Freitag, 9. März 2012

Polarlichtjagd am 8. März 2012

Das war sie nun, meine erste Polarlichtjagd im digitalen Zeitalter (solange ich DSLRs besitze, habe ich kein Polarlicht mehr gesehen). Und, um es gleich vorweg zu nehmen, sie blieb erfolglos.

Dabei sah am Nachmittag noch alles sehr gut aus. Der koronale Massenauswurf eines X5-Flares hatte das Erdmagnetfeld erreicht, der K-Index kletterte auf 5, was immerhin für ein photographisches, vielleicht auch für ein visuelles gut Polarlicht ist. Und auch das Wetter wollte dieses Mal mitspielen. Nach dem ich am Nachmittag noch einen Kampf mit den Wolken um die Beobachtung der Sonne erst in der zweiten Runde gewonnen hatte, holte ich André Wulff um 18:30 Uhr ab, mit meiner Sony Handycam, der Canon 1100D, zwei Stativen und anderem Kleinkram im Rucksack. Wir fuhren über die A 1 bis Stapelfeld, dann durch Braak, um hinter Brunsbek auf einer Einfahrt zu einem Feld zum Stehen zu kommen. Wir hatten eine perfekte Sicht Richtung Norden. Im Osten ging grad der Vollmond auf – rotorange verfärbt durch dichte Atmosphäreschichten -, im Westen standen Venus und Jupiter dicht beieinander. Doch erst einmal ging es darum, auszuloten, wann wir ein Polarlicht sehen würden. Die Aussichten wurden von Minute zu Minute schlechter. Die vom ACE-Satelliten gewonnenen Messwerte wiesen eine nur geringfügige Sonnenwindgeschwindigkeit und eine Ausrichtung des Erdmagnetfeldes nach Norden aus. Ein Blick ins AKM Forum verhieß nichts Gutes. An mehreren Orten lagen Beobachter auf der Lauer und sahen bei unterschiedlicher Bewölkung kein Polarlicht. Langsam schwenkte das Magnetfeld nach Süden, dafür verringerte sich die Geschwindigkeit des Sonnenwindes auf etwa 300 km/h. Die Hoffnung währte nur kurz und dann zeigte die Nadel wieder nach Norden. Wir suchten per iPad und iPhone nach Polarlichtwebcams, aber auch das half nicht wirklich weiter, zumal just der Kreis, in dem man Polarlichter hätte sehen können, gegen 20 Uhr noch nicht mal norwegisches Festland erreichte.

Schließlich gaben wir gegen 21 Uhr auf. Allerdings nicht, ohne vorher noch die Planetenkonstellation im Westen, den Vollmond samt vorbeifahrenden Autos, Orion und das vor uns liegende und vom Vollmond beleuchtete Feld, zu fotografieren. Die Aufnahmen zeigen auch die von Westen her anrückende Schlechtwetterfront in Form erster Cirren. So kam ich wenigstens nicht ohne ein Ergebnis gegen 21:45 Uhr wieder zu Hause an.

Stellt sich noch die Frage, warum trotz guter Ausgangsbedingungen kein Polarlicht sichtbar war. Zunächst mal muss man wohl festhalten, dass der erwartete geomagnetische Sturm, als Voraussetzung für eine Polarlichtaktivität, so nicht eintrat. Derzeit wird zwar noch spekuliert, ob dem CME die entscheidende magnetische Komponente fehlte, oder wir nur einen Streifschuss erhielten. Fakt ist leider, dass die Aktivität im Erdmagnetfeld zu unserer Beobachtungszeit – und eigentlich auch schon vorher – niedrig war, was eindeutig gegen Polarlichter spricht.

Dafür konnten Messstationen in Kiruna und Tromsö am frühen Morgen kurz nach 4 Uhr MEZ bei schön südwärts ausgerichtetem Magnetfeld doch noch einen heftigen Anstieg der Aktivität messen, teilweise lag dort der K-Index bei 9. Im Ergebnis bedeutet dies, dass der Sturm mit erheblicher Verspätung wohl doch noch eintraf, aber es ist mehr als unwahrscheinlich, dass man auch bei klarem Himmel hier etwas davon gesehen hätte.

Kommentare:

  1. Hallo Manfred! Die Sache mit der Geschwindigkeit ist nicht richtig. Das Messinstrument des ACE leidet unter einer anderen Folge des solaren Ausbruchs, nämlich einem Strahlungssturm. Dadurch sind sowohl Dichte, als auch Geschwindigkeit nur Nullwerte. SOHO CELIAS liefert hier die richtigen Daten und die liegen bei 650-700km/s und 5-10 Teilchen, was für extreme Aktivitäten ausreicht...WENN das Interplanetare Magentfeld stark genug ist und nach Süden zeigt. Das war aber leider erst heute Morgen erfüllt, weshalb jetzt in Amerika der moderleuchtete Himmel brennt.

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  2. Hallo Ulrich,

    allerbesten Dank für die Richtigstellung, da sieht man mal, wie man sich von Werten täuschen lassen kann. Auf jeden Fall wohnen wir aber anscheinend mal wieder auf der falschen Seite der Welt.

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