am 04.10.2012

Das war heute so ein typischer Herbsttag mit Dauerregen bis in den Nachmittag und die Sonne kam erst heraus, als sie hinter dem Hochhau im Westen stand. Dem folgte dann ganz schnell noch mal ein Sturzbachregen, doch dann klarte es von Nordwesten her auf.

Die Sonne stand mittlerweile bedrohlich tief über einem Baum, doch war der Himmel mit einem Mal richtig klar und tiefblau. Dementsprechend war auch das Seeing, nämlich grottenschlecht. Nach Durchzug der Regenfront war die Luft so aufgewühlt, dass der Sonnenrand beständig vor sich hin waberte, dafür waren aber die Flecken auf der Oberfläche ganz gut im Weißlicht zu sehen. Eine Trennung zwischen Umbra und Penumbra war einwandfrei möglich, doch wies die Sonne auch heute nur die gleichen vier Gruppen von gestern auf. Fackelgebiete am Rand waren nur schwer zu erkennen.

Dieses Mal wagte ich es, auch das PST aufzustellen - prompt, quasi als Strafe, fiel der Objektivdeckel aus dem 2. Stock rein in die Botanik vor dem Haus und sofort nach der Beobachtung eingeleitete Suchmaßnahmen verliefen bislang ergebnislos.

Das miserable Seeing machte sich im H-Alpah leider deutlich bemerkbar. In Wellen lief die schlechte Luft durch das Bild und nur mit sehr viel Mühe sah ich 11 Protuberanzen, vier Filamente und vier helle Flaregebiete. Ein Drehen des Filters brachte kaum eine Verbesserung des Bildes und der Sonnenrand wallte im H-Alpha noch stärker als im Weißlicht, so verschwanden auch immer wieder Einzelheiten während der Beobachtung und tauchten kurz danach wieder auf. Aber mann kann dieser Tage schon froh sein, wenn man unser Tagesgestirn überhaupt zu Gesicht bekommt.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Sonne am 03.10.2012

Im Herbst und Winter im Norden die Sonne beobachten zu wollen, ist schon sehr anspruchsvoll, wie ich heute wieder erleben durfte. Aus Richtung Südwesten kamen mehrere wolkenfreie Gebiete in der ansonsten geschlossenen Wolkendecke heran. Doch fast jedes Mal, wenn dieser Bereich die Sonne erreichte, gingen sie entweder an ihr vorbei oder andere Wolkenschichten bemühten sich rasch, die Lücke zu schließen.

Das passierte heute schon ein paar Mal sehr erfolgreich. So wurde aus vermeintlich großen, wolkenfreien Streifen, meist nur ein winzige "Löchlein", das den falschen Kurs nahm. Bei der ersten großen Lücke hatte ich meinen 80/400er-Refraktor aufgebaut und als ich damit fertig war und das Instrument auf die Sonne ausrichten wollte, war alles zu. Aber es kündigten sich weitere Wolkenlücken an, sodass ich das nur grob ausgerichtete Teleskop auf der Fensterbank stehen ließ. Eine richtig große Lücke kündigte sich wenige Minuten später an und als ich durch langsam dünner werdenden Wolkenschleim die Sonne beobachtete, musste ich feststellen, dass dieser sich rasend schnell ausbreitete und sich der breite Wolkenstreifen abermals schloss, danach kamen nur noch dicke, dunkle Wolken. 

Dennoch konnte ich in dem Wolkenschleier die vier Gruppe sehen, die heute auch vom Sonnenobservatorium Kanzelhöhe erfasst wurden. Allerdings ist meine Klassifikation eine leicht andere: neben zwei H-Gruppen sah ich eine B und eine randnahe C in einem größeren Fackelfeld.

Damit war auch schon binnen einer gefühlten Minute die Gelegenheit zur Beobachtung auch schon wieder vorbei. Selbstredend, dass dabei das PST nicht mehr zum Einsatz kam.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Die Sonne im September 2012

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Die Sonnenaktivität im September war im Großen und Ganzen betrachtet eher durchschnittlich. Dabei sah es am Anfang eigentlich nach einem kleinen Aktivitätsschub aus, der auch dringend nötig wäre, um das Maximum im kommenden Herbst – es wurde just in diesem hier zu besprechenden Monat von Frühling auf Herbst 2013 verschoben – noch zu erreichen.

Hervorstechende Region war die AR 11560, die am 1. noch als D-, einen Tag später aber schon als E-Gruppe klassifiziert werden konnte. Sie war am 31. August erstmals zu sehen gewesen und hatte sich rasch weiter entwickelt und stand nun in der Nähe der Sonnenscheibenmitte. Begleitet wurde sie indes von einer Vielzahl kleinerer Gruppen, die den Klassen C, D und H angehörten. Darunter war auch die AR 11564, erstmalig sichtbar gewesen am 1. September, als sie um den Ostrand der Sonne herum rotierte.

Die Längsausdehnung der beiden großen Gruppen konnte aber auch dazu führen, dass 11560 als F- und 11564 noch als D eingestuft wurde. Das wurde in den kommenden Tagen aber eindeutiger. Doch schon am 5. zeigten sich bei der AR 11564 erste Auflösungserscheinungen, die Penumbren nahmen genauso wie die Zahl der Einzelflecken von Tag zu Tag ab, dennoch hielt sie ihre in heliographischen Graden gemessene Länge.

Und wieder einmal konnte man erleben, wie nicht nur große Gruppen regelrecht auseinander brachen, sondern dass danach auch wieder kaum neue Fleckengruppen im Osten erschienen. Mit der Sonnenrotation verschwanden allmählich die Gruppen am Westrand, oder hatten sich schon vorher aufgelöst. Die AR 11560 war am 7. nicht mehr zu sehen und die Zahl der noch vorhandenen Regionen ging auf vier zurück. In der Nacht vom 9. auf den 10. war dann auch sie innerhalb kürzester Zeit quasi Geschichte: Am ersten Tag war sie noch vollständig als E-Gruppe erhalten, einen Tag später war der nachfolgende Teil der Feckenupe plötzlich verschwunden und übrig blieb nur noch eine aus den Flecken des voranschreitenden Teils gebildete D-Gruppe.

An der Gesamtzahl der Gruppen änderte sich danach nicht mehr viel und verharrte zwischen 5 und 7. Die AR 11569, am 12. als kleine D-Gruppe am Ostrand erstmals sichtbar, war schon ab dem 13. als E eingestuft worden, was aber nur ihrer Längsausdehnung und nicht der Komplexität der einzelnen Gruppenteile zu verdanken ist, denn nur ganz vorne und ganz hinten gab es je eine Penumbra, die überdies nicht  mal kompliziert gestaltet war. Sie überlebte den 16. nicht und war auch, wie schon die AR 11569, eine aus Resten gebildete C-Gruppe, da sie alle übrigen Teile verloren hatte.

Die am 18. um den Ostrand herum gekommene AR 11575 wurde ab dem 21. sowohl von der  Kanzelhöhe als auch von der NOAA gleichermaßen als E-Gruppe eingestuft, doch schien sie im Fernrohr dafür viel zu kurz zu sein. Hier hat man sich offenbar durch die „etwas“ komplexeren Penumbrastrukturen irritieren lassen. Während die NOAA die AR 11575 bis zum 26. durchgehend als E sah, teilte sie die Kanzelhöhe ab dem 22. In drei Gruppen auf (H, C und J), was nicht immer nachvollziehbar war. Allerdings war das Gebiet auch so chaotisch, dass man nicht mal die Achslage der bipolaren Gruppen als Kriterium heranziehen konnte. Am 24. sah die Kanzelhöhe hier sogar zwei D und eine C-Gruppe: eine Aufteilung, der man sich durchaus anschließen konnte, wenn man die unterschiedlichen Ausrichtungen berücksichtigte. Die nächsten Tage war dann zu beobachten, wie sich die drei Gruppen immer weiter voneinander entfernten und der Abstand zwischen dem ehemals voranschreitenden und dem nachfolgenden Teil immer größer wurde. Unverständlich, warum die NOAA die Gruppe dann nicht als F klassifiziert hatte. Dafür kam die Kanzelhöhe am 26. auf die Idee, die hintere der drei Gruppen der Klasse E zuzuordnen, was weder mit der Länge, noch mit der Komplexität der Penumbren in Einklang zu bringen war.

Einen Tag später hatte das Rätselraten aber ein drastisches Ende: Aus zwei C und einer E wurden eine H- und zwei J-Gruppen, der Rest hatte sich praktisch verflüchtigt. Die Penumbren waren aufgelöst und die Einzelflecken verschwunden. Für den Rest des Monats waren dann nur noch die beiden dicht aufeinander folgenden Regionen 11582 und 11583, eine C- und eine H-Gruppe auffallend, die durch ihre großen und dennoch einfach gestrickten Penumbren dem Beobachter sofort ins Auge fielen.

Der Blick auf die Chromosphäre offenbarte am Monatsanfang eine nur sehr geringe Flareaktivität, die über die Klasse c nicht hinausging. Der erste, etwas kräftigere Ausbruch, fand am 6. um 4:13 UT statt, als ein M1-Röntgenflare aus der AR 11560 aufstieg, der aber nicht erdwärts gerichtet war. Die Gruppe, obwohl ausgedehnt und als E klassifiziert, war im Hα auffallend inaktiv. Sie war nur in der Lage, b- und c-class-Flares hervorzubringen, für die höheren Klassen fehlte ihr offenbar - nicht nur im sprichwörtlichen Sinne - die Energie, oder besser: die hohe Magnetfeldstärke. Dafür stieg am 8. zwischen den Regionen 11564 und 11562 ein lang anhaltender M1-Flare auf, dessen Teilchenstrom sich aber auch nicht in Richtung Erde aufmachte.

Am 9. produzierte die AR 11564 einen weiteren M1-Flare, der seinen Höhepunkt um 22:36 UT erreichte. Überdies eruptierte  schon am Vormittag gegen 10 Uhr ein großes Filament im Südostquadranten der Sonne, was zu einem ordentlichen CME – dem ersten des Monats – führte. Die Teilchen strömten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 420 km/s ins All, gingen aber auch am Erdmagnetfeld vorbei. Am 13. gab es ein weiteres explodierendes Filament, dass auf der Nordhalbkugel der Sonne einen CME mit einer Teilchengeschwindigkeit von 536 km/s hervorbrachte.

Am 21. registrierten die SOHO-Sonden zwei kräftige koronale Massenauswürfe, allerdings auf der erdabgewandten Seite der Sonne. Über der AR 11577 auf der Nordhalbkugel – im Weißlicht war sie als unescheinabre C-Gruppe zu sehen – stand schon seit Tagen ein Filament, dass sich nun am 27. um 23:57 auflöste und einen mageren C1-Flare entstehen ließ, dem am 28. um 0:18 und um 0:30 UT je ein CME folgte, der dieses Mal sogar erdwärts ausgerichtet war. Allerdings vermischten sich beide und so wurde die Gesamtgeschwindigkeit von 1034 km/s auf 872 km/s reduziert. Die Teilchen kamen daher erst am 30. um 22:15 Uhr im Erdmagnetfeld an. Immerhin: Es gab ein leicht fotografisches Polarlicht, in Südschweden wurde ein Substorm fotografiert – und in den USA und Kanada war trotz Vollmond viel zu sehen …

Montag, 1. Oktober 2012

Sonne am 01.10.2012

Einen strahlend blauen Himmel über Hamburg hatte man in diesem Jahr nicht so oft, dafür aber am heutigen 1. Oktober. Allerdings musste ich - durch jahreszeitlich bedingtem tieferen Sonnenstand und immer frühere Sonnenuntergänge - bis etwa 17:20 Uhr warten, bis unser Tagesgestirn neben meinem Hochhaus in Richtung Westen herauskam. Das wird noch etwa zwei Wochen so gut gehen, dann geht es vom Hochhaus direkt hinter die Bäume und irgendwann Ende des Monats geht man im Dunkeln zur Arbeit und kommt im Dunkeln wieder. Noch profitiere ich ein wenig von der Sommerzeit, doch wenn die am letzten Sonntag im Oktober zu Ende geht, kann ich nur noch am Wochenende beobachten und Mitte Dezember das dann oft auch nicht mehr.

Immerhin gelang mir heute eine Beobachtung, allerdings zogen ständig leichter Wolkenschleim durch und verhinderte eine wirklich gute Sichtung auf die Flecken im Weißlicht. Da aber gab es gegenüber gestern nicht wirklich viel Neues zu sehen: Es sind weiter nur fünf Gruppen auf der Sonne, eine war am Westrand wegrotiert, dafür ist eine neue C-Gruppe hinter den beiden H-Gruppen entstanden. Die dort noch vorhandenen Regionen waren bei "Wabbelseeing" und "pumpender Oberfläche" nur schwer auszumachen, aber grenzertig sichtbar.

Schlimmer noch war es im H-Alpha: Das PST zeigte nur eine Matschsonne und man konnte zunächst überhaupt nicht scharfstellen, eine Protuberanz oder ein Filament erkennen. Je tiefer die Sonne sank, desto mehr schob sich eine Wolkenzunge davor, die Sonne immer knapp drin - der "Resthimmel" war stellenweise völlig wolkenlos. Dann aber zeigte sich eine Lücke in der "Zunge" und für etwa zwei Minuten verbesserte sich schlagartig das Bild im PST. Die beiden großen Protuberanzen, die ich gestern Mittag noch sehen konnte, waren nicht mehr vorhanden. Sieben Protuberanzen, sieben Filamente (zwei davon groß und mit geschwungenen Bögen) und sechs Flaregebiete, das war die Bilanz des heutigen Tages.

Wann die nächste Sonnenbeobachtung möglich sein wird, bleibt abzuwarten, denn nun soll es erstmal wieder regnerisch und stürmisch werden, wie so oft, wenn ich am 1. Oktober beobachten kann. Dem folgen dann meist viele Ausfalltage.

Sonntag, 30. September 2012

Sonne am 30.09.2012

Am letzten Tag des Monats gab es endlich mal richtigen Sonnenschein über Hamburg. Doch der Herbst macht sich nicht nur durch die zunehmend geringer werdenden Nacht- und Tagestemperaturen, sondern auch durch den sich rasch verkürzenden Tagbogen der Sonne bemerkbar. Die Folge: Sie geht immer später und immer weiter südlich auf, sodass ich erst einmal warten musste, bis sie hinter den Bäumen und Häusern meiner Gegend herauskam. Da muss man immer Zittern und Bangen, ob das Wetter auch in seiner ständigen Unbeständigkeit so lange halten würde. Doch es gelang. Die Sonne war unter die Äste gerutscht und ich konnte sie doch noch - bei allerdings nur eher durchschnittlichem Seeing - beobachten.

Doch ich wurde für das Warten entschädigt. Im Weißlicht waren immer noch die gleichen H-Gruppen wie gestern zu sehen, allerdings hatte die C-Gruppe alle penumbralosen Einzelflecken verloren und die D-Gruppe war teilweise hinter dem westlichen Sonnenrand verschwunden, sodass ich heute eine randnahe D, zwei H und zwei J sah.

Inzwischen rief mich ein Freund an, und fragte nach, ob ich schon beobachtet hätte. Während des Telefonats baute ich meinen 80/400er Refraktor auf seinem Tischstativ auf und fand die Gruppen. Noch während des Gesprächs wechselte ich die Instrumente und setzte das PST auf das Stativ.

Im H-Alpha waren wieder 11 Protuberanzen, 7 Filamente und 8 helle Flaregebiete zu sehen. Am beeindruckendsten war dabei eine große aufsteigende Protuberanz, die die Form eines aufrecht stehenden "Männchens" angenommen hatte und weit über en Sonnenrand hinausreichte. Eine weitere große Protuberanz hatte eine typische Bogenform. Eine dritte, schwächere, dieser genau gegenüber, sah ebenfalls, bedingt durch die Magnetfelder, auf der sie saß, nach einem großen Bogen aus.

Was mir auffiel: Gestern und heute gab es auffallend wenig Filamente, nur zwei große, die einander gegenüber standen. Dafür waren in dem Gebiet, wo sich die Aktiven Regionen 11575 bis 11577 versammelten, viele Flaregebiete anzutreffen. Die hatten das Potenzial für Flares, die aber nicht erdgerichtet gewesen wären.

Die Größe der drei heutigen Protuberanzen ist zwar ganz schön, aber nicht mit der früherer Jahre zu vergleichen, so sie groß waren, dass sie nicht zusammen mit der Sonne ins Gesichtsfeld des PST gepasst hätten.