Mittwoch, 7. März 2012

Sonne am 07.03.2012

AR 11429 – ein kryptischer Name, den man sich merken sollte, denn er bezeichnet die aktivste Sonnenfleckengruppe seit Monaten. Heute Morgen konnte ich sie mit Hilfe eines ausgedienten Okularsonnenfilters mühelos auch mit bloßem Auge sehen. Nach Feierabend wurde es dann schon sehr knapp mit der Weißlichtbeobachtung, da die Sonne nur ein paar Grad neben dem Hochhaus gegenüber stand und ich mich doch schon sehr beeilen musste, um die Sonne kurz nach 15:30 Uhr – unter endlich mal blauem Himmel – zu erwischen, zumal sich von Osten her eine dünne Wolkenschicht heranschob.

So war denn auch die AR 11429 – die man nur aufgrund ihrer Länge von weniger als 15 heliographischen Graden Ausdehnung nur in die Waldmeierklasse E einstufen konnte – auch die erste Gruppe, die mir beim ersten Blick ins Okular auffiel. Tagsüber hatte es eine Diskussion darüber gegeben, ob diese Gruppe überhaupt die Kriterien für ein bipolares Aktivitätsgebiet erfüllte. Grund hierfür war auch das völlige Fehlen von Flecken außerhalb der wild sprießenden Penumbren. Einige meinten, es würde sich ggf. um eine sehr ausgedehnte H-Gruppe handeln, doch nach genauerer Betrachtung des waldmeierschen Klassifikationsschemas tendierte ich auch zur Klasse D, weil die Penumbren zwar sehr ausgedehnt, die Gruppe aber – auch im Vergleich zu einer dicht dabei stehenden weiteren D-Gruppe – nicht lang genug war, um als E zu gelten.

In der Riesengruppe konnte ich an diesem Tage 25 Einzelflecken zählen, die wirklich allesamt in irgendwelchen Penumbren standen. Im voranschreitenden Teil der AR 11429 befand sich dann noch eine größere Lichtbrücke, die den Fleck an dieser Stelle fast erteilte. Man darf auf die weitere morphologische Entwicklung der Gruppe gespannt sein.

Vor der AR 11429 stand eine C-Gruppe mit 14 Flecken. Auf der Südhalbkugel gab es noch eine langgestreckte B-Gruppe, von der ich bei heranrückenden Wolken und der näher kommenden Hausmauer gerade noch drei Flecken sehr konnte. Ein Hα-Beobachtung war unter diesen Umständen zunächst nicht mehr möglich.

Das änderte sich erst fast anderthalb Stunden später, als die Sonne dann rechts vom Hochhaus stand und nur eine Tanne mit ihren Wipfeln in das Bild hereinragte. Nach dem Aufbauen des PST musste ich mich ein wenig beeilen, wenn zwischen Hausmauer, Tanne und anderen botanischen Sichthindernissen konnte ich die Sonne nur für wenige Augenblicke vollständig im Okular sehen.

Die Aktivität im Hα war schlicht umwerfend. Auf Anhieb sah ich gleich mehrere Protuberanzen (am Ende waren es 8 Herde), 15 Filamente und 3 helle Bereiche (Plages). Interessant war die Region rund um die AR 11429 auch im Hα. Hier griffen gleich vier Filamente von Zentrum des Flecks auf die nähere Umgebung über und eine war auch mit der ihr vorgelagerten C-Gruppe verbunden – hohes Potenzial für die explosive Auflösung der Filamente und in deren Folge für die Entstehung mit Flares und CMEs. Ein weiteres Filament im Südosten sah aus wie ein Hufeisen, daneben gab es viele kleinere, aber eher unauffällige Strukturen. Schließlich musste ich die Beobachtung beenden, weil die Sonne hinter der nächste Schicht Botanik versank und so keine weitere Beobachtung mehr möglich war.

Von der AR 11429 ist noch einiges zu erwarten, denn sie hat schon einige M-Flares und in der letzten Nacht einen X5.4 und kurz danach einen X1-Flare (beide aber ohne eine erdgerichtete Komponente) hervorgebracht. Bis zur Passage des Zentralmeridians der Gruppe am 9. und in den Tagen danach, ist die Wahrscheinlichkeit für Ausbrüche extrem hoch. Und gerade erhalte ich die Meldung, dass für die kommenden zwei Nächte – wenn sich das Wetter hier im Norden wieder verschlechtert – mit Polarlichtern gerechnet werden darf. Die wieder zunehmenden Wolken werden eine Beobachtung wohl verhindern, die überdies auch bei klarem Himmel aufgrund des fast vollen Mondes nicht gerade einfach wäre und kaum prächtige Farbstrukturen haben dürfte. Aber alles Spekulation, wenn man statt klarem Himmel nur Wolken anstarren darf.

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