Dienstag, 9. Oktober 2012

Sonne am 09.10.2012

Das überaus launische Wetter in Hamburg bescherte mir heute - im Gegensatz zu gestern - eine längere wolkenfreie Periode zu Feierabend, auch wenn die Sonne während der Beobachtung praktisch direkt neben einem Hochhaus stand und das Seeing durch die Wärmeemissionen des Hauses eher mittelmäßig war.

Enttäuscht wurde ich durch die immer noch sehr geringe Anzahl an Sonnenflecken. Lediglich vier Gruppen konnte ich finden, am Ostrand tauchte heute ein etwas größerer Komplex auf, den ich als H-Gruppe klassifizierte. Das ist mit Sicherheit nicht richtig, aber da die Gruppe exakt am Sonnenrand stand, konnte man nur das beurteilen, was man sah. Das dürfte sich in den kommenden Tagen noch ändern, vorausgesetzt, es ergibt sich alsbald eine weitere Möglichkeit zur Beobachtung. Des Weiteren sah ich noch eine J-, eine C- und eine B-Gruppe. Alles nicht wirklich spannend.

Interessanter wurde es hingegen im H-Alpha, wo ich an der Stelle, an der die neue Fleckengruppe herumwanderte, eine etwas größere Protuberanz und ein kleines Flaregebiet beobachten konnte. Insgesamt zählte ich 14 Protuberanzen, die meisten waren aber eher klein, aber häufig. Auf der Sonne gab es erstaunlich wenig Filamente (ich kam grad mal auf 6 Stück) und nur fünf Flaregebiete.

Das Ausmaß der Protuberanz war zwar ganz nett, aber kaum mit dem während eines richtigen Maximums zu vergleichen. Hätte es beispielsweise in dem Maximumsjahren 1979 und 1980 schon Personal Solar Telescopes (PSTs) gegeben, würden die mehrere Millionen Kilometer langen Materiebögen weit über das Gesichtsfeld im OKular herausreichen. So aber sind die derzeit zu beobachtenden Protuberanzen eher ein müder Abklatsch dessen, was die Sonne hervorzubringen vermag. 

Die geringe Größe der Protuberanzen, die derzeit immer noch geringe Zahl der Fleckengruppen und die geringe Häufigkeit großer E- und F-Gruppen ein Jahr vor dem angenommenen Maximum läßt nur wenige Schlüsse zu: Entweder - und darauf deutet momentan alles hin - wird das Maximum des 24, Fleckenzyklus eines der geringsten der letzten 100 Jahre, oder das Maximum kommt nicht Ende 2013, sondern vielleicht erst 2014 - sehr zum Ärgernis mancher Weltuntergangsfantasten, die das Maximum der Sonnenaktivität im Dezember 2012 erwartet hatten.

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