Freitag, 9. März 2012

Sonne am 08.03.2012

Es war ein regelrechter Kampf mit den Wolken. Während den ganzen Vormittag über die Sonne von einem völlig blauen Himmel herab schien und ich bequem die Aktive Region 11429 mit meinem Okularsonnenfilter durch das Bürofenster beobachten konnte, kamen gegen Mittag immer mehr Wolken auf. Diese wechselten sich ständig mit wolkenfreien Gebieten ab. So ging es permanent hin und her. Für den Abend rechnete ich mit einem Polarlicht – alle Vorhersagen sahen sehr gut aus, leider aber nur die – und so machte ich rechtzeitig Feierabend, nur um zu sehen, dass die einzige am Himmel verfügbare Wolkenbank quer vor der Sonne lag und nicht weichen wollte, bis sie für mich unerreichbar hinter dem gegenüber stehenden Hochhaus stand.

An alternativen Standorten waren zu viele Bäume, die die Sicht versperrten und so viel die Beobachtung, erst einmal, aus. Etwa gegen 16:45 Uhr kam dann die Sonne rechts vom Hochhaus wieder raus und nun wurde es hektisch, denn viel Zeit blieb trotz der größeren Tageslänge nicht, bis die Sonne erst hinter der Tanne und dann hinter Bäumen entschwinden würde.

Rasch baute ich das den kleinen Refraktor auf der Fensterbank meines Schlafzimmers auf und bemerkte zunächst mal ein leicht grottiges Seeing mit heftig wallendem Sonnenrand und einer AR 11429, von der nur die Umrisse zu sehen waren. Aber je weiter sich die Sonne vom Haus entfernte und je tiefer sie sank, desto besser wurden – paradoxerweise – die Sichtbedingungen. Dafür wischte die Tanne ein ums andere Mal durch das Gesichtsfeld …

Die größte Entwicklung hat in den vergangen Tagen die AR 11429 durchgemacht, die man jetzt aufgrund ihrer größeren Ausdehnung als E-Gruppe klassifizieren kann. Ihre Penumbren hatten sich in den vergangenen zwei Tagen deutlich verändert, mehrere Lichtbrücken waren zu sehen, die teilweise in den Umbren saßen oder von der Umgebung her in die Hofgebiete eingriffen. Auch in der D-Gruppe südlich der AR 11429 waren zwei Lichtbrücken – die immer auch ein Zeichen für hohe magnetische Aktivität in den Aktiven Regionen sind – zu finden. Vor der AR 11429 befand sich eine C-Gruppe und in einem Fackelfeld am Westrand eine A. Darauf ergibt sich die Klassifikationsfolge: E28, C11, D13, A1. Die am Ende der Weißlicht-Beobachtung wieder stark schwankende Luftunruhe ließ nur ganze drei Fackelfelder erkennen.

Schnell wechselte ich auf das PST über. Im Hα machte sich die Luftunruhe noch stärker bemerkbar, es gab aber auch hin und wieder überraschend ruhige Momente. So war der Anblick der rötlichen Sonne im Okular mal wieder sehr beeindruckend. Es gab gleich mehrere größere Protuberanzen (die aber von ihren Dimensionen her kaum mit denen einer Maximumssonne verglichen werden können) und etliche Filamente, die vor allem vom Zentrum der AR 11429 ausgingen und sich bogenförmig in die Umgebung erstreckten. Insgesamt zählte ich 9 unterschiedlich große Protuberanzen  - eine davon (am Westrand) vom aufsteigenden Typ -, 3 helle Gebiete und 15 Filamente. Letztere traten gehäuft  rund um die AR 11429 auf, während auf der übrigen Sonnenoberfläche zumeist nur kleinere Materiebögen zu sehen waren. Die Witterung ließ erstaunlicherweise auch mal wieder eine Hα-Zeichnung zu.

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