Samstag, 20. Oktober 2012

Sonne am 20.10.2012

Schönes Wetter am Urlaubsort sichert mir auch heute wieder eine morgendliche Sonnenbeobachtung. Das Seeing ist gerade außergewöhnlich gut, im Weißlicht zeigen sich - insbesondere bei der AR 11596 - ganz feine Strukturen in der Penumbra sowie mindestens zwei Lichtbrücken. Das sind helle Bögen, die von außen her in den Fleck eingreifen und gelten als Maß für eine hohe magnetische Aktivität in der Aktiven Region.

Ansonsten komme ich heute auf sieben Gruppen, darunter eine der beiden gestern nicht gesehenen A, die aber hart am Rande der Sichtbarkeit für mein kleines Fernrohr steht. Die Gruppen gehören heute der Waldmeierklassen A, B (2x), C, D (2x) und H an.

Das gute Seeing kam natürlich auch der H-Alpha-Beobachtung zugute: 15 Protuberanzen, 18 Filamente und 7 Flaregebiete konnte ich ausmachen. Nur nackte Zahlen, denn bei einer genauen Betrachtung der einzelnen Erscheinungen offenbaren sich ein paar nette Sachen. Die Protuberanzen zeigten sich heute in einem ungewöhnlichen Formenreichtum. So waren aufrecht stehende Spritzer ebenso dabei wie zwei dünne, frei schwebende Fädchen, drei bogenformige Protuberanzen und eine, die aussah, wie das Zeichen für Pi. Bei zwei Flaregebieten sah man zwei Aufwölbungen: Orte, in denen demnächst Flares aufsteigen könnten. Leider habe ich so ein Ereignis bis heute nicht live am Fernrohr verfolgen können.

Im Südwesten war sehr schön zu sehen, wie sich die große Bogenprotuberanz bis in ein kleine Filament hinein fortsetzte - sehr plastisch, fast dreidimensional wirkend - und dass der Materiebogen nicht exakt am Sonnenrand, sondern in einem kleinen Winkel dazu versetzt stand. Zur gleichen Zeit, ebenfalls im Südwesten, erhob sich helles Material aus einem Flare und bildete ebenfalls einen kleinen Bogen, ein anderes Flaregebiet zeigte zur Beobachtungszeit eine kastenartige Erhebung, die ebenfalls das Potenzial zu einem Ausbruch hatte.

Zu meinem Bedauern habe ich nur noch morgen früh, sofern das Wetter mitspielt, die Gelegenheit für eine ausgiebige Sonnenbeobachtung, denn da geht es wieder zurück nach Hamburg, so ich mich dann wieder mit Bäumen, Häusern und der tiefstehenden Herbstssonne abquälen darf.



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