Donnerstag, 29. März 2012

Sonne am 28.03.2012

Bei leicht diesigem Himmel waren die Beobachtungsbedingungen eher durchschnittlich. Man ist zwar gewohnt, bei leichtem Dunst und Nebel aufgrund der gleichmäßigen Schichtung der Luft auf gute Verhältnisse anzutreffen. Das ist aber nicht immer so. Wie an diesem Tag. Die Momente wirklich klarer Luft mit guter Durchsicht waren rar gesät, boten dann aber einen Blick auf davor nicht gesehene kleinere Fleckengruppen, die am Ost- und Westrand inmitten von Fackelfeldern standen. Manchmal hatte ich den Eindruck, ganz grob die Granulation zu sehen. Das aber ist in meinem kleinen 80/400er Refraktor nicht möglich. Das beobachtete Gekrissel ist eher die Supergranulation, auf jeden Fall aber ein Hinweis auf eine doch ganz gute Transparenz der Luft, die aber immer nur für wenige Augenblicke anhielt.

Bei den Flecken im Weißlicht hatte sich gegenüber  gestern fast nichts verändert. Am Ostrand war eine neue B-Gruppe erschienen, die F-Gruppe hatte eher ein paar der kleineren Flecken verloren, zeigte aber bei den Penumbren so gut wie keine Veränderungen. Wie schon am Vortag gelang mir auch heute keine gesicherte Beobachtung der der AR 11444 nachfolgenden Gruppe, die von der Kanzelhöhe mit den größeren Teleskopen dort erfasst wurde.

In Momenten guten Seeings meinte ich zwar ansatzweise, etwas zu erkennen. Da ich das aber nicht verifizieren, die Sichtung nicht bestätigen konnte, hatte ich die Gruppe nicht mitgezählt. Man sollte Fleckengruppen – analog zur Deep Sky-Beobachtung – immer nur dann wirklich zählen, wenn man sie mehrfach aufgesucht und eindeutig wiedergefunden hat. Alles andere könnte eine Täuschung des Auges durch Blendeffekte etc. sein. Selbst wenn die Zeichnung oder Fotografie an der bewussten Stelle eine Fleckengruppe ausweist, sollte man sie nicht bei der Relativzahlbestimmung berücksichtigen, wenn man sie nicht gesichert gesehen hat!

Der Umstieg auf das PST brachte eine Überraschung: War noch gestern die Aktivität im Hα eher moderat, hatte sie sich quasi über Nacht erheblich gesteigert. Ich kam beim Zählen auf 11 Protuberanzen, 21 Filamente und 4 chromosphärische Fackeln. Gleich mehrere größere Materiabögen waren zu beobachten. Im Süden gab es mehrere flach gedrückte Protuberanzen nebeneinander, im Norden eine, die wie eine Tanne aussah, im Osten mehrere kleinere und im Westen keine einzige. Dafür gab es sehr viele Filamente, die ausnahmsweise mal deutlich größer waren. Gleich sieben von ihnen entsprangen der F-Gruppe und griffen in die Umgebung der aktiven Region hinein. Bei der Region im Südosten konnte man wieder über den Sonnenrand hinausgehende Filamente sehen, ein immer wieder faszinierender Anblick. Das Seeing wurde übrigens im Laufe der Zeit besser und man konnte immer mehr Einzelheiten erkennen. Gegen Ende der Beobachtung kam im Vorfeld der heranrückenden Schlechtwetterfront heftiger Wind mit starken Böen auf, die eine für die Zeichnung sichere Beobachtung der Oberflächendetails verhinderte.

Sonne am 27.03.2012

Nachdem der gestrige Tag mit Sonnenschein begann und mit Hochnebel endete, sodass an eine Sonnenbeobachtung nicht mal zu denken war, sah es heute wesentlich besser aus. Der Himmel war leicht dunstig, was Probleme bei der Bildschärfe machte – zur Beruhigung des Bildes leistete die Wetterlage keinen nennenswerten Beitrag. Im Gegenteil: Der Kontrast war äußerst gering, was eine Trennung von Umbra und Penumbra erschwerte.

Insgesamt zählte ich fünf Fleckengruppen (bei der Kanzelhöhe waren es sechs): A1, F10, J1, D16, B4. Am bemerkenswertesten war dabei die AR 11445, die vorgestern noch als D-Gruppe zu sehen, heute aber eine F-Gruppe war. Sie war ein klassisches Beispiel dafür, dass die Gruppenzugehörigkeit ausschließlich dem Kriterium der Längsausdehnung unterliegt, denn die Gruppe war nur wenig komplex. Penumbren fanden sich nur im voranschreitenden und im nachfolgenden Teil der bipolaren Gruppe. Dazwischen gab es nur ein paar harmlose kleine Einzelflecken ohne Hofgebiet. Die hinter der AR 11444 liegende B-Gruppe (die von der NOAA keine Nummer erhalten hatte) konnte ich in meinem kleinen Refraktor nicht sehen.

Im Hα war nur wenig mehr Aktivität zu beobachten: in Richtung Südosten eine auffällige Bogenprotuberanz zu sehen, eine stabförmige am Ostrand, sowie ein paar kleinere. Ergänzt wurde das durch 4 chromosphärische Fackelgebiete und 14, zumeist kleinere, Filamente.

Dienstag, 27. März 2012

Beurteilen der Beobachtungsqualität bei Sonnenbeobachtungen

Da wir ja auf der Erde in einer Lufthülle sitzen, die uns das Leben auf diesem Planeten erst ermöglicht, müssen wir bekanntermaßen durch diese tellurische Schicht hindurch schauen, um Objekte im Weltraum zu beobachten. Das gilt in der Regel nicht nur für Deep-Sky-Objekte, sondern insbesondere auch für die flächenhaft wahrgenommene Sonne. Die Bewegungen der Luft führen oft zu Verschlechterungen der Beobachtungsbedingungen, die sich durch einen heftig wallenden Sonnenrand und scheinbar starken Oberflächenbewegungen – die nur durch die Unruhe der Erdatmosphäre verursacht wird – bemerkbar macht.

Die Ursache solcher Luftbewegungen sind in höchstem Maße unterschiedlich: Aufsteigende Wärmeblasen in der Luft (auch Seeing-Blasen genannt) entstehen, wenn die wärmenden Sonnenstrahlen auf kalten Boden treffen und aufsteigen. Geöffnete Fenster – wenn von drinnen nach draußen beobachtet wird -, das Wettergeschehen (z.B. im Vorfeld einer Schlechtwetterfront), die Bedingungen am Beobachtungsplatz usw. sind alles Gründe, die trotz tiefblauem Himmel dazu führen können, dass man kaum Einzelheiten auf der Sonnenoberfläche wahrnimmt.

Um die traditionell von Amateursonnenbeobachtern wahrgenommene Relativzahlbestimmung unter den Bedingungen örtlicher Gegebenheiten besser beurteilen zu können, wird, beispielsweise von der VdS-Fachgruppe Sonnedie modifizierte Kiepenheuer-Skala zur Bewertung der Luftqualität verwendet. Hinzu kommt noch ein Extrawert für die Qualität, der vor ein paar Jahren sinnvollerweise eingeführt wurde.

Im Einzelnen sind das die folgenden Skalen:

Ruhe
1  Keine Bildbewegung erkennbar, weder am Rand noch auf der Scheibe.
 Bildbewegung kleiner gleich 2 Bogensekunden (”), nur am Rand nachweisbar, auf der
    Scheibe meistens unbemerkt.
 Bildbewegung kleiner gleich 4”, gut am Rand und auf der Scheibe sichtbar, oder
    wallender, pulsierender Rand.
 Bildbewegung kleiner gleich 8”, verhindert nahezu die Unterscheidung zwischen
    Umbra und Penumbra (und damit die Schärfebeurteilung), stark wallender oder
    pulsierender Rand.
5  Bildbewegungsamplitude größer 8”, erreicht Durchmesser von Flecken,
    heftig pulsierender Rand.

Schärfe
 Granulation sehr gut sichtbar, Feinstrukturen in der Penumbra erkennbar.
 Granulation gut erkennbar, Penumbra gut sichtbar, aber nahezu ohne Feinstrukturen,
    Umbra-Penumbra-Grenze und Übergang zur Photosphäre scharf.
 Granulation nur andeutungsweise erkennbar, aber Strukturen der Oberfläche bei
    Bewegung des Sonnenbildes leicht nachweisbar, Umbra und Penumbra noch gut 
    trennbar, aber ohne Feinstruktur, Übergang zur Photosphäre schwer zu begrenzen.
 Granulation nicht sichtbar, Umbra und Penumbra nur noch bei großen Flecken
    trennbar. Übergang zur Photosphäre verwaschen.
Granulation nicht sichtbar, selbst bei großen Flecken kann zwischen Umbra und
    Penumbra kaum mehr unterschieden werden.

Qualität
 excellent/sehr gut – reserviert für Tage, an denen außergewöhnlich deutliche Details
    sichtbar sind.
G good/gut – durchschnittliche Sichtbarkeit von Oberflächendetails der Sonne,
    entsprechend den individuellen Erfahrungen und Gegebenheiten des
    Einzelbeobachters.
 fair/befriedigend – unterdurchschnittliche Bedingungen, aber noch keine wesentlichen
    Beeinträchtigungen.
 poor/schlecht – erhebliche Bildstörungen, die den Wert der Beobachtung stark
    einschränken.
W worthless/wertlos – Sichtbedingungen so schlecht, dass eine Auswertung der
    Beobachtung nicht sinnvoll ist.

Hierzu sind einige Worte notwendig, denn die Erfahrung lehrt, dass Beobachter sehr unterschiedlich mit den Werte für Ruhe und Schärfe umgehen. Da wäre zunächst mal das Kriterium der Sichtbarkeit der Granulation. In mittleren bis größeren Teleskopen kein Thema, in kleineren aber nicht zu erahnen. Beispielsweise sehe ich Ansätze der Granulation (eher der Supergranulation) in meinem kleinen 80/400er Refraktor nur an wirklich guten Tagen. Wenn man aber einen mittleren Tag erwischt, wo der Sonnenrand fast bewegungslos ist, man aber die Granulation instrumentell bedingt nicht sieht, kann die Kombination Ruhe = 2, Schärfe = 5, Qualität = P nicht hinkommen. Das muss miteinander korrespondieren. Gerade Besitzer kleinerer Instrumente haben zwar einerseits den Vorteil, dass sich hier schlechtes Seeing nicht ganz so bemerkbar macht, dafür sehen sie aber die Granulen nur sehr selten.

Daher bewerte ich hier ausschließlich die Sichtbarkeit der Flecken und lasse die Granulation gleich ganz außen vor. Einzelne Granulen haben einen Durchmesser von 1 bis 2 Bogensekunden, mein kleiner Refraktor löst aber nur 2 bis 3 Bogensekunden auf. Von daher kann man schon rechnerisch die Granulation nicht beobachten, höchsten an Tagen mit sehr gutem Seeing als feines Gekrissel.

Wie stark der Sonnenrand wirklich in Bewegung ist, müsste man penibel genau messen. Das übersteigt aber zumeist die Möglichkeiten der Amateure, weswegen die Beurteilung der Beobachtungsbedingungen eher eine Frage der Erfahrung und der richtigen Einschätzung ist. Die kann man im Laufe der Zeit und durch regelmäßiges Beobachten lernen. Allerdings sollte man bedenken, dass Unterschiede über 2 oder 3 Stufen zwischen Ruhe und Schärfe eher die ganz seltene Ausnahme und nicht die Regel sind.

Wesentliche Faktoren für die Bewertung einer Beobachtung sind neben den örtlichen Gegebenheiten die gesundheitliche Verfassung des Beobachters. Stress und Eile führen zu ungenauen Beobachtungen und einer verkehrten Einschätzung der Beobachtungsbedingungen. So übersieht ein von Eile getriebener Beobachter eher kleinere A- und B-Gruppen, als ein ausgeruhter, der sich Zeit für die Beobachtung genommen hat. Auch ist es – zumindest bei mir – so, dass ich nur u ganz bestimmten Zeiten beobachten kann, etwa, wenn die Sonne links oder rechts vom gegenüber liegenden Hochhaus steht. Abgehetzte Beobachtungen, wo ein Teil der Sonne schon hinter der Hausmauer verschwindet, sind eigentlich wertlos. Oder schnell noch eine Beobachtung, bevor es zur Arbeit geht, führt auch zu schlechten Ergebnissen.

Die Beobachtung ist naturgemäß vom Seeing abhängig. Dieses hat einen Tagesgang und je nach Beobachtungsplatz kann der sehr unterschiedlich sein. Das hängt davon ab, ob man auf dem flachen Land oder mitten in der Stadt beobachtet, wo man überdies noch mit im Weg stehenden Bäumen oder Häusern zu kämpfen hat. Die besten Bedingungen erhält man jedoch meistens 1 bis zwei Stunden nach Sonnenauf- und vor Sonnenuntergang. Um die Mittagszeit – für viele die einzige Möglichkeit, überhaupt das Tagesgestirn zu erwischen – ist das Seeing in der Regel am schlechtesten.

Es ist wie im richtigen Leben, man wird immer irgendwelche Kompromisse aus Beobachtungsplatz, zur Verfügung stehender Beobachtungszeit und Wetter finden müssen. Und wer nicht gerade neben einem Fabrikschlot beobachten muss, kann in der Regel gute und schlechte Beobachtungstage ausgleichen. Hier zählt dann aber mehr die Erfahrung.

Im digitalen Zeitalter besteht die Möglichkeit, sich aus dem Internet das jeweils aktuelle Sonnenbild herunterzuladen. Damit könnte man zum Fernrohr gehen und versuchen, nicht erkannte Sonnenflecken „nachzuzählen“. Das aber führt zu einer Verfälschung der eigenen Ergebnisse, denn wer will behaupten, mit einem kleinen 80/400er Refraktor das gleiche zu sehen, wie die Satelliten SOHO oder SDO? Allerdings kann bei etwas schlechteren Beobachtungsbedingungen ein Bild sehr hilfreich sein, um kleine Gruppen zu lokalisieren. Ein heikles Thema, denn eigentlich sollte man genau das nicht tun, andererseits mache ich es auch oft so, dass ich meine Beobachtung mit Satellitenaufnahmen oder den Zeichnungen der Kanzelhöhe vergleiche. Auch während der Beobachtung. Aber erst dann, wenn ich die Gruppe wirklich mit dem Auge halten kann, zähle ich sie mit. Gelingt das nicht, bleibt sie außen vor. Das könnte man auch als Verfälschung auslegen und ist eine Gewissensfrage, denn wenn ich vorher weiß, wo eine Gruppe zu finden ist, sehe ich sie eher, als wenn ich ihren Ort nicht kenne. Andererseits, wenn ich sie finde, kann sie mit meinem Fernrohr aufgelöst werden. Ein ganz schwieriges Thema, weil unterschiedliches Beobachtungsverhalten, mal Satellitenbild zu Rate ziehen, mal nicht, natürlich auch die Ergebnisse verfälscht. Und man muss sich fragen, inwieweit so ein Vorgehen noch wissenschaftlich ist. Das kann nur jeder für sich selbst beantworten.

Nur eines darf man auf gar keinen Fall: Beobachtungslücken durch die Auswertung von Satellitenbildern auffüllen. Die bessere Qualität der Bilder gegenüber den eigenen Beobachtungen führt zu stark schwankenden Auswertungsergebnissen, schlechten Korrelationskoeffizienten und dazu, dass man als Beobachter weniger ernst genommen wird. Hier sollte man sein eigenes Handeln überprüfen und überdenken, denn niemandem ist damit gedient, wenn auf diese Art wissenschaftliches Grundlagenmaterial verfälscht wird, auch wenn Satellitenbilder nicht für die Bestimmung von Relativzahlen herangezogen werden, sondern für andere Forschungsaufgaben verwendet werden.

Sonne am 25.03.2012

Am Tag nach dem Astronomietag wollte ich hochmotiviert an die tägliche Sonnenbeobachtung herangehen, wurde zunächst jedoch durch nervigen Hochnebel abgehalten. Als sich diese auflöste blieb ein grottiges bis katastrophales Seeing zurück. Den ganzen Tag über hatte ich extrem schlechte Sichtbedingungen (trotz tiefblauem Himmel) mit heftig wallendem Sonnenrand, der ein Fokussieren fast unmöglich machte. Bei der D- und der J-Gruppe war eine Trennung zwischen Umbra und Penumbra nicht möglich. Kleinere Fleckengruppen verschwanden gleich ganz unter den heftigen Luftbewegungen. Es sind nur wenige Sekunden, die die kleinen Gruppen schwach erahnen lassen. So ein schlechtes Seeing hatte ich lange nicht mehr erlebt, eine einzige Enttäuschung. Auch am Nachmittag wurde das nicht besser, im Gegenteil. Nur mit viel Konzentration und ständigem Suchen erkenne ich folgende Gruppen: J1, D8, C14, A1, A1 und B2, die Kanzelhöhe sah noch eine weitere Gruppe.

Die Hα -Beobachtung litt extrem unter den schlechten Bedingungen. Eigentlich lohnte es sich überhaupt nicht, das PST aufzubauen. Ich probierte es dennoch und wurde enttäuscht. In den wenigen Augenblicken, wo die Sonne nicht hinter dem feinen Geäst meines nervigen Baumes stand und das Seeing für Sekundenbruchteile mal ein klein wenig besser wurde, zählte ich 7 Protuberanzen, 7 Filamente und 2 helle Plages.

Überdies sah ich im Südwesten und Südosten zwei größere Protuberanzen durchschimmern, doch das Seeing, der blubbernde und wallende Sonnenrand, verschwischte die Eindrücke immer mehr. Störend waren auch die fast permanent durchziehenden Hochnebelschwaden und die vor dem PST dahin wischenden Äste. So machte die Beobachtung keinen Spaß. Auch der am Nachmittag klarere Himmel änderte daran nichts, denn das Seeing war und blieb katastrophal schlecht, so dass man eigentlich fast gar nichts mehr sehen konnte. Selbst die Momente ruhiger Luft blieben aus.

Sonne am 24.03.2012

Der 10. bundesdeutsche Astronomietag: Leichter Dunst, viel Sonnenschein und meine erste Dachbodenbeobachtung in diesem Jahr. Die Aktivität war gegenüber dem Vortag leicht gestiegen, was sich in Form einer größeren D-Gruppe mit 6 Flecken bemerkbar machte. Begleitet wurde sie von den schon am 23. März zu beobachtenden Gruppen: J3 (sie hatte sich zwei Einzelflecken zugelegt), zweimal A 1 und eine B12, während die Kanzelhöhe wieder ein paar kleinere Flecken mehr sah.

Im Hα war mit 7 Protuberanzen,  9 kleinen Filamenten und 3 hellen Zonen nur wenig mehr zu sehen, als am Tag zuvor. Die große schwebende Protuberanz hatte sich teilweise aufgelöst.

Am Nachmittag konnte man auf der GvA-Außensternwarte in Handeloh an mehreren privaten Instrumenten ebenfalls die Sonne beobachten, so fand ich im Weißlicht zwei weitere A-Gruppen und konnte im H-Alpha die Entwicklung der in den letzten Stunden aktiver gewordenen Protuberanzen verfolgen. Hier hatte sich im Laufe des Tages einiges getan; Dimensionen wie sie in den Vormaximumszeiten früherer Zyklen erreicht wurden, die locker das Gesichtsfeld von PSTs oder DMK-Kameras hätten sprengen können, konnten bislang nicht beobachtet werden, auch heute nicht.

Sonne am 23.03.2012

Man mag es kaum glauben, ein Jahr vor dem prognostizierten Maximum des laufenden 24. Sonnenfleckenzyklus im Frühjahr 2013 ist die Sonnenaktivität wieder mal sehr niedrig.In meinem 80/400er Refraktor erkannte ich gerade mal vier kleine Gruppen (J1, A1, B2, B2)  und 3 Fackelfelder. Die Kanzelhöhe hatte demgegenüber 8 Gruppen erfasst, vorwiegend aber solche von geringer Größe, die unterhalb des Auflösungsvermögens meines Instrumentes lagen.

Die Situation im Hα war aber dieses Mal nicht wirklich besser als im Weißlicht: Ich zählte 6 Protuberanzen, 8 Filamente und 2 helle Gebiete. Am auffälligsten war dabei im Norden eine große schwebende Protuberanz ohne Kontakt zur Oberfläche. Die übrigen Materiebögen glichen kleinen Spritzern oder kamen nur mit Mühe über den Sonnenrand und die Filamente hatten ebenfalls nur einen bescheidenen Umfang.. Das chromosphärische Netzwerk war bei guten Seeingwerten gut zu sehen.

Sonntag, 25. März 2012

Sonnenfotografie? Nee Du, lass mal …

Als langjähriger Sonnenbeobachter und seit ein paar Monaten stolzer Besitzer eines Personal Solar Telescope (PST) verpüre ich ab und zu den Wunsch, das Gesehene auch fotografisch festzuhalten. Doch Sonnenfotografie und ich, wir kommen einfach nicht zusammen.

Alle meine bisherigen Versuche sind bisher kläglich gescheitert. Auch heute wieder. Mir kam die Idee, doch mal durch das PST zu fotografieren. Ich baute das PST auf mein Fotostativ mit den biegsamen Wellen. Ein Blick durch das 9,5mm Okular zeigte mir ein einigermaßen brauchbares Seeing. „Nur“ noch den Rechner rausholen, die Webcam anschließen und schon ….fingen die Probleme an.

Erst bockte der Rechner rum, weil er dauernd was updaten wollte, dann konnte ich Giotto mit einem mal nicht mehr starten. Also die aktuelle Version herunterladen, und dann maulte der Rechner beim neuinstallieren … na super. Irgendwie ging es dann doch und Giotto erkannte die Webcam auf Anhieb. Jetzt nur noch die Webcam in den Okularstutzen … und dann finde ich partout den Fokus nicht. Einmal hin und einmal zurück mit dem Drehknopf, aber von Schärfe keine Spur. Dann habe ich die Einstellungen im Programm verändert, die Webcam leicht rausgezogen, aber ein Fokus war nicht zu finden.

Dann nahm ich meine kleine „Hebebühne“ für die Digiknipse, damit kam ich nicht mal in die optische Achse. Also schnell das Okular wechseln. Alles wieder abmontieren, neu zusammenbauen, nun sehe ich irgendwas, aber keinen scharfen Sonnenrand. Visuell sehe ich den (mit Brille), aber die Kamera zeigt ihn nicht und wenn, dann ohne jegliche Schärfe. Nur irgendwelche roten Kleckse. Einfach die Kamera hinter das Okular halten, ging ebenfalls nicht, weil ich auch da nicht in den Fokus kam. Das erinnert mich an die letzten erfolglosen Versuche, mit Refraktor und Protuberanzenansatz Fotos zu machen. Da kam ich auch nie in den Fokus, weil immer wieder ein paar Millimeter fehlten, egal wie ich es anstellte. Immer passten Teile nicht zusammen, oder die Fokuslage stimmte nicht, die Kamera versagte usw.

So viele Pannen wie bei der Sonnenfotografie kenne ich aus anderen Bereichen nicht. Daher bleibe ich lieber bei der visuellen Beobachtung.

Freitag, 23. März 2012

Sonne am 22.03.2012

Wieder waren zwei Tage ohne eine Sonnenbeobachtung vergangen. Im Wetterbericht war zwar für die ganze Woche Sonnenschein angekündigt worden, doch die Wolkendecke riss erst wieder am Abend des 21. März auf, als ich nach einem Besuch eines Vortrages auf der Bergedorfer Sternwarte über den großen Hamburger Schmidtspiegel ins Freie trat. Hier paarte sich ein sehr klarer Himmel (vermutlich aber mit schlechtem Seeing) und erstmals richtig warmen Außentemperaturen, diese fielen aber im Laufe der Nacht auf fast 0° ab. Die Folge: Der 22. begann mit dickem Nebel, der sich erst im Laufe des Vormittags lichtete. Danach wurde es aber sehr sonnig und nach Feierabend konnte ich entspannt die Sonne beobachten.

Doch die Aktivität war enttäuschend: Die größte Gruppe war eine unipolare J-Gruppe, gefolgt von einer noch recht gut sichtbaren B-Gruppe mit 6 Einzelflecken. Mit sehr viel Mühe und großer Not kann man zwei A-Gruppen am westlichen und eine am östlichen Sonnenrand stehend beobachten. Darüber hinaus gab es 6 Fackelgebiete mehr oder weniger deutlich zu sehen.

Dieses Mal war das Geschehen im Lichte der Wasserstofflinie H-Alpha nicht wesentlich besser. Auch hier fiel die niedrige Sonnenaktivität förmlich ins Auge. Insgesamt zählte ich 11 Protuberanzenherde, von denen nur eine im Süden und eine im Südosten wirklich interessant waren. Erstere erhob sich nahezu senkrecht über dem Sonnenrand, während die andere eher einen pyramidenförmigen Aufbau hatte. Hinzu kamen noch zwei helle Gebiete und 14 relativ kleine und fast unscheinbare Filamente. Schade, hat man mal gute Beobachtungsbedingungen, keine Wolken und dann ist die Sonnenaktivität ausgesprochen gering.

Sonne am 19.03.2012

Es war fast die ganze Beobachtungszeit über ein quälender Kampf mit den Wolken. Hatte man sich auf ein Gebiet konzentriert, wischten wieder Wolkenfetzten durch das Bild oder bedeckten die Sonne, sodass man sich bei der nächsten Wolkenlücke aufs Neue auf den gerade beobachteten Bereich auf der Sonnenoberfläche konzentrieren musste. Kaum war dies geschehen, kann schon wieder der Rand des Wolkenstreifens und ich musste die Beobachtung wieder für ca. eine Viertelstunde oder länger unterbrechen.

Und natürlich lag der einzige Wolkenstreifen am Himmel quer zur Sonne, der Rest war völlig wolkenfrei. Der Rand der Wolke strich immer knapp an der Sonne vorüber. Nur ab und zu kam sie mal richtig durch. Die Beobachtung war sehr anstrengend und ermüdend für die Augen, da, kaum, dass man eine Fleckengruppe gesehen hatte, die Sonne wieder verdeckt wurde. Von einer Stunde am Fernrohr konnte ich sie vielleicht grad mal für 10 Minuten wirklich sehen.

In den wenigen, kleinen Wolkenlücken erfasste ich am Anfang nur drei der sechs von der Kanzelhöhe aufgezeichneten Fleckengruppen sehen. Der Rest war zunächst zwischen den Wolkenlücken kaum zu erkennen. Erst als die Sonne sich dem nächsten Baum näherte – nunmehr schon recht tief stehend – sackte sie quasi unter der Wolkenschicht durch und konnte auch mal für einen längeren Zeitraum beobachtet werden.

Erst jetzt registrierte ich neben der D5, der D8 und der C6 drei weitere der niedrigsten Waldmeierklasse A. Dadurch, dass die Sonne schon tiefer stand und die Spitze der Baumgruppe berührte, hatte ich nicht mehr viel Zeit für die H-Alpha-Beobachtung. So erkannte ich – unterbrochen durch nun wieder durchziehende Wolkenstrukturen - noch kurz eine größere aufsteigende Protuberanz im Südwesten, mehrere kleinere und ein paar Filamente. Mehr war heute nicht drin, denn während der Beobachtung verschwand die Sonne hinter den Bäumen. Etwa zeitgleich kamen Wolken auf und beendeten damit endgültig die Beobachtung. Deren Wirkung war aber schon vorher zu bemerken: Binnen Sekunden war es nicht mehr möglich, Oberflächenstrukturen wahrzunehmen, das Seeing kippte von einem Moment zum nächsten. Statt einer roten Sonne mit viel Detail gab es nur noch eine einheitlich rote Fläche ohne Einzelheiten.

Montag, 19. März 2012

Sonne am 18.03.2012

Der Sonntag ähnelte stark dem Sonnabend, wenngleich sich das Ganze auch ein paar Stunden früher abspielte. Zunächst war der Himmel bedeckt, doch kurz nach 8 Uhr – als ich eigentlich schon fast auf dem Weg zur Sonntagsarbeit war – riss die Bewölkung auf und gab den Blick auf eine hinter Bäumen und im Nebelschleim stehende Sonne frei.

Das mit den Bäumen wurde nicht besser, so musste ich zwischen dem Geäst hindurch peilen, um wenigstens noch eine Weißlichtbeobachtung zu bekommen. So fand ich dann mit Mühe, zwischen den vom Wind bewegten Ästen, noch vier Gruppen: Eine B-Gruppe hatte sich aufgelöst, sodass ich heute nur die zwei D, die B und die A (aber erst im letzten Augenblick, als der Himmel einmal fast völlig frei war vom Syph) finden konnte.

Schnell rückte wieder der Hochnebel heran und beendete die Beobachtung, sodass ich auch heute keine Hα-Beobachtung bekommen konnte. Die Hochnebeldecke sollte bis zum Abend nicht mehr weichen.

Sonne am 17.03.2012

Eigentlich brauchte man nach dem Wetterbricht für diesen Tag gar nicht erst mit Sonnenschein rechnen. Das passte mir auch ganz gut, weil ich am Nachmittag zwei Führungen auf der Bergedorfer Sternwarte auf dem Plan hatte, während der ich sowieso nicht hätte beobachten können.

Doch unverhofft kommt oft und so klarte es entgegen aller Vorhersagen – kurz bevor ich losfahren wollte – überraschend auf. Zwar enthielt die Luft viel Dunst, doch der wirkte sich zumeist positiv auf das Seeing aus. Durchziehende Schwaden von Hochnebel beeinträchtigten zwar die Beobachtung, dennoch konnte ich fünf Gruppen sehen: Zwei der Waldmeierklasse D, eine J, eine schwache B und eine A.

Und just nach Abschluss der Weißlichtbeobachtung zog es wieder vollständig zu, sodass an diesem Tag leider keine Hα-Beobachtung mehr möglich war.

Mittwoch, 14. März 2012

Sonne am 10.03.2012

Es war wieder mal ein Kampf mit den Wolken, deren Bewegung kaum vorhersehbar war, weil sie in mehreren Schichten auftraten. Es klarte an diesem Tag auf, obwohl eigentlich vom Wetterbericht andauernder Regen vorhergesagt worden war. Auch so kann es manchmal kommen. Aber ganz so einfach war es dann doch nicht, neben der Jagd nach passenden Wolkenlücken nervte der aufkommende Sturm und zunehmend heftiger werdende Böen schlugen gegen das Teleskop und ließen das Bild nahezu ständig zittern. Sich da auf Details in den Fleckengruppen zu konzentrieren, war schon eine Herausforderung für die Augenmuskulatur. Überdies war das Seeing auch nicht so besonders und man konnte kaum den Fokus finden, weil die Beobachtungsbedingungen extrem schwankten. Der Wind zerrte auch ständig an meinem Beobachtungszettel, der sich zwischendurch dann auch irgendwann in die Lüfte erhob und meinen Blicken entschwand. Also musste ich nochmal mit dem Zählen anfangen …

Die AR 11429 hatte ihr Aussehen deutlich verändert, sie war länger geworden und hatte einige Penumbren verloren. Dennoch war sie knapp noch mit bloßem Auge sichtbar. Die vor der AR 11429 liegende C-Gruppe hatte eine merkwürdige Form angenommen, im Zentrum stand eine Umbra, die von vielen kleinen Einzelflecken umgeben war. Eine richtige bipolare Struktur war nur schwer auszumachen. Im Süden stand noch eine D-Gruppe, bei der aber in nachfolgenden Teil die Penumbra nur noch rudimentär vorhanden war. Das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe sah an diesem Tag noch eine A-Gruppe, die ich mit meinem 80/400er Refraktor aber nicht erkennen konnte, schon gar nicht unter den gegebenen Umständen. Was auch wieder typisch für den gegenwärtigen Stand im Zyklus war: der AR 11429 folgte nichts Größeres nach, nur fleckentechnischer Kleinkram.

Mit Annäherung der Sonne an mein Nachbarhaus wurden die Wolkenlücken wieder kleiner und immer wenn es aufriss kam auch der Wind wieder und fast wehte er auch den zweiten Zettel von der Fensterbank. So konnte ich zunächst auch die Idee begraben, mit dem PST noch die Hα-Sonne zu beobachten.

Zwei Stunden später – der Himmel war wieder weitgehend klar und der Wind hatte kaum nachgelassen – gab es wieder größere Wolkenlücken und es lohnte sich, das PST aufzubauen. Auf Anhieb kam ich auf 12 Protuberanzenherde, 16 Filamente und 2 Plages. Starke Veränderungen bei der AR 11429 auch hier: die Filamente, die noch vor kurzem direkt aus dem Zentrum des Flecks kamen und in der Umgebung endeten, waren verschwunden. Ein paar bogenförmige Filamente konnte aber noch gefunden werden. Im Nordwesten gab es dafür eine auffällige, aufsteigende Protuberanz: Ein Gebiet mit viel Potenzial, das sich aber wohl erst nach Sonnenuntergang in Europa entfalten würde. Wieder aufkommende Wolken und der Wind beendeten dann die Beobachtung für diesen Tag.

Freitag, 9. März 2012

Polarlichtjagd am 8. März 2012

Das war sie nun, meine erste Polarlichtjagd im digitalen Zeitalter (solange ich DSLRs besitze, habe ich kein Polarlicht mehr gesehen). Und, um es gleich vorweg zu nehmen, sie blieb erfolglos.

Dabei sah am Nachmittag noch alles sehr gut aus. Der koronale Massenauswurf eines X5-Flares hatte das Erdmagnetfeld erreicht, der K-Index kletterte auf 5, was immerhin für ein photographisches, vielleicht auch für ein visuelles gut Polarlicht ist. Und auch das Wetter wollte dieses Mal mitspielen. Nach dem ich am Nachmittag noch einen Kampf mit den Wolken um die Beobachtung der Sonne erst in der zweiten Runde gewonnen hatte, holte ich André Wulff um 18:30 Uhr ab, mit meiner Sony Handycam, der Canon 1100D, zwei Stativen und anderem Kleinkram im Rucksack. Wir fuhren über die A 1 bis Stapelfeld, dann durch Braak, um hinter Brunsbek auf einer Einfahrt zu einem Feld zum Stehen zu kommen. Wir hatten eine perfekte Sicht Richtung Norden. Im Osten ging grad der Vollmond auf – rotorange verfärbt durch dichte Atmosphäreschichten -, im Westen standen Venus und Jupiter dicht beieinander. Doch erst einmal ging es darum, auszuloten, wann wir ein Polarlicht sehen würden. Die Aussichten wurden von Minute zu Minute schlechter. Die vom ACE-Satelliten gewonnenen Messwerte wiesen eine nur geringfügige Sonnenwindgeschwindigkeit und eine Ausrichtung des Erdmagnetfeldes nach Norden aus. Ein Blick ins AKM Forum verhieß nichts Gutes. An mehreren Orten lagen Beobachter auf der Lauer und sahen bei unterschiedlicher Bewölkung kein Polarlicht. Langsam schwenkte das Magnetfeld nach Süden, dafür verringerte sich die Geschwindigkeit des Sonnenwindes auf etwa 300 km/h. Die Hoffnung währte nur kurz und dann zeigte die Nadel wieder nach Norden. Wir suchten per iPad und iPhone nach Polarlichtwebcams, aber auch das half nicht wirklich weiter, zumal just der Kreis, in dem man Polarlichter hätte sehen können, gegen 20 Uhr noch nicht mal norwegisches Festland erreichte.

Schließlich gaben wir gegen 21 Uhr auf. Allerdings nicht, ohne vorher noch die Planetenkonstellation im Westen, den Vollmond samt vorbeifahrenden Autos, Orion und das vor uns liegende und vom Vollmond beleuchtete Feld, zu fotografieren. Die Aufnahmen zeigen auch die von Westen her anrückende Schlechtwetterfront in Form erster Cirren. So kam ich wenigstens nicht ohne ein Ergebnis gegen 21:45 Uhr wieder zu Hause an.

Stellt sich noch die Frage, warum trotz guter Ausgangsbedingungen kein Polarlicht sichtbar war. Zunächst mal muss man wohl festhalten, dass der erwartete geomagnetische Sturm, als Voraussetzung für eine Polarlichtaktivität, so nicht eintrat. Derzeit wird zwar noch spekuliert, ob dem CME die entscheidende magnetische Komponente fehlte, oder wir nur einen Streifschuss erhielten. Fakt ist leider, dass die Aktivität im Erdmagnetfeld zu unserer Beobachtungszeit – und eigentlich auch schon vorher – niedrig war, was eindeutig gegen Polarlichter spricht.

Dafür konnten Messstationen in Kiruna und Tromsö am frühen Morgen kurz nach 4 Uhr MEZ bei schön südwärts ausgerichtetem Magnetfeld doch noch einen heftigen Anstieg der Aktivität messen, teilweise lag dort der K-Index bei 9. Im Ergebnis bedeutet dies, dass der Sturm mit erheblicher Verspätung wohl doch noch eintraf, aber es ist mehr als unwahrscheinlich, dass man auch bei klarem Himmel hier etwas davon gesehen hätte.

Sonne am 08.03.2012

Es war ein regelrechter Kampf mit den Wolken. Während den ganzen Vormittag über die Sonne von einem völlig blauen Himmel herab schien und ich bequem die Aktive Region 11429 mit meinem Okularsonnenfilter durch das Bürofenster beobachten konnte, kamen gegen Mittag immer mehr Wolken auf. Diese wechselten sich ständig mit wolkenfreien Gebieten ab. So ging es permanent hin und her. Für den Abend rechnete ich mit einem Polarlicht – alle Vorhersagen sahen sehr gut aus, leider aber nur die – und so machte ich rechtzeitig Feierabend, nur um zu sehen, dass die einzige am Himmel verfügbare Wolkenbank quer vor der Sonne lag und nicht weichen wollte, bis sie für mich unerreichbar hinter dem gegenüber stehenden Hochhaus stand.

An alternativen Standorten waren zu viele Bäume, die die Sicht versperrten und so viel die Beobachtung, erst einmal, aus. Etwa gegen 16:45 Uhr kam dann die Sonne rechts vom Hochhaus wieder raus und nun wurde es hektisch, denn viel Zeit blieb trotz der größeren Tageslänge nicht, bis die Sonne erst hinter der Tanne und dann hinter Bäumen entschwinden würde.

Rasch baute ich das den kleinen Refraktor auf der Fensterbank meines Schlafzimmers auf und bemerkte zunächst mal ein leicht grottiges Seeing mit heftig wallendem Sonnenrand und einer AR 11429, von der nur die Umrisse zu sehen waren. Aber je weiter sich die Sonne vom Haus entfernte und je tiefer sie sank, desto besser wurden – paradoxerweise – die Sichtbedingungen. Dafür wischte die Tanne ein ums andere Mal durch das Gesichtsfeld …

Die größte Entwicklung hat in den vergangen Tagen die AR 11429 durchgemacht, die man jetzt aufgrund ihrer größeren Ausdehnung als E-Gruppe klassifizieren kann. Ihre Penumbren hatten sich in den vergangenen zwei Tagen deutlich verändert, mehrere Lichtbrücken waren zu sehen, die teilweise in den Umbren saßen oder von der Umgebung her in die Hofgebiete eingriffen. Auch in der D-Gruppe südlich der AR 11429 waren zwei Lichtbrücken – die immer auch ein Zeichen für hohe magnetische Aktivität in den Aktiven Regionen sind – zu finden. Vor der AR 11429 befand sich eine C-Gruppe und in einem Fackelfeld am Westrand eine A. Darauf ergibt sich die Klassifikationsfolge: E28, C11, D13, A1. Die am Ende der Weißlicht-Beobachtung wieder stark schwankende Luftunruhe ließ nur ganze drei Fackelfelder erkennen.

Schnell wechselte ich auf das PST über. Im Hα machte sich die Luftunruhe noch stärker bemerkbar, es gab aber auch hin und wieder überraschend ruhige Momente. So war der Anblick der rötlichen Sonne im Okular mal wieder sehr beeindruckend. Es gab gleich mehrere größere Protuberanzen (die aber von ihren Dimensionen her kaum mit denen einer Maximumssonne verglichen werden können) und etliche Filamente, die vor allem vom Zentrum der AR 11429 ausgingen und sich bogenförmig in die Umgebung erstreckten. Insgesamt zählte ich 9 unterschiedlich große Protuberanzen  - eine davon (am Westrand) vom aufsteigenden Typ -, 3 helle Gebiete und 15 Filamente. Letztere traten gehäuft  rund um die AR 11429 auf, während auf der übrigen Sonnenoberfläche zumeist nur kleinere Materiebögen zu sehen waren. Die Witterung ließ erstaunlicherweise auch mal wieder eine Hα-Zeichnung zu.

Donnerstag, 8. März 2012

Es wird spannend – intensiver Teilchenstrom lässt auf Polarlichter hoffen

Endlich gibt es wieder mal eine ordentliche Sonneneruption – am 7. März um 0:28 UT war aus der Region 11428 ein lang andauernder X5/3B-Flare-Flare mit CME und allem Drum und Dran aufgestiegen – da kommen sie wieder hoch, die durch die Boulevardpresse und deren digitalem Anhang stetig geschürten Ängste. Um 10:45 UT registrierte der im Lagrangepunkt L1, 1,5 Mio. km vor der Erde in Richtung Sonne stehende ACE (Advanced Composition Explorer)-Satellit das Eintreffen der Schockfront vom CME, die 20 Minuten später das Erdmagnetfeld erreichte. Kurz danach gab es erste Pressemitteilungen und bald auch schon erste Einträge in einschlägigen Foren, wo dem Sonnensturm – auch so eine Terminologie, die Panik verbreiten soll – so allerlei zugeschrieben wurde: Das Stehenbleiben von Uhren, die im Kühlschrank sauer gewordene Milch, der grünfleckige Käse oder die mit einem mal nicht mehr funktionierende Autobatterie.

Es ist haarsträubend, was sich da manche Leute mangels eigenem Wissen und dafür umso stärkerer, von keinerlei Sachkenntnis getrübter Vorstellungskraft so zusammenreimen. Florian Freistetter hat dazu einen sehr interessanten Blogbeitrag geschrieben, dem eigentlich nichts weiter hinzuzufügen ist.

Der interessanteste Aspekt  solcher Sonneneruptionen, die bis zum Maximum im Frühjahr 2013 – und darüber hinaus – immer öfter auftreten werden, sind Polarlichter. Und genau die werde ich versuchen, heute Abend abzulichten. Es stellt sich nur die Frage, wo man hinfährt (irgendwo östlich von Hamburg in Richtung Lübeck) und was das Wetter macht. Den Rest erledigen (hoffentlich) meine digitalen Foto- und Filmkameras.

Auf jeden Fall wird es notwendig sein, möglichst früh loszufahren, da damit zu rechnen ist, dass man schon in der Dämmerung Polarlichter sehen könnte. Neben dem Wetter ist das einzige Manko der fast volle Mond, der den Himmelshintergrund soweit aufhellt, dass man wohl nur die hellsten Teile des Polarlichts, überwiegend in den Farben grün und rot, sehen kann. Aber man ist ja schon froh, wenn man überhaupt was mitbekommt!


Mittwoch, 7. März 2012

Sonne am 07.03.2012

AR 11429 – ein kryptischer Name, den man sich merken sollte, denn er bezeichnet die aktivste Sonnenfleckengruppe seit Monaten. Heute Morgen konnte ich sie mit Hilfe eines ausgedienten Okularsonnenfilters mühelos auch mit bloßem Auge sehen. Nach Feierabend wurde es dann schon sehr knapp mit der Weißlichtbeobachtung, da die Sonne nur ein paar Grad neben dem Hochhaus gegenüber stand und ich mich doch schon sehr beeilen musste, um die Sonne kurz nach 15:30 Uhr – unter endlich mal blauem Himmel – zu erwischen, zumal sich von Osten her eine dünne Wolkenschicht heranschob.

So war denn auch die AR 11429 – die man nur aufgrund ihrer Länge von weniger als 15 heliographischen Graden Ausdehnung nur in die Waldmeierklasse E einstufen konnte – auch die erste Gruppe, die mir beim ersten Blick ins Okular auffiel. Tagsüber hatte es eine Diskussion darüber gegeben, ob diese Gruppe überhaupt die Kriterien für ein bipolares Aktivitätsgebiet erfüllte. Grund hierfür war auch das völlige Fehlen von Flecken außerhalb der wild sprießenden Penumbren. Einige meinten, es würde sich ggf. um eine sehr ausgedehnte H-Gruppe handeln, doch nach genauerer Betrachtung des waldmeierschen Klassifikationsschemas tendierte ich auch zur Klasse D, weil die Penumbren zwar sehr ausgedehnt, die Gruppe aber – auch im Vergleich zu einer dicht dabei stehenden weiteren D-Gruppe – nicht lang genug war, um als E zu gelten.

In der Riesengruppe konnte ich an diesem Tage 25 Einzelflecken zählen, die wirklich allesamt in irgendwelchen Penumbren standen. Im voranschreitenden Teil der AR 11429 befand sich dann noch eine größere Lichtbrücke, die den Fleck an dieser Stelle fast erteilte. Man darf auf die weitere morphologische Entwicklung der Gruppe gespannt sein.

Vor der AR 11429 stand eine C-Gruppe mit 14 Flecken. Auf der Südhalbkugel gab es noch eine langgestreckte B-Gruppe, von der ich bei heranrückenden Wolken und der näher kommenden Hausmauer gerade noch drei Flecken sehr konnte. Ein Hα-Beobachtung war unter diesen Umständen zunächst nicht mehr möglich.

Das änderte sich erst fast anderthalb Stunden später, als die Sonne dann rechts vom Hochhaus stand und nur eine Tanne mit ihren Wipfeln in das Bild hereinragte. Nach dem Aufbauen des PST musste ich mich ein wenig beeilen, wenn zwischen Hausmauer, Tanne und anderen botanischen Sichthindernissen konnte ich die Sonne nur für wenige Augenblicke vollständig im Okular sehen.

Die Aktivität im Hα war schlicht umwerfend. Auf Anhieb sah ich gleich mehrere Protuberanzen (am Ende waren es 8 Herde), 15 Filamente und 3 helle Bereiche (Plages). Interessant war die Region rund um die AR 11429 auch im Hα. Hier griffen gleich vier Filamente von Zentrum des Flecks auf die nähere Umgebung über und eine war auch mit der ihr vorgelagerten C-Gruppe verbunden – hohes Potenzial für die explosive Auflösung der Filamente und in deren Folge für die Entstehung mit Flares und CMEs. Ein weiteres Filament im Südosten sah aus wie ein Hufeisen, daneben gab es viele kleinere, aber eher unauffällige Strukturen. Schließlich musste ich die Beobachtung beenden, weil die Sonne hinter der nächste Schicht Botanik versank und so keine weitere Beobachtung mehr möglich war.

Von der AR 11429 ist noch einiges zu erwarten, denn sie hat schon einige M-Flares und in der letzten Nacht einen X5.4 und kurz danach einen X1-Flare (beide aber ohne eine erdgerichtete Komponente) hervorgebracht. Bis zur Passage des Zentralmeridians der Gruppe am 9. und in den Tagen danach, ist die Wahrscheinlichkeit für Ausbrüche extrem hoch. Und gerade erhalte ich die Meldung, dass für die kommenden zwei Nächte – wenn sich das Wetter hier im Norden wieder verschlechtert – mit Polarlichtern gerechnet werden darf. Die wieder zunehmenden Wolken werden eine Beobachtung wohl verhindern, die überdies auch bei klarem Himmel aufgrund des fast vollen Mondes nicht gerade einfach wäre und kaum prächtige Farbstrukturen haben dürfte. Aber alles Spekulation, wenn man statt klarem Himmel nur Wolken anstarren darf.

Dienstag, 6. März 2012

Sonne am 03.03.2012

Die erste Beobachtung nach gut einer Woche und die erste nach meteorologischem Frühlingsanfang: Im Osten stauen sich mal wieder Wolken und allgemeiner Wolkenschleim vor der Sonne – während der Resthimmel völlig klar ist. Das Seeing war eher durchschnittlich bis schlecht. Dennoch konnte ich alle fünf Gruppen, die auch das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe auf seiner Zeichnung vermerkt hat, auffinden: J1, B4, H6 A1 und C4. Am interessantesten war dabei ein dicker Fleck, der um den Ostrand herumkam. Ich klassifizierte sie zunächst mal als H-Gruppe mit 6 Flecken – auch in dem Bewusstsein, dass sich schon am nächsten Tag diese Einstufung ändern konnte, wenn man mehr von ihr sah, als das, was gerade der Rand offenbarte. Ihre Größe ließ auf eine höhere Aktivität im Hα hoffen und auch auf einige Ausbrüche, in deren Folge man (hoffentlich) Polarlichter sehen konnte. Zu diesem frühen Zeitpunkt am Vormittag war an eine Hα-Beobachtung nicht mal annähernd zu denken, da das Seeing immer schlechter wurde.

Erst am Nachmittag, als die Sonne im Südwesten stand, klarte es wieder auf. Das erste, was auffiel war eine dicke, fette Protuberanz an der Stelle, wo heute die H-Gruppe erschienen war. Insgesamt fand ich 6 Protuberanzen – die aber zumeist eher recht bescheiden waren -, 11, zumeist sehr kleine, Filamente und 4 Plages.

Die Sonne im Februar 2012

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Weißlicht
Im Monat Februar ist die Sonnenaktivität wieder deutlich zurück gegangen. Das drückt sich auch in der Tatsache aus, dass lediglich 12 neue Fleckengruppen registriert werden konnten. Die Fleckenzahlen verharren damit weiter aus sehr niedrigem Niveau, was dem Stand, etwa ein Jahr vor dem prognostizierten Maximum (neuerdings im Januar) 2013 ganz und gar widerspricht. Und so startete der Monat mit lediglich vier Gruppen (AR 11408, 11410, 11411 und 11413), die am 1. als zwei C-, eine D- und eine H-Gruppe sichtbar waren. Am 3. war die AR 11408 um den Sonnenrand herum rotiert und nur die beiden C-Gruppen bildeten einen – wenngleich auch recht ordentlichen mit großflächigen Penumbren versehenen – Blickfang für das Beobachterauge. Am 4. waren nur noch die AR 11410 und 11413 als eine C- und eine D-Gruppe vorhanden. Erst einen Tag später, am 5., erschien mit der AR 11414 die erste neue Gruppe des Monats: eine B-Gruppe, die man bei schlechtem Seeing schon leicht übersehen konnte. Und während sich die AR 11413 zur C-Gruppe zurück entwickelte, gab es bei den anderen zwei Gruppen keine Veränderungen. Am 7. soll nach Angaben der NOAA die AR 11410 zur E-Gruppe geworden sein, was sich aber auf der Zeichnung der Kanzelhöhe vom 8. nicht verifizieren lässt. Ein Vergleich der beiden unterschiedlichen Tage ist durchaus möglich, da sich E-Gruppen nur zu Zeiten einer hochdynamischen Sonnenaktivität – von der wir grad meilenweit entfernt sind – so dramatisch zurückbilden, um dann einen Tag später so auszusehen, wie auf der Zeichnung. Hier handelt es sich offenbar um eine weitere Fehlinterpretation, wie sie in den letzten Jahren immer häufiger vorgekommen ist. Für den 8. selber wies die NOAA die kleine D-Gruppe immer noch als E aus, aber immerhin war man sich bei der zweiten Gruppe, ein der Klasse A, einig. In der Nacht vom 8. auf den 9. war auf der Südhalbkugel der Sonne die AR 11415 – eine Gruppe der Waldmeierklasse C – neu entstanden. Am nächsten Tag war die AR 11410 – ohnehin dicht am Sonnenrand stehend – verschwunden, während am Ostrand die AR 11416, eine kleine J-Gruppe, auftauchte. Die AR 11416 hatte sich inzwischen zu einer stattlichen D-Gruppe mit ausgeprägten Penumbren im voranschreitenden und nachfolgenden Teil entwickelt. Am 11. kam mit der AR 11417 eine weitere B-Gruppe hinzu. Und nachdem sich am 12. die AR 11415 nach nur wenigen Tagen schon wieder aufgelöst hatte, traute man am 13. kaum seinen Augen zu trauen. Quasi über Nacht waren mit den Aktiven Regionen 11418 bis 11420 gleich drei neue Fleckengruppen entstanden: eine B, eine C und eine H und die AR 11416 hatte sich zu einer E-Gruppe weiterentwickelt. Dafür verschwand am nächsten Tag die AR 11415 und am 16. waren es nur noch vier Gruppen, wobei die AR 11416 binnen zwei Tagen zu einer C-Gruppe zerfiel. Danach war der Aktivitätsausbruch auch schon wieder vorbei, die Zahl von vier gleichzeitig zu beobachtenden Gruppen blieb erst einmal stabil. Am 19. sah die Kanzelhöhe sechs, die NOAA aber nur vier Gruppen (was wiederum unverständlich ist, da ich die sechs Gruppen selbst in meinem kleinen 80/400er Refraktor ohne Probleme beobachten konnte. Am 20. kamen die Aktiven Regionen mit den Nummern 11421 und 11422 (eine A- und eine D-Gruppe) hinzu. Die nachfolgenden Tage brachten dann eine immer weiter zurückgehende Zahl an Fleckengruppen, sodass am 23. nur noch die AR 11420 und 11422 übrig waren, wobei die Kanzelhöhe aber doch noch ein paar Flecken mehr sah. Am 24. erschien mit der AR 11423 eine H-, am 25. mit der AR 11424 noch eine H- und am 27. mit der AR 11426 eine D-Gruppe als letzte Neuerscheinung des Monats Februar. An all diesen Tagen waren auch wieder Unterschiede in den Angaben zwischen der NOAA und der Kanzelhöhe festzustellen, wobei meine eigenen Beobachtungen in dieser Zeit eher mit der Kanzelhöhe als mit der NOAA überein stimmten. So endete der Schaltmonat am 29. mit drei Gruppen, die den Waldmeierklassen A, B. und H angehörten.

Hα:
Die Hα-Aktivität war in ganzen Monat äußerst gering und neben stets vorhandenen Filamenten und Protuberanzen gab es vor allem Flares der niedrigsten Klasse c oder Ausbrüche mit schwachen CMEs, die aus Filamenten heraus entstanden. So am 3., um 20:13 UT, als nordöstlich der AR 11410 plötzlich ein derartiger Materiebogen aufstieg. Der koronale Massenauswurf war aber nicht erdwärts ausgerichtet. Am 6. um 20:00 UT raffte sich die AR 11410 zu einem M1-Röntgenflare auf, dessen Teilchen aber an der Erde vorbei gingen. Am 9. um 21:17 UT stellte SOHO einen CME fest, der im Nordosten nahe der AR 11417 entstanden war. Diesem folgte am 10. um 11:47 UT ein weiterer Ausbruch, der aus einem immerhin 23° langen, aufsteigenden, Filament entstand. Um 19:00 UT explodierte in der gleichen Gegend ein 27° langes Filament. Aufgrund ihrer Position wurde das Erdmagnetfeld nicht durch diese Eruptionen beeinträchtigt. Am 17. wurden zwei weitere, explodierende Filamente gesichtet (eines 9°, das andere 16° lang). Erst am 24. um 3:46 UT gab es wieder einen nennenswerten CME, der sogar erdwärts gerichtet war. Ein paar Tage zuvor hatte ein kleinerer Substorm - eine in diesem Fall wohl spontane Verdichtung des ständig von der Sonne ausgehenden Teilchenstroms - am Morgen des 19. für ein kurzes Polarlicht über Norddeutschland gesorgt. Auf den Impakt nach dem CME vom 24. War man gespannt, aber Sichtungen wurden nicht gemeldet, weil Norddeutschland zu der Zeit unter einer kompakten Wolkenschicht lag, die keine Beobachtungen zuließ. Damit endete auch dieser  Monat ohne herausragendes Ereignis auf unserer Sonne.

Sonne am 26.02.2012

Die Sonnenaktivität war an diesem Tag immer noch meilenweit vom Maximum entfernt. Ich fand – bei wieder mal sehr schlechtem Seeing - gerade mal eine H1- und eine A1-Gruppe und so sah die Fleckentätigkeit mehr nach einer Minimums-, als nach einer Maximumssonne aus. Ständig durchziehende Wolken störten auch an diesem Tag immer wieder die Beobachtung. Im Osten fand ich dann noch eine winzige A1-Gruppe, als für wenige Augenblicke das Seeing ganz leicht besser wurde. Die B-Gruppe vom gestrigen Tag konnte ich dennoch nicht wiederfinden.

Im Hα war die Aktivität ungleich höher als im Weißlicht. Auf Anhieb fand ich 8 Protuberanzen, wobei eine ziemlich groß war und eine andere wie ein Strich senkrecht zur Oberfläche stand. Dann gab es noch 5 Plages, aus denen unter bestimmten Voraussetzungen Flares entstehen können sowie 12 Filamente unterschiedlichster Größe und Ausprägung. Wie schon ein paar Tage zuvor, gab es einige, die im rechten Winkel – wie mit einem Strich gezogen - zueinander standen. Ziemlich genau am Ostrand gab es noch ein auffälliges helles Gebiet, aus dem ein CME entstehen könnte, der aber wegen seiner seitlichen Position nicht erdwärts gerichtet wäre.

Sonne am 25.02.2012

Wieder lag es am Wetter, dass seit der letzten Sonnenbeobachtung vier Ausfalltage folgten. Und auch an diesem Tag war es ein steter Kampf mit den Wolken. Die Sonne stand knapp über dem Dach des Nachbarhauses hinter meinen wie immer nervigen Bäumen. Da sie in dieser Jahreszeit noch wenig Bewuchs zeigten, konnte man durch die Äste hindurch schauen. Das wird in ein paar Wochen nicht mehr möglich sein. Zwar wurde in den letzten Tagen der Baum etwas gelichtet, mir wäre es aber lieber gewesen, wenn man ihn gefällt hätte. Nicht nur wegen der Sonnenbeobachtung, sondern auch wegen der Tatsache, dass er so viel vom Tageslicht wegnimmt, dass ich im Winter schon ab 14 Uhr Licht anmachen muss.

Wäre da nicht der oft zu beobachtende Wolkenstau in Richtung Sonne, hätte ich die Passage einer astfreien Zone im Baum hindurch beobachten können, so musste ich mir leider den Anblick mit einem quer stehenden Ast teilen. So sah die Sonne teilweise aus wie Jupiter, mit Wolkenstreifen, die allerdings irdischen Ursprungs waren: Die Wolken zogen seitwärts vor der Sonne vorbei. Mühsam erklomm unser Tagesgestirn größere Höhen und die nächste baumfreie Zone. Die Sicht war nicht wirklich gut, man musste nicht nur durch Äste, sondern auch durch eine fast beständige Cirrusschicht hindurch schauen. Das Seeing war sehr schlecht, der Sonnenrand in starker Bewegung und Einzelheiten auf der Oberfläche kaum auszumachen. Dennoch konnte ich in den wenigen verbleibenden Momenten ruhiger Luft im Westen eine H1- und eine A1- und nahe des Ostrands eine H2-Gruppe sehen. Die Werte für Ruhe und Schärfe lagen gerade mal bei 4, alles eher suboptimal. Da kann man endlich mal wieder beobachten und just an dem Tag derart mieses Seeing, dass sich die Beobachtung kaum lohnt. Dennoch sah ich – fast schon im Abbauen – noch eine kleine B-Gruppe ziemlich zentral nahe der Sonnenscheibenmitte. Und gerade jetzt, als das Seeing für Momente etwas besser wurde, erkannte ich, dass die H-Gruppe in Wirklichkeit eine C war, da vorher die kleinen Flecken im nachfolgenden Teil der bipolaren Gruppe einfach nicht zu sehen waren.

Da sich die Luftqualität – wenn auch immer nur für ein paar Sekunden – zu bessern schien, baute ich noch mein PST auf. Quer zum Bildfeld lag nun erst mal wieder ein dicker Ast, der die Beobachtung extrem beeinträchtigte. Dennoch sah ich wieder mal eine etwas größere Büschelprotuberanz sowie etliche kleinere, von denen eine steil aufzuragend schien. Zu allem Überfluss kamen auch die Wolken zurück … Und in dem Moment, wo die Sonne ganz hinter dem Baum hervorkam, zog es endgültig zu, aber nur in Richtung Sonne. Der übrige Himmel war schön blau und klar! So konnte ich die Hα-Beobachtung nicht beenden und musste sie mittendrin abbrechen. Erst Stunden später, am Nachmittag, kam die Sonne wieder raus und es blieb sogar für längere Zeit klar. In dieser Phase beobachtete ich 11 Protuberanzen, 9 Filamente und 3 Plages. Besonders beeindruckend waren dabei mehrere Filamente, die nahezu im rechten Winkel angeordnet waren. Später stiegen diese auf und sorgten für Koronale Massenauswürfe. Diese waren dann aber für mich – dank rasch wieder aufziehender Wolken – nicht zu beobachten.

Sonne am 20.2.2012

Schon beim ersten Blick durch das 9 mm Okular in der Steckhülse meines auf der Fensterbank stehenden 80/400 mm Refraktor mit Glasobjektivfilter fällt auf, dass sich die D-Gruppe vom Tag zuvor ganz enorm weiterentwickelt hatte. Sie bestand zwar immer noch aus insgesamt 12 Flecken, dafür hatten sich aber beide Penumbren – sowohl im voranschreitenden als auch im nachfolgenden Teil – enorm vergrößert. Daneben fand sich dann aber nur noch eine J-Gruppe, alle anderen Gruppen vom Vortag hatten sich quasi über Nacht aufgelöst und konnten nicht mehr gefunden werden. Die aktuelle SOHO-Satellitenaufnahme ließ zwar noch zwei klitzekleine A-Gruppen erkennen, in meinem Fernrohr waren sie aber nicht mehr zu sehen.

Die Beobachtungsbedingungen waren am Anfang recht gut, doch die sich im Nordwesten aufbauende Wolkenschicht schickte schon mal erste Cirren voran, die die Sonne dann mehr und mehr verdeckten. In der Folge verschlechterte sich das Seeing dramatisch und am Ende konnte man nicht mal mehr einen Schärfepunkt finden, da nun der Sonnenrand heftig wallte und auf der Sonnenoberfläche im Weißlicht nicht mal mehr eine Trennung penumbraler Strukturen möglich war.

Obwohl eigentlich kaum Hoffnung bestand, bei diesen Voraussetzungen im Hα etwas zu sehen, baute ich dennoch das PST auf. Und siehe da, trotz schlechter werdenden Seeings waren im Nordosten eine große schwebende Protuberanz, daneben eine Büschelprotuberanz, mehrere – auch ausgedehnte – Filamente sowie im Südosten eine weitere Büschelprotuberanz zu finden. Mehrere kleinere rundeten das Bild ab. Insgesamt 8 Protuberanzen, 14 Filamente und zwei Plages waren zu finden. Beendet wurde die Beobachtung dann aber durch die stärker werdende Cirrusbewölkung, die am Ende keine Wahrnehmung feiner Details mehr zuließ.