Freitag, 19. Oktober 2012

Sonne am 19.10.2012

Der heutige Tag begann mit strahlendem Sonnenschein und einem fast wolkenlosen Himmel über der Volkssternwarte Kirchheim in Thüringen. Keine Frage, dass ich nach dem morgendlichen Duschen erst einmal mein Sonnenequipment vor dem Unterkunftsgebäude aufgebaut habe. 





So einen Luxus kann ich mir wegen der nervigen Bäume und Häuser ringsum in Hamburg nicht gönnen.

Die Zahl der Flecken im Weißlicht ist auch heute recht überschaubar. Ich konnte aufgrund des doch eher mittelmäßigen Seeings - strahlender Sonnenschein ist eben doch kein ausreichendes Indiz für gute Beobachtungen - nur sechs Aktivitätsgebeite sehen. Eine frisch um den Sonnenrand herum gekommene D-Gruppe, zwei B, eine weitere D, eine J und eine H. Das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe sah noch zwei weitere A-Gruppen, die ich aber nicht finden konnte. Möglicherweise lag es am Seeing, am begrenzten Auflösungsvermögen des Teleskops oder schlicht an beidem.

Der Blick durch das PST bestätigte auch heute wieder meinen persönlichen Eindruck, dass die Sonne derzeit im H-Alpha wesentlich aktiver ist, als im Weißlicht. Schon beim ersten Blick fand ich am Westrand eine scheibar frei im Raum schwebende Protuberanz in vergleichsweise großem Abstand zur Oberfläche. Erst eine genauere Beobachtung der Gegend offenbarte ein dünnes Gasfädchen, dass von der Oberfläche bis zur Protuberanz hochreichte. Sie zeigte, wie weit diese Erscheinungen prinzipiell in den Raum hinaus reichen können.

In Richtung Norden befand sich eine weitere Protuberanz, die wie eine verkleinerte Ausgabe der Giseh-Pyramide aussah. Insgesamt kam ich heute auf 14 Protuberanzen, 13 Filamente und 8, teilweise sehr ausgedehnte, Flaregebiete. Aus diesen zeichneten sich zarte Filamente heraus, deren filigrane Bögen geschwungen wieder zur Sonnenoberfläche zurückgingen. In Richtung Westrand befand sich überdies ein sehr helles Flaregebiet, aus dem bestimmt heute noch ein kleiner CME aufsteigen wird.

Es lohnte sich auch, sich die einzelnen Flaregebiete einmal genauer anzuschauen, bei zwischendurch gutem Seeing zeigte sich eine Vielzahl von Strukturen, die sich kaum beschreiben lässt. Der Tag dürfte spannend werden.

PS: Nur eine Stunde nach den obigen Beobachtungen war die schwebende Protuberanz nicht mehr zu sehen, fünf Stunden danach hatte sich an gleicher Stelle eine neue, kastenförmige, gebildet.


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