Mittwoch, 11. Januar 2012

Die Sonne im Dezember

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Weißlicht:
Als Überbleibsel vom letzten Monat waren am 1. Dezember noch 7 Fleckengruppen auf der Sonne vorhanden. Dabei hielt die NOAA zunächst noch an ihrer Einteilung der AR 11356 als F-Gruppe fest, obwohl anhand der Zeichnung der Kanzelhöhe ersichtlich ist, dass an diesem Tage zwar viele Aktivitätsgebiete zu sehen waren, aber eben keine der höchsten Waldmeierklasse. Erst am 2. stufte auch die NOAA diese Gruppe auf die – realistischere – Klasse C zurück. Das vergleichsweise hohe Niveau der Sonnenaktivität wurde in den kommenden Tagen noch ein wenig gesteigert. Die Relativzahlen der Vergleichsreihe vom S.I.D.C. überschritt gleich an mehreren Tagen die 100er-Marke und auch die Fleckengruppen erreichten höhere Entwicklungsstufen. Das lag aber zum wiederholten Male an einer Vielzahl von Fleckengruppen, als an deren Klasse. Schließlich ist bei der Bildung der allgemein verwendeten Wolfschen Relativzahl die Zahl der Gruppen der gewichtigere Faktor, da deren Zahl verzehnfacht wird.

Gleichwohl erreichten die Aktiven Regionen 11362 und 11363, die am 29. bzw. 30. November um den Ostrand herum rotierten, am 4. bzw. 3. Dezember die Klasse E. Doch schon am Nikolaustag war die AR 11362 auf die Stufe D zurückgefallen, während das bei der AR 11362 aber lt. NOAA erst am 9. der Fall war. Die in dieser Zeit – witterungsbedingt – sehr spärlichen Zeichnungen der Kanzelhöhe weisen aber schon für den 6. Dezember keine E-Gruppe mehr auf. Daneben entwickelten sich – teilweise in rascher Folge – Gruppen der Klassen A bis D, die aber oft nur für wenige Tage oder Stunden zu sehen waren. Der Höchststand der Sonnenaktivität wurde bereits am 10. erreicht, als die NOAA 9 und die Kanzelhöhe 12 Gruppen zählten. Von da an ging es stetig und kontinuierlich bergab mit der Sonnenaktivität. War der November noch ein relativ aktiver Monat, der sogar den Oktober übertraf, so flaute das alles im letzten Monat des Jahres 2011 insgesamt und besonders in der zweiten Monatshälfte sehr deutlich ab. Der Tiefpunkt wurde nach S.I.D.C.-Angaben am 15. mit einer Relativzahl von 38 erreicht, einen Tag später sahen die NOAA und die Kanzelhöhe mit 3 bzw. 5 Gruppen die geringste Aktivität. Danach stieg die Zahl der Fleckengruppen auf Zahlen zwischen 5 und 8 (NOAA) bzw. 5 und 12 (Kanzelhöhe) wieder an. Die AR 11386, die am Heiligen Abend erstmals am Ostrand als H-Gruppe zu sehen war, entwickelte sich in den Folgetagen ziemlich rasch zur E-Gruppe.

Diesen Stand erreichte sie schon am 27., fiel aber schon einen Tag später auf die Klasse D zurück, woran sich bis zum Jahresende dann aber nicht mehr viel ändern sollte (NOAA), während die Kanzelhöhe sie weiterhin als E-Gruppe bezeichnete. Am 29. konnte man auf der Südhalbkugel die neue AR 11389 finden. Sie wurde von der NOAA als D Klassifiziert (für diesen Tag liegt keine Zeichnung aus Österreich vor). Am 30. soll sie lt. NOAA zur Klasse E aufgestiegen sein, was auch für den 31. gelten sollte, die Zeichnungen der Kanzelhöhe sagen aber etwas anderes aus, denn dort gab es keine höherklassigen Fleckengruppen an den letzten beiden Tagen des Jahres 2011.

Hα:
Im Gegensatz zum Weißlicht war die Sonnenaktivität im Hα eher gering, die Ausbrüche gingen bis zum 11. nicht über die Klasse c hinaus, obwohl schon ein PST eine erhebliche Zahl von Aktivitätsherden offenbarte. So erreichte die Hα-Relativzahl der Zeitschrift interstellarum fast durchgängig hohe Werte, was aber auch damit zusammen hängt, dass bei der Ermittlung Protuberanzen, Filamente, Plages und Flares mit einbezogen werden. Im Dezember wurde ein Mittelwert von 304,69 bei 19 Beobachtungstagen gebildet. Filamente zeigen sich nicht nur oft als über der Sonnenscheibe schwebende, filigran gezeichnete Strukturen, aus ihnen können aber bei entsprechenden magnetischen Aktivitäten innerhalb des Magnetfeldschlauches auch durchaus heftige Eruptionen hervorgehen. So geschehen am 11. Dezember, als um 6 Uhr UT ein immerhin 40 heliographische Grade langes Filament auf der Nordhemisphäre plötzlich aufstieg und ins All hinaus eruptierte, gefolgt von mehreren kleineren koronalen Massenauswürfen aus dem gleichen Gebiet. Bis zum 25. musste man nach einer ganzen Reihe von c-Flares auf ein größeres Ereignis warten (wobei auch die Protuberanzen in dieser Zeit durchaus sehenswert waren).

Am 1. Weihnachtsfeiertag um 18:16 UT entstand aus der noch sehr randnahen und daher für das Erdmagnetfeld uninteressanten Region 11387 ein M4/1N-Flare ohne einen CME. Ein weiter westlich stehendes eruptives Filament hatte da theoretisch schon mehr Potential, aber auch hier vermochten die mit 400km/s davonfliegenden Teilchen nicht, das Erdmagnetfeld in heftige Wallungen zu versetzten und somit Polarlichter zu generieren, die man auch in unseren Breiten hätte sehen können.

Die AR 11387, im Weißlicht gar nicht mal so auffällig geworden, war im Hα dann aber das genaue Gegenteil. Am 25. folgten dem Flare noch eine weitere eruptive Protuberanz, am 26. um 20:30 ein M2/Sf, und am 27. zusammen mit der AR 11386 eine ganze Reihe von c-class-Flares. Die AR 11389 brachte am 29. um 13:50 UT einen M1/1F- und um 21:51 UT einen M2/Sf-Flare zustande. Sie produzierte am 30. um 3:09 UT einen M1/Sn-Flare und am Silvestertag nochmals zwei: M2/Sf (13:15 UT) und M1/1f (16:26 UT). Damit ging das Jahr 2011 im roten Wasserstofflicht nicht nur recht turbulent zu Ende, das war auch der Auftakt zu einigen Aktivitäten am Beginn des Jahres 2012, worüber im nächsten Monat mehr zu berichten sein wird.

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