Mittwoch, 14. März 2012

Sonne am 10.03.2012

Es war wieder mal ein Kampf mit den Wolken, deren Bewegung kaum vorhersehbar war, weil sie in mehreren Schichten auftraten. Es klarte an diesem Tag auf, obwohl eigentlich vom Wetterbericht andauernder Regen vorhergesagt worden war. Auch so kann es manchmal kommen. Aber ganz so einfach war es dann doch nicht, neben der Jagd nach passenden Wolkenlücken nervte der aufkommende Sturm und zunehmend heftiger werdende Böen schlugen gegen das Teleskop und ließen das Bild nahezu ständig zittern. Sich da auf Details in den Fleckengruppen zu konzentrieren, war schon eine Herausforderung für die Augenmuskulatur. Überdies war das Seeing auch nicht so besonders und man konnte kaum den Fokus finden, weil die Beobachtungsbedingungen extrem schwankten. Der Wind zerrte auch ständig an meinem Beobachtungszettel, der sich zwischendurch dann auch irgendwann in die Lüfte erhob und meinen Blicken entschwand. Also musste ich nochmal mit dem Zählen anfangen …

Die AR 11429 hatte ihr Aussehen deutlich verändert, sie war länger geworden und hatte einige Penumbren verloren. Dennoch war sie knapp noch mit bloßem Auge sichtbar. Die vor der AR 11429 liegende C-Gruppe hatte eine merkwürdige Form angenommen, im Zentrum stand eine Umbra, die von vielen kleinen Einzelflecken umgeben war. Eine richtige bipolare Struktur war nur schwer auszumachen. Im Süden stand noch eine D-Gruppe, bei der aber in nachfolgenden Teil die Penumbra nur noch rudimentär vorhanden war. Das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe sah an diesem Tag noch eine A-Gruppe, die ich mit meinem 80/400er Refraktor aber nicht erkennen konnte, schon gar nicht unter den gegebenen Umständen. Was auch wieder typisch für den gegenwärtigen Stand im Zyklus war: der AR 11429 folgte nichts Größeres nach, nur fleckentechnischer Kleinkram.

Mit Annäherung der Sonne an mein Nachbarhaus wurden die Wolkenlücken wieder kleiner und immer wenn es aufriss kam auch der Wind wieder und fast wehte er auch den zweiten Zettel von der Fensterbank. So konnte ich zunächst auch die Idee begraben, mit dem PST noch die Hα-Sonne zu beobachten.

Zwei Stunden später – der Himmel war wieder weitgehend klar und der Wind hatte kaum nachgelassen – gab es wieder größere Wolkenlücken und es lohnte sich, das PST aufzubauen. Auf Anhieb kam ich auf 12 Protuberanzenherde, 16 Filamente und 2 Plages. Starke Veränderungen bei der AR 11429 auch hier: die Filamente, die noch vor kurzem direkt aus dem Zentrum des Flecks kamen und in der Umgebung endeten, waren verschwunden. Ein paar bogenförmige Filamente konnte aber noch gefunden werden. Im Nordwesten gab es dafür eine auffällige, aufsteigende Protuberanz: Ein Gebiet mit viel Potenzial, das sich aber wohl erst nach Sonnenuntergang in Europa entfalten würde. Wieder aufkommende Wolken und der Wind beendeten dann die Beobachtung für diesen Tag.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen