Mittwoch, 15. Februar 2012

Die Sonne im Januar 2012

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Weißlicht:
Der Anblick der Neujahrssonne war schon beeindruckend, zeigte aber nur wenig Veränderungen gegenüber der Silvestersonne. So begannen Jahr und Monat mit fünf Fleckengruppen, von denen der Komplex rund um die AR 11389 am interessantesten war. Hier offenbarten sich wieder einmal die unterschiedlichen Ansichten bei der Klassifikation von Sonnenfleckengruppen. Für die NOAA war es eine E-Gruppe, für die Kanzelhöhe eine C und eine D. Betrachtet man die Zeichnung der Österreicher von diesem Tage, so könnte man aufgrund der Achslage der beiden Fleckengruppen zueinander eher der Einteilung der Kanzelhöhe folgen. Und während man dort bei der Einteilung in zwei Gruppen blieb, sah die NOAA die AR 11389 am 2. als F-Gruppe an. Allerdings passen die Magnetogramme für diesen Tag auch eher zu zwei, als zu einer Gruppe. Dafür viel bei der NOAA die Zahl der Fleckengruppen auf drei ab und blieb bei der Kanzelhöhe bei fünf. In den folgenden Tagen stieg die Fleckentätigkeit erst einmal wieder ordentlich an, täglich kamen neue Gruppen hinzu, aber nur solche der unteren Waldmeierklassen A bis D. Die immer noch sehr aktive AR 11389 zerfiel am 6. Januar nach NOAA-Angaben zur Klasse C und war am 8. nur noch als randnahe H-Gruppe zu sehen, bis sie nach dem 10. nicht mehr gesehen wurde. In dieser Zeit nahm gleichzeitig die Zahl der Fleckengruppen wieder deutlich ab: ein neuerlicher Einbruch der Sonnenaktivität stand bevor, der bis zum Monatsende anhalten sollte. Die am 6. erstmals als D-Gruppe am Ostrand aufgetauchte AR 11393 entwickelte sich langsam, aber stetig zur E-Gruppe. Dieses Mal waren sich Kanzelhöhe und NOAA einig: Beide sahen dieses Gebiet ab dem 10. als E an und auch die ihr vorangehende AR 11391, die am 3. um den Ostrand herumgekommen war, stieg plötzlich zur Klasse E auf, sodass am 10. Februar zwei westlich stehende E-Gruppen und eine weit im Osten sichtbare C-Gruppe das Antlitz der Sonne prägten. Allerdings fiel die AR 11391 schon einen Tag später auf die Stufe D zurück und verschwand dann am 13. am Westrand der Sonne. Die AR 11396 bis 11398 erschienen einen tags darauf und gehörten alle der Klasse D an. Sehr schön war ihre Wanderung über die Sonne in den kommenden Tagen zu verfolgen, da sie kaum Veränderungen zeigten. Lediglich ihre penumbralen Strukturen waren einem steten, aber unspektakulären Wandel unterworfen. Am 15. kamen vier weitere Fleckengruppen hinzu, am 16. eine und am 17. zwei. Die Kanzelhöhe sah dann am 16. zwölf und am 17. neun Gruppen. Und diese hatten es buchstäblich in sich: Die am 15. als H-Gruppen dich am Ostrand zu beobachtenden AR 11401 und 11402 konnten am 16. als D- und ab dem 17. als E-Gruppen gesehen werden, die fast gemeinschaftlich über die Nordhalbkugel wanderten. Beide wiesen weitschweifige Penumbren auf, die aber binnen Stunden leichte Veränderungen – bei hochaktiven Gruppen ein ganz normaler Vorgang – aufzeigten. Schon einen Tag später ergab sich ein vollkommen anderes Bild: Die AR 11401 hatte ihre Längenausdehnung vergrößert und war zur F-Gruppe geworden, während der AR 11402 die Puste ausging und sie sich zur D zurück entwickelte. Ab dem 18. nahm dafür die Aktivität der übrigen Gruppen stark ab, deren Zahl ging bis zum 21. so weit zurück, dass an diesem Tage nur noch insgesamt vier Gruppen gefunden werden konnten, die noch dazu ausschließlich im Umfeld der beiden großen Regionen zu finden waren. An diesem Bild änderte sich bis zum Monatsende nicht mehr viel. Der ganze Komplex wanderte, unter zunehmenden Auflösungserscheinungen, in Richtung Westrand und nur gelegentlich entstanden neue Gruppen oder es rotierten welche um den Ostrand herum. Die AR 11402 zerfiel zusehends und gehörte ab dem 24. nur noch zur Klasse C, während die AR 11401 bis zum 26. konstant bei E blieb und danach auf die Stufe D zurück fiel. Am 27. war die AR 11401, am 29. die AR 11402 verschwunden. Da kaum neue Fleckengruppen nachkamen, gab es an jenem Tag nur noch drei Gruppen zu sehen, zwei der Klasse H und eine unscheinbare A-Gruppe. Am 30. kamen drei kleine B-Gruppen hinzu, die sich am 31. kaum verändert hatten. So endete der erste Monat des Jahres 2012 mit insgesamt 22 neuen Fleckengruppen, was eher niedrig bis durchschnittlich zu bewerten ist.

H-Alpha
Es ist kein großes Geheimnis und wer im Minimum regelmäßig im H-Alpha beobachtet hat, wird es bestätigen können: Auch wenn im Weißlicht fast nichts los ist, kann es trotzdem im Wasserstofflicht richtig interessant sein. Die ersten Januartage schienen diesem Beobachtungsbefund allerdings widersprechen zu wollen, denn die Aktivität im H-Alpha war eher gering und die wenigen Flares kamen nicht über die Stufe c hinaus. Es gab zwar durchaus Eruptionen mit einem koronalen Massenauswurf, aber entweder war dieser nicht zur Erde hin ausgerichtet, oder so schwach, dass man in unseren Breiten keine Polarlichter sehen konnte. Am 14. kam endlich wieder Bewegung in die Sache: Um 13:18 UT wurde aus der AR 11401 heraus ein M1-Röntgenflare beobachtet, der aber nicht erdwärts gerichtet war. Das gilt auch für den M1/1n-Flare, der am 17. um 4:53 UT in der gleichen Region entstand. Ihm folgte am 18. Um 19:12 UT ein weiterer M1/1n-Ausbruch. Am 19. kam endlich auch die AR 11402 in die Gänge und produzierte ein intensiven und über fünf Stunden anhaltenden M3/2-Flare, dess Höhepunkt um um 16:05 UT erreicht wurde. Der Ausbruch war mit einem Typ IV-Radiosturm sowie einem kräftigen koronalen Massenauswurf verbunden war. Zwei Radioausbrüche mit Geschwindigkeiten von 933 km/s (12:52 UT) und 694 km/s (19:33 UT) folgten aus der AR 11401. Und in der Nacht vom 21. auf den 22. konnte, wer mit dem Wetter Glück hatte, an der Ostseeküste ein schwaches Polarlicht mit einigen Streamern sehen. Aus zwei Plages – das sind helle Zonen in der Chromosphäre rund um Aktivitätsgebiete, die mit den Fackeln im Weißlicht gleichzusetzen sind – stiegen am 20. um 21:12 UT und um 23:33 UT Radiostürme der Klassen II und IV mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 945 km/s auf, waren aber nicht erdwärts gerichtet. Am 23. produzierte die AR 11402 ab 3:59 UT einen weiteren, multifrequenten Flares samt CME und einem Frequenzgang zwischen 25 MHz und 15,4 GHz. Die Hoffnung war groß, dass der Ausbruch, schön zentral gelegen, endlich auch mal Polarlichter über Deutschland erzeugen würde. Leider geschah in der Nacht vom 24.auf den 25. rein gar nichts: Man war froher Erwartung, doch trotz hoher Teilchengeschwindigkeit und großer Teilchendichte war es wohl so, dass der Sturm nördlich am Erdmagnetfeld vorbei ging und man wieder nichts sah. Allerdings gab es vereinzelt – meist unsichere – Meldungen aus dem Ostseeraum, wo man bis zu einer maximalen Höhe von 10° über dem örtlichen Horizont leichte Verfärbungen gesehen hat oder haben will, die einem Polarlicht zugeschrieben wurden. Es hat aber wohl ein sehr schwaches fotografisches Polarlicht gegeben, doch die vorliegenden Ergebnisse lagen nur ganz knapp über dem Bildrauschen. Nach einigen kleineren koronalen Massenauswürfen brachte die AR 11402 am 27. um 18:37 UT einen X1/1f-Flare, verbunden mit einem Typ IV-Radiosturm hervor, der trotz seiner 1523 km/s aufgrund seiner Position nahe des Westrandes das irdische Magnetfeld nicht mehr zu beeinflussen vermochte. Bis zum Ende des Monats nahm die Zahl der Ausbrüche wieder ab und man hoffte vergebens auf große Polarlichter auch in unseren Breiten.

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