Dienstag, 2. Oktober 2012

Die Sonne im September 2012

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Die Sonnenaktivität im September war im Großen und Ganzen betrachtet eher durchschnittlich. Dabei sah es am Anfang eigentlich nach einem kleinen Aktivitätsschub aus, der auch dringend nötig wäre, um das Maximum im kommenden Herbst – es wurde just in diesem hier zu besprechenden Monat von Frühling auf Herbst 2013 verschoben – noch zu erreichen.

Hervorstechende Region war die AR 11560, die am 1. noch als D-, einen Tag später aber schon als E-Gruppe klassifiziert werden konnte. Sie war am 31. August erstmals zu sehen gewesen und hatte sich rasch weiter entwickelt und stand nun in der Nähe der Sonnenscheibenmitte. Begleitet wurde sie indes von einer Vielzahl kleinerer Gruppen, die den Klassen C, D und H angehörten. Darunter war auch die AR 11564, erstmalig sichtbar gewesen am 1. September, als sie um den Ostrand der Sonne herum rotierte.

Die Längsausdehnung der beiden großen Gruppen konnte aber auch dazu führen, dass 11560 als F- und 11564 noch als D eingestuft wurde. Das wurde in den kommenden Tagen aber eindeutiger. Doch schon am 5. zeigten sich bei der AR 11564 erste Auflösungserscheinungen, die Penumbren nahmen genauso wie die Zahl der Einzelflecken von Tag zu Tag ab, dennoch hielt sie ihre in heliographischen Graden gemessene Länge.

Und wieder einmal konnte man erleben, wie nicht nur große Gruppen regelrecht auseinander brachen, sondern dass danach auch wieder kaum neue Fleckengruppen im Osten erschienen. Mit der Sonnenrotation verschwanden allmählich die Gruppen am Westrand, oder hatten sich schon vorher aufgelöst. Die AR 11560 war am 7. nicht mehr zu sehen und die Zahl der noch vorhandenen Regionen ging auf vier zurück. In der Nacht vom 9. auf den 10. war dann auch sie innerhalb kürzester Zeit quasi Geschichte: Am ersten Tag war sie noch vollständig als E-Gruppe erhalten, einen Tag später war der nachfolgende Teil der Feckenupe plötzlich verschwunden und übrig blieb nur noch eine aus den Flecken des voranschreitenden Teils gebildete D-Gruppe.

An der Gesamtzahl der Gruppen änderte sich danach nicht mehr viel und verharrte zwischen 5 und 7. Die AR 11569, am 12. als kleine D-Gruppe am Ostrand erstmals sichtbar, war schon ab dem 13. als E eingestuft worden, was aber nur ihrer Längsausdehnung und nicht der Komplexität der einzelnen Gruppenteile zu verdanken ist, denn nur ganz vorne und ganz hinten gab es je eine Penumbra, die überdies nicht  mal kompliziert gestaltet war. Sie überlebte den 16. nicht und war auch, wie schon die AR 11569, eine aus Resten gebildete C-Gruppe, da sie alle übrigen Teile verloren hatte.

Die am 18. um den Ostrand herum gekommene AR 11575 wurde ab dem 21. sowohl von der  Kanzelhöhe als auch von der NOAA gleichermaßen als E-Gruppe eingestuft, doch schien sie im Fernrohr dafür viel zu kurz zu sein. Hier hat man sich offenbar durch die „etwas“ komplexeren Penumbrastrukturen irritieren lassen. Während die NOAA die AR 11575 bis zum 26. durchgehend als E sah, teilte sie die Kanzelhöhe ab dem 22. In drei Gruppen auf (H, C und J), was nicht immer nachvollziehbar war. Allerdings war das Gebiet auch so chaotisch, dass man nicht mal die Achslage der bipolaren Gruppen als Kriterium heranziehen konnte. Am 24. sah die Kanzelhöhe hier sogar zwei D und eine C-Gruppe: eine Aufteilung, der man sich durchaus anschließen konnte, wenn man die unterschiedlichen Ausrichtungen berücksichtigte. Die nächsten Tage war dann zu beobachten, wie sich die drei Gruppen immer weiter voneinander entfernten und der Abstand zwischen dem ehemals voranschreitenden und dem nachfolgenden Teil immer größer wurde. Unverständlich, warum die NOAA die Gruppe dann nicht als F klassifiziert hatte. Dafür kam die Kanzelhöhe am 26. auf die Idee, die hintere der drei Gruppen der Klasse E zuzuordnen, was weder mit der Länge, noch mit der Komplexität der Penumbren in Einklang zu bringen war.

Einen Tag später hatte das Rätselraten aber ein drastisches Ende: Aus zwei C und einer E wurden eine H- und zwei J-Gruppen, der Rest hatte sich praktisch verflüchtigt. Die Penumbren waren aufgelöst und die Einzelflecken verschwunden. Für den Rest des Monats waren dann nur noch die beiden dicht aufeinander folgenden Regionen 11582 und 11583, eine C- und eine H-Gruppe auffallend, die durch ihre großen und dennoch einfach gestrickten Penumbren dem Beobachter sofort ins Auge fielen.

Der Blick auf die Chromosphäre offenbarte am Monatsanfang eine nur sehr geringe Flareaktivität, die über die Klasse c nicht hinausging. Der erste, etwas kräftigere Ausbruch, fand am 6. um 4:13 UT statt, als ein M1-Röntgenflare aus der AR 11560 aufstieg, der aber nicht erdwärts gerichtet war. Die Gruppe, obwohl ausgedehnt und als E klassifiziert, war im Hα auffallend inaktiv. Sie war nur in der Lage, b- und c-class-Flares hervorzubringen, für die höheren Klassen fehlte ihr offenbar - nicht nur im sprichwörtlichen Sinne - die Energie, oder besser: die hohe Magnetfeldstärke. Dafür stieg am 8. zwischen den Regionen 11564 und 11562 ein lang anhaltender M1-Flare auf, dessen Teilchenstrom sich aber auch nicht in Richtung Erde aufmachte.

Am 9. produzierte die AR 11564 einen weiteren M1-Flare, der seinen Höhepunkt um 22:36 UT erreichte. Überdies eruptierte  schon am Vormittag gegen 10 Uhr ein großes Filament im Südostquadranten der Sonne, was zu einem ordentlichen CME – dem ersten des Monats – führte. Die Teilchen strömten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 420 km/s ins All, gingen aber auch am Erdmagnetfeld vorbei. Am 13. gab es ein weiteres explodierendes Filament, dass auf der Nordhalbkugel der Sonne einen CME mit einer Teilchengeschwindigkeit von 536 km/s hervorbrachte.

Am 21. registrierten die SOHO-Sonden zwei kräftige koronale Massenauswürfe, allerdings auf der erdabgewandten Seite der Sonne. Über der AR 11577 auf der Nordhalbkugel – im Weißlicht war sie als unescheinabre C-Gruppe zu sehen – stand schon seit Tagen ein Filament, dass sich nun am 27. um 23:57 auflöste und einen mageren C1-Flare entstehen ließ, dem am 28. um 0:18 und um 0:30 UT je ein CME folgte, der dieses Mal sogar erdwärts ausgerichtet war. Allerdings vermischten sich beide und so wurde die Gesamtgeschwindigkeit von 1034 km/s auf 872 km/s reduziert. Die Teilchen kamen daher erst am 30. um 22:15 Uhr im Erdmagnetfeld an. Immerhin: Es gab ein leicht fotografisches Polarlicht, in Südschweden wurde ein Substorm fotografiert – und in den USA und Kanada war trotz Vollmond viel zu sehen …

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