Samstag, 12. April 2014

Sonne am 12.04.2014


Der Tag begann unerwarteter Weise mit dickem Nebel, der sich aber bald nach Sonnenaufgang lichtete. Allerdings scheiterte der erste Versuch einer Beobachtung an einem Baum, der mir in Richtung Osten komplett die Sicht versperrt und durch zunehmenden Bewuchs immer weniger Lücken aufweist.

Bäume stören die Beobachtung
Also war ich gezwungen, einen anderen Standort aufzusuchen, was in dieser Jahreszeit weniger das Problem ist. Schwierig wird es erst, wenn Nachbarn vermeintlich meinen, ich würde ihre Wohnung ausspionieren und vom Balkon herunterpöbeln, weswegen ich es eigentlich vermeide, im Hof zu beobachten. Heute ging es zum Glück gut, ein anderes Mal wurde mir schon Schläge oder die Polizei angedroht. Der Hinweis „Ich beobachte die Sonne“ führte lediglich zu Bemerkungen wie „Spinner“, „Spanner“ „nicht ganz dicht“ oder weitaus Unfreundlicheres. Auf die Einladung, selber mal durch das Teleskop zu schauen, hat bislang niemand reagiert.

So gab es bei er Beobachtung eine gewisse Nervenanspannung, da ich schon mitbekam, wie Fenster aufgingen und jemand mit Hund in der Nähe war, obgleich laut Hausordnung im Hof keine Hunde frei rumlaufen dürfen. So sah ich zunächst nur die wirklich großen Fleckengruppen im Weißlicht. Im Westen erwischte ich noch auf der Südhalbkugel die AR 12027 als J1, die direkt am Sonnenrand mitten in einem Fackelgebiet stand. In deren Nähe entdeckte ich eine A1 ohne Nummer, ebenfalls von Fackeln umgeben. Ziemlich genau in der Sonnenscheibenmitte stand eine weitere A1 ohne Nummer, die ich nur Dank des guten Seeings zufällig für wenige Momente erwischt. Am Ostrand war die AR 12035 vollständig um den Sonnenrand herumrotiert und von mir als D3 klassifiziert worden. Der nunmehr leicht aktivere Norden wies im Osten die AR 12034 als D5, die AR 12033 als C2 und die AR 12032 als H1 auf.

Obwohl in Richtung der Sonne immer wieder dünne Schleierwolken durchzogen, war das Bild im Okular recht ordentlich. Beim Abbau des 80/400er Refraktors und Aufbau des PST auf mein Stativ, ging irgendwo ein Rollladen auf, woanders wurden Fenster zugeschlagen und ich hörte unverständliches Gemurmel. Jemand, der kurz zuvor seinen Müll in die Container geworfen hatte, blickte um die Ecke, schaute mir stumm zu und als ich die Dame zum Durchschauen durch das Teleskop einladen wollte, drehte sie sich um und verschwand.

Ein Teleskop im Hof kann Aufmerksamkeit auf sich ziehen
Das Bild im PST war dafür am Anfang schlicht umwerfend. Es zeigte sich, dass in den wenigen Augenblicken, wo ein blauer Himmel in der Umgebung der Sonne zu sehen war, einen die Detailfülle regelrecht ansprang. Insbesondere der Ostrand wies heute eine ganze Reihe von Protuberanzen auf, die auf bald erscheinende, neue Sonnenfleckengruppen hoffen ließen. Besonders eine aufrecht stehende Protube zog meine Aufmerksamkeit auf sich, ebenso wie das hügelartige Gebilde in der Nähe. Insgesamt zählte ich heute 14 Protuberanzen, 5 Flaregebiete und 11, allerdings nur kleine, Filamente, die sich überwiegend auf der Ostseite der Sonne konzentrierten. Nimmt man die Beobachtung eines einzigen Tages als – ziemlich unsichere – Prognose, könnte man damit rechnen, dass die derzeit vor sich hindümpelnde Sonnenaktivität bald wieder neue Impulse erhält, es kann aber auch genau das Gegenteil eintreten.

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