Mittwoch, 27. Februar 2013

Die Sonne im Januar 2013

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Mit Beginn des neuen Jahres stieg die Sonnenaktivität fast schon Atem beraubend an. Am Neujahrstag waren sieben Fleckengruppen zu finden, von denen die AR 11640 als E-Gruppe eingestuft werden konnte, was am Silvestertag 2012 noch nicht abzusehen war. Da gehörte die Gruppe noch zur Waldmeierklasse D. Ihre Länge in heliographischen Graden hatte quasi über Nacht beträchtlich zugenommen, genauso wie die Komplexität ihrer Penumbren.

Beinahe schon rasant nahm in diesen Tagen die Zahl der kleineren Fleckengruppen zu. Vorwiegend Aktivitätsgebiete der Klassen A und J, die meisten davon unipolar, ließen die Relativzahlen in die Höhe schnellen. So gab es am 4. und 5. Jeweils 12 Fleckengruppen, am 6. sogar schon 14. Und während sich in diesem Tagen die AR 11640 von einem Großteil ihrer Einzelflecken und Penumbren verabschiedet hatte, näherte sie sich dem Westrand an und fiel am 6. auf die Stufe H zurück. Danach ging es mit der Sonnenaktivität leicht bergab  und es trat, was die Anzahl der Fleckengruppen anging, eine leichte Stagnation ein.

Die am 6. am Ostrand aufgetauchte AR 11650 erwies sich schon tags darauf als E-Gruppe mit vielen Einzelflecken. Am 7. Tauchte mit der AR 11652 eine weitere Fleckengruppe der Klasse E auf (wieso die NOAA sie als F einstufte, ist unklar, denn sie besaß eine deutlich geringere Ausdehnung als die AR 11650). Klammheimlich entwickelte sich auf der Südhalbkugel die AR 11654 ebenfalls zur E-Gruppe. Damit waren zeitgleich drei E-Gruppen zu sehen, wobei die AR 11650 und die 11652 immer größer wurden und auch – mit Hilfe etwa einer Sonnenfinsternisbrille oder einem Objektivglasfilter – mit bloßem Auge wahrgenommen werden konnten.

Am 11. war die AR 11654 plötzlich binnen Stunden zerfallen und die AR 11652 zur Klasse F aufgestiegen, die sich vor allem durch großflächige Penumbren auszeichnete. Einen Tag später war die noch weiter angewachsen, während sich die AR 11650 kaum weiterentwickelte. Überdies nahm die Gesamtzahl der Gruppen, insbesondere der unteren Waldmeierklassen, nun wieder spürbar ab. Am 14. war die AR 11650 zur C zerfallen, während die AR 11652 genau auf dem Zentralmeridian stand. Danach sank die Fleckenhäufigkeit fast mit der gleichen Geschwindigkeit, wie sie zu Monatsbeginn angestiegen war. Am 22., dem Tage ihres Verschwindens, gab es außer der mittlerweile arg geschrumpften AR 11652 nur noch drei weitere, am 23. nur noch ganze drei Gruppen der Klassen D und H.

Ab dem 27. waren es dann wieder vier Gruppen und nur am 30. erhöhte sich diese Zahl um eine weitere Gruppe. Diese gehörte zur Klasse A und existierte nur wenige Stunden. Damit endete ein Beobachtungsmonat, der als Tiger startete und als Bettvorleger endete. Das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe merkte in seinem Monatsbericht dazu an: „Das neue Jahr hat vielversprechend angefangen, am 6. des Monats konnten 14 Fleckengruppen gesehen werden. Dieses Gastspiel dauerte aber leider nur wenige Tage und alles beruhigte sich wieder auf das Niveau der letzten Monate.“ Und zur AR 11654 heißt es dort: „Die F-Gruppe war recht lang, sodass sie fast den Eindruck machte, dass dort zwei Gruppen hintereinander wären. Das Magnetfeld widerlegte jedoch diesen Eindruck“ (Dr. Werner Pötzi)“

Trotz des enormen Anstiegs der Fleckenhäufigkeit im Weißlicht, blieb die im Hα zu beobachtende Flareaktivität erstaunlich gering. Erst am 3. konnte – mit einem Höhepunkt gegen 21:00 UT – der erste größere Flare des Jahres nachgewiesen werden, ein C1, neben einigen der noch schwächeren Klasse B. Am 5. folgte dann aber um 9:31 UT ein M1. Weitere wurden am 11. um 9:11 und am 13. um 8:38 UT registriert. Danach schlief die Flareaktivität fast vollständig ein und lediglich Protuberanzen und Filamente vermochten noch die Blicke der Beobachter auf sich zu ziehen. Das passt auch gut zum Monatsbericht des Sonnenobservatoriums Kanzelhöhe, nach dem nur ein einziger Importance 1-Flare, dafür aber 93 C- und 5 M-Flares (bei der NOAA waren es nur drei) gesichtet wurden.

Gespannt sein darf man auf die weitere Auswertung des Monats Januar, denn der Ausbruch am Anfang des Monats könnte durchaus mit dem Nebenmaximum, das typischerweise etwa ein Jahr nach dem Hauptmaximum eintritt, in Zusammenhang stehen. Das aber würde bedeuten, dass wir das Maximum schon hinter uns haben. Dazu passt dann leider auch die im Februar weiter zurück gegangene Sonnenaktivität.

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