Donnerstag, 29. März 2012

Sonne am 28.03.2012

Bei leicht diesigem Himmel waren die Beobachtungsbedingungen eher durchschnittlich. Man ist zwar gewohnt, bei leichtem Dunst und Nebel aufgrund der gleichmäßigen Schichtung der Luft auf gute Verhältnisse anzutreffen. Das ist aber nicht immer so. Wie an diesem Tag. Die Momente wirklich klarer Luft mit guter Durchsicht waren rar gesät, boten dann aber einen Blick auf davor nicht gesehene kleinere Fleckengruppen, die am Ost- und Westrand inmitten von Fackelfeldern standen. Manchmal hatte ich den Eindruck, ganz grob die Granulation zu sehen. Das aber ist in meinem kleinen 80/400er Refraktor nicht möglich. Das beobachtete Gekrissel ist eher die Supergranulation, auf jeden Fall aber ein Hinweis auf eine doch ganz gute Transparenz der Luft, die aber immer nur für wenige Augenblicke anhielt.

Bei den Flecken im Weißlicht hatte sich gegenüber  gestern fast nichts verändert. Am Ostrand war eine neue B-Gruppe erschienen, die F-Gruppe hatte eher ein paar der kleineren Flecken verloren, zeigte aber bei den Penumbren so gut wie keine Veränderungen. Wie schon am Vortag gelang mir auch heute keine gesicherte Beobachtung der der AR 11444 nachfolgenden Gruppe, die von der Kanzelhöhe mit den größeren Teleskopen dort erfasst wurde.

In Momenten guten Seeings meinte ich zwar ansatzweise, etwas zu erkennen. Da ich das aber nicht verifizieren, die Sichtung nicht bestätigen konnte, hatte ich die Gruppe nicht mitgezählt. Man sollte Fleckengruppen – analog zur Deep Sky-Beobachtung – immer nur dann wirklich zählen, wenn man sie mehrfach aufgesucht und eindeutig wiedergefunden hat. Alles andere könnte eine Täuschung des Auges durch Blendeffekte etc. sein. Selbst wenn die Zeichnung oder Fotografie an der bewussten Stelle eine Fleckengruppe ausweist, sollte man sie nicht bei der Relativzahlbestimmung berücksichtigen, wenn man sie nicht gesichert gesehen hat!

Der Umstieg auf das PST brachte eine Überraschung: War noch gestern die Aktivität im Hα eher moderat, hatte sie sich quasi über Nacht erheblich gesteigert. Ich kam beim Zählen auf 11 Protuberanzen, 21 Filamente und 4 chromosphärische Fackeln. Gleich mehrere größere Materiabögen waren zu beobachten. Im Süden gab es mehrere flach gedrückte Protuberanzen nebeneinander, im Norden eine, die wie eine Tanne aussah, im Osten mehrere kleinere und im Westen keine einzige. Dafür gab es sehr viele Filamente, die ausnahmsweise mal deutlich größer waren. Gleich sieben von ihnen entsprangen der F-Gruppe und griffen in die Umgebung der aktiven Region hinein. Bei der Region im Südosten konnte man wieder über den Sonnenrand hinausgehende Filamente sehen, ein immer wieder faszinierender Anblick. Das Seeing wurde übrigens im Laufe der Zeit besser und man konnte immer mehr Einzelheiten erkennen. Gegen Ende der Beobachtung kam im Vorfeld der heranrückenden Schlechtwetterfront heftiger Wind mit starken Böen auf, die eine für die Zeichnung sichere Beobachtung der Oberflächendetails verhinderte.

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