Mittwoch, 18. Dezember 2013

Sonnenbeobachtung im Winter


ist etwas für Masochisten oder Leute, die auf fortgesetzte Enttäuschungen stehen oder Mutter und Vater erschlagen haben. Bedingt durch den niedrigen Stand kommt unser Tagesgestirn kaum hoch genug, um über Häuserschluchten und Bäume hinweg zu kommen. Die Folgen für Sonnenbeobachter sind stets die gleichen: eine extrem hohe Rate an Ausfalltagen gerade in den Monaten November bis Januar verhageln einem regelmäßig die Auswertungen, wenn man wegen zu weniger Beobachtungstage nicht gleich durch das Raster fällt und die wenigen Daten unberücksichtigt bleiben.

Hinzu kommt noch das im Norden Deutschlands eher immer unbeständige Wetter und jede Menge Astromurphs. Ist man auf der Arbeit, scheint die Sonne, nach Feierabend ist sie in Dunkeldeutschland bereits unter dem Horizont verschwunden. Gerade das letzte Frühjahr, als weite Teile des Landes unter einer permanenten Wolkendecke lagen, fiel das besonders auf. An Wochenenden, wo man im Prinzipt Zeit genug hätte für eine Beobachtung, ist das Wetter schlecht. Manchmal helfen dann freie Tage rund um das Weihnachtsfest, um die Statistik noch ein wenig aufzubessern. Fallen auch diese aus, hat man em Ende gerade mal eine oder zwei Beobachtungen zustande gebracht, die natürlich für keine Auswertung der Welt irgendeine Relevanz besitzen. Und so fallen bei mir die für das vierte Quartal auch immer am schlechtesten aus.

Das liegt nicht nur an den mageren Tagen an Beobachtungen, sondern an den Beobachtungsbedingungen an sich. Oft hat man hier keinen wirklich klaren Himmel, der ist eher verschleimt und wenn es dann mal wirklich klar sein sollte, ist das Seeing extrem schlecht mit wallendem Sonnenrändern und Flecken, die man nur ab und zu real erkennen kann.

Durch den niedrigen Stand kommt bei mir noch etwas anderes hinzu: In den Monaten zwischen November und Januar kann ich nur um die Mittagszeit herum beobachten, im Dezember nur zwischen 11:30 und 13:15 Uhr. Vorher steht sie Sonne zu niedrig, um über die Nachbarhäuser herum zu kommen, danach verschwindet die Sonne hinter einem Hochhaus. Auch ein Ausweichen hilft wenig, da mir immer irgendwelche Bäume die Sicht verdeckten. Zwischen zwei Höchhäusern ergibt sich noch eine für etwa 10 Minuten nutzbare Lücke, aber genau in der steht ein Baum in der Sichtlinie und verhindert auch da eine Beobachtung.

Und noch etwas passiert mit in dieser Zeit: Murphy. Als ich Ende November / Anfang Dezember für ein paar Tage im Krankenhaus lag, schien natürlich zur passenden Zeit die Sonne, seit dem 6. Dezember ist nun Schluss damit. Entweder klart es vor oder nach dem mittäglichen Beobachtungsfenster auf, nur nicht innerhalb. Das ist mir in diesem Monats jetzt schon fünfmal passiert, sodass ich am Ende immer wieder ohne Beobachtung dastand. Daher weiß ich jetzt schon, dass auch dieses Mal im 4. Quartal die die Auswertung schlecht ausfallen wird, weil nur eine Beobachtung – sofern sich daran nicht doch noch was ändert – eher dem Zufall entspricht und man daran absolut keinen Trend erkennen kann, was wichtig wäre, für eine sinnvolle Verarbeitung der Daten. Zum Glück wird ja eigentlich das ganze Quartal bei der Auswertung betrachtet, dennoch ist eine einzelne Beobachtung viel zu wenig. Früher bin ich dann in den dunklen Monaten auch immer wieder aus den Auswertungen ausgeflogen, wenn ich weniger als 5 Beobachtungen im Monat hatte. Mittlerweile wurde – bedingt durch das sehr lange Minimum im Jahr 2008 – das Auswerteverfahren bei der Fachgruppe Sonne der VdS umgestellt, sodass auch Zufallsbeobachtungen eine Berücksichtigung finden können.

Dennoch ist die Beobachtung unseres Tagesgestirns im Winter eine extrem frustrierende Angelegenheit, vor allem im zurück liegenden Jahr. Durch das extrem schlechte Wetter im Frühjahr 2013 gingen mir im Vergleich zu den Vorjahren rund 40 Beobachtungstage verloren, d.h. erstmals in diesem Jahrtausend werde ich wieder weniger als 200 Beobachtungen schaffen und wenn man sich das Wetter dieser Tage anschaut, wo nur der Norden unter Wolken liegt, der Rest des Landes aber Sonnenschein hat, kann man schier verzweifeln. So geht dieses Jahr für mich als das schlechteste Astrojahr seit Langem zu Ende, zumal ich auch nachts kaum was machen konnte und nur während meines Aufenthaltes auf der Sternwarte Kirchheim Astrofotos und visuelle Beobachtungen zustande gebracht habe – abgesehen von zwei Abenden, als ich den Kometen PANSTARRS fotografieren konnte.

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