Mittwoch, 23. Mai 2012

Die Sonne im März 2012

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)


Die Sonnenaktivität verhielt sich auch im März eher untypisch. Nachdem der fast kontinuierliche Anstieg der gemittelten Relativzahlen seit Dezember 2011 ausgebremst wurde und im Februar ein vorläufiges Zwischenminimum fand, ist seit März wieder ein leichter Anstieg der solaren Fleckentätigkeit zu beobachten.

Die ersten Märztage sahen allerdings nicht danach aus, denn die Aktiven Regionen 11423 und 11427, eine H- und eine A-Gruppe, die sich zur C weiterentwickelte, waren die einzigen sichtbaren Aktivitätsgebiete. Das änderte sich erst am 4., als die Kanzelhöhe 8 und die NOAA 4 Gruppen sah. Zwei D-Gruppen, die AR 11428 und 11429 waren, auch auf Grund ihrer vielfältig gestalteten Penumbren, die augenfälligsten Gebiete. Die Relativzahlen stiegen in den kommenden Tagen langsam, aber stetig, hauptsächlich wegen der Zunahme der A- und B-Gruppen. Ab 6. gehörte die AR 11429 zur Waldmeierklasse E und war durch eine Sofibrille oder andere geeignete Schutznahmen (gerußte Gläser etc. zählen nicht dazu) auch mit bloßem Auge zu sehen. Ihre ausgreifenden Penumbren gestalteten sich immer komplizierter – ein guter Indikator für komplexe magnetische Vorgänge in der Region -, und sie nahm immer mehr Fläche ein.

Am 10. konnte man die AR 11429 in die Waldmeierklasse F einstufen, da sie an Ausdehnung und Komplexität abermals zugenommen hatte. Unterdessen war die Zahl der kleineren Fleckengruppen wieder zurück gegangen. Am 11. fiel sie wieder auf die Stufe E zurück und näherte sich immer mehr dem Westrand an. In ihrer Begleitung waren da noch zwei D-, eine C- und eine H-Gruppe. Ein Bild, das auch in den kommenden Tagen den Beobachter erwartete: Eine einzige große Fleckengruppe und ein paar kleinere Grüppchen, munter über die Sonnenscheibe verteilt. Am 15. waren nur noch Reste der Gruppe zu sehen, am 16. war sie dann ganz um den westlichen Sonnenrand herum rotiert. Quasi in ihrem Schatten hatte die AR 11432 just an diesem Tage die Klasse E erreicht. Sie hatte sich seit ihrem ersten Erscheinen am 10. als D-Gruppe nur sehr langsam entwickelt und brauchte ganze 6 Tage um entwicklungsmäßig voran zu kommen. Und so konnte sie nur auf Grund ihrer Längsausdehnung der Klasse E zugeordnet werden, von ihren penumbralen Strukturen her war sie eher eine durchschnittliche D-Gruppe. Und genau auf diese Stufe fiel sie auch einen Tag später zurück und, als wenn sie sich übernommen hatten, fiel sie dann binnen Tagen völlig auseinander und war schon am 18. nicht mehr zu sehen.

Den anderen Gruppen ging es in dieser Zeit auch nicht sehr viel besser, oft überlebten sie die halbe Sonnenrotation nicht und lösten sich rasch auf. Ein Jahr vor den prognostizierten Maximum hätte man eigentlich stabilere Magnetfelder erwarten können. Am 19. war die komplette Osthälfte der Sonne fleckenfrei, alle Aktivitätsgebiete hatten sich nach Westen verschoben und waren um mindestens eine Stufe zurück gefallen. Einen Tag später tauchten mit den Regionen 11438 und 11439, einer H- und einer C-Gruppe, wieder neue Aktivitätsgebiete auf. Die H kam um den Sonnenrand herum und die C hatte sich auf der Nordhalbkugel gebildet. Am 24. ließ sich erstmals die AR 11445 blicken, eine weitere E-Gruppe, blicken. Besonders beeindruckend war sie nicht, denn sie hatte nur zwei penumbrale Zentren und dazwischen nur wenige Flecken. Auch dehnte sie sich zunächst bis zum 28. immer weiter aus und zerbrach danach in drei kleinere Gruppen. Bis zum Monatsende nahm zwar die Zahl der Fleckengruppen leicht zu, aber sie gehörten überwiegend zu den Klassen A bis C. Größere Änderungen an diesem Bild ergaben sich erst einen Monat später.

Wie fast immer, war die Aktivität im H-Alpha deutlich höher als im Weißlicht. So gab es schon am 2. um 17:46 UT im Nordosten einen isoliert stehenden M3/Sf-Flare, der mit einem nicht erdwärts gerichteten CME verbunden war. Neben einigen C-Flares folgte am 4. um 10:52 UT ein M2/1N aus der AR 11429, verknüpft mit CME und einem verstärkten Radiofluss (750 sfu Tenflare, Typ IV Radiosturm) bei einer Teilchengeschwindigkeit von 840 km/s.

Die AR 11429 bescherte den Beobachtern im Hα aber noch weitere Highlights. Am 5. um 4:09 UT gab es einen X1/2b-Flare (Teilchengeschwindigkeit 1340 km/s). Fünf M-Flares folgten, der größte am 6., 12:41 UT in Form eines M2/1n. Der nächste Kracher erreichte am 7. um 0:24 UT seinen Höhepunkt, ein X5/3b. Die AR 11430 stand dem in nichts nach und jagte um 1:14 UT einen X1/Sf ins All hinaus. Am 9., 3:53 UT, zog die AR 11429 mit einem M6-Flare nach. Die Aktivität der Sonne blieb auch in den folgenden Tagen relativ hoch. Am 10. produzierte die AR 11429 einen lang andauernden M8-Flare mit dem Höhepunkt um 17:44 UT. Zuvor gab es in der Region 11430 einen C8-Flare. Beide waren jeweils mit einem CME assoziiert.

Nach zwei Tagen Pause regte sich die Aktivität wieder und die AR 11429 brachte am 13. um 17:41 UT einen kräftigen M7-Flare hervor. Dieser war begleitet sowohl von einem Type II und einem Typ IV Radiosturm (Teilchengeschwindigkeit bis zu 1366 km/s), einem 1400 sfu Tenflare und dazu noch von einem CME, dessen Teilchen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 1375 km/s herausgepustet wurden. Leider stand die Gruppe zu ungünstig, als dass man hätte Polarlichter sehen können. Am 14. um 7:52 UT einen M1/1F-Flare mit Typ II-Radiosturm und CME, gefolgt um 15:21 UT gab es einen M2/1N-Flare, ebenfalls mit CME. Am 16. gab es hier drei c-class-Flares. Die AR 11434 produzierte einen heftigen M1/Sf-Flare am 17. um 20:39 UT, der verbunden war mit einem Typ II Radiosturm (Teilchengeschwindigkeit bis zu 1140 km/s). Danach ebbte das Geschehen im Hα spürbar ab und bis zum Monatsende gab es maximal c-class-Flare zu sehen, davon aber manchmal gleich mehrere an einem Tag. Im gleichen Zeitraum konnte man aber dennoch eine gewisse Anzahl beeindruckender Protuberanzen und Filamente beobachten.

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