Freitag, 8. Juni 2012

Die Sonne im Mai 2012

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)


Am 1. Mai erkannte auch die NOAA, dass es sich bei der AR 11471 um eine E-Gruppe handelte, ebenso wie die AR 11469. Beide jedoch verdienten sich ihre Zugehörigkeit zu dieser Waldmeierklasse ausschließlich aufgrund ihrer Längsausdehnung, denn weder gab es große penumbrale Strukturen zwischen dem p- und dem f-Fleck, noch waren dort die Hofgebiete besonders ausgeprägt. Dafür war die Penumbra im p-Teil der AR 11471 die größte, die es in jenen Tagen auf der Sonne zu sehen gab. Einen Tag später fiel die AR 11469 auf die Stufe D zurück und due AR 11471 wies zwar eine noch größer gewordene Penumbra auf, dafür war davon im f-Teil nichts mehr zu sehen. Für den 3. verzeichnete die NOAA mit einem Mal drei E-Gruppen, während auf der Zeichnung der Kanzelhöhe lediglich eine zu sehen ist. Auf bei bestem Wohlwollen ist dort nicht mehr zu sehen. Im Gegenteil: Die Aktivität ging durch das Verschwinden einiger kleinerer Gruppen wieder ein wenig zurück. Ein Konglomerat aus zwei Gruppen (ich selber habe sie als eine Gruppe gewertet) bestimmte das Angesicht der Sonne in den nächsten Tagen. Mit dem Aktivitätsgebiet rund um die AR 11476 änderte sich das ab 6. Mai entscheidend. Während die „alten“ Gruppen ihren Zenit überschritten hatten und zerfielen, kam hier eine der größten Fleckengruppen der letzten Zeit um den Ostrand herum. Sie war schon am 7. einwandfrei als F-Gruppe zu identifizieren, deren Ausdehnung noch zunahm und die eine beachtlich hohe Zahl von Einzelflecken hervorbrachte. Selbstredend, dass man sie mit Hilfe einer Sonnenfinsternisbrille auch mit bloßem Auge sehen konnte. Dafür nahm die Zahl der übrigen Fleckengruppen nun drastisch ab. Dafür wurde die Penumbra im voranschreitenden Teil der F-Gruppe von Tag zu Tag größer, während die Zahl der Flecken weiter zunahm. Am 10. zählte das Sonnenobservatorium 84 Einzelflecke, am 11. waren es sogar gigantische 154. Inzwischen waren mit den Aktiven Regionen 11477 bis 11480 wieder ein paar „neue“ Fleckengruppen um den Ostrand herumgewandert. Bei einer so großen Gruppe, erwartet man auch viele Ausbrüche und natürlich Polarlichter, aber …
Zunächst einmal nahm die Zahl der Fleckengruppen vom 13. auf den 14. um das Doppelte zu, alles Angehörige der Waldmeierklassen B, D und H. Die AR 11476, bislang noch die größte Gruppe auf der Sonne, zerfiel binnen Stunden fast vollständig. Am 15. gab es nur noch eine große Penumbra, einige wenige Einzelflecke und eine sehr kleine Penumbra im f-Teil. Sie war unter den Augen der Weltraumsatelliten regelrecht in sich zusammengebrochen. Am 17. war sie nur noch eine unscheinbare C-Gruppe. Dennoch war die Sonnenaktivität in jenen Tagen durchaus beeindruckend, denn es wurden sehr viele Regionen der Waldmeierklassen A, B, D und J beobachtet. Daraus entwickelte sich die Situation, dass viele der Gruppen dicht beieinander standen und auch von der Kanzelhöhe nicht immer einwandfrei voneinander getrennt werden konnten. Auch als Amateurbeobachter hatte man da so seine Probleme und die Klassifikation folgte eher dem persönlichen Geschmack, als irgendwelchen Regeln. Und auch das Hinzuziehen aktueller Magnetogramme machte eine Einteilung der Gruppen nicht immer einfacher. Und während die Kanzelhöhe die Aktiven Regionen 11482 und 11484 ab 19. als E-Gruppen einstuften, was auch meinem Eindruck am Teleskop entsprach, blieb die NOAA bei der Klasse D. Am 20. aber war auch die Kanzelhöhe der Meinung, dass es sich hier um zwei D-Gruppen handelte, obwohl diese weder ihre Längsausdehnung, noch ihr Aussehen deutlich verändert hätten. Am 22. war es dann aber eindeutig: Beide Gruppen waren im Zerfall begriffen und auch der Rest der Sonne wirkte langsam wieder übersichtlich leer, weil sich die vielen kleinen Gruppen langsam aufgelöst hatten. Damit schien die stärkste Phase der Sonnenaktivität im Mai vorbei zu sein, denn die Zahl der Fleckengruppen ging wieder mal deutlich zurück. Aber schon am 24. stieg sie durch eine Vielzahl kleiner Gruppen wieder deutlich an. So kam die Kanzelhöhe am 24. auf 9 Gruppen. Bis zum Monatsende blieb es im Mittel bei dieser Zahl. Am 27. erschien mit der AR 11492 wieder eine kleine E-Gruppe mit wenig Flecken und ein paar Penumbren. Zusammen mit der AR 11490 war die die bestimmende Gruppe auf der Nordhalbkugel der Sonne, da sich fast alle Nachbargruppen aufgelöst hatten.

Die ersten Tage des Wonnemonats waren im Hα geprägt durch eine geringe Zahl an Flares, die höchstens die Klasse c erreichten, dafür gab es viele sehenswerte Protuberanzen und Filamente in rauen Mengen. Die noch dicht am Rand stehende AR 11476 produzierte dann am 5. um 13:29 UT einen M1/Sn-Flare. Sie war in den kommenden Tagen die mit Abstand aktivste Gruppe auf der Sonne und produzierte mehrere M-Flares, z.B. am 6. um 17:47 UT einen M1/1, am 7. um 14:31 UT einen M1/1n (dieser war verbunden mit einem multiplen Radioburst [240 sfu Tenflare] und einem Typ IV-Radiosturm), am 8. um 13:08 UT einen M1/1f, am 9. um 12:32 UT einen M4/1n, am 9. um 14:08 UT einen M1/1b, am 10. um 4:18 UT einen M5/2b usw. Danach kehrte erst einmal relative Ruhe ein, bis sie am 17. um 1:47 UT einen M5/1f hervorbrachte. Am 18. konnte der Solar Dynamics Observer (SDO) über der Aktiven Region 11482 auf der Nordhalbkugel ein eruptives Filament aufsteigen sehen, während die AR 11476 munter weitere c-class-Flares produzierte. Am 22. wurde um 12:05 UT– dieses Mal von der Sonde STEREO-B – ein weiteres eruptives Filament entdeckt, das mit einem kleinem koronalen Massenauswurf verbunden war, der jedoch keine erdwärts gerichtete Komponente hatte. Die AR 11492, im Weißlicht schon beeindruckend, war im Hα erschreckend schwach. Sie produzierte nur geringenergetische Flares und erst am 29. stieg um 5:52 UT aus ihr ein c-Flare mit einem schwachen CME auf, der aber auch nicht in Richtung Erde in Bewegung gesetzt wurde. Am 30. und 31. folgten danach nur noch Ausbrüche der schwächsten Klasse b. Die im Vergleich zum Weißlicht erstaunlich schwache Aktivität im Hα sorgte denn auch dafür, dass es in der Folge maximal fotografische Polarlichter in unseren Breiten zu sehen gab.

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