Sonntag, 28. Oktober 2012

Sonne am 28.10.2012

Eine ganze Woche hat es gedauert, bis ich endlich mal wieder die Sonne beobachten konnte. Die Umgebung meines Beobachtungsplatzes, das Wetter und die gestrige Fahrt zur Bochumer Herbsttagung verhinderte, dass ich in der Zwischenzeit unser Tagesgestirn vor das Fernrohr bekam.

Am heutigen, leicht frostigen, Sonntag gelang mir dies aber endlich wieder. Die Sonne stand über dem Nachbarhaus aber unter den tief hängenden Ästen der Bäume, so das ich ein einigermaßen freies Gesichtsfeld bekam.

Durch die vielen Ausfalltage bekam ich die Entwicklung der letzten Tage nicht mit, daher war ich einigermaßen überrascht, als ich nur noch drei mittelgroße Sonnenflecken vorfand: eine H1, eine D6 (die praktisch nur aus zwei Penumbren mit darin eingebetteten Flecken bestand, aber etwas größer war) und eine H11 (dem Überrest einer E-Gruppe, die ich verpasst hatte).

Im H-Alpha hält die erhöhte Aktivität offenbar weiter an und scheint mir mittlerweile recht stabil zu sein. Drei etwas größere Protuberanzen am Sonnenrand, die sich in Form von Filamenten bis über die Sonnenoberfläche hinein fortsetzen, 10 weitere Filamente sowie 4 Flaregebiete rundeten das Bild ab. Aufgrund des Seeings war das chromosphärische Netzwerk, jene feine, über die ganze Sonne verteilte netzartige Sturkur - daher auch der Name - heute nur ansatzweise zu sehen. Auch schoben sich immer wieder mal Wellen schlechter Luft durch das Bild. Dennoch war eine einwandfreie Sichtung der Phänomene ohne Probleme gegeben.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Sonne am 21.10.2012

Am Tag unserer Abreise aus Kirchheim gibt es heute nur einen kurzen Blogbeitrag von mir. Gegenüber gestern haben sich offenbar einige der kleineren Fleckengruppen aufgelöst, dafür ist eine H um den Ostrand herumgekommen und die "große" D enthält immer noch zwei interessante Lichtbrücken. Insgesamt komme ich heute nur auf fünf Fleckengruppen.

Im H-Alpha ist es weiterhin sehr spannend, zwei große, bogenförmige Protuberanzen, einige frei schwebende sowie eine ganze Reihe netter Filamente runden das Bild ab. Auffällige Strukturen in den Flaregebieten konnte ich heute nicht ausmachen.


Samstag, 20. Oktober 2012

Sonne am 20.10.2012

Schönes Wetter am Urlaubsort sichert mir auch heute wieder eine morgendliche Sonnenbeobachtung. Das Seeing ist gerade außergewöhnlich gut, im Weißlicht zeigen sich - insbesondere bei der AR 11596 - ganz feine Strukturen in der Penumbra sowie mindestens zwei Lichtbrücken. Das sind helle Bögen, die von außen her in den Fleck eingreifen und gelten als Maß für eine hohe magnetische Aktivität in der Aktiven Region.

Ansonsten komme ich heute auf sieben Gruppen, darunter eine der beiden gestern nicht gesehenen A, die aber hart am Rande der Sichtbarkeit für mein kleines Fernrohr steht. Die Gruppen gehören heute der Waldmeierklassen A, B (2x), C, D (2x) und H an.

Das gute Seeing kam natürlich auch der H-Alpha-Beobachtung zugute: 15 Protuberanzen, 18 Filamente und 7 Flaregebiete konnte ich ausmachen. Nur nackte Zahlen, denn bei einer genauen Betrachtung der einzelnen Erscheinungen offenbaren sich ein paar nette Sachen. Die Protuberanzen zeigten sich heute in einem ungewöhnlichen Formenreichtum. So waren aufrecht stehende Spritzer ebenso dabei wie zwei dünne, frei schwebende Fädchen, drei bogenformige Protuberanzen und eine, die aussah, wie das Zeichen für Pi. Bei zwei Flaregebieten sah man zwei Aufwölbungen: Orte, in denen demnächst Flares aufsteigen könnten. Leider habe ich so ein Ereignis bis heute nicht live am Fernrohr verfolgen können.

Im Südwesten war sehr schön zu sehen, wie sich die große Bogenprotuberanz bis in ein kleine Filament hinein fortsetzte - sehr plastisch, fast dreidimensional wirkend - und dass der Materiebogen nicht exakt am Sonnenrand, sondern in einem kleinen Winkel dazu versetzt stand. Zur gleichen Zeit, ebenfalls im Südwesten, erhob sich helles Material aus einem Flare und bildete ebenfalls einen kleinen Bogen, ein anderes Flaregebiet zeigte zur Beobachtungszeit eine kastenartige Erhebung, die ebenfalls das Potenzial zu einem Ausbruch hatte.

Zu meinem Bedauern habe ich nur noch morgen früh, sofern das Wetter mitspielt, die Gelegenheit für eine ausgiebige Sonnenbeobachtung, denn da geht es wieder zurück nach Hamburg, so ich mich dann wieder mit Bäumen, Häusern und der tiefstehenden Herbstssonne abquälen darf.



Freitag, 19. Oktober 2012

Sonne am 19.10.2012

Der heutige Tag begann mit strahlendem Sonnenschein und einem fast wolkenlosen Himmel über der Volkssternwarte Kirchheim in Thüringen. Keine Frage, dass ich nach dem morgendlichen Duschen erst einmal mein Sonnenequipment vor dem Unterkunftsgebäude aufgebaut habe. 





So einen Luxus kann ich mir wegen der nervigen Bäume und Häuser ringsum in Hamburg nicht gönnen.

Die Zahl der Flecken im Weißlicht ist auch heute recht überschaubar. Ich konnte aufgrund des doch eher mittelmäßigen Seeings - strahlender Sonnenschein ist eben doch kein ausreichendes Indiz für gute Beobachtungen - nur sechs Aktivitätsgebeite sehen. Eine frisch um den Sonnenrand herum gekommene D-Gruppe, zwei B, eine weitere D, eine J und eine H. Das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe sah noch zwei weitere A-Gruppen, die ich aber nicht finden konnte. Möglicherweise lag es am Seeing, am begrenzten Auflösungsvermögen des Teleskops oder schlicht an beidem.

Der Blick durch das PST bestätigte auch heute wieder meinen persönlichen Eindruck, dass die Sonne derzeit im H-Alpha wesentlich aktiver ist, als im Weißlicht. Schon beim ersten Blick fand ich am Westrand eine scheibar frei im Raum schwebende Protuberanz in vergleichsweise großem Abstand zur Oberfläche. Erst eine genauere Beobachtung der Gegend offenbarte ein dünnes Gasfädchen, dass von der Oberfläche bis zur Protuberanz hochreichte. Sie zeigte, wie weit diese Erscheinungen prinzipiell in den Raum hinaus reichen können.

In Richtung Norden befand sich eine weitere Protuberanz, die wie eine verkleinerte Ausgabe der Giseh-Pyramide aussah. Insgesamt kam ich heute auf 14 Protuberanzen, 13 Filamente und 8, teilweise sehr ausgedehnte, Flaregebiete. Aus diesen zeichneten sich zarte Filamente heraus, deren filigrane Bögen geschwungen wieder zur Sonnenoberfläche zurückgingen. In Richtung Westrand befand sich überdies ein sehr helles Flaregebiet, aus dem bestimmt heute noch ein kleiner CME aufsteigen wird.

Es lohnte sich auch, sich die einzelnen Flaregebiete einmal genauer anzuschauen, bei zwischendurch gutem Seeing zeigte sich eine Vielzahl von Strukturen, die sich kaum beschreiben lässt. Der Tag dürfte spannend werden.

PS: Nur eine Stunde nach den obigen Beobachtungen war die schwebende Protuberanz nicht mehr zu sehen, fünf Stunden danach hatte sich an gleicher Stelle eine neue, kastenförmige, gebildet.


Donnerstag, 18. Oktober 2012

Sonne am 18.10.2012

Die Sonnenbeobachtung gestaltete sich auch am heutigen Tage eher etwas schwieriger, denn als ich nach dem Aufwachen Beobachten wollte, war der Himmel erst einmal wieder zu. Dazu zog dauernd mehr oder weniger dicker Wolkenschleim von Süden heran, der eine begonnene Beobachtung zunächst mal scheitern ließ.

Erst gut drei Stunden später ergab sich eine winzige Lücke im Wolkendickicht, die zumindest eine Beobachtung im Weißlicht erlaubte. Dort fand ich heuer wieder acht Fleckengruppen: Zwei der Klasse B, zwei C, eine D, eine H und zwei J. Keine davon hatte besonders erwähnenswerte Merkmale, alles war nur Durchschnitt.

Im H-Alpha - durchziehende Zirren erschwerte zwischendurch immer wieder die Beobachtung - sah das Ganze dann schon ein wenig anders aus. Neun Protuberanzen (davon drei große inkl. einer schwebenden), 10 Filamente (vier von etwas größerer Gestalt) und acht heller Flaregebiete. Leider ergab sich auch heute keine weitere Möglichkeit zur Nachbeobachtung, um zu kontrollieren, was sich gerade bei Flares und Protuberanzen verändert haben könnte. Dafür war es warm wie im August und Massen von Marienkäfern umschwärmten uns. Und man konnte häufiger mal Nebensonnen beobachten.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Sonne am 17.10.2012

Der heutige Tag begann zunächst sehr sonnig, doch sollte sich das schon sehr bald ändern, denn aus Richtung Westen kam die seit Tagen angekündigte Warmfront an, mit sehr viel Gewölk im Gepäck. Es gab nur noch wenige wolkenfreie Zonen am Himmel, als ich mit der Weißlichtbeobachtung beginnen konnte. Acht Gruppen waren zu sehen, die wieder nur den unteren Waldmeierklassen angehörten: zwei A-, zwei B-, zwei C- und zwei J-Gruppen. Die gestern noch als D mit über 20 Flecken zu klassifizierende AR 11589 war heute nur noch eine große B-Gruppe, da ihr sämtliche Penumbren verloren gegangen waren.

Mit der H-Alpha-Beobachtung musste ich mich dann wieder mal sehr beeilen, durchziehende Schleierbewölkung drohte sie zunichte zu machen. In Momenten ruhiger Luft und einem fast wolkenfreien Himmel sah ich 11 Protuberanzen, 8 Filemante - nur drei waren etwas größer - und 6 Flaregebiete, Eines davon sah auch wie eine kleine Rampe, auf dessen Oberseite ein Filament entlanglief. Im PST wirkte das sehr plastisch und in der Tat könnte dort heute einen der im Laufe des Tages registrierten c-class-Flares aufgestiegen sein, aufgrund der dichten Bewölkung war das aber leider nicht zu beobachten. Erst als am Abend die Sonne tief im Westen knapp über dem Horizont stand, lockerte sie sich wieder etwas, eine Nachbeobachtung zur Kontrolle war daher leider nicht mehr möglich.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Sonne am 16.10.2012

Gestern auf der Sternwarte Kirchheim angekommen, konnte ich hier nach drei Tagen endlich mal wieder die Sonne beobachten, da wir hier unter strahlend blauem Himmel aufwachten. Im Gepäck steckte mein 80/400er Refraktor und mein PST und so konnte ich ohne Behinderung durch Häuser oder Bäume unser Tagesgestirn beobachten.

Im Weißlicht war die Aktivität aber immer noch nicht wirklich spektakulär: Sieben Fleckengruppen, die fast gleichmäßig über die Sonne verteilt waren, aber nur niedrigen Waldmeierklassen angehörten. Ich fand eine A, zwei B, zwei C, eine D und eine J. Leider stand zum Zeitpunkt der Beobachtung - Murphy war mitgereist - die einzige, gerade am Himmel sichtbare, allerdings sehr dünne, Wolkenschicht.

Im H-Alpha war die ganze Geschichte schon spannender. Nicht nur, dass ich 16 Protuberanzen - zwei davon ziemlich interessant am Ostrand - und 16 oft aber nur sehr kleine Protuberanzen sah, ich beobachtete auch 6 helle Flaregebiete, von denen gleich zwei ungefähr in der Sonnenscheibenmitte standen. Hieraus waren im Laufe des Tages sechs b-class- und ein c-class-Flare entstanden, die aber kaum zu nennenswerten Polarlichtern führen dürften. Dafür hat sich die bereits um den westlichen Sonnenrand herum rotierte AR 11592 mit einem kräftigen CME verabschiedet, dessen Plasmawolke bis über 100.000 km in den Weltraum hinausreichte. Man darf gespannt sein, wie die Region in etwa 12 Tagen aussehen wird, wenn sie wieder am Ostrand erscheint, es sei denn, sie hat sich vorher aufgelöst. 

Samstag, 13. Oktober 2012

Sonne am 13.10.2012

Es stimmt: Unverhofft kommt oft und so war es mir heute schon gegen 8:20 UT möglich, die Sonne zu beobachten, als sie knapp über einem Haus und knapp unter tief herunter hängenden Ästen zu sehen war. Das Seeing war zwar entsprechend mäßig, aber ich beobachtete alle gerade auf der Sonne befindlichen Gruppen, als da wären: eine randnahe B in einem Fackelfeld, zwei J und eine C sowie die etwas größere Gruppe, ich vor ein paar Tagen noch als "Fleckenkomplex" bezeichnet hatte. Die Klassifikation war nicht ganz einfach, letztlich entschloss ich mich, sie als C einzustufen. Schnell zusammengerechnet kam ich heute also auf fünf Fleckengruppen.

Es war dann noch ein wenig Zeit für die H-Alpha-Beobachtung, die jedoch aufgrund des schlechten Seeings nicht berauschend war. Acht Protuberanzen, sieben mittelgroße Filamente und drei Flaregebiete war alles, was ich in der Kürze der Zeit beobachten konnte, denn nun bedeckt wieder der Baum die Sonne und nimmt mir in der Wohnung das Tageslicht.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Sonne am 10.10.2012

Manchmal sind kleine Teleskope von unschätzbarem Vorteil. Eine kleine Wolkenlücke war just in dem Moment zu erspähen, als ich von der Arbeit nach Hause kam. Schnell war der kleine 80/400er Refraktor aufgebaut. Bei ganz passablem Seeing, aber einer immer schneller näher kommenden Häuserwand, musste ich mich schon sehr mit der Beobachtung beeilen. 

Daher zählte ich von Westen her und kam auf fünf Gruppen, eine A, die hart am Sonnenrand mitten in einem Fackelfeld stand, eine B, eine C, eine J und dann die Zusammenballung am Ostrand, die ich als C einstufte, weil im nachfolgenden, dick in der Fackel stehenden, Teil zumindest ein Fleck ohne Penumbra zu sehen war.

Eine weitere Lücke tat sich auf, durch die ich dann noch mit dem PST schauen konnte, die Beobachtungsbedingungen - ich musste auf den Dachboden ausweichen -  waren aber eher suboptimal. Ich kam auf 11 Protuberanzen, fünf, zum Teil sehr helle, Flaregebiete - da wird sich bestimmt noch was in Richtung Flare tun - und  sieben  mittelgroße Filamente, doch dicke Wolken zogen schnell heran und beendeten die Beobachtung. Und während ich dies hier blogge, regnet es auch schon wieder, wie so oft in den letzten Tagen.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Sonne am 09.10.2012

Das überaus launische Wetter in Hamburg bescherte mir heute - im Gegensatz zu gestern - eine längere wolkenfreie Periode zu Feierabend, auch wenn die Sonne während der Beobachtung praktisch direkt neben einem Hochhaus stand und das Seeing durch die Wärmeemissionen des Hauses eher mittelmäßig war.

Enttäuscht wurde ich durch die immer noch sehr geringe Anzahl an Sonnenflecken. Lediglich vier Gruppen konnte ich finden, am Ostrand tauchte heute ein etwas größerer Komplex auf, den ich als H-Gruppe klassifizierte. Das ist mit Sicherheit nicht richtig, aber da die Gruppe exakt am Sonnenrand stand, konnte man nur das beurteilen, was man sah. Das dürfte sich in den kommenden Tagen noch ändern, vorausgesetzt, es ergibt sich alsbald eine weitere Möglichkeit zur Beobachtung. Des Weiteren sah ich noch eine J-, eine C- und eine B-Gruppe. Alles nicht wirklich spannend.

Interessanter wurde es hingegen im H-Alpha, wo ich an der Stelle, an der die neue Fleckengruppe herumwanderte, eine etwas größere Protuberanz und ein kleines Flaregebiet beobachten konnte. Insgesamt zählte ich 14 Protuberanzen, die meisten waren aber eher klein, aber häufig. Auf der Sonne gab es erstaunlich wenig Filamente (ich kam grad mal auf 6 Stück) und nur fünf Flaregebiete.

Das Ausmaß der Protuberanz war zwar ganz nett, aber kaum mit dem während eines richtigen Maximums zu vergleichen. Hätte es beispielsweise in dem Maximumsjahren 1979 und 1980 schon Personal Solar Telescopes (PSTs) gegeben, würden die mehrere Millionen Kilometer langen Materiebögen weit über das Gesichtsfeld im OKular herausreichen. So aber sind die derzeit zu beobachtenden Protuberanzen eher ein müder Abklatsch dessen, was die Sonne hervorzubringen vermag. 

Die geringe Größe der Protuberanzen, die derzeit immer noch geringe Zahl der Fleckengruppen und die geringe Häufigkeit großer E- und F-Gruppen ein Jahr vor dem angenommenen Maximum läßt nur wenige Schlüsse zu: Entweder - und darauf deutet momentan alles hin - wird das Maximum des 24, Fleckenzyklus eines der geringsten der letzten 100 Jahre, oder das Maximum kommt nicht Ende 2013, sondern vielleicht erst 2014 - sehr zum Ärgernis mancher Weltuntergangsfantasten, die das Maximum der Sonnenaktivität im Dezember 2012 erwartet hatten.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Sonne am 07.10.2012

Nach zwei Tagen ohne die Möglichkeit einer Beobachtung - als es gestern Nachmittag aufklarte, hatte ich gerade eine Führung auf der Bergedorfer Sternwarte -, war der Himmel über heute zum ersten Mal seit gefühlten Wochen mal völlig klar. Nach Durchzug einer Wolkenfront klarte es auf und bescherte sogar ein recht anständiges Seeing.

Doch der Blick durch das Fernrohr war enttäuschend, gerade mal drei Gruppen - eine C, eine H und eine J) - waren auf der Südhalbkugel zu sehen. Derzeit kann man eher den Eindruck gewinnen, sich im Minimum statt auf dem Weg zum Maximum in etwa einem Jahr zu befinden. Und schon mehren sich erste Prognosen, die das Maximum sogar erst 2014 sehen.

Im H-Alpha war die Sonnenaktivität am heutigen Tage ebenfalls eher gering. Das chromosphäreische Netzwerk war gut auszumachen, aber ansonsten war die Aktivität eher gering. Zwar konnte ich 11 - ausgesprochen mickrige - Protuberanzen zählen, aber nur drei Flaregebiete und fünf Filamente, davon zwei etwas auffälliger am Westrand, wo die Weißlicht die AR 11582 zu sehen war.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Sonne am 04.10.2012

Das war heute so ein typischer Herbsttag mit Dauerregen bis in den Nachmittag und die Sonne kam erst heraus, als sie hinter dem Hochhau im Westen stand. Dem folgte dann ganz schnell noch mal ein Sturzbachregen, doch dann klarte es von Nordwesten her auf.

Die Sonne stand mittlerweile bedrohlich tief über einem Baum, doch war der Himmel mit einem Mal richtig klar und tiefblau. Dementsprechend war auch das Seeing, nämlich grottenschlecht. Nach Durchzug der Regenfront war die Luft so aufgewühlt, dass der Sonnenrand beständig vor sich hin waberte, dafür waren aber die Flecken auf der Oberfläche ganz gut im Weißlicht zu sehen. Eine Trennung zwischen Umbra und Penumbra war einwandfrei möglich, doch wies die Sonne auch heute nur die gleichen vier Gruppen von gestern auf. Fackelgebiete am Rand waren nur schwer zu erkennen.

Dieses Mal wagte ich es, auch das PST aufzustellen - prompt, quasi als Strafe, fiel der Objektivdeckel aus dem 2. Stock rein in die Botanik vor dem Haus und sofort nach der Beobachtung eingeleitete Suchmaßnahmen verliefen bislang ergebnislos.

Das miserable Seeing machte sich im H-Alpah leider deutlich bemerkbar. In Wellen lief die schlechte Luft durch das Bild und nur mit sehr viel Mühe sah ich 11 Protuberanzen, vier Filamente und vier helle Flaregebiete. Ein Drehen des Filters brachte kaum eine Verbesserung des Bildes und der Sonnenrand wallte im H-Alpha noch stärker als im Weißlicht, so verschwanden auch immer wieder Einzelheiten während der Beobachtung und tauchten kurz danach wieder auf. Aber mann kann dieser Tage schon froh sein, wenn man unser Tagesgestirn überhaupt zu Gesicht bekommt.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Sonne am 03.10.2012

Im Herbst und Winter im Norden die Sonne beobachten zu wollen, ist schon sehr anspruchsvoll, wie ich heute wieder erleben durfte. Aus Richtung Südwesten kamen mehrere wolkenfreie Gebiete in der ansonsten geschlossenen Wolkendecke heran. Doch fast jedes Mal, wenn dieser Bereich die Sonne erreichte, gingen sie entweder an ihr vorbei oder andere Wolkenschichten bemühten sich rasch, die Lücke zu schließen.

Das passierte heute schon ein paar Mal sehr erfolgreich. So wurde aus vermeintlich großen, wolkenfreien Streifen, meist nur ein winzige "Löchlein", das den falschen Kurs nahm. Bei der ersten großen Lücke hatte ich meinen 80/400er-Refraktor aufgebaut und als ich damit fertig war und das Instrument auf die Sonne ausrichten wollte, war alles zu. Aber es kündigten sich weitere Wolkenlücken an, sodass ich das nur grob ausgerichtete Teleskop auf der Fensterbank stehen ließ. Eine richtig große Lücke kündigte sich wenige Minuten später an und als ich durch langsam dünner werdenden Wolkenschleim die Sonne beobachtete, musste ich feststellen, dass dieser sich rasend schnell ausbreitete und sich der breite Wolkenstreifen abermals schloss, danach kamen nur noch dicke, dunkle Wolken. 

Dennoch konnte ich in dem Wolkenschleier die vier Gruppe sehen, die heute auch vom Sonnenobservatorium Kanzelhöhe erfasst wurden. Allerdings ist meine Klassifikation eine leicht andere: neben zwei H-Gruppen sah ich eine B und eine randnahe C in einem größeren Fackelfeld.

Damit war auch schon binnen einer gefühlten Minute die Gelegenheit zur Beobachtung auch schon wieder vorbei. Selbstredend, dass dabei das PST nicht mehr zum Einsatz kam.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Die Sonne im September 2012

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Die Sonnenaktivität im September war im Großen und Ganzen betrachtet eher durchschnittlich. Dabei sah es am Anfang eigentlich nach einem kleinen Aktivitätsschub aus, der auch dringend nötig wäre, um das Maximum im kommenden Herbst – es wurde just in diesem hier zu besprechenden Monat von Frühling auf Herbst 2013 verschoben – noch zu erreichen.

Hervorstechende Region war die AR 11560, die am 1. noch als D-, einen Tag später aber schon als E-Gruppe klassifiziert werden konnte. Sie war am 31. August erstmals zu sehen gewesen und hatte sich rasch weiter entwickelt und stand nun in der Nähe der Sonnenscheibenmitte. Begleitet wurde sie indes von einer Vielzahl kleinerer Gruppen, die den Klassen C, D und H angehörten. Darunter war auch die AR 11564, erstmalig sichtbar gewesen am 1. September, als sie um den Ostrand der Sonne herum rotierte.

Die Längsausdehnung der beiden großen Gruppen konnte aber auch dazu führen, dass 11560 als F- und 11564 noch als D eingestuft wurde. Das wurde in den kommenden Tagen aber eindeutiger. Doch schon am 5. zeigten sich bei der AR 11564 erste Auflösungserscheinungen, die Penumbren nahmen genauso wie die Zahl der Einzelflecken von Tag zu Tag ab, dennoch hielt sie ihre in heliographischen Graden gemessene Länge.

Und wieder einmal konnte man erleben, wie nicht nur große Gruppen regelrecht auseinander brachen, sondern dass danach auch wieder kaum neue Fleckengruppen im Osten erschienen. Mit der Sonnenrotation verschwanden allmählich die Gruppen am Westrand, oder hatten sich schon vorher aufgelöst. Die AR 11560 war am 7. nicht mehr zu sehen und die Zahl der noch vorhandenen Regionen ging auf vier zurück. In der Nacht vom 9. auf den 10. war dann auch sie innerhalb kürzester Zeit quasi Geschichte: Am ersten Tag war sie noch vollständig als E-Gruppe erhalten, einen Tag später war der nachfolgende Teil der Feckenupe plötzlich verschwunden und übrig blieb nur noch eine aus den Flecken des voranschreitenden Teils gebildete D-Gruppe.

An der Gesamtzahl der Gruppen änderte sich danach nicht mehr viel und verharrte zwischen 5 und 7. Die AR 11569, am 12. als kleine D-Gruppe am Ostrand erstmals sichtbar, war schon ab dem 13. als E eingestuft worden, was aber nur ihrer Längsausdehnung und nicht der Komplexität der einzelnen Gruppenteile zu verdanken ist, denn nur ganz vorne und ganz hinten gab es je eine Penumbra, die überdies nicht  mal kompliziert gestaltet war. Sie überlebte den 16. nicht und war auch, wie schon die AR 11569, eine aus Resten gebildete C-Gruppe, da sie alle übrigen Teile verloren hatte.

Die am 18. um den Ostrand herum gekommene AR 11575 wurde ab dem 21. sowohl von der  Kanzelhöhe als auch von der NOAA gleichermaßen als E-Gruppe eingestuft, doch schien sie im Fernrohr dafür viel zu kurz zu sein. Hier hat man sich offenbar durch die „etwas“ komplexeren Penumbrastrukturen irritieren lassen. Während die NOAA die AR 11575 bis zum 26. durchgehend als E sah, teilte sie die Kanzelhöhe ab dem 22. In drei Gruppen auf (H, C und J), was nicht immer nachvollziehbar war. Allerdings war das Gebiet auch so chaotisch, dass man nicht mal die Achslage der bipolaren Gruppen als Kriterium heranziehen konnte. Am 24. sah die Kanzelhöhe hier sogar zwei D und eine C-Gruppe: eine Aufteilung, der man sich durchaus anschließen konnte, wenn man die unterschiedlichen Ausrichtungen berücksichtigte. Die nächsten Tage war dann zu beobachten, wie sich die drei Gruppen immer weiter voneinander entfernten und der Abstand zwischen dem ehemals voranschreitenden und dem nachfolgenden Teil immer größer wurde. Unverständlich, warum die NOAA die Gruppe dann nicht als F klassifiziert hatte. Dafür kam die Kanzelhöhe am 26. auf die Idee, die hintere der drei Gruppen der Klasse E zuzuordnen, was weder mit der Länge, noch mit der Komplexität der Penumbren in Einklang zu bringen war.

Einen Tag später hatte das Rätselraten aber ein drastisches Ende: Aus zwei C und einer E wurden eine H- und zwei J-Gruppen, der Rest hatte sich praktisch verflüchtigt. Die Penumbren waren aufgelöst und die Einzelflecken verschwunden. Für den Rest des Monats waren dann nur noch die beiden dicht aufeinander folgenden Regionen 11582 und 11583, eine C- und eine H-Gruppe auffallend, die durch ihre großen und dennoch einfach gestrickten Penumbren dem Beobachter sofort ins Auge fielen.

Der Blick auf die Chromosphäre offenbarte am Monatsanfang eine nur sehr geringe Flareaktivität, die über die Klasse c nicht hinausging. Der erste, etwas kräftigere Ausbruch, fand am 6. um 4:13 UT statt, als ein M1-Röntgenflare aus der AR 11560 aufstieg, der aber nicht erdwärts gerichtet war. Die Gruppe, obwohl ausgedehnt und als E klassifiziert, war im Hα auffallend inaktiv. Sie war nur in der Lage, b- und c-class-Flares hervorzubringen, für die höheren Klassen fehlte ihr offenbar - nicht nur im sprichwörtlichen Sinne - die Energie, oder besser: die hohe Magnetfeldstärke. Dafür stieg am 8. zwischen den Regionen 11564 und 11562 ein lang anhaltender M1-Flare auf, dessen Teilchenstrom sich aber auch nicht in Richtung Erde aufmachte.

Am 9. produzierte die AR 11564 einen weiteren M1-Flare, der seinen Höhepunkt um 22:36 UT erreichte. Überdies eruptierte  schon am Vormittag gegen 10 Uhr ein großes Filament im Südostquadranten der Sonne, was zu einem ordentlichen CME – dem ersten des Monats – führte. Die Teilchen strömten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 420 km/s ins All, gingen aber auch am Erdmagnetfeld vorbei. Am 13. gab es ein weiteres explodierendes Filament, dass auf der Nordhalbkugel der Sonne einen CME mit einer Teilchengeschwindigkeit von 536 km/s hervorbrachte.

Am 21. registrierten die SOHO-Sonden zwei kräftige koronale Massenauswürfe, allerdings auf der erdabgewandten Seite der Sonne. Über der AR 11577 auf der Nordhalbkugel – im Weißlicht war sie als unescheinabre C-Gruppe zu sehen – stand schon seit Tagen ein Filament, dass sich nun am 27. um 23:57 auflöste und einen mageren C1-Flare entstehen ließ, dem am 28. um 0:18 und um 0:30 UT je ein CME folgte, der dieses Mal sogar erdwärts ausgerichtet war. Allerdings vermischten sich beide und so wurde die Gesamtgeschwindigkeit von 1034 km/s auf 872 km/s reduziert. Die Teilchen kamen daher erst am 30. um 22:15 Uhr im Erdmagnetfeld an. Immerhin: Es gab ein leicht fotografisches Polarlicht, in Südschweden wurde ein Substorm fotografiert – und in den USA und Kanada war trotz Vollmond viel zu sehen …

Montag, 1. Oktober 2012

Sonne am 01.10.2012

Einen strahlend blauen Himmel über Hamburg hatte man in diesem Jahr nicht so oft, dafür aber am heutigen 1. Oktober. Allerdings musste ich - durch jahreszeitlich bedingtem tieferen Sonnenstand und immer frühere Sonnenuntergänge - bis etwa 17:20 Uhr warten, bis unser Tagesgestirn neben meinem Hochhaus in Richtung Westen herauskam. Das wird noch etwa zwei Wochen so gut gehen, dann geht es vom Hochhaus direkt hinter die Bäume und irgendwann Ende des Monats geht man im Dunkeln zur Arbeit und kommt im Dunkeln wieder. Noch profitiere ich ein wenig von der Sommerzeit, doch wenn die am letzten Sonntag im Oktober zu Ende geht, kann ich nur noch am Wochenende beobachten und Mitte Dezember das dann oft auch nicht mehr.

Immerhin gelang mir heute eine Beobachtung, allerdings zogen ständig leichter Wolkenschleim durch und verhinderte eine wirklich gute Sichtung auf die Flecken im Weißlicht. Da aber gab es gegenüber gestern nicht wirklich viel Neues zu sehen: Es sind weiter nur fünf Gruppen auf der Sonne, eine war am Westrand wegrotiert, dafür ist eine neue C-Gruppe hinter den beiden H-Gruppen entstanden. Die dort noch vorhandenen Regionen waren bei "Wabbelseeing" und "pumpender Oberfläche" nur schwer auszumachen, aber grenzertig sichtbar.

Schlimmer noch war es im H-Alpha: Das PST zeigte nur eine Matschsonne und man konnte zunächst überhaupt nicht scharfstellen, eine Protuberanz oder ein Filament erkennen. Je tiefer die Sonne sank, desto mehr schob sich eine Wolkenzunge davor, die Sonne immer knapp drin - der "Resthimmel" war stellenweise völlig wolkenlos. Dann aber zeigte sich eine Lücke in der "Zunge" und für etwa zwei Minuten verbesserte sich schlagartig das Bild im PST. Die beiden großen Protuberanzen, die ich gestern Mittag noch sehen konnte, waren nicht mehr vorhanden. Sieben Protuberanzen, sieben Filamente (zwei davon groß und mit geschwungenen Bögen) und sechs Flaregebiete, das war die Bilanz des heutigen Tages.

Wann die nächste Sonnenbeobachtung möglich sein wird, bleibt abzuwarten, denn nun soll es erstmal wieder regnerisch und stürmisch werden, wie so oft, wenn ich am 1. Oktober beobachten kann. Dem folgen dann meist viele Ausfalltage.