Montag, 10. September 2012

Die Sonne im Juli 2012

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Mit Beginn des neuen Quartals setzte sich die vergleichsweise hohe Sonnenaktivität zunächst fort. Dominierende Fleckengruppe war auf der Südhalbkugel die AR 11515, die nun zur Klasse E gezählt werden konnte und die sich durch ausschweifende und filigrane Penumbren auszeichnete. Begleitet wurde sie von fünf weiteren Gruppen der Klassen A bis D. Auf der Nordhalbkugel hatte sich – wieder einmal – ein Konglomerat aus mehreren Aktiven Regionen (Nr. 11513, 11516 und 11517) gebildet, das man gut und gerne auch als eine F-Gruppe hätte zählen können. 

Bei der Betrachtung der Achslage der Gruppen allerdings kamen dann und wann schon Zweifel ob der Richtigkeit der Klassifikation aus. Generell ist die Achse einer Fleckengruppe immer zum Sonnenäquator hin geneigt, ganz gleich, auf welcher heliographischen Breite sie sich gerade bewegt. Deutlicher wurde die Dreiteilung dann am 3., wobei man auch die AR 11515 nicht außer Acht lassen durfte, denn diese entwickelte sich rasant weiter, bildete immer größere Penumbren aus und bekam mehr und mehr Flecken. 

In den Folgetagen entwickelten sich die drei Gruppen im Norden wieder zurück, während die Anzahl der Flecken bei der AR 11515 alsbald die 100 überschritt. Gleichzeitig rückten im Osten zwei neue, allerdings bedeutend kleinere Aktivitätsgebiete nach (AR 11518 und 11519), die zu den Klassen C und J gehörten. Und während ab 6. die AR 11515 mit Annäherung an den westlichen Sonnenrand nun an Größe abnahm (was nicht nur an der perspektivischen Verkürzung lag), kam um den Ostrand eine weitere Zusammenballung von Fleckengruppen herum. Sie waren ähnlich problematisch zu klassifizieren, da auch hier die Trennung der einzelnen Gebiete zueinander nicht zweifelsfrei möglich war. Insbesondere die AR 11520 entpuppte sich alsbald als weitere F-Gruppe, die auf der Südhalbkugel um den Sonnenrand herumwanderte. Der Anblick im Fernrohr war schon eindrucksvoll: Je eine F-Gruppe gleichzeitig am Ost- und am Westrand. 

Die Zahl der Fleckengruppen insgesamt ging nun aber trotz der immer größer werdenden AR 11520 wieder leicht zurück, um am 9. wieder anzusteigen. Besonders bemerkenswert war die Zahl der Fleckengruppen, die sich rund um die AR 11520 neu bildeten und erneut die Abgrenzung zueinander erschwerten. Sowohl das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe, als auch die NOAA und die Sonnenleute bei www.spaceweather.com lieferten in diesen Tagen höchst unterschiedliche Einschätzungen. Immerhin waren die Penumbren der AR 11520 so groß geworden, dass man sie auch mit bloßem Auge und Sonnenfinsternisbrille bequem ohne Fernrohr beobachten konnte. Am 10. war das Riesengebiet sogar das einzige Aktivitätszentrum, welches sich nun auch der Sonnenscheibenmitte annäherte und somit auch genügend Potenzial für Polarlichter in sich barg. Die entsprechenden Ausbrüche (s. nachfolgendes Kapitel) fanden statt, allerdings gab es danach in Europa keine Polarlichter, sondern in Kanada und Nordamerika. 

Am 15. hatte sich der Fleckenkomplex weiter dem westlichen Sonnenrand angenähert (es tauchten danach zunächst keine neuen Gruppen im Osten auf) und die auch hier zu beobachtende Dreiteilung blieb weiter bestehen. Am 18. war nur noch der hintere Teil zu sehen, während ansonsten im Osten nur ein Verbund aus mehreren kleinen Gruppen (den man auch als eine Gruppe hätte klassifizieren können) zu sehen war. Am 19. war der große Fleckenkomplex dann endgültig wegrotiert und zurück blieben nur kleine Grüppchen. Am 22. nahm die Gruppenzahl sogar auf 2 ab, bis am nächsten Tag diese Zahl wieder auf 5 anstieg, weil am Osten mehrere kleine Aktivitätsregionen aufgetaucht waren. 

Bis zum 27. erreichte keine dieser Gruppen eine der höheren Waldmeierklassen. Erst an diesem Tag erschienen – wieder auf der Südhalbkugel - gleich zwei Sammelsurien unterschiedlicher Flecken am Ostrand.Sie entwickelten sich sehr rasch und standen auch wieder sehr dicht beieinander, sodass zum wiederholten Male eine Aufteilung sehr schwierig wurde. Am Monatsletzten konnte man dann schon der Auffassung sein, eine weitere F-Gruppe würde über die Sonne wandern, die Kanzelhöhe und die NOAA waren aber übereinstimmend der Auffassung, dass es sich hier um zwei D-Gruppen handelte.

Die Hα-Beobachtung war im Juli recht wechselvoll. In den Anfangstagen gab es nur eine bescheidene Anzahl an Ausbrüchen, was sich aber mit dem Erscheinen der AR 11515 und insbesondere der AR 11520 rasch ändern sollte. 

Am 1. war um 19:18 UT aus der Region 11513 ein M2/Sb-Flare aufgestiegen. Nur ein paar Stunden später, um 0:20 UT entstieg hier ein M1/1n-Flare. Die AR 11515 sorgte um 10:52 UT ein M5/2b-Flare, der mit einem Typ II-Radiosturm assoziiert war, einen 380 sfu-Tenflare erzeugte und die Teilchen mit 1063 km/s ins All schleuderte. Ein paar Stunden darauf gab es hier um 20:07 UT einen M3/2b-Flare (190 sfu Tenflare). Die AR 11513 produzierte am 4. umd 16:39 UT einen M1/2n-Flare (inkl. Typ II und IV-Radiosturm, 200 sfu Tenflare und CME), die AR 11515 um 4:37 UT einen M2/Sn und um 9:55 UT einen M5/2b. So ging es dann munter weiter, jeden Tag gab es gleich mehrere C- und M-Flares. Am 6. stieg dann um 23:08 UT aus der AR 11515 ein X1-Flare auf, der gleich von mehreren M-Flares begleitet wurde. Um 23:42 UT – man konnte es fast erwarten – entlud sich ein CME, der mit einem 520 sfu Tenflare, einem TYP II und einem Typ IV-Radiosturm verknüpft war und dessen Teilchen eine Spitzengeschwindigkeit von 1771 km/s erreichten. 

Die gleiche Region brachte am 8 um 16:32 UT einen M6/1n-Flare mit 640 sfu Tenflare, Typ II und Typ IV-Radiosturm hervor. Hier lag die Teilchengeschwindigkeit bei 2271 km/s. Und auch die AR 11520 macht sich das erste Mal bemerkbar, sie schleuderte einen M1/Sf-Flare um 9:53 UT ins All. Danach beruhigte sich das Geschehen etwas, dafür produzierte aber auch die AR 11520 gleich eine ganze Reihe von C- und M-Flares. Das war aber nur die Ruhe vor dem (Sonnen-)Sturm. 

Am 12. um 16:49 UT entfleuchte ihr ein X1/2b Flare, auch wieder samt Typ II und IV-Radiosturm und 800 sfu Tenflare. Die Maximalgeschwindigkeit der Teilchen lag diesmal bei 1268 km/s. Unterdessen machte sich auch de AR 11521 mit einem M1/1f-Flare am 14. um 4:58 UT bemerkbar. Einen über Stunden andauernden M1-Flare erzeugte die AR 11520 am 17., der von 12:03 bis 19:04 UT andauerte und sein Maximum um 17:15 UT erreichte. 

Selbst nach dem Überschreiten der „Westgrenze“ der Sonne war diese Region weiter aktiv. Hier entstand am 19. mit Höhepunkt um 5:58 UT ein M7-Flare, der mit Typ II und IV-Radiosturm (Geschwindigkeit der Teilchen: 1110 km/s), 1000 sfu Tenflare und einem koronalen Massenauswurf assoziiert war. Danach ebbte die Flaretätgkeit spürbar ab und erst am 27. gab es wieder einen M2/1f-Flare, der kurioserweise zwischen den Aktiven Regionen 11530 und 11532 entstanden war und einen leichten Radiosturm (Typ II und IV, Geschwindigkeit 2099 km/s, 340 sfu Tenflare) entfachte. Damit stieg in den letzten Tagen des Juli die Aktivität wieder an. Die AR 11532 produzierte am 28. um 20:56 UT einen M6/2n Flare mit 370 sfu Tenflare und Typ II und IV Radiosturm (Spitzengeschwindigkeit 1387 km/s). Am 29. war es um 6:22 UT ein M2/1n-Röntgenflare und am 30. um 15:48 UT ein M1/Sn. Damit endete dieser doch sehr flarereiche Monat.

Das Sunspot Index Data Center (S.I.D.C.) in Brüssel errechnet folgende Mittelwerte für den Juli: Relativzahl (gesamt) = 66.5, Relativzahl (Nord)= 15.2, Relativzahl (Süd)= 51.3, woran erkennbar wird, dass es momentan einen deutlichen Fleckenüberschuss auf der Südhalbkugel gibt, während in den ersten Monaten des 24. Zyklus eher der Norden bevorzugt war.

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