Dienstag, 29. April 2014

Sonne am 29.04.2014

Einem selten gesehenen Phänomen verdankte ich meine heutige Sonnenbeobachtung: Gerade als ich zu Hause ankam, bildete sich rund um die Sonne ein Wolkenloch, das nicht nur ziemlich stationär blieb, sondern sich auch deutlich vergrößerte. Die eingekauften Waren mussten daher warten, bis sie in den Kühlschrank untergebracht wurden, denn erst einmal war die tägliche Sonnenbeobachtung wichtiger, getreu dem Motto: Wenn die erste Chance nicht genutzt wird, gibt es keine zweite!

Das Seeing war wieder sehr gut, die Details in den wenigen vorhandenen Sonnenflecken kamen sehr plastisch zum Vorschein, besonders in der Ar 12049 auf der Südhalbkugel, die ich als D 15 klassifizierte und die im nachfolgenden Teil sogar eine kleine Lichtbrücke aufwies. Die AR 12047 war heute auch eine D, mit 16 Flecken. In Richtung Westrand stand die AR 12045 als leicht deformiert wirkende J1. Der Norden war dagegen deutlich fleckenärmer: nur eine J1 (AR 12050) und eine C4 (AR 12048) waren hier zu sehen.

Das gute Seeing lud geradezu zu einer H-alpha-Beobachtung ein. Schnell noch das Essen im Kühlschrank verstaut und schon konnte es losgehen. Als erstes fiel mir eine größere Protuberanz im Südwesten auf sowie einen weiteren Protuberanzenherd daneben. Insgesamt 8 dieser Materiebögen waren am Sonnenrand vorhanden. Auf der Oberfläche entdeckte ich 5 Flaregebiete und 20 Filamente besonders auf der Ostseite. Besonders die große Protube lud förmlich zu einer Zeichnung am PST ein, die ich aber noch einscannen muss. 

Während ich dabei war, die Einzelheiten zu Papier zu bringen – ich beobachte vom Küchenfenster aus – hörte ich von der Straße laute Bemerkungen wie „Ey, Aller, guck Disch an, da oben is Spion“. Super, dachte ich, ignorierte das aber. Drei Leute in islamischer Tracht blieben stehen und guckten zu mir rauf, was ich weiterhin ignorierte, aber aus dem Augenwinkel verfolgte. Dann riefen Sie „Ey, Stasimann, was guckst Du misch an“ (das Teleskop war die ganze Zeit auf die Sonne ausgerichtet! Ich ignorierte sie weiter und hoffte inständig, das die Leute weitergingen. Es kam irgendwann noch ein, „Scheiß-Nazi“, dann zogen sie weiter. Da war die Konzentration für die Beobachtung erstmal hin und ich darf nun hoffen, dass die nicht irgendwann mal vor meiner Wohnungstür stehen …

Harmlose Sonnenbeobachtung kann also durchaus gefährlich sein, ich bin es aber mittlerweile gewohnt, bepöbelt zu werden („Glotz nicht ständig in unser Fenster, sonst gibt es was aufs Maul!“) oder die Drohung zu erhalten, eine Strafanzeige zu erhalten, wenn ich noch einmal mit einer Kamera Wohnungen ausspioniere.

Übrigens: Der Hinweis, das ich nur die Sonne beobachte und das man gerne auch durch das Teleskop schauen kann, wurde bislang ignoriert („Mir können Sie nichts erzählen, ich kenne mich aus, das ist eine Videokamera!“, „Sie lügen, das kann man gar nicht, weil die Sonne viel zu hell ist“). Selbst die „Arbeitsjacke“ mit Aufschrift „Sternwarte Bergedorf“ hilft nicht („Die kann man sich ja überall kaufen“). Da fällt einem nichts mehr zu ein.

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