Mittwoch, 8. Mai 2013

Sonne am 08.05.2013


Da hatte Murphy wieder ganze Arbeit geleistet: Das für gestern angesetzte Sonnenbeobachtertreffen in der Festen Burg musste wegen des Durchzugs eines Regengebietes kurzerhand abgesagt werden. Ein solches wird es – zumindest am Tage des GvA-Sonnenworkshops – in 2013 nicht mehr geben, da ich frühestens im Oktober wieder Urlaub haben werde und dann steht die Sonne nachmittags schon zu tief hinter den Häusern und Bäumen an unserem regelmäßigen Tagungsort.

Das Pech setzte sich dann heute zunächst fort: Der Vormittag gestaltete sich anfangs sehr neblig, aber ich hoffte, dass sich das gute Wetter bis nach 13 Uhr – wenn ich von meinem heimischen Fenster aus wieder beobachten kann – halten würde. Leider falsch gedacht, denn je näher der Zeitpunkt rückte, desto dichter wurden die Wolken.

Dennoch gelang mir zunächst noch unter recht ordentlichen Bedingungen eine Weißlichtbeobachtung. Es hatte sich abermals binnen eines Tages viel verändert. Die AR 11732 hatte nur zwei Penumbren vorzuweisen und wurde deshalb von mir als D2 klassifiziert, die AR 11734 war ebenfalls als eine D-Gruppe, aber mit 9 Flecken, zu sehen und die AR 11731 befand sich im Auflösungsstadium. Sie hatte nur noch eine große Penumbra im voranschreitenden Teil, der nachfolgende hatte sich stark zurückgebildet. Mit den Aktiven Regionen 11740 und 11741 waren dann noch zwei A-Gruppen zu sehen. Als extrem langgestreckte C-Gruppen konnten die AR 11738 und die 11739 eingestuft werden. Von der Länge her, hätte man sie auch als E klassifizieren können, aber nicht von der Komplexität her, sie hatten nämlich nur eine einzige Penumbra – im nachfolgenden Teil. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Ganz am Sonnenrand stand dann noch eine J-Gruppe mit einer unscheinbaren, aber von vielen Fackeln umrahmten, Penumbra und zwischen der AR 11740 und der 11741 war noch für wenige Augenblicke – sie entschwand immer wieder meinen Blicken und war nur sehr scher zu halten – eine kleine A-Gruppe zu sehen. Sie war aber für meinen kleinen 80/400er Refraktor eine extrem harte Nuss.

Aus Südwesten kamen nun immer dichtere Wolken heran, als ich auf das PST umstieg. Ich sah gerade noch die große Protuberanz am Westrand – sie entstammte der inzwischen wegrotierten AR 11731 – und dann war der Himmel erst mal zu. Mehrere Minuten vergingen, bis sich wieder Wolkenlücken zeigten. Das zuvor noch gute Seeing war nun plötzlich völlig abgestürzt und ich sah nur noch einen wabbelnden Sonnenrand und hin- und herspringende Details auf der Sonnenoberfläche. So machte die Ermittlung der H-Alpha-Relativzahl zunächst keinen Sinn. Eine längere Phase mit nur in Sonnenrichtung (!!!) bedecktem Himmel folgte. Doch dann kamen wieder etwas größere Wolkenlücken mit leicht besserem Seeing, in denen ich kurz die Relativzahl bestimmen konnte (ich kam auch 7 Protuberanzen, 16 Filamente und 5 helle Gebiete). Erstaunlich war für mich die wieder extrem niedrige Zahl an Protuberanzen, während die der Filamente gegenüber den Vortagen in etwa gleich blieb.

So gelang mir am Ende doch noch ein Sieg über Murphy, wenn auch mit hohem zeitlichen und nervlichen Aufwand. Manchmal frage ich mich, ob sich der Aufwand wirklich noch lohnt, zumal es bei den Sonnenfleckenrelativzahlen nach Wolf bei der VdS-Fachgruppe Sonne schon seit Ende 2009 keine Auswertung mehr gegeben hat und die Pettiszahl auch nicht mehr ausgewertet wird. Eigentlich nennt man das Beobachtungen für den Papierkorb, aber, wer vom "Virus Solaris" befallen ist, macht trotzdem weiter.

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