Freitag, 27. Juli 2012

Die Sonne im Juni 2012

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)


Weißlicht:
Acht Fleckengruppen zählte das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe am Ossiacher See in Österreich am 1. Juni. Darunter die auch noch in den ersten beiden Tagen dominierende AR 11492. Schon am 4. begann ihr Zerfall, die Penumbren bildeten sich zurück, die Zahl der Flecken wurde geringer, sie fiel auf die Stufe D ab. Auf der Nordhalbkugel der Sonne hatte sich unterdessen ein Komplex dicht beieinander stehender Gruppen geformt, der viele Beobachter vor Probleme stellte: die Einteilung in die verschiedenen Aktiven Regionen war nicht immer eindeutig. Hier obsiegte einmal mehr die Erfahrung und der „Geschmack“ der Beobachter. Manch einer fasste den Bereich zu einer gigantischen Gruppe zusammen, andere wiederum zerteilten sie relativ willkürlich. Das war bei den Profis von der Kanzelhöhe und bei der NOAA nicht anders. Auch hier gab es bisweilen recht wilde Konstrukte. Da hilft dann und wann mal ein Blick auf die Magnetogramme, um die Gruppen voneinander zu trennen. Die aktive Zone wanderte weiter und schon am 5. klassifizierte die NOAA einen Teil davon als F-Gruppe (AR 11493). Der mehrere heliografische Grade lange Komplex war auch in den kommenden Tagen nicht einfach zu klassifizieren, die Relativzahlen knackten die 100er-Marke und die AR 11493 wurde am 6. nur noch als E-Gruppe gesehen. Die Gruppen an diesem Tage kontrastierten gut mit der am Morgen vor der Sonne vorüberziehenden Venus! Der 7. Juni brachte gleichermaßen Entspannung und Verwirrung, denn das Fleckenkonglomerat begann sich aufzulösen und zerfiel sukzessive in viele kleine Gruppen, die oft schon gar keine Penumbra mehr ausbildeten. Beim S.I.D.C. in Brüssel fiel die Relativzahl wieder unter die 100. Und am 8. erwischte es auch die AR 11493, sie stieg rapide von einer E- zu einer C-Gruppe ab und verlor fast alle Penumbren sowie einen Großteil der Einzelflecken. Damit wurde eine Phase etwas ruhigerer Sonnenaktivität im Juni eingeleitet. Während die ehemals großen Regionen nach Westen wanderten, kam von Osten her nur wenig oder gar nichts mehr nach: Die Sonne wirkte in jenen Tagen zweigeteilt, mit vielen Flecken auf der einen und fast keinen auf der anderen Seite, die überdies nur die Waldmeierklassen A bis D, H und J erreichten. Am 12. Juni hatte sich die AR 11504, erstmalig am 10. auf der Südhalbkugel zu beobachten, lt. NOAA zu einer E-Gruppe vergrößert, man hätte sie aber auch leicht noch als D-Gruppe klassifizieren können. Bei der AR 11507 war die Sachlage schon eindeutiger: Sie folgte der AR 11504 auf der Südhalbkugel auf dem Fuße und zeigte schon am Tage nach ihrem Erscheinen am 11. deutliche penumbrale Strukturen, deren Komplexität jeden Tag ein wenig zunahm. Am 16. gehörte die AR 11504 dann endgültig in die Klasse E, da auch sie nun große Penumbren ausbildete, die AR 11507 war unterdessen in die Klasse F aufgestiegen und konnte unter Zuhilfenahme einer Sonnenfinsternisbrille mit bloßem Auge gesehen werden. Am 15. war die AR 11507 etwas geschrumpft, obwohl sich ihre Penumbren nochmals vergrößert hatten, da bei der Klassifikation aber hier die Längsausdehnung den Ausschlag gibt, war die Rückstufung auf die Klasse E zutreffend. Im weiteren Umfeld zu diesen beiden großen Gruppen gab es nur wenige kleinere und insbesondere auf der Nordhalbkugel ging die Aktivität immer mehr zurück. Am 17. war die AR 11504 auf die Stufe D zurückgefallen, die Penumbren kaum noch auszumachen. Auch an der AR 11507 nagte der Zahn der Zeit und sie bildete sich nun wieder zurück. Das Festhalten der NOAA an der Stufe E für die AR 11504 war weniger nachvollziehbar, hatte doch ihre Länge, die Zahl der Penumbren und die der Einzelflecken abgenommen. Das Bild der vorigen Woche wiederholte sich: Fleckengruppen gab es nur zum westlichen Sonnenrand hin, der Osten war völlig leer. So meldete das S.I.D.C. in Brüssel für den 20. und 21.6. eine fleckenfreie Nordhalbkugel. Zu Sommeranfang gab es nur noch eine Fleckengruppe dicht am Westrand zu sehen. Einen Tag später sah die Kanzelhöhe nur eine winzige B-Gruppe im Norden, die allerdings von vielen Beobachtern übersehen wurde, die an diesem Tag die erste fleckenfreie Sonne seit Monaten meldeten. Auch der Autor konnte diese mit seinem 80/400er Refraktor nicht sehen. Danach baute sich die Zahl der Flecken sukzessive wieder auf. Erst am 25. gab es mal wieder eine Fleckengruppe mit Penumbra, die AR 11511 war als C-Gruppe zu sehen, am 27. kam die Sache dann langsam wieder in Fahrt: die AR 11512 war als D-Gruppe zu sehen. Nach und nach erreichten dann auch die AR 11513 und die AR 11515 diese Klasse, die sie bis zum Monatsende behalten sollten. Am 30. hatte die Sonne dann wieder fünf Fleckengruppen und alle gehörten der Klasse D an.

Hα:
Die hohe Sonnenaktivität Anfang des Monats setzte sich, was die Häufigkeit von Flares betraf, nicht in gleichem Maße bis in den Hα-Bereich fort: Zwar gab es nun auch endlich mal größere Protuberanzen und ausgedehnte Filamente, die besonders dann sehr plastisch wirkten, wenn sie über den Sonnenrand hinausgriffen und viele helle Gebiete, doch in den ersten Tagen verzeichnete man nur einige schwächere b- und c-class-Flares. Am 3. leuchtete in der im Weißlicht eher unscheinbaren AR 11496 ein M3-Flare auf, der seinen Höhepunkt um 17:55 UT erreichte. Dem war 2 Minuten vorher ein Tenflare mit 320 sfu vorausgegangen; und um 17:59 UT folgte eine Typ II-Radioemmission, deren Teilchen mit 1077 km/s ins All geschleudert wurden. Zuguterletzt kam dann noch um 18:54 UT ein Koronaler Massenauswurf hinterher (für die Erde aber unbedeutend, da er am nordöstlichen Rand der Sonne registriert wurde). Die gleiche Region produzierte am 6. um 20:06 UT einen M2/1b-Flare, der mit einem weiteren Typ 2-Radiosturm (Teilchengeschwindigkeit 1148 km/s) und einem weiteren Typ IV-Radiosturm verknüpft war. Einen Tag zuvor, war um 19:45 UT ein großes Filament auf der Nordhalbkugel der Sonne eruptiert. Wieder dauerte es ein paar Tage bis zum nächsten größeren Ereignis: am 9. stiegen aus der AR 11499, die im Weißlicht ebenfalls nicht sonderlich aufgefallen war, um 11:32 UT ein M1-, um 16:45 UT ein M1/Sf-Flare auf. Hinzu kamen noch eine ganze Reihe weiterer b- und c-class-Flares. Der 10. brachte um 6:45 UT einen M1-Flare aus der AR 11504; daraus entwickelte sich am 13. um 13:17 UT ein weiterer, lang anhaltender M1/1n-Flare, der dieses Mal aber mit einem Typ IV-Radiosturm und einem Tenflare mit 260 sfu assoziiert war. Am 14. stieg hier um 14:35 UT ein M1/1n-Flare samt 1400 sf Tenflare und Typ IV-Radiosturm empor. Damit legte sich für die nächsten fast zwei Wochen die Flaretätigkeit, die am 24. Juni sogar völlig zum Erliegen kann. Dazwischen gab es natürlich die eine oder andere Eruption, doch erst am 28. wurde wieder ein M2/1b-Flare registriert. Dieser entstieg um 16:12 UT der AR 1513, die am selben Tag einige weitere b- und c-Flares hervorbrachte. Am 29. entstand in der AR 11513 um 9:20 UT ein M2/1b-Flare, sowie am 30. Um 12:52 UT und 18:32 UT jeweils ein M1er. So endete der Monat mit moderater bis niedriger Aktivität im Hα, der vier Wochen zuvor so hoffnungsvoll gestartet war.