Dienstag, 30. Dezember 2014

Sonne am 30.12.2014

Mein Erstaunen war riesengroß, als im Laufe des Vormittags mit einem Mal Wolkenlücken auftauchten, die es laut amtlichem Wetterbericht gar nicht geben sollte. Für den ganzen Tag war bedeckter Himmel und Schneefall angekündigt. Letzterer kam in der Nacht und war am Morgen wieder verschwunden. Leider kam das erste große wolkenfreie Feld um 2 Stunden zu früh, denn da stand die Sonne noch tief hinter den Nachbarhäusern. 

Gegen Mittag gab es dann weitere, allerdings kleinere, Lücken, die mir aber einen raschen Blick ermöglichten, denn gleich nach der Beobachtung musste ich zu einem zuvor vereinbarten Termin. Natürlich kam die Wolkenlücke nur sehr zögerlich voran und ich konnte den besten Teil der Auflockerung dann auch nicht mehr mitnehmen, weil ich da bereits unterwegs war.

In der Auflockerungszone war das Seeing ausgebrochen mäßig, der Rand blubberte und auf der Oberfläche verschwammen zwischendurch auch immer wieder die Details. Das reichte aber aus, um eine Relativzahl zu bestimmen. Im Norden stand die AR 12250 als J1 ganz dicht am Westrand. Des Weiteren war hier die AR 12246 als H1 zu erkennen. Im Süden konnte ich die AR AR 12247 nicht mehr finden. Die AR 12248 war eine C4 und die AR 12252 eine H1. Die Entwicklung der AR 12251 stagnierte heute ein wenig, sie war nach wie vor eine Gruppe der Klasse D und wies 10 Einzelflecke auf. Am Ostrand bemerkte ich dann noch eine neue Gruppe, die ich aufgrund des nicht besonders guten Seeings als B3 klassifizierte, weil es mir nicht möglich war, hier eine Penumbra zu erkennen.

Schnell noch das PST auf die Sonne gerichtet, denn die Zeit drängte, auf eine Beobachtung wollte ich dann aber doch nicht verzichten. Der Ostrand zeigte zwei sehr schöne Protuberanzen, eine mit einem Halbbogen, der rückwärts gerichtet und eine, deren Struktur nicht einfach zu beschreiben war. Am Westrand standen dafür 4 kleine Protübchen. Auf der Oberfläche war das große Filament verschwunden, es blieben nur 7 kleinere Exemplare zurück. Dafür konnten drei von insgesamt 5 hellen Flaregebieten als heller eingestuft werden. Eines bei der AR 12250, eines bei der AR 12251 und eines am Ostrand bei der neuen Gruppe. Kurze Zeit später musste ich die Beobachtung abbrechen, um nicht zu spät zum Termin zu erscheinen. Logisch, dass auf den Weg dorthin der Himmel kurzzeitig völlig wolkenfrei war …

Montag, 29. Dezember 2014

Sonne am 29.12.2014


Wettervorhersagen und tatsächliches Wetter gehen nicht immer Hand in Hand. Heute sollte es den ganzen Tag bedeckt sein und mehr oder wenige oft schneien, stattdessen klarte es schon am Vormittag auf - wonach ich noch mehr als 2 Stunden warten musste, bis ich die Sonne zu Gesicht bekam - und der Himmel war auch noch zur passenden Zeit kurz nach 12 Uhr weitgehend klar. Erst nach meiner Beobachtung zog es langsam wieder zu. Das Seeing war, weil ich keinen blauen Himmel hatte, sondern durch eine leicht milchige Schicht hindurchschauen musste, auch nicht so gut wie gestern noch. Vor allem der spürbar wallende Sonnenrand machte Probleme bei der Erkennbarkeit randnaher Fleckengruppen.

Das betraf im Süden besonders die AR 12249, deren Struktur nur schwer im Detail zu erkennen war und die ich als D4 klassifizierte. Die AR 12247 war nur bei näherem Hinsehen zu erkennen, ich hielt sie für eine B3. Besser sah es mit der AR 12248 als C5 und der AR 12252 als H1 aus. Kräftig weiterentwickelt hatte sich die AR 12251, die gestern noch eine B-Gruppe war und heute drei kleine Penumbren aufwies, weshalb ich sie als D11 einstufte. Im Norden standen lediglich zwei Gruppen: die AR 12246 als H1 und die AR 12250 als J1, wobei das Blubberseeing am Rand eine sichere Identifikation sehr erschwerte.

Im H-alpha machte sich die leichte Syphschicht vor der Sonne zwar bemerkbar, aber man konnte noch gerade eben viele Detail sehen. Die 8 Protuberanzen am Sonnenrand waren eher mickrig, lediglich eine im Südwesten wies eine leicht bogenförmige Struktur auf, die sich etwas weiter über dem Rand erhoben hatte und auch nur dann im PST gut zu sehen war, wenn man am Einstellrad für den Filter herumdrehte, was man sowieso bei der Beobachtung machen muss, um Details am Rand und auf der Oberfläche herauszuarbeiten.

Die Oberfläche der Sonne war denn auch weitaus interessanter, als ihr Rand. Das große Filmend im Osten war noch immer vorhanden und hatte sich sogar weiter ausgedehnt, die restlichen 11 Erscheinungen dieser Art nahmen sich denn ich gegenüber den großen Filament  recht bescheiden aus. Hauptaugenmerk waren aber die fünf Flaregebiete, die sich deutlich vom Hintergrund abhoben. Vier von ihnen wiesen sehr helle Strukturen aus, sodass hier davon auszugehen war, dass sich über kurz oder lang Flares produzieren würden. Die betraf besonders die Region um die AR 12250 war sehr hell, während die bei den Aktiven Regionen 12251 und 12252 auffällige Einzelstrukturen aufwiesen. Aus der AR 12251 schien sich sogar ein kleiner Bogen gebildet zu haben, was zu der rasanten Entwicklung der Gruppe seit gestern gut passen würde. Hier ist wohl am ehesten mit einem Flare zu rechnen.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Sonne am 28.12.2014

Ein sonniger Tag in Hamburg ist im Winter eher eine Seltenheit und wenn dann auch noch beim Auftauchen des Tagesgestirns über den Bäumen keine Wolken auftauchen, ist eine entspannte Sonnenbeobachtung angesagt. So wie heute. Das Seeing war - verglichen mit den letzten Tagen - ausgesprochen gut, nur der Sonnenrand war ein wenig in Bewegung.

Im Weißlicht hatte sich seit der letzten Beobachtung nur wenig verändert. Im Norden fand ich mit der AR 12246 als H1 und der nur sehr schwer zu beobachtenden AR 12250 als A1 lediglich zwei der insgesamt 7 Gruppen, die heute auf der Sonne zu sehen waren. Der Rest stand auf der Südhalbkugel. Eine spektakuläre Gruppe war nicht dabei, die vorhandenen Aktivitätsgebiete gehörten bis auf eine Ausnahme allesamt der niedrigen Waldmeierklassen an.

Die einzige, etwas höher entwickelte, war die AR 12249, die als D8 nah an den Westrand herangerückt war. Die zeigte zwei interessante, wenn auch winzige, Penumbren, von denen die im f-Teil nahezu in nord-südlicher Richtung orientiert war und vier kleine Umbren in ihrem Feld umschloss. Die AR 12247 war eine B3, die 12248 eine C5, die nah am Ostrand stehende 12251 eine weitere B3 und die frisch um den Rand herumrotierte 12252 eine oval geformte H1 in einem etwas größeren Fackelfeld. Von den Fackeln war erstaunlicherweise heute auch nur wenig zu sehen.

Endlich konnte ich auch wieder mal ins H-alpha schauen und dort war es durchaus interessant. Sieben Protuberanzen standen am Sonnenrand, worunter eine spitzkegelige im Südosten und eine schwebende im Nordosten zu finden war. Die Exemplare am Westrand waren eher strukturlos geformt. Auf der Oberfläche sah ich 6 helle Flaregebiete und 10 Filamente. Eines davon im Osten, das größte dieses Tages, war fast dreidimensional zu sehen und erhob sich deutlich über die Oberfläche.

Insgesamt aber war die Aktivität am heutigen Tage eher durchschnittlich, als herausragend, für die Zeit nach dem Maximum aber leider völlig normal. 

Freitag, 26. Dezember 2014

Sonne am 26.12.2014

Astronomische Beobachtungen unterliegen oft sonderbaren Eigenheiten. Sie sind naturgemäß abhängig vom lokalen Wettergeschehen und Einflüssen, die oft nicht wirklich erklärbar sind. So sollte es heute Mittag aufklaren, was auch tatsächlich passierte, allerdings erst, als die Sonne hinter meinem gegenüberliegenden Hochhaus verschwunden war. Zuvor hatten sich sämtliche Wolken im Süden versammelt und es kamen eine Zeitlang auch noch tieferliegende hinzu, ein Phänomen, das mich gerade in den letzten Wochen gut und gerne 10 bis 20 Beobachtungen gekostet hat.

Gut zwei Stunden später tauchte sie recht vom Hochhaus wieder auf und ich konnte, bis sie zu tief hinter den Bäumen stand, zumindest noch die größten Fleckengruppen erfassen. Dies waren im Norden die AR 12246 als H1 und die AR 12245 als B4 - sie war seit gestern vollkommen in sich zusammengefallen - und im Süden die AR 12249 als D12, die AR 12248 als D9 und die AR 12247 als A1. Nach der Passage des Baumes stand die Sonne wieder hinter dem Baukran und in der kurzen Phase, bis sie hinter dem zweiten Hochhaus verschwand, erkannte ich gleich mehrere kleine Flecken. Nördlich des Sonnenäquators fand ich die AR 12244 und eine weitere, ohne Bezeichnung, jeweils als A1, südlich noch eine B4 und eine B8, ebenfalls noch ohne NOAA-Nummer.

Zum Schluss wurde es hektisch. Ich setzte noch kurz mein PST auf das kleine Stativ, doch es war sinnlos geworden, weiter zu beobachten. Ein Baum ragte ins Gesichtsfeld, ebenso der Ausleger des Krans und dann machte sich auch sehr schnell die Kante des zweiten Hochhauses bemerkbar, hinter der die Sonne verschwand und kurz darauf unterging.

Eine entspannte Beobachtung sieht anders aus, doch was soll man machen, wenn man in keiner einzigen Himmelsrichtung eine wirkliche Horizontsicht hat und alles durch Bäume und Häuser vollgestellt ist. Da gibt es dann nicht nur Wolkenlückenastronomie, sondern eine solche, die durch irdische Objekte zusätzlich erschwert wird, damit es auch nicht zu einfach ist, seine tägliche Relativzahl zu bekommen.

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Sonne am 25.12.2014

Es war ein ausgesprochener Glücksfall, der mir heute eine Beobachtung bescherte. Den ganzen Morgen über zeigten sich mehr oder weniger große Wolkenlücken, doch das war, als die Sonne noch zu tief stand. Kurz nach 12 Uhr kamen aus Richtung Nordwesten in sehr schnellem Tempo abermals größere, wolkenfreie Abschnitte heran. 

Der Wind zerrte recht ordentlich an meinem kleinen Refraktor, der, wie üblich, auf der Fensterbank stand. In der Küche fiel ein Plastikbecher herunter und ein zusammengeknülltes Papiertaschentuch wurde nach draußen gewirbelt. Eigentlich die ungünstigsten Bedingungen, die man sich vorstellen konnte. Der Zettel zum Aufschreiben der Beobachtung musste mit einer schweren Thermosflasche gesichert werden. Außerdem durfte ich mich nicht allzuweit vom Teleskop entfernen, damit nicht, wie es mir vor einigen Jahren passiert ist, das Instrument vom zuwehenden Fenster nach unten geworfen wird. 

In der ersten Lücke stand die Sonne noch hinter einem Baum, bei der zweiten war sie schon weitgehend dahinter hervorgetreten und ich konnte mit der Weißlichtbeobachtung beginnen.

Gegenüber der gestrigen Beobachtung hatte sich nur wenig verändert. Die AR 12241 auf der Südhalbkugel war schon halb über dem Westrand weggewandert und eine H1. Die AR 12244 konnte der Klasse D zugeordnet werden und besaß sechs Einzelflecke. Sie war sehr langgestreckt und wies nur zwei kleine Penumbren auf. Südöstlich davon hatte sich in der Nacht eine neue D-Gruppe gebildet, die noch ohne NOAA-Nummer war und in der ebenfalls 6 Einzelflecke gezählt werden konnten. Dafür hatte sie deutlich ausgeprägter Penumbren. Im Osten standen dann noch die AR 12247 und die 12248, beide, wie gestern, jeweils eine J1. Im Norden waren dagegen nur die AR 12246 als J1 und die 12245 als B6 zu sehen, allerdings erst im letzten Moment, weil wieder aufkommende Wolken die Beobachtung empfindlich störten. So war hier die Zahl der Flecken eher geschätzt als real beobachtet.

Die Hoffnung auf eine H-alpha-Beobachtung erfüllte sich nicht, weil die nachfolgenden Wolkenlücken alle an der Sonne vorbeiliefen oder erst die Position der Sonne trafen, als diese wieder hinter meinen Hochhaus stand. 

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Sonne am 24.12.2014


Es ist kaum zu glauben und kommt einem Weihnachtswunder gleich: Nach 10 Tagen ohne die geringste Aussicht auf eine Sonnenbeobachtung gelang mir heute endlich wieder ein Blick auf unser Tagesgestirn. Freilich nicht, ohne dabei keines der bekannten Murphys auszulassen. Die ersten Wolkenlücken zeigten sich – natürlich – erst, nachdem die Sonne hinter dem ersten nervigen Hochhaus stand. Die nächste kam, als sie rechts davon hinter einem Baum stand und die dritte, als sie von einem Baukran verdeckt wurde.

Diese Chance konnte ich - allerdings erst nach einem zwischenzeitlichen Regenguss - insofern nutzen, weil sich die Flecken zwischen den einzelnen Streben des Kran zeigten. Kaum hatten sie das Hindernis passiert, zog eine Wolkenschicht exakt vor die Sonne, während der Himmel darüber und darunter – natürlich - klar war. Sie zeigte sich dann erst wieder, als sie vom zweiten Hochhaus verdeckt war. Irgendwie gelang es mir in den einzelnen Phasen, wo ich die Sonne sehen konnte, die meisten Fleckengruppen zu erfassen. Das Seeing war überdies auch eher mittelmäßig, doch für eine kurze Relativzahlbestimmung reichte es dann am Ende.

Von der hohen Aktivität in der letzten Woche hatte ich – natürlich – nur etwas über diverse Internetquellen mitbekommen. Eigene Beobachtungen blieben mir - natürlich – versagt. Die heutige Aktivität im Weißlicht war denn auch sehr übersichtlich. Am Westrand standen auf der Nordhälfte die AR 12241 als H1, die AR 12244 als D4, die AR 12245 als B4 und die AR 12246 als J1. Im Süden waren mit der AR 12247 und der AR 12248 nur zwei weitere J1-Gruppen auf die Schnelle zu finden. Die AR 12242 gehörte jedoch nicht dazu. Kurz nach dem ersten Kontakt der Sonne mit dem zweiten Hochhausschatten musste ich abbauen, weil mich ein neuerlicher Regenscauer dazu zwang, als ob man dieser Tage noch nicht schon genug davon bekommen hätte. Eine H-alpha-Beobachtung war unter diesen Umständen – natürlich – wieder einmal nicht möglich.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Sonne am 14.12.2014

Wäre es nach der Wettervorhersage bei wetteronline.de gegangen, hätte der Tag den typischen Verlauf eines mitteleuropäischen Spätherbsttages nehmen sollen: grau, trüb und ohne die geringste Aussicht auf ein paar Stunden Sonnenschein. Dies war noch vor wenigen Tagen für den 3. Advent prognostiziert worden. Doch es kam mal wieder alles ganz anders und endlich auch mal positiv. Gegen Mittag begannen sich erste Lücken in der dichten Wolkendecke zu zeigen und gegen Mittag, kurz bevor ich mit dem Essen begann, wurde es richtig sonnig. 

Da ich die frisch zubereitete Mahlzeit nicht unterbrechen wollte, dachte ich an meine zahlreichen Murphys, die dafür sorgten, dass der Himmel immer dann klar war, wenn ich nicht beobachten konnte. Zum Glück kam es anders und so konnte ich entspannt das Teleskop auf die Fensterbank stellen und mit der Beobachtung im Weißlicht beginnen. Das Seeing war ganz passabel, zeigte zwar am Sonnenrand heftige Bewegungen, dafür war die Oberfläche ziemlich ruhig.

Die Sonne war heute im Weißlicht sehr fleckenreich und zeigte 12 Gruppen unterschiedlicher Klassen. Im Norden standen exakt am Westrand die AR 12227, die ich als J1 klassifizierte. Ihr folgte die AR 12234 als C2, die AR 12232 als B3 und die AR 12236 als H2. Daneben gab es hier noch eine D11 und eine D8 ohne NOAA-Kennung. Zum Süden zählten von Ost nach West zunächst drei Gruppen ohne Nummer: eine D3, eine B2 und eine J2. Die erste „offizielle“ war die AR 12237 als J1 und die AR 12235 als H1 sowie die AR 12230 als D7, die nur aus einer, dafür aber langen, Penumbra bestand.

Die Wolkenlücken wurde immer beständiger, daher baute ich noch mein PST auf, um mir die Aktivität im H-alpha anzuschauen. Im Osten waren zwei größere Protuberanzen und ein über dem Rand schwebendes Materiewölkchen zu sehen. Vier kleine Erhebungen gab es am Westrand. Die Oberfläche wies 7 Filamente auf,  aber nur eines war wirklich groß zu nennen. Dafür waren hier 8 Flaregebiete zu sehen, die der Sonne ein leicht gesprenkeltes Aussehen verliehen. Und im Südosten, hinter der AR 12237, schien sich gerade eine größere Aktivität zu entwickeln. Leider konnte ich das nicht weiter verfolgen, weil nur Minuten später die Sonne hinter meinen Hochhaus verschwand und ich keine weitere Möglichkeit zur Beobachtung hatte. 

Die AR 12237 ist übrigens der klägliche Rest der AR 12209, die im November und Oktober noch locker mit bloßem Auge zu sehen war und nunmehr seit September ihren vierten (!) Umlauf absolviert. Das hat in diesem Zyklus Seltenheitswert. Da sie nun arg zusammengefallen ist, dürfte fraglich sein, ob sie den jetzigen Durchlauf überhaupt unbeschadet überstehen wird. Im H-alpha gehört die jedenfalls zu den 8 Flaregebieten, die heute zu sehen waren.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Sonne am 07.12.2014

Es war ausgesprochenes Glück, dass ich heute zu einer Beobachtung gekommen bin. Angekündigt war ein stürmischer und regnerischer Tag, der keinerlei Hoffnung auf eine Sichtung der Sonne aufkommen lassen sollte. Kurz nach 11 Uhr MEZ zeigten sich aber erste größere Lücken in der Wolkenschicht und kurz vor 12 Uhr ergab sich ein größeres Wolkenloch, in dem der Himmel aber nicht blau, sondern hellweiß war. Man sah im Okular auch einen ständigen Schleier, der aber so dünn war, dass man im Weißlicht einfach hindurchsehen konnte. Das Seeing war einen Hauch besser als gestern, was dazu führte, dass ich kleine Gruppen trotz des Syphs sehen konnte.

Die AR 12222 mit seiner umfassenden und kompakten Penumbra, der die ganze Gruppe umschloss, stand im Süden ganz am Sonnenrand und wurde von mir als D4 geschätzt, weil ein wirkliches Zählen unter den gegebenen Umständen nicht möglich war. Die AR 12227 war heute eine H1 mit einer ovalen Penumbra. Dahinter hatte sich eine kleine D-Gruppe mit 4 Flecken gebildet, die noch keine NOAA-Nummer erhalten hatte. Ob sie eine Erweiterung der AR 12227 darstellte oder eine eigene Gruppe bildete, konnte nicht eindeutig geklärt werden, weshalb ich sie als zwei Gruppen wertete. Schwieriger wurde es mit der AR 12229, die ich nur per Zufall fand und als A1 klassifizierte. In Richtung Ostrand stand, immer noch nahe des Sonnenrandes, die AR 12230. Nur durch die Randverdunkelung war ihr Kontrast hoch genug, damit ich sie trotz Syph überhabt finden konnte. Ich schätzte sie - mehr war während der ganzen Beobachtungszeit nicht möglich - als B2 ein.

Aufgrund der Witterungsbedingungen war an eine H-alpha-Beobachtung nicht einmal zu denken.

Nachtrag: Kaum gepostet, riss die Wolkendecke noch einmal auf und ermöglichte nun doch eine H-alpha-Beobachtung. Die Aktivität in diesem Wellenlängenbereich war auch heute ziemlich gering. Am Rand fand ich nur 8 Protuberanzen, davon nur eine größere im Nordwesten. Auf der Oberfläche gab es kaum Filamente, ich fand jedenfalls nur 5 Stück, wobei im Nordosten eines ein wenig über den Rand hinausragte, und vier schwache Flaregebiete. 

Samstag, 6. Dezember 2014

Sonne im November 2014

Nach dem doch recht furiosen Oktober erwartete man im November einen ähnlichen Verlauf der Sonnenaktivität und in der Tat verlief sie auf vergleichsweise hohem Niveau. Für den ambitionierten Sonnenbeobachter war der Monat allerdings eher schlecht, denn nur zu Monatsanfang konnte man als Arbeitnehmer noch ein paarmal beobachten, für diejenigen, die nicht dazu zählten, sah es ein wenig besser aus. Der niedrige Stand der Sonne selbst zur Mittagszeit und die Tatsache, dass das Wetter in vielen Fällen überhaupt nicht mitspielte und man etwa seit Mitte November im Norden unter einer beständigen, dicken Hochnebelschicht saß, tat ein Übriges, um einem die Beobachtungstätigkeit gründlich zu vermiesen.

Dabei gab es einiges zu sehen, spätestens, als pünktlich zu Karnevalsbeginn am 11.11. auch die alte AR 12192 wieder auftauchte, die Nummer 12209 bekam zu ihrem 3. Umlauf ansetzte. Sie war dieses Mal jedoch deutlich kleiner und kam gerade mal auf 1000 MH – kein Vergleich zu den Werten vom Oktober. Davor gab es zwar eine Vielzahl von Fleckengruppen, aber immer nur solche der unteren Waldmeierklassen – wie so oft in den letzten Monaten zu beobachten war. So wurden Relativzahlen um die 100,0 zum wiederholten Male nur durch eine hohe Zahl an Gruppen erreicht, während die Zahl der Einzelflecke gering blieb. Am 5. erschien im Norden mit der AR 12205 die erste größere Gruppe des Monats. Sie wies eine etwas verwirrende Struktur auf, konnte aber gleich der Klasse E zugeordnet werden. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Gruppen.

Alle bisherigen Aktiven Regionen waren nach Westen gerückt und bis auf die AR 12205 wirkte die Sonne in jenen Tagen regelrecht leergefegt. Diese Gruppe entwickelte sich aber schon nach wenigen Tagen zurück und verlor von Tag zu Tag an Substanz. Ab dem 11. gehörte sie dann auch nur noch zur Klasse D. Dafür übernahm an diesem Tag die AR 12209 auf der Südhalbkugel den Staffelstab und war als F-Gruppe an mehreren Tagen auch ohne Probleme bei Nebel oder durch eine Sonnenfinsternisbrille hindurch mit bloßem Auge zu sehen. Doch wer jetzt auf eine weitere Steigerung der Sonnenaktivität gehofft hatte, sah sich ein ums andere Mal wieder enttäuscht. Sie wies zwar an einigen Tagen ein recht bizarres Aussehen auf, was jemand mit einer Bärentatze verglich, dafür wurde es in der Umgebung sehr einsam, die Zahl der Fleckengruppen ging bis zum 22. auf nur noch 3 zurück, während die Gruppe selbst auch immer kleiner wurde und an manchen Tagen recht zerrupft aussah. Am 22. Tauchte am Ostrand mit der AR 12216 eine weitere, größere Fleckengruppe auf, die zur Klasse D nach Waldmeier gehörte, aber überraschend große und dicke Penumbren aufwies, da sich die Einstufung in eine Klasse nach der Länge in heliographischen Graden richtet und nicht nach der Größe einzelner Teile in der Aktiven Region. Am 23. war dann der Norden völlig fleckenfrei, während die AR 12209 an diesem Tag die Penumbra im p-Teil verloren hatte.

Nach deren Verschwinden am 26. nahm die Zahl der Fleckengruppen wieder zu und kletterte auf 9 am 29. Insgesamt stieg die Aktivität also wieder deutlich an. Die am 24. am Ostrand aufgetauchte AR 12217 stieg am 26. zur Klasse E auf, aber nur bis zum 29, dann war sie wieder eine C. Merkwürdig an dieser Gruppe war, das sie nur wenige bis gar keine Penumbra ausbildete und nur aufgrund ihrer enormen Länge der Klasse E zugeordnet wurde. Etwas anders war es bei der am 25. aufgetauchten AR 12219. Diese wies, auf der Nordhalbkugel die Sonne umlaufend, zwei deutliche Penumbren auf, dafür war die Zahl der Flecken dazwischen eher gering. Dafür hielt sie die Klasse bis zum Monatsende. Als dritter großen Gruppe in diesem Zeitraum gehörte die AR 12222 ebenfalls der Klasse E an. Sie konnte erstmals am 27. gesehen werden und bestand ebenfalls über den Monatswechsel hinaus und war die einzige, die diesen überlebte.

Im H-alpha bot sich ein Bild, das teilweise so gar nicht zu der Aktivität im Weißlicht passte. Die AR 12209 blieb, wie bei den beiden vorangegangenen Umläufen, weitgehend inaktiv und es gab nur 17 M- und ein X-Flare im ganzen Monat. Am 3. war der erste größere Ausbruch zu sehen, ein M2.2, der um 11:53 UT am nordöstlichen Sonnenrand aufleuchtete, dem um 22:40 UT ein M6.5 folgte, der einen 9 minütigen Tenflare mit 180 sfu und einem Typ II Radiosturm im Gepäck hatte, dessen Teilchen auf 612 km/s beschleunigt wurden. Das Ganze war denn auch verbunden mit einem ordentlichen CME. Ursprungsort war die neue AR 12205, wo am 4. zwei weitere M-Flares aufstiegen: um 8:38 UT ein M2.6 und ein M2.3 um 09:04 UT. Diese im Weißlicht gar nicht mal so auffällige Gruppe zeigte im H-alpha ein vollkommen anderes Gesicht, denn sie produzierte munter weitere Flares: am 5. um 9:47 UT ein M7.9 samt 6 minütigem Tenflare, 229 sfu und einem Typ II-Radiosturm, dessen Teilchen auf Spitzengeschwindigkeiten von 819 km/s kamen und um 19:44 einen M3.0.

Der 6. brachte um 3:46 UT einen M5.4, der 7. um 17:26 UT einen X1.6-Flare samt Typ II-Radiosturm (Teilchengeschwindigkeit 602 km/s). Dieser führte am 10. zu einem moderaten geomagnetischen Sturm der Klasse G2. Die AR 12205 blieb danach weiter aktiv und erzeugte am 9. um 15:32 UT einen M2 sowie eine Vielzahl kleinerer C-Flares. An der Stelle, an der einen Tag später die AR 12208 auftauchte, gab es am 9. im H-alpha um 8:00 UT ein gigantisches eruptives Filament zu sehen sowie in der AR 12205 einen M2-Flare. Dafür wurde die AR 12209 nun ein Hort – geringfügiger – Unruhe. Am 15. wurde zwischen 11:40 und 12:03 UT ein M3.2-Flare registriert sowie zwischen 20:38 und 20:46 UT ein M3.7, der verbunden mit einem 8minütigen Tenflare, der es auf 229 sfu brachte. Am 16. gab es hier zwischen 17:35 und 17:57 UT einen M5.7-Flare, der verbunden war mit einem kurzen Radiosturm (Typ R2) und einem 1-minütigen Tenflare (Wellenlänge 10,7 cm), der zu einem kurzfristigen Anstieg des von der Sonne ausgehenden Teilchenstroms auf 300 sfu führte. Dem folgte um 20:46 UT noch ein M3.7.

Am 17. gab es zwischen 17:35 und 17:57 einen M5.7 zu sehen, der mit einem kurzen Radiosturm (Typ R2) und einem 1-minütigen Tenflare (Wellenlänge 10,7 cm) assoziiert war, der zu einem kurzfristigen Anstieg des von der Sonne ausgehenden Teilchenstroms auf 300 sfu führte. Danach konnten im November keine M-Flares mehr registriert werden, dafür aber am 18. ein weiteres, eruptives Filament. Die Kanzelhöhe kam im ganzen Monat neben der bereits erwähnten Anzahl von M- und X-Flares noch auf 363 Subflares, 24 Imp.-1 Flares, zwei Imp.-2 Flares und ein Imp.-3 Flare im optischen Bereich und 151 C-Flares im Röntgenlicht.

Sonne am 06.12.2014

Endlich hatte einmal alles gepasst: Der fast eine Woche andauernde Hochnebel hatte sich verzogen und gegen Mittag kam auch die Nikolaus-Sonne raus und ich war rechtzeitig wieder zu Hause, um sie beobachten zu können, bevor sie hinter einem meiner beiden Hochhäuser verschwinden würde.

Der Himmel wurde von Minute zu Minute klarer, weil eine kleine Hochdruckzone aus Nordwesten herankam, die zur Zeit noch einen klaren Himmel beschert. Das Seeing war allerdings grausig, wenn auch für wenige Sekunden das Bild stand und man dadurch auch kleine Gruppen erkennen konnte. Manchmal wurde man auf diese erst dadurch aufmerksam, dass sich im allgemeinen Seeinggeblubber Strukturen wie durch ein Vergrößerungsglas zeigten und die auch dann noch da waren, als sich die Luft ein wenig beruhigt hatte. Dieses Phänomen ist zwar bekannt, ich habe es selber aber auch nur selten beobachtet. Heute war es von Vorteil.

Als erstes erkannte ich im Süden die beiden einzigen Fleckengruppen mit Penumbra, die AR 12222, die ich als D3 klassifizierte und die aus einer einzigen, langgestreckten Penumbra bestand, und die AR 12227, die ich für eine H2 hielt, was aber auch am Seeing gelegen haben kann. Bisweilen sah ich zwei deutlich getrennte Umbren, dann wieder nur eine. Es war schwer zu entscheiden, was hier Wirklichkeit und was nur vorgetäuscht war. Dann erkannte ich im Norden noch die AR 12218 als J1, die aber spätestens morgen um den Westrand herumrotiert sein wird. Dann machte ich mich auf die Suche nach den kleinen Gruppen, was sehr schwer war und nur in den wenigen Sekunden ruhiger Luft oder paradoxerweise beim Durchzug dünnerer Wolken gelang. So fand ich die AR 12228 als A1, die AR 1225 ebenfalls als A1, eine unterhalb der AR 1227 stehende B3 ohne NOAA-Nummer und, ganz zum Schluss, eine nah am Ostrand stehende B2 in einem Fackelfeld, ebenfalls noch ohne Nummer.

Da noch Zeit blieb, bis das Hochhaus mit die letzte Chance auf eine Beobachtung nehmen würde, baute ich schnell das PST auf. Im H-alpha zeigte sich allerdings keine besonders aufgepägte Aktivität. Am Rand sah ich mit Mühe, weil das schlechte Seeing hier noch stärker durchschlug, als im Weißlicht, magere 8 Mini-Protübchen – nur je eine im Südosten und eine im Nordwesten waren überhaupt erwähnenswert -, während auf der Oberfläche 6 kleine Filamente und 5 Flaregebiete auszumachen waren, wobei nur das rund um die AR 12226 befindliche wirklich hell war. Hier hatte es am 4. um 18:25 den bislang letzten großen Flare gegeben, ein M6.1. Nur Stunden vorher, um 8:10 UT war hier ein M1.3 aufgestiegen und am 5. hatte es um 11:33 UT einen M1.5-Flare gegeben.

Montag, 1. Dezember 2014

Sonne am 01.12.2014

Unverhoffte Beobachtungen seien die besten, hat jemand mal behauptet. Zumindest heute könnte der unbekannte Autor dieser Behauptung recht behalten. Dabei war für heute eigentlich ein sehr sonniger Tag angekündigt worden, was jedoch zunächst blieb war die seit Wochen andauernde und nervender Hochnebelepampe. 

Gegen Mittag klarte es das erste Mal auf, aber da saß ich noch bei meinem Hausarzt. Die zweite Gelegenheit verstrich, als ich wieder nach Hause kam und die Sonne gerade  hinter dem Hochhaus verschwunden war. Ewig das selbe Spiel des Schotten, langsam wird es langweilig. Daher hatte ich den Tag schon abgeschrieben, doch dann kam die Sonne rechts vom Hochhaus wieder raus und war für exakt zwei Minuten zu sehen, bis sie hinter einem Baum verschwand und weitere Beobachtungen nicht möglich waren. Daher kam ich heute auch wieder nur zu einer Weißlicht- und nicht zu einer H-alpha-Beobachtung (die letzte ist schon fast einen Monat her).

Eigentlich hätte die derzeitige Aktivität eine genauere Beobachtung verdient, aber wenn man in keiner Himmelsrichtung einen freien Blick zum Horizont hat, muss man sich in den wenigen Augenblicken freier Sicht auf die Sonne halt beeilen. Aber ganz ohne den Blick durch die Äste der Bäume ging es dann halt doch nicht.

Der erste Blick der hinter dem Hochhaus hervorkommenden Sonne zeigte im immer noch vorhandenen Hochnebel einen heftig wallenden Sonnenrand mit regelrechten Einkerbungen, Dellen und Löchern. Das Seeing bei den -4° Außentemperaturen war grausig. Dennoch erkannte ich 9 Fleckengruppen. Als erstes sah ich im Süden die große AR 12222 als F 14, ihr folgte eine D8 ohne Nummer, dann die AR 12217 als D5 und die AR 12216 als H1 und die AR 12220 als A1. Im Norden standen die AR 12221 als E14, die AR 12218 als H1 und die AR 12223 als A1 sowie die AR 12219 als H2. Die letzten Gruppen erkannte ich erst, als die Sonne schon fast vollständig von den Ästen verdeckt war. Die Chance, die Sonne rechts vom Baum zu sehen, wurde durch neuerliche Hochnebelschwaden zunichte gemacht. Und in der ganzen Zeit war der Himmel in Richtung Norden dunstig, aber wolkenfrei …

Sonntag, 23. November 2014

Sonne am 23.11.2014

Kampf und Krampf, Enttäuschung und ein beinahe ständiges Auf und Ab bei der Hoffnung, nach zwei Wochen endlich mal wieder die Sonne live am Teleskop erleben zu dürfen, prägten diese Beobachtung. Nachdem ich gestern die einzige Wolkenlücke des ganzen Tages um gut 10 Minuten verpasst hatte. Hoffte ich heute auf besseres Wetter.

Gegen Mittag klarte es das erste Mal auf, da stand die Sonne noch hinter einem Baum. Die nächsten Wolkenlücken zogen zumeist südlich an der Sonne vorbei oder wurden durch tiefer liegende Wolkenschichten binnen Sekunden geschlossen. Mehrmaliges Auf- und Abbauen des Teleskops ohne einmal die Sonne sehen zu können, führten nur zu noch mehr Astrofrust. Das erste Mal klarte es dann richtig auf, als die Sonne gerade eben hinter der Kante des ersten Hochhauses verschwunden war.

Als sie dann rechts vom Hochhaus wieder auftauchte, stand sie knapp über den Bäumen, dafür war der Himmel mittelschwer abgesypht. Ich baute dennoch ein letztes Mal für heute das Teleskop auf und bekam dann ein mehr oder weniger schlechtes Bild der Sonnenaktivität ins Auge gezaubert. Der Himmelshintergrund im Okular war grau und schleimig, es zogen ständig Wolken durch und behinderten zusätzlich zu den Ästen, die mittlerweile ins Bild ragten, die Beobachtung.

So schätzte ich die Fleckenzahl mehr, als das ich sie wirklich zählte, aber etwas anderes war angesichts der Beobachtungsbedingungen nicht möglich. Die ehemals große AR 12209 war nicht mehr mit bloßem Auge zu sehen und sah auch so nicht mehr sehr beeindruckend aus. Ich klassifizierte sie als F18, die neue AR 12216 schien mir eine D8 zu sein, die leicht größer war als die 12209. Südwestlich davon war eine B4 zu sehen, die ebenso wenig eine NOAA-Nummer hatte wie die J1, die heute am Ostrand aufgetaucht war. Das Sonnenobservatorium auf der Kanzelhöhe hatte in seiner Zeichnung noch eine A1 verzeichnet, die ich aber beim besten Willen unter dem abgeschmodderten Himmel nicht finden konnte. Unter diesen Umständen ist auch klar, dass eine H-alpha-Beobachtung nicht möglich war.

Angesichts der miserablen Situation kann man sich durchaus die Frage stellen, welchen Wert diese Beobachtung angesichts der miserablen Beobachtungssituation hatte. Ich werde sie zwar zur Auswertung einreichen, aber zu meinen besten wird sie ganz sicherlich nicht zählen. Und während ich das hier blogge, verbessert sich der Himmel leicht … und die Sonne steht vollends hinter einem Baum ... 

Sonntag, 16. November 2014

Sonnenfleckengruppe AR 12209 als Tagebuch im Blogformat

Im Oktober sorgte die Aktive Region mit der von der NOAA vergebenen Nummer 12192 für einige Aufregung: Während ihres zweiten Umlaufs – erstmal hatte sie sie Sonne im September als AR 12172 umrundet hatte sie 6 X- und über 30 M-Flares hervorgebracht, dabei jedoch keinen einzigen koronalen Massenauswurf, was angesichts der Größe der Gruppe schon sehr ungewöhnlich war. Man war nach Ihren Verschwinden am Ostrand am 30. Oktober gespannt, ob sie die Passage der erdabgewandten Seite der Sonne überstehen würde. Da man die Gruppe aufgrund des typischen Novemberwetters wohl nicht zu Gesicht bekommen wird, soll hier versucht werden, eine Art Tagebuch im alten Blogformat zu führen.
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11.11.2014: Gespanntes Warten auf die alte AR 12192, die sich jetzt jeden Tag am Ostrand zeigen müsste. Da meldet das Solar Dynamic Observatory (SDO) eine spektakuläre Eruption knapp hinter dem Ostrand der Sonne, wobei der Fleck selbst noch nicht zu sehen ist.
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12.11.2014: Die AR 12192 ist wieder da und zeigt im Weißlicht einen H1-Fleck, was aber nicht alles sein kann.
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13.11.2014: Die alte AR 12192 hat die neue Nummer 12209 erhalten und zeigt jetzt etwas mehr von sich und brachte auch zwei Flares zustande: Zwischen 5:58 und 6:07 UT ein C8.4 und zwischen 19:17 UT und 19:21 UT ein C1.4.
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14.11.2014Dieser Tag brachte einen kleinen Flare: Zwischen 7:42 und 7:48 ein C5.4.
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15.11.2014: Das Magnetfeld der Gruppe ist nach wie vor vergleichsweise einfach gestrickt, man darf zwar auf weitere Ausbrüche hoffen, doch die Wahrscheinlichkeit für CMEs wird durch die Magnetfeldstruktur nicht höher! Gleich mehrere Flares der Gruppe wurden heute registriert: Zwischen 11:40 und 12:03 UT ein M3.2, zwischen 20:38 und 20:46 UT ein M3.7 sowie zwischen 23:33 und 23:44 UT ein C2.7. Der M-Flare war verbunden mit einem 8minütigen Tenflare, der es auf 229 sfu brachte. Die Gruppe zeigt sich nun in voller Größe und sieht gegenüber der AR 12192 schon arg gerupft aus. Der f-Teil der Gruppe ist zwar immer noch gigantisch groß, aber in den Zwischenräumen zum p-Teil hin gibt es kaum Einzelflecke. Die Klassifikation als F-Gruppe ist gerechtfertigt.
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16.11.2014: Das Wetter verhindert weiter eine erfolgreiche Beobachtung (Hochnebel, leichter Regen). Die Penumbra des hinteren Teils der Gruppe ist sehr groß und weist heute eine sehr große Lichtbrücke auf, demnach gibt es einiges an Aktivität im lokalen Magnetfeld. Heute wurden bislang folgende Flares beobachtet: Zwischen 1:11 und 1:21 UT ein C1.4, zwischen 06:11 und 06:14 UT ein C1.1 und zwischen 09:07 und 09:21 UT ein C2.0.
Nachtrag: Für den Sonntag war es mit der Aktivität der Gruppe nach der geringen Vormittagsaktivität noch lange nicht vorbei: zwischen 9:59 und 10:10 UT gab es einen C2.4, zwischen 13:40 und 13:46 UT einen C1.5, zwischen 16:39 und 16:55 UT einen C3.9 und zwischen 22:02 und 22:09 UT einen C2.4. Der stärkste allerdings war zwischen 17:35 und 17:57 zu sehen, hier stieg - die Quelle enthält allerdings bei der Lokalisierung des Flares einen Fehler - ein M5.7 auf, dazu ein Video. Dieser war zudem verbunden mit einem kurzen Radiosturm (Typ R2) und einem 1-minütigen Tenflare (Wellenlänge 10,7 cm), der zu einem kurzfristigen Anstieg des von der Sonne ausgehenden Teilchenstroms auf 300 sfu führte. 
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17.11.2014: Der Montag brachte für Hamburg sehr sonniges Wetter, das ich leider nicht für eigene, teleskopische, Beobachtungen nutzen konnte. Es war mir nur möglich, mit einer Sonnenfinsternisbrille in der Mittagspause einen kurzen Blick auf die Sonne mit bloßem Auge zu werfen. Dabei sah ich einen der Flecke, sehr wahrscheinlich den größeren f-Teil mehr oder weniger deutlich mit bloßem Auge. Via twitter hieß es, dass zumindest in einem Fall auch der zweite Fleck der p-Teil, mit bloßem Auge zu sehen gewesen sein soll. Auf Fotos war hingegen deutlich zu sehen, dass die Lichtbrücke im f-Teil der Gruppe ganze Arbeit geleistet und den Fleck in der Mitte durchgetrennt hatte. Hier hatten sich mehrere neue Umbren innerhalb der Penumbra gebildet, die wiederum ebenfalls Lichtbrücken enthielten, ein sicheres Zeichen für starke magnetische Aktivitäten im lokalen Magnetfeld. Ansonsten war die Aktivität an diesem Tag eher ruhig, lediglich zwischen 6:01 und 6:06 UT wurde ein schwacher C1.7-Flare zu beobachten. Viel spannender war die im Weißlicht nur unscheinbare AR 12214. Im H-alpha wirkte die eingenommene Fläche an chromosphärischen Fackeln größer als die AR 12209 und sie erzeugte auch erheblich mehr Flares an diesem Tage. Für die kommenden Tage wird von einer 27%igen Chance für X-Flares. einer 79%igen für M-Flares und einer 92%igen für C-Flares ausgegangen.
Nachtrag: Zwischen 18:06 und 18:30 gab es einen C1.6-Flare.
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18.11.2014: Den ganzen Tag über blieb die AR 12209 sehr ruhig, es gab zwar eine spektakuläre Eruption, die jedoch nicht aus dem Umfeld der Gruppe aufstieg. Die von ihr eingenommene Fläche hat zwar von 680 Millionstel Hemisphären (MH) am 15. über 800 MH am 16. und 940 MH am 17. auf 990 MH am 18. zugenommen, liegt damit aber weit unter dem Höchstwert von 2750 MH am 27.10.2014 unter der NOAA-Nummer 21092. Im Weißlicht ergab sich dennoch wieder das Bild aus dem Oktober: Neben der großen Gruppe existierten nur wenige kleine. Außerdem ist die Zahl der Flecken in dieser F-Gruppe anscheinend weiter zurück gegangen. An eigene Beobachtung war angesichts des novembrig-neblig-regnerischen Tages nicht einmal zu denken.
Nachtrag: Zwischen 7:49 und 8:09 UT gab es einen C1.8, zwischen 14:21 und 17:33 UT einen lang anhaltenden C1.9-, und zwischen 19:24 und 19:30 UT einen kleinen C1.3-Flare.
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19.11.2014: Der Amateursonnenbeobachter Andreas Viertel hatte am 17.11.2014 die AR 12209 in einer Wolkenlücke mit einem 50/540 mm Refraktor und 10-O Fadenkreuzokular vermessen können. Er kam dabei auf einen Durchmesser des Flecks im nachfolgenden Teil von rd. 71.000 km, während der kleinere Fleck im voranschreitenden Teil nur bei 30.000 km lag. Der gegenseitige Abstand der beiden Flecken betrugen 195.000 km. Zusammen mit den kleinen Flecken, die zur Gruppe gehören, berechnete er einen Gesamtdurchmesser der Gruppe von 300.000 km, was die Zuordnung zur Waldmeierklasse F begründet. Das korrespondiert mit der Angabe der NOAA von 1100 Millionstel Hemisphären Gesamtfläche. Ansonsten war die Gruppe auch am heutigen Tage relativ ruhig, irgendwelche Flares wurden bis jetzt nicht gemeldet. Morgen erfolgt die Passage des Zentralmeridian. Jetzt wäre also eine günstige Zeit für einen erdwärts gerichteten Flare mit CME. Doch danach sieht es ganz und gar nicht aus. Selbst wenn es zu einem solchen Ereignis käme, könnte man ein Polarlicht aus Witterungsgründen wohl nicht beobachten. Eine eigene Beobachtung der AR 12209 war mir auch heute nicht vergönnt, den ganzen Tag über gab es nur einen neblig-trüben Himmel.
Nachtrag: Zwischen 18:57 und 19:03 UT produzierte die AR 12209 einen C2.9-Flare.
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19.11.2014: Die AR 12209 hat den Zentralmeridian der Sonne überschritten, ist aber weiter völlig inaktiv. Wie schon bei ihrem Durchgang im Oktober hat sie bislang noch keinen einzigen CME produziert und lässt wieder die Gelegenheit verstreichen, mal einen ordentlichen Flare mit Koronalem Massenauswurf auszuhusten, der dann zu einem Polarlicht auch in mitteleuropäischen Breiten führen könnte. Aber nichts da: die Gesamtfläche ist auf 930 Millionstel Hemisphären zurück gegangen und die Aktive Region tut einfach nichts. Dafür hatte ich heute das Glück, in der Mittagspause während einer kurzen Wolkenlücke die Gruppe mit dem bloßen Auge und einer Sonnenfinsternisbrille sehen zu können. Unterdessen ist am Ostrand eine neue Fleckengruppe aufgetaucht, die AR 12216 (ex-12197), die für einen größeren C-Flare verantwortlich war, nähere Angaben hierzu in einem möglichen Nachtrag, da beim Solar Monitor die Daten erst später veröffentlicht werden.
Nachtrag: Die AR 12209 brachte dann doch noch einen kleinen C2.4-Flare zustande, der zwischen 18:57 und 19:03 UT registriert wurde.
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20.11.2014: Die "neue" AR 12216 meldete sich am frühen Morgen MEZ zwischen 6:31 und 6:41 mit einem C7.6 zu Wort, während die mittlerweile auf 930 MH geschrumpfte AR 12209 ebenfalls einen Ausbruch auf den Weg brachte: zwischen 19:36 und 19:56 UT einen C2.5. Die Zahl der Flecken in der Gruppe hat immer mehr abgenommen; das Aussehen der hinteren Penumbra wurde von vielen als "Löwentatze" bezeichnet. 
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21.11.2014: Das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe hat die Gruppe - die ich immer noch nicht selbst beobachten konnte - als zur Waldmeierklasse G zugehörig eingestuft, was auch Sinn macht, da die Gruppe im Weißlicht alle Flecken zwischen den beiden Polen verloren hat. Erstaunlicherweise soll die Gesamtfläche der Gruppe auf 970 MH angestiegen sein, was wohl nur daran liegt, dass man einige der vor bzw. hinter den Polen liegenden kleinen Flecken mit eingerechnet hat. Der Augenschein auf Fotos sagt einem aber eher etwas anderes. Die AR 12216 schickt sich denn auch an, immer größer zu werden. Die AR 12209 hingegen wird nun, als sie sich dem Rand annähert, wieder aktiver. Ganze 9 Flares binnen eines Tages gingen auf ihr Konto, heute: 

01:53-02:08 UT: ein C1.4
23:25-23:31 UT: ein C1.1

Eine eigene Beobachtung war auch heute wieder nicht möglich.
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22.11.2014: Wochenende, die Hoffnung auf die erste eigene Beobachtung der AR 12209 steigt, wird aber enttäuscht, da ich die einzige Wolkenlücke des ganzen Tages nur um Haaresbreite, sprich: gut 10 Minuten, verpasst habe. Zu Hause angekommen, konnte ich nur noch sehen, wie sie gen Osten abzog. Dafür ging die Flareaktivität in der AR 12209 munter weiter:

00:06-00:51 UT: ein C2.4 
00:54-01:01 UT: ein C8.1
03:35-03:41 UT: ein C2.4
05:58-06:03 UT: ein C6.5
06:09-06:17 UT: ein C3.2 09:53-09:57 UT: ein C1.5
13:09-13:31 UT: ein C2.1
17:08-17:13 UT: ein C3.1

Im Weißlicht sind nur noch drei Fleckengruppen zu sehen, dennoch war die AR 12209 mit ihren - nun wieder geschrumpften - 900 MH nach wie vor die größte Aktive Region des Tages.
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23.11.2014: In der Nacht hat es zwischen 5:32 und 5:39 UT ein C2.4-Flare gegeben und die Fläche ist nach Angaben der NOAA wieder auf 950 MH gestiegen. Auf Fotos ist die "Löwentatze" nach wie vor gut zu sehen und südwestlich davon hat sich eine unabhängige B-Gruppe gebildet. Da solarham und solarmonitor bislang nur wenige Daten gemeldet haben, kann es heute noch einen Nachtrag geben.

Wie versprochen, der Nachtrag: Meine erste eigene Beobachtung der Fleckengruppe unter denkbar schlechten Bedingungen, dazu ein Bild, das die beiden großen Gruppen zeigt, die derzeit auf der Sonne zu sehen sind. Und es hat in der AR 12209 einen weiteren Flare gegeben: ein C3.5 zwischen 10:41 und 10:53 UT.
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24.11.2014: Langsam endet die Beobachtungsperiode der AR 12209, die schon sehr nah am Westrand steht und heute auch keinen einzigen Flare mehr produziert hat. Zwar soll ihre Fläche wieder auf 1000 MH zugenommen haben, was aber wieder nur an den vor und hinter den Polen liegenden kleineren Flecken liegen kann. Die große Penumbra im nachfolgenden Teil ist sichtbar - nicht nur perspektivisch wegen der randnahen Stellung - kleiner geworden. Spätestens in zwei Tagen ist diese Gruppe dann weitgehend um den Westrand herumrotiert und man wird sich fragen müssen, ob sie noch zu einer weiteren, der dann vierten. Rotation fähig ist.
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25.11.2014: Am heutigen Tag durften wir uns von der AR 12209 verabschieden und sie blieb weiterhin sehr enttäuschend. Wie schon bei der vorherigen Rotation als 12192 brachte sie zwar jede Menge Flares zustande, jedoch keinen einzigen mit einem Koronalen Massenauswurf. Gab es im Oktober wenigstens noch einen X-Flare, so gab es diese Mal nur einen der Klasse M und ansonsten nur solche der Klasse C und zum Abschluss nicht einmal mehr das. Ob sie die kommenden 14 Tage überstehen oder sich auflösen wird, ist nicht vorhersehbar, dass sie sich aber noch einmal so entwickeln wird wie im Oktober, ist unwahrscheinlich, da ihre Fläche immer mehr abgenommen und ihre Aktivität immer geringer geworden ist. Immerhin hat sie drei Rotationen überlebt, was in diesem Zyklus nicht sehr häufig vorkam.
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Sonntag, 9. November 2014

Sonne am 09.11.2014

An eine Sonnenbeobachtung hatte ich an diesem Morgen nicht so recht geglaubt, denn die Wettervorhersagen waren alles andere als sicher. Zumeist war darin von einem bewölkten Himmel die Rede.

Nach dem Aufwachen schien sich das auch zu bestätigen und während ich beim Frühstück saß, schien sich der übliche Murph anzudeuten: ein weitgehend klarer und blauer Himmel und jede Menge Wolken im Südosten, wo die Sonne aufgehen würde. So verpasste ich denn auch ihr Erscheinen über der Häuserkante, doch mehr und mehr verzogen sich die Wolken. Die Sonne stand zwar immer noch in einem Wolkenstreifen – darüber war alles klar -, dennoch baute ich mein kleines Teleskop auf der Fensterbank auf. Sah die Sonne zunächst aufgrund der rasch durchziehenden Wolken wie ein Jupiter aus, so wurde auch das im Laufe der Zeit besser. Doch das Seeing war hundsmiserabel. Der Rand war in so starker Bewegung, dass ich dort erst gar keine Flecken sehen konnte.

Daher erfasste ich im Weißlicht erst die AR 12205 als E33 und die AR 12207 als J1. Dahinter fand ich dann in den Wellenbewegungen eine weitere Fleckengruppe, die ich als J3 klassifizierte, weil ich nur einen winzigen, geradezu mit dem Seeing hüpfenden Teil der Gruppe sehen konnte. Zum Westrand hin wurde es dann echt schwer, überhaupt etwas zu sehen. In winzigen Momenten ruhiger Luft, als mal keine Wolken vor der Sonne standen, erkannte ich die AR 12204 und die 12201 jeweils als A1. Aus den Zick-Zack-Bewegungen des Sonnenrandes – verursacht durch das extrem schlechte Seeing – sprang irgendwann die dicht am Westrand stehende AR 12203 als J1 hervor. Danach zeigte sich die Sonne im Fernrohr milchig, denn es hatte sich eine Syphschicht davor geschoben.

Schnell noch einen Blick ins H-alpha riskiert, doch die Seeingbewegungen waren hier noch viel ausgeprägter, die Wahrnehmbarkeit der Erscheinungen bei hellem Himmelshintergrund stark herabgesetzt, sodass ich lediglich die vier hellsten Protuberanzen am Sonnenrand, das helle Flaregebiet rund um die AR 12205 und ein großes Filament im Nordosten sehen konnte. Das Auswurfmaterial des X-Flares (dazu hier ein interessantes Video) wird morgen hier eintreffen und voraussichtlich einen geomagnetischen Sturm der Klasse G2 verursachen.

Wenig, im Vergleich zu anderen Tagen, bei besserem Seeing. Dafür sind drei aufeinander folgende Beobachtungen im November an sich schon ein Novum, insofern nimmt man die Relativzahlen unter schlechten Bedingungen halt mit. Würde man allerdings nur unter bestem Seeing in Hamburg Relativzahlen bestimmen, bekäme man schätzungsweise nicht mal 50 Beobachtungstage zusammen. So kann man schon froh sein, überhaupt etwas zu sehen, zumal es auch immer wieder murpht. Es ist logisch, dass die Sicht erst besser wurde, als die Sonne hinter der Hauskante und hinter einem der Nervbäume stand, wie fast immer an meinem Standort.


PS: Dass die Sonne ein sehr dynamischer Himmelskörper ist, bewies sie, kaum, dass dieser Blogbeitrag veröffentlicht war: Im Südosten eruptierte plötzlich und unerwartet ein ohnehin schon sehr großes Filament, zeigte selbst im PST schon binnen Minuten leichte Veränderungen. Leider konnte ich das Geschehen erst ab ca. 10:15 UT verfolgen, weil dann erst die Sonne auf der anderen Seite des Hauses stand und dann kamen nach 10 Minuten auch schon wieder Wolken, die bis zum Verschwinden der Sonne hinter dem Hochhaus gegenüber die Sicht behinderten. Erst danach wurde es für etwa zwei Stunden richtig klar ... und die Sonne ging hinter dem Haus unter. Via GONG-Network war aber zu verfolgen, wie hier zwei dicke Materiebögen ihr Material entlang Magnetfeldlinien erhoben. Im Weißlicht war ein kleiner Zipfel einer „neuen“ Fleckengruppe zu sehen. Wir erinnern uns: die AR 12192 war am 30. Oktober um den Westrand herumrotiert und in dieser Woche dürfte sie wieder am Ostrand auftauchen,
hier kann man es verfolgen. 

Samstag, 8. November 2014

Sonne am 08.11.2014

Den Tag mit einer Sonnenbeobachtung zu beginnen, kann auch jede Menge Stress bedeuten. So wachte ich auf, als der Himmel völlig klar war und freute mich, auch heute eine Beobachtung bekommen zu können, zumal ich nicht nur aufgrund des Bahnstreiks auf eine Teilnahme an der Bochumer Herbsttagung der Amateurastronomen verzichtet hatte.

Doch je näher der Zeitpunkt rückte, wo die Sonne über dem Nachbardach hochsteigen würde, desto mehr zog es sich in Sonnenrichtung zu, während der übrige Himmel nahezu wolkenfrei blieb. Ein Phänomen, das ich sehr oft beobachte. Durch den flacheren Tagbogen der Sonne dauerte es natürlich auch länger, bis sie erstmals über die Hauskante hinweglukte. Und da passierte es: binnen Sekunden zog der Himmel völlig zu. Meine Flüche erspare ich mal den Blogleserinnen und -lesern. Die Wolken zogen allerdings sehr schnell und nach etwa 10 Minuten öffnete sich wieder ein Wolkenloch. Ich stürzte regelrecht zum Teleskop, richtete es aus und fand als erstes die AR 12205 als E31. Durchziehende Wolkenstreifen nervten und behinderten das Aufsuchen der kleineren Fleckengruppen, von denen es gestern ja noch eine ganze Menge gab. Dann war der Himmel erst einmal frei und ich konnte die Beobachtung fortsetzen.

Am Westrand stand die AR 12203 als J1, die AR 12204 war erst auf den zweiten Blick zu sehen und dann als C8. Auf die AR 12201 – eine A1 - im Süden stieß ich auch erst später , gerade als wieder einzelne Wolkenstreifen durch das Gesichtsfeld zogen. Hart am Ostrand fand ich noch zwei J1-Gruppen ohne NOAA-Nummer, die ganz frisch erschienen waren. Alles in allem eine eher durchschnittliche Aktivität im Weißlicht mit der AR 12205 als einzigem Höhepunkt.

Im H-alpha sah es denn auch ganz ähnlich aus: 13 kleine Protuberanzen am Rand, 6 Filamente – nur eines davon sehr groß – und vier helle Flaregebiete. Eines davon rund um die AR 12205, wo man wieder den Eindruck hatte, dass heute dort neue Flares hervorkommen würden. Meine Prognose von gestern traf dann wenige Stunden später auch ein: zwischen 17:25 und 17:34 UT, mit Höhepunkt um 17:26 UT produzierte sie einen X1.6-Flare, der mit einer Typ II-Radioemmission (Typ R2) und einen Koronalen Massenauswurf verbunden war, dessen Teilchen mit 602km/s davongetragen wurden.

Kurz nach Ende der Beobachtung zog dann der Himmel zu und die Sonne kam erst wieder heraus, als sie hinter einem meiner zahlreichen Bäume stand ...

Freitag, 7. November 2014

Sonne am 07.11.2014

Dank vieler Überstunden konnte ich mir heute mal einen frühen Feierabend gönnen und den wollte ich für eine Sonnenbeobachtung nutzen, was mir auch gelang. Die Wolken hielten sich weitgehend zurück, dafür war das Seeing unterdurchschnittlich: der Rand war kräftig in Bewegung, während Oberffächenstrukturen gut zu sehen waren.

Im Weißlicht hatte sich seit der letzten Beobachtung vor 5 Tagen zwar einiges verändert, doch wirklich spektakuläres war nicht dabei Lediglich die auf der Nordhalbkugel zu sehende AR 12205 zog sofort das Beobachterauge auf sich. War sie doch die größte, derzeit zu beobachtende Fleckengruppe, die ich als E28 klassifizierte. Mit dem bloßen Auge konnte ich sie nicht sehen, sie verdankte ihre Einstufung auch nur ihrer Länge und weniger ihren Penumbren, die zwar vorhanden, insgesamt aber eher klein waren. Im Norden gab es dann noch die AR12204, die ich für eine A1 hielt, die AR12203 am Westrand (J1) sowie eine nummernlose A3 in deren Nähe. Im Südost gab es zwei A1 ohne Nummer und Richtung Westen die AR 12202 als C9. Im Endeffekt also ein eher ruhiger Weißlichttag.

Im H-alpha sah es fast ähnlich aus. Lediglich im Bereich der AR 12205 gab es ein helles Flaregebiet – hier waren in den vergangenen Tagen drei M-Flares aufgestiegen – und es schien, dass zur Beobachtung ein derartiger Ausbruch im Frühstadium seiner Entwicklung zu sehen war. Leider konnte ich wegen der nahenden Kante des gegenüberliegenden Hochhauses nicht weiter beobachten.

Rund um die AR 12201 gab es auch noch einige flareträchtige Aufhellungen. Insgesamt fand ich aber nur 4 Flaregebiete, 10, bis auf eine Ausnahme eher kleine, Filamente und 12 winzige Protuberanzen. Leider verschlechterte sich das Seeing zusehends, sodass die H-alpha-Beobachtung im Laufe der Zeit schwieriger wurde. Dennoch gehe ich davon aus, alle relevanten Phänomene zahlenmäßig erfasst zu haben.

Donnerstag, 6. November 2014

Die Sonne im Oktober 2014

Der Ende September zu beobachtende, leichte Anstieg der Sonnenaktivität, ließ in den ersten Oktoberdekade spürbar nach. Täglich ging die Zahl der Fleckengruppen zurück. Waren es am 1. noch 10 Gruppen, die man finden konnte, so sank die Zahl bis zum 13. auf nur noch 2 ab. Am ersten Oktobertag konnten die AR 12173, die AR 12175 und die AR 12177 noch als E- und die AR 12172 als F-Gruppen eingestuft werden, so fielen am folgenden Tag alle auf die Stufe D zurück und von der AR 12172 war nur noch der f-Teil am Westrand zu sehen. 

Am 3. war auch der verschwunden und so ging es dann zunächst kontinuierlich abwärts. Lediglich die AR 12181, erstmals am 1. am Ostrand erschienen, hielt die Klasse D bis zum 8. und fiel dann auf C zurück, der Rest gehörte ohnehin nur den Klassen A, B, C, H und J an. Nach dem 13. stieg die Aktivität wieder leicht an, wenn auch die Gruppen erst einmal nur den Klassen B und C angehörten. Am 16. war die Zahl der Fleckengruppen wieder auf 7 angestiegen, um danach am 18. erneut einzubrechen. 

Nur noch 3 Gruppen waren an diesem Tag zu sehen. Eigentlich unspektakulär, wenn da nicht die AR 12192 just an diesem Tage vollständig um den Ostrand herum rotiert wäre. Am Tag zuvor konnte man schon einen Teil des p-Flecks sehen, doch was sich danach entwickelte, war geradezu gigantisch. Diese auf der Südhalbkugel der Sonne wandernde Gruppe wies eine extrem chaotische Struktur auf. Richtige bipolare Zentren konnten visuell kaum ausgemacht werden und sie war praktisch ab dem 19. ohne Probleme mit Hilfe eines geeigneten Sonnenfilters mit bloßem Auge zu sehen. Und mehr noch: Sie nahm beständig an Größe zu, konnte an einigen Tagen sogar mit bloßem Auge flächig gesehen werden und zeigte binnen Stunden Veränderungen. In den kommenden Tagen wurde sie nicht nur zur dominierenden Gruppe auf der ganzen Sonne – die Zahl der übrigen Gruppen war dagegen sehr gering und lag nur bei 4 bis 5. Die AR 12192 entwickelte sich zur größten Fleckengruppe nicht nur im laufenden 24. Fleckenzyklus, sondern seit 2001, als die AR 9393 am 29. März eine Fläche von 2440 Millionstel Hemisphäre (MH) einnahm. Die AR 12192 kam dagegen am 27. Oktober auf 2750 MH! 

Da lohnt ein Vergleich mit früheren Gruppen. So erreichte die AR 10486 im Oktober / November 2003 im Maximum 2610 MH bei der AR. Im April 1947 kam eine Gruppe sogar auf mehr als 6000 MH – damals gab es noch keine Kennzeichnung der Gruppen per NOAA-Nr. die gibt es erst seit den 1970er Jahren – und beim großen Carrington-Event vom 1. September 1859, als die beiden Astronomen Richard Carrington und Richard Hodgson den bislang kräftigsten Flare aus einer Sonnenfleckengruppe erstmals „live“ heraus beobachteten, dürfte die verantwortliche Aktive Region ähnliche Ausmaße gehabt haben.

Seinerzeit konnte auch gleichzeitig ein Weißlicht-Flare beobachtet werden und in der Folge traten starke Polarlichter auf, die sowohl von Australien, als auch vom der Nordhalbkugel aus sichtbar waren. In den USA gab es zudem an der Ostküste, aber auch in weiten teilen Europas großflächige Stromausfälle und Zusammenbrüche der oberirdischen Telefonleitungen. Damit wurde erstmals ein Zusammenhang zwischen der Aktivität der Sonne und des Erdmagnetfeldes verifiziert.

Die AR 12192 war noch bis zum 30. zu sehen und als sie als Platzhirsch verschwunden waren, ja, schon, als sie sich immer stärker dem Westrand annäherte, waren plötzlich sehr viele kleine Gruppen zu sehen, sodass die Gruppenzahl am 31. Oktober wieder auf 10 angestiegen war. Das hatte dann zur Folge, dass der Gesamtanstieg der Relativzahlen im Oktober eher gering ausfiel, ihre Höhe die vom Monatsanfang nicht überstieg und sogar fast auf gleicher Höhe blieb.

Im H-alpha war der Oktober, ein sehr seltsamer Monat, denn die Aktivität blieb eher mittelmäßig bis durchschnittlich. Am 2. stieg, randnah, aus der AR 12173 um 19:01 UT ein M7.3-Flare auf, der mit einem nicht erdwärts gerichteten Koronalen Massenauswurf (CME) verbunden war, aber auf SDO-Bildern eine schöne Eruption offenbarte. Erst am 9. folgte das nächste, erwähnenswerte, Ereignis: Aus der AR 12182 kamen kurz hintereinander um 1:43 UT ein M1.3- und um 1:58 UT ein M1.4-Flare. Am 10. eruptierte um 18:25 UT im Südwesten ein großes Filament mit einem CME. Der 14.10.2014 brachte dann um 18:37 UT am Ostrand einen M1.1-Flare sowie um 21:05 UT einen M2.2, welcher ebenfalls mit einem CME verknüpft war. In der darauf folgenden Nacht konnte in den Polarregionen dann ein deutlich visuelles Polarlicht gesehen werden, das von einem geomagnetischen Sturm der (niedrigen) Klasse G1 ausgelöst worden war. Am 16. gab es dann – ebenfalls am Ostrand – einen M4.3-Flare, der um 13:03 UT von den SDO-Satelliten registriert worden war. 

Ab dem 19. Oktober hatte dann die AR 12192 ihren großen Auftritt auch im H-alpha. Während ihrer Sichtbarkeit produzierte sie 6 (!) X-Flares:

19.10., 05:03 UT: X1.1;
22.10., 14:28 UT: X1.6;
24.10., 21:40 UT: X3.1;
25.10., 17:08 UT: X1.0;
26.10., 10:56 UT: X2.0;
27.10., 14:47 UT: X2.0

sowie 30M-Flares, 5 Importance-2- und 4 Importance-3-Flares. Damit war sie die aktivste Gruppe seit vielen Jahren. Allerdings hatte das ganze einen kleinen Schönheitsfehler: Keines der Flares war mit einem CME verbunden, was hinreichend ungewöhnlich war. Die Magnetfeldstruktur der Gruppe war auch relativ einfach und somit konnte keine ausreichende Feldstärke für CMEs erreicht werden. 

Im Gegensatz etwa zum großen X.28-Flare vom Oktober 2003, als man noch in Thüringen auf der Kirchheimer Sternwarte richtig heftige Polarlichter sehen konnte, blieben diese in unseren Breiten aus. Nur in den innerhalb des Polarlichtoval liegenden Gebieten konnte eine leicht erhöhte Aktivität festgestellt werden. Wieso eine derart große Gruppe so wenig Aktivität zeigte, darf zu den ganzen anderen Merkwürdigkeiten des aktuellen Sonnenfleckenzyklus gerechnet werden. Nach dem Weggang der Gruppe fiel jedenfalls die Aktivität im H-alpha steil ab. Nichtsdestotrotz konnten während des ganzen Monats immer wieder, auch größere, Protuberanzen und Filamente, die (geschätzt) teilweise halben Sonnendurchmesser erreichten, beobachtet werden. Allerdings wurden auch sie nur selten so groß, dass sich über das Gesichtsfeld der weltweit verteilten Teleskope und Kameras des GONG-Netzwerkes herausreichten.

Sonntag, 2. November 2014

Sonne am 02.11.204

Der November macht es einem nicht leicht, die Sonne zu beobachten. Das für den Vormittag noch vor einigen Tagen angekündigte gute Wetter blieb aus und die Sonne war erstmals zu sehen, als sie, knapp neben der Kante meines Hauses stehend, erst hinter dieser und dann einem Baum verschwand und für mich unerreichbar wurde. Lt. Vorhersage für den heutigen Tag sollte es ab ca. 13 Uhr eine größere Wolkenauflockerung geben, stattdessen war zu dem Zeitpunkt der Himmel völlig bedeckt. Mein Zeitfenster reicht bis etwa 15 Uhr, danach steht die Sonne hinter einem Hochhaus und geht auch hinter diesem unter. Dabei zeigt sich zunächst ein riesiges Wolkenloch im Nordwesten, während die Sonne hartnäckig durch Wolken verborgen war. Das hielt sich beständig, bis aus Südwesten eine weitere Wolkenlücke gemächlich herankam. Diese hatte die Sonne dann endlich gegen 14:15 Uhr erreicht ... und war gut 10 Minuten später wieder verschwunden, bis es kurz nach 15 Uhr weitgehend aufklarte ...

Die 10 Minuten Beobachtungszeit reichten jedoch aus, um in zwei Wellenlängen zu beobachten. Im Weißlicht hatte die Zahl der Aktiven Regionen deutlich abgenommen. Die im Norden dicht am Westrand stehende AR 12195 war eine J1, die AR 12202 eine C10, die fast auf dem Zentralmeridian sitzende 12203 eine D15 und die AR 12204 eine C7. Der Süden enthielt heute nur noch die AR 12201 als C9 und die AR 12200 als A1. Das Seeing war während der Beobachtung recht gut und so war ich gespannt auf die Beobachtung im H-alpha.

Dort fiel mir als erstes eine großflächige Penumbra im Südwesten auf, sowie eine bogenförmige im Nordwesten. Fünf weitere waren eher von kleiner Statur und oftmals erst auf den zweiten Blick zu sehen. Vier helle Flaregebiete – eines im Bereich der AR 12203 – zierten die Oberfläche ebenso wie 15 kleine und ziemlich regellos über die Sonnenbeobachtung verteilte Filamente.

Für Detailstudien im H-alpha blieb auch heute keine Zeit, denn kurz nach dem Ende der Beobachtung zogen schnell tiefer liegende Wolken heran und ließen alle weiteren Beobachtungen scheitern.

Dies wird möglicherweise für die kommende Zeit die letzte Beobachtung gewesen sein, denn lt. Langfristiger Wettervorhersage erreicht mich nun eine Schlechtwetterzone, die über das kommende Wochenende hinaus reichen wird, der einzige Zeitraum, wo ich jetzt noch beobachten kann.

Samstag, 1. November 2014

Sonne am 01.11.2014

Der 1. November und gleich eine Sonnenbeobachtung: das hat Seltenheitswert, denn in diesem für viele auch als Gruselmonat oder Deprimonat bezeichneten Jahresabschnitt sind sonnige Tage am Wochenende ein Novum. Ich kann mich an Jahre erinnern, da habe ich im November keine einzige Sonnenbeobachtung zustande gebracht, weil es am Wochenende nie klar war und die Sonne in der zu früh unterging, wenn man sie überhaupt zu Gesicht bekam.

So begann der Tag fast mit einer Beobachtung bei erstaunlich gutem Seeing, aber hohen, durchziehendem Syph, der sich erst legte, als die Sonne hinter der Hauskante stand (Murphy kann es einfach nicht lassen). Dieser leichte Syph war es denn auch, der die Erkennbarkeit der sehr vielen kleinen Fleckengruppen zum Teil verhinderte, die heute die Sonnenoberfläche zierten. Oft waren sie auch erst auf den zweiten Blick zu erkennen und ich bin mir sicher, die eine oder andere Gruppe nicht erwischt zu haben, weil das Auflösungsvermögen meines kleinen 80/400er-Refraktors zu gering war, um sie darstellen zu können.

Beim ersten flüchtigen Blick fielen mir nur drei Gruppen ins Auge: Die AR 12195 als J1, die AR 12202 als C10 und die AR 12201 als C7. Erst später sah ich bei der AR 12201 eine A1 ohne NOAA-Nummer und eine B4, ebenfalls ohne Kennung, auf der Nordhalbkugel der Sonne. Nach längerer Beobachtungszeit kamen die AR 12200 als B4, die AR 21299 als A1 und die AR 12196, ebenfalls als A1, hinzu. Auf SDO-Aufnahmen waren noch drei weitere Gruppen eingetragen, die ich aber partout nicht finden konnte.

Das relativ ruhige Seeing erlaubte heute denn auch eine Beobachtung im H-alpha, was besonders interessant war. Am Ostrand schwebte eine Materiewolke über der Oberfläche, am Westrand waren eine sehr großflächige, eine spitzkegelige und eine irregulär geformte Protuberanz zu sehen. Bei näherem Hinsehen erkannte ich dann noch eine Schleifenprotuberanz am Ostrand und mehrere kleinere Erhebungen, wodurch die ihre Zahl auf 10 anstieg. Auf der Oberfläche waren 6 helle Flaregebiete – und ein gerade in der Sonnenscheibenmitte aktiver, kleinerer Flare – sowie 9 kleine Filamente zu sehen. Leider konnte ich wegen der Hauskante die Beobachtung dann nicht mehr fortsetzen und ein Ausweichen auf den Hinterhof war nicht zielführend, weil die Sonne dort den Boden nicht mehr erreicht und meine Umgebung für den niedrigen Sonnenstand zu viele Häuser und Bäume aufweist, die sich als Hindernis in den Weg stellen.

Freitag, 31. Oktober 2014

Sonne am 31.10.2014

Völlig überraschend bildete sich gegen Mittag ein Wolkenloch über Hamburg, das ist zunächst nicht nutzen konnte, weil ich da gerade unterwegs war. Das Loch war relativ stabil, bis ich zu Hause ankam und erste Wolken wieder in das wolkenfreie Feld eindrangen. Allerdings war der Himmel extrem dunstig und man durfte sich bei der Weißlichtbeobachtung über eine zusätzliche, natürliche, Lichtdämpfung freuen, das Seeing war, wie eigentlich fast immer bei diesen Wettersituationen, überraschend gut. So fiel es mir auch relativ leicht, die vielen winzigen Gruppen zu sehen, die heute die Sonne bevölkerten.

Im Norden sah ich lediglich zwei kleine Gruppen: die AR 12195 als J1 und die AR 12202 als C3. Auf der Südhälfte waren schon deutlich mehr Fleckengruppen zu sehen, allerdings fast wieder nur solche der unteren Waldmeierklassen. Ganz am Ostrand stand die AR 12201, die ich als J2 klassifizierte, die AR 12200 als B2 und die AR 12199 als A1. Leichter war die A 12196 als J1 zu finden und die AR 12198 als weitere C3. Mit der AR 12197 erkannte ich die letzte Aktive Region als A1. Kurz danach nahm die Bewölkung wieder stärker zu, die letzte Wolkenlücke beendete den letzten Kontrollblick vorzeitig. Eine H-alpha-Beobachtung war danach nicht mehr möglich.

Das Rennen gegen die knappe Zeit hatte ich teilweise verloren, oder nur teilweise gewonnen, je nachdem, wie man es sieht. In dieser Jahreszeit kann man froh über jede einzelne geglückte Beobachtung sein, viele sind es im November und Dezember ohnehin nicht, die man da zusammenbekommt.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Sonne am 30.10.2014

Nach einem total grauen und schon mal einen Vorgeschmack auf den tristen November liefernden, teilweise regnerischen, Tag, bot sich heute mal wieder eine Gelegenheit für eine Beobachtung. Das Seeing war eigentlich ganz gut, nur störte der Hochnebel und der allgemeine Schleim am Himmel die Beobachtung.

Von der AR 12192 sah ich am Westrand noch einen kümmerlichen Rest des f-Teils der Gruppe, den ich mangels anderer Möglichkeiten als H1 klassifizierte.. Den wahren Abgang hatte ich durch das schlechte Wetter am Vortag verpasst. Zurück blieben nur ein paar kleinere Gruppen, dachte ich zuerst. Die AR 12195, 12196 und 12198 waren alles nur J1-Gruppen, die AR 12194 und die 12197 konnte ich trotz aller Bemühungen nicht finden. Als ich schon annahm, bedingt auch durch den Syph, das war es, mit der Beobachtung, entdeckte ich in der Osthälfte vier kleine Grüppchen: eine B2, eine B3, eine A1 und eine A2. Das erinnerte mich an die alte Weisheit: Wenn der Große weg ist, trauen sich die Kleinen wieder aus den Löchern heraus. Hier schien es fast genauso zu sein, denn während die große AR 12192 das Feld beherrschte, gab es kaum kleine Gruppen zu sehen.

Wenig Hoffnung machte ich mir auf die H-alpha-Beobachtung. Dafür waren die Bedingungen zu schlecht. In der Tat war der Himmelshintergrund hellorange und der Kontrast arm. Dennoch waren erstaunlich viele Details doch noch zu sehen, obwohl das ganze schon sehr grenzwertig war. Am Ostrand standen zwei etwas größere Protuberanzen, im Westen eine sowie einige im Nordosten, die aber nur sehr schwach zu sehen waren. Auf der Oberfläche erkannte ich 9 Protuberanzen, wobei die große im Nordwesten kurz vorm Rand stand und in den kommenden Tagen für etliche sehr interessante Protuberanzen sorgen dürfte. Dazu kamen noch drei eher schwächliche Flaregebiete, die aber aufgrund der großen Kontrastarmut des Bildes kaum zu sehen waren.

Kurz nach der Beobachtung verdichtete sich der Syph, es kamen Wolken an und beendeten das kleine und bescheidene Wolkenloch, das mir immerhin die nächste Beobachtung bescherte.