Donnerstag, 4. April 2013

Die Sonne im März 2013

Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Auch wenn es nicht sehr augenfällig war: durch eine Vielzahl kleinerer Waldmeiergruppen kam es in diesem Monat zu einem recht ordentlichen Aktivitätsschub und zu der höchsten Monatsrelativzahl beim S.I.D.C. seit November 2011, ohne aber den damals bestimmten Wert zu überschreiten.

Mit vier Gruppen der Klassen C und D endete der 1. März, schon am 2. waren 6 zu sehen. Die AR 11683, am 28. erstmals als H-Gruppe am Ostrand zu sehen, entwickelte sich nach NOAA-Angaben binnen weniger Tage zu einer E-Gruppe, was aber anhand der Zeichnungen der Kanzelhöhe nicht nachvollzogen werden kann. Danach war es lediglich eine D-Gruppe. Und während die NOAA weiter an ihrer Klassifikation festhielt, wurde bei der Kanzelhöhe nur noch eine C-Gruppe erfasst (was auch den Beobachtungen des Autors entspricht). Ähnliches gilt für die AR 11689, die am 5. auf der Südhalbkugel als B-Gruppe erschien. Die Zeichnungen weisen eine sehr langgestreckte C-Gruppe aus, die nur im voranschreitenden Teil eine Penumbra aufwies, jedoch nicht im nachfolgenden. Von der Längenausdehnung her müsste es sich um eine E-Gruppe gehandelt haben, aber das wesentliche Merkmal der Penumbren in beiden Teilen, fehlte. Daher war auch diese keine echte E-Gruppe. Nach einer kleinen Delle am 9. und 10., wo die Zahl der Gruppen auf 4 zurückging, stieg die Aktivität wieder an.

Die erste echte E-Gruppe war die AR 11696: am 12. Als C-Gruppe am Ostrand aufgetaucht, wanderte sie über die Nordhalbkugel der Sonne und gehörte ab dem 15. der Waldmeierklasse E an. Dieses Mal war es eindeutig: je eine Penumbra an den beiden Enden, mit – allerdings nur wenigen – Flecken dazwischen. Sie hielt die Klasse konstant bis zu ihrem Verschwinden am 20. Verwirrend war die NOAA-Klassifikation der AR 11698. Am 15. konnte man sie am Ostrand als C-Gruppe auftauchen sehen. Vom 18. bis zum 21. soll sie der Klasse E angehört haben. Auf den Zeichnungen der Kanzelhöhe sah man sie durchgehend nur als D-Gruppe, auch hier reichte die Längsausdehnung nicht mal geschätzt an den für eine E-Gruppe notwendigen Wert heran.

Nach dem 22. ging die Sonnenaktivität dann aber wieder spürbar zurück, bis zum 24. Waren nur noch vier, vom 25. Bis 28. nur noch drei Gruppen zu sehen. Danach stieg die Aktivität wieder an und am 31. konnten zwei H- und drei C-Gruppen beobachtet werden. Viel zu wenig für einen Zyklus, der nach zumindest einer Prognose im Mai 2013 seinen Höhepunkt erreichen sollte.

Ganz im Gegensatz zur Aktivität im Weißlicht verlief die in der Wellenlänge des Hα. War man es nach den vergangenen Monaten gewohnt, dass es hier „mehr“ zu sehen gab, musste man im März bis zum 5. warten, bis der erste größere Flare zu sehen war: Ein M1, der um 7:54 UT aus der AR 11696 emporgestiegen war. Bis zum 15. musste man sich gedulden, bis wieder ein gleich starkes Ereignis zu sehen war. Dieses Mal entstieg der M1 um 6:58 UT der AR 11692. Ein weiterer M1-Flare wurde am 21. um 22:04 UT, ebenfalls in der AR 11692, beobachtet. Bemerkenswert außer den drei Flares war eine aufsteigende, eruptive Protuberanz, die am 15.3. aufstieg und mitsamt CME in Richtung Erde flog. In der Nacht vom 17. auf den 18.3., als es in Deutschland mal wieder total bewölkt war, gab es visuelle und fotografische Polarlichtsichtungen aus Polen, Südschweden und Südfinnland. Hier ging man mal wieder leer aus …

Insgesamt gesehen war der März wieder ein ausgesprochen schwacher Monat, die AR 11696 als E-Gruppe relativ inaktiv, sie produzierte nur geringenergetische Flares. Nach Beobachtungen der Kanzelhöhe gab es in den vier Wochen nur ganze 27 Subflareas und 3 Imp. 1-Flares im Optischen (H-Alpha) und 40C- und 3M-Flares im Röntgenlicht beobachtet werden.

Die Frage nach dem Maximum, die bei der Sonne nie im Voraus beantwortbar ist, wirkt sich besonders bei diesem außergewöhnlichen 24. Zyklus mehr denn je zu einem Problem aus. Nach der wohl eher exotischen Vorhersage des Wissenschaftler-Teams um Dr. Tony Philips  geht man von einer Doppelspitze 2013/2014, evtl. 2015 aus. Zumindest der dort vorhergesagte Mai 2013 dürfte sich bald als Irrtum herausstellen, weil es hierfür schlicht und ergreifend zu wenige Fleckengruppen der höheren Waldmeierklassen gibt. Allerdings haben die Wissenschaftler insofern Recht, als dass bisher die Nordhalbkugel der Sonne aktiver war als der Süden. Da sich das Verhältnis spätestens nach dem Maximum umkehrt und dann der Süden den aktiveren Part spielt – das Nord-Süd-Verhältnis kehrt sich in nachfolgenden 11 Jahren aufgrund der Orientierung im 22 jährigen magnetischen Zyklus um – müsste das Maximum noch bevorstehen. Aber in diesem Zyklus scheint irgendwie alles anders zu sein, als bisher.

Eine andere Vorhersage (Marshall Space Flight Center der NASA) geht vom Herbst 2013 bei einer mittleren Höhe der Relativzahlen von 67,0. Allerdings – diese Prognose ist seit Monaten sehr statisch und verändert sich nicht mehr - wurde der große Peak vom Ende 2011 mit einem Wert von 66,0 bis dato nicht übertroffen und seit dem scheinen auch alle Parameter nach unten zu zeigen. Wenn also nicht bald ein großer Aktivitätsschub kommt, der alle bisherigen Werte übertrifft, kann man sich schon mal auf das nächste Minimum einstellen.

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