Samstag, 31. Mai 2014

Sonne am 31.05.2014

Sonnenbeobachtung kann bisweilen sehr anstrengend sein, vor allem, wenn man vom „Virus Solaris“ infiziert ist, unbedingt jeden Tag beobachten möchte, um nichts zu verpassen und dann mit dem Wetter konfrontiert wurde: in Richtung Westen war der Himmel heute völlig aufgeklart, nur in Ostrichtung, wo die Sonne stand, wie sollte es auch anders sein, stauten sich die Wolken. Nur Kleinstlücken kamen mal vorbei und ermöglichten es zumindest, das Fernrohr auszurichten. Wolken in unterschiedlichen Höhen machte die Berechnung von Wolkenlücken schier unmöglich. So war wirklich wieder Wolkenlückenastronomie angesagt, in der einen sah ich eine, in der anderen eine weitere Fleckengruppe usw. Fast eine halbe Stunde musste ich ausharren, bis sich auch im Osten die Wolken lichteten. Zwischendurch musste ich allerdings höllisch aufpassen, denn eine Hornisse versuchte, durch das Fenster in den Boden zu gelangen, was oftmals nur durch das beherzte Zuschlagen verhindert werden konnte.

Als dann endlich die Wolken aufrissen – natürlich immer nur für ein paar Augenblicke – entdeckte ich zunächst die neue AR 12077, die ich als J1 klassifizierte. Später fand ich die AR 12075 als C2 und davor eine Ansammlung kleiner Flecken, die ich als B5 einstufte. In Westrichtung lag die AR 12076 als A1 und die AR 12073 als C3. Alle Fleckengruppen befanden sich übrigens auf der nun wieder deutlich dominanteren Südhälfte, der Norden war wieder fleckenfrei.

Eine größere Wolkenlücke animierte mich dann doch noch zu einer H-Alpha-Beobachtung. Als erstes sah ich „Protubus Gigantus“, ein Geflecht aus vier nebeneinander stehenden, weit auffächernden Protuberanzen, die man wirklich mal als groß bezeichnen konnte. Da diese sich am Ostrand befanden und über einer großen Aktiven Region stehen müssten, ist normalerweise mit dem Auftauchen größerer Fleckengruppen an dieser Stelle im Weißlicht zu rechnen. Hier muss man im wahrsten Sinne des Wortes schauen, ob es auch so kommt. Am Sonnenrand zählte ich 20 (!) - abgesehen von „Gigantus“ - überwiegend kleine Protuberanzen, auf der Sonnenoberfläche drei kleine Flaregebiete sowie 10 Filamente.

Leider ist momentan bei Abfassung dieses Blogbeitrages der Osthimmel wieder bedeckt, während der Westhimmel im tiefsten blau erscheint, da wird ein Nachbeobachten schwierig, zumal die Hornisse immer noch dabei war, auf den Dachboden zu gelangen ... 

Freitag, 30. Mai 2014

Sonne am 30.05.2014

Die Sonnenaktivität scheint momentan in eine ruhigere Phase eingetreten zu sein. Solche Einbrüche so kurz nach dem vermeintlichen Maximum – wenn es das denn wirklich war – sind ungewöhnlich, meist hält danach die hohe Aktivität noch eine ganze Weile an, aber beim aktuellen Zyklus ist schließlich nichts normal.

Bevor ich mit der Beobachtung auf dem Dachboden beginnen konnte, musste ich erst warten, bis die Sonne hinter einem der größten Bäume im Innenhof hervorkam. Teilweise konnte ich zwei der Gruppen durch Blätter und Äste hindurch sehen, aber das war natürlich nicht sinnvoll für die Bestimmung einer Relativzahl. Als die Sicht endlich frei und das anfangs gute Seeing dann wieder schlechter geworden war – kein Tag ohne Murphy – offenbarte sich der gleiche trostlose Anblick von gestern. Der Norden der Sonne war weiter fleckenfreiund schien seine dominante Rolle wieder an den Süden abgegeben zu haben. Hier hatte sich einige getan. Die AR 12075 war zu einer C3 geworden, die AR 12073 war eine D5 und die AR 12076 bestand für mich aus zwei Gruppen, einer B2 und einer A1. Von den Regionen 12073 und 12071 gelang mir auch heute keine Sichtung.

Mittlerweile begann sich das Seeing noch weiter zu verschlechtern. Das erste, was ich im H-alpha sah, war der sich deutlich bewegende Rand, an dem ich dann erstaunliche 17 Protuberanzen entdeckte, die in einigen Fällen auch schon etwas größer waren, leider nicht am Ostrand. Auf der Oberfläche gab es 4 Flaregebiete und nur 9 Filamente. Auch hier war dann deutlich die fast erscheinungsfreie Nordhälfte der Sonne zu sehen. 

Donnerstag, 29. Mai 2014

Sonne am 29.05.2014


Nach vielen Tagen ohne eine reele Chance auf eine Sonnenbeobachtung, weil ich oft erst nach Sonnenuntergang, bzw. Beginn der nautischen Dämerung zu Hause war, hoffte ich heute auf die passende Gelegenheit. Schon in den frühen Stunden sah ich einen wolkenlosen Himmel, der aber passend zu Sonnenaufgang wieder verschwand. Erst einmal bestimmten daher wieder Wolken das Geschehen. Gegen Mittag begann sich die kompakte Wolkenlücke zu lichten und natürlich liefen alle Wolkenlücken immer irgendwie an der Sonne vorbei. Fast der ganze Himmel war ohne Wolken, nur in Richtung Sonne hielten sie sich hartnäckig und verschwanden nur zögerlich. Schließlich bot sich mir eine Lücke an, in der ich das Fernrohr justieren konnte, kaum getan, war der Himmel wieder zu. Das Spiel ging etwa zwei Stunden lang, ohne dass ich zu einer Beobachtung kam. Schließlich kam eine leicht größere Lücke, in der ich mich arg beeilen musste, um fertig zu werden, weil auch immer wieder Wolkenfetzen störten.

Was sich mir im Weißlicht dann offenbarte, war eher eine Sonne aus dem Minimum: der Norden war völlig fleckenfrei und im Süden stand nahe des Zentralmeridians eine einsame H1, die AR 12075. Etwas weiter südlich erspähte ich die AR 12076 als C2, daneben die AR 12073 als B2. Die AR 12072 sollte als A1 zu sehen sein, ich fand sie aber auch nicht nach längerer Beobachtung, ebenso wenig wie die am Rand stehende AR 12069. Dafür war das Seeing mit einer Ruhe und einer Schärfe von jeweils 4 einfach zu schlecht und der wallende Sonnenrand sorgte zudem für eine schlechte Definition der Bildschärfe.

Entsprechend schlecht war denn auch die Beobachtung im H-alpha (auf die entsprechend große Lücke musste ich nochmals gut eine Stunde warten). Eine große und 5 kleinere Protuberanzen, drei Flaregebiete und 8 Filamente, mehr bot sich mir heute nicht dar. Momentan sieht es so aus, als würden wir geradewegs auf das nächste Minimum zulaufen, keine guten Aussichten.

Sonntag, 18. Mai 2014

Sonne am 18.05.2014

Die sonntägliche Vor-Frühstücks-Sonnenbeobachtung war dieses Mal ein wenig stressfreier, denn auf dem Boden waren keine Wespen, dafür zwei Stück in meiner Wohnung, als ich zurückkam: ich hatte wegen der Wärme vergessen, die Fenster zu schließen. Überdies war der Himmel blau und das Seeing mau: für nur wenige Momente wurde mir ein wirklich klares Bild der Sonne vergönnt.

Dafür waren von den großen Gruppen der letzten Woche nur noch ein paar klägliche Reste zu sehen. Im Norden war von der AR 12057 war am Westrand nur noch eine A1 übrig, von der AR 12056 eine J1, direkt am Rande stehend. Am Sonnenmeridian stehend war da noch die AR 12063 als C9. Der Süden überwog mal wieder mit seiner höheren Aktivität, was aber eigentlich nur relativ und vorwiegend kleineren Gruppen zu verdanken war. Am Westrand stand die AR 12067 als A1, die AR 12060 als H2 – innerhalb einer einzigen Penumbra standen hier zwei Flecken – die AR 12061 als H1, die AR 12066 als D4 und die AR 12068 als B2. Die AR 12065 kam nur ab und zu als A1 durch.

Fast schon zu erwarten war im H-alpha die hohe Aktivität am Westrand, wo im Weißlicht die Gruppen schon um den Rand herum gewandert, hier aber gleich mehrere größere Protuberanzen zu finden waren. Eine davon war eruptiv und ging über das Gesichtsfeld der Kamera des National Solar Observatory der USA hinaus. Insgesamt kam ich auf 14, zumeist jedoch sehr kleine, Protuberanzen, 5 helle Flaregebiete und 12 Filamente und nur eines davon war wirklich groß zu nennen. Mehr noch als gestern waren heute die Polgebiete der Sonne „erscheinungsfrei“, während sich alles andere wieder rund um den Sonnenäquator abspielte.

Samstag, 17. Mai 2014

Sonne am 17.05.2014

Der Morgen begann mit einem gewissen Stress, denn auf meinem Dachboden, von wo aus ich die Sonne beobachten wollte, hörte ich ein lautes Summen: irgendwie hatte sich hier eine Wespe verfangen. Kaum wird es wärmer, kommen diese Mistviecher wieder zum Vorschein. Der Himmel war um 5:40 UT schön blau, dafür das Seeing schlecht. Nur selten konnte ich wirklich Details und kleinste Flecken sehen.

Im Norden lichteten sich die Reihen. Schon weitgehend herum rotiert war die AR 12055, die ich als J1 klassifizierte, gefolgt von der AR 12057, ebenfalls eine J1. Weiter befand sich dort die AR 12056 als D5 sowie dicht daneben eine A1 ohne NOAA-Nummer. Die AR 12064 vermochte ich auch heute nicht zu sehen, dafür die AR 12063 dahinter als D8. Auf der Südhälfte erkannte ich eine A1 ohne Nummer, die AR 12065 als B4 (die Gruppe war offenbar in zwei Teile zerfallen). Die AR 12061 war eine J1, die AR 12066 eine D4 und die 12060 eine H2. Zwischen der AR 12060 und dem Sonnenrand entdeckte ich dann noch eine B3.

Zwischendurch musste ich mir immer einreden, wegen der Wespe nicht die Nerven zu verlieren, denn sie umflog zwar das Fenster, das geöffnet war, fand aber nicht den Weg nach draußen. Nerven und dann noch zu blöd sein, um wieder rauszufliegen.

Das Bild im H-alpha hatte sich gegenüber gestern Abend nur unwesentlich verändert, allerdings war die Zahl der Protuberanzen leicht zurück gegangen, ich kam heuer nur noch auf 15 sowie 15 Filamente und 6 Flaregebiete. Am Rand befanden sich mittlerweile drei größere Materiebögen – über einer am Ostrand schwebte noch ein wenig Restmaterial, das zuvor aufgestiegen sein musste und im PST schön anzusehen war., ansonsten orientieren sich die Aktivitätsgebiete weiterhin entlang des Sonnenäquators..

Freitag, 16. Mai 2014

Sonne am 16.05.2014

Mein frühester Feierabend in der ganzen Woche wurde von schönem, warmen Wetter begleitet, auch wenn es zum x-ten Male passierte, dass bei Eintreffen in meiner Wohnung die Wolken kamen und der Himmel zuzog. Zum Glück aber nur kurzfristig, dennoch musste ich die Beobachtung wegen durchziehender Wolken immer wieder unterbrechen, was bei der Fülle an Fleckengruppen und Flecken schon ziemlich nervig war. In den vergangenen Tagen konnte ich abends zwar immer irgendwie beobachten, da es aber schon spät war, brachte ich keinen vernünftigen Blogbeitrag mehr zustande. Und das wird wohl in der kommenden Woche ebenso sein, die extrem arbeitsreich wird – und für die eine Schönwetterkatastrophe angesagt ist. Dafür war das Seeing ganz gut und erlaubte auch einige Detailbeobachtungen, für die ich zu diesem Zeitpunkt aber zu müde war.

Die meisten der zuletzt gesehenen Gruppen waren weiter nach Westen gerückt und standen nun am dortigen Sonnenrand. Die AR 12055 konnte im Norden als H1 dicht am Rand gesehen werden, aber ohne Wilson-Effekt. Schräg darüber stand die AR 12057 als J3, knapp darunter die AR 12056 als D5. Parallel dazu stand eine J1, die keine Nummer hatte, vor ein paar Tagen aber eine bipolare Struktur aufwies, die ich als eigenständige Aktive Region wertete. Die AR 12064 war für mich eine B3 und die AR 12083 eine D10. Auf der Südhälfte fand cih die AR 12065 als A1, die AR 12061 als H1, die AR 12060 als C6 sowie die R 12058 als B2.

Im H-alpha lag die Aktivität heute höher als bei der letzten Beobachtung. Sieben helle Flaregebiete kündigten eindeutig davon. Am Sonnenrand standen 16 Protuberanzen – eine hatte eine baumähnliche Struktur, eine – am Westrand – stand senkrecht nach oben, zumindest wirkte es im Fernrohr so. Beim Zählen kam ich auf 14 Filamente. Außerdem war auch heute wieder zu beobachten, dass sowohl die Nordpolar-, als auch die Südpolarregion vollkommen frei von Erscheinungen war und sich im Prinzip alles mehr oder weniger beiderseits des Sonnenäquators abspielte.

Dienstag, 13. Mai 2014

Sonne am 13.05.2014

Nachdem ich gestern so spät Feierabend hatte, dass die Sonne bereits hinter einem der horizontnahen Bäume stand und ich daher trotz viel Sonnenschein mal wieder nicht beobachten konnte – die Ausfalltage im Mai häufen sich zusehends – hatte ich heute einen späteren Arbeitsbeginn und konnte um 5:40 UT, als die Sonne knapp über den Bäumen in Richtung Osten stand, mit der Beobachtung beginnen. Das Seeing war recht annehmbar, aber nach den vielen Tagen ohne Beobachtung musste ich mich erst einmal wieder orientieren und die Flecken richtig zu den Gruppen zuordnen.

Zunächst vielen mir die vielen Gruppen zwischen dem Zentralmeridian und der Westhälfte der Sonne auf. Im Süden fand ich dann die AR 12061 als J1, die AR 12060 als D12, die 12058 als B3 und die AR 12062 als D6. Im Norden ging es etwas lebhafter zu, hier fand ich am Ostrand eine kleine C3 ohne NOAA-Bezeichnung, danach die AR 12057 als H1 mit einer kleinen Lichtbrücke, die AR 12055 als D8, die AR 12059 als C9 und die AR 12059 als H3.

Inzwischen kamen ein paar Wolken auf, die sich durch das Bildfeld schoben, doch für eine H-alpha-Beobachtung, bei der ich 15 kaum auffällige Protuberanzen, 14 ebenso unspektakuläre Filamente sowie 5 Flaregebiete ohne besondere Merkmale, reichte es am Ende. So schaffte ich am 13. Mai immerhin Beobachtung Nr. 6, sehr wenig, im Vergleich zu anderen Jahren und man durfte gespannt sein, wie sich das weiter entwickeln würde.

Freitag, 9. Mai 2014

Sonne am 09.05.2014

Die heutige Beobachtung hatte wieder was von Hohn, Spott und Mittelfinger. Nach heftigen Gewittern, Sturzbachregen und – im Nachbareingang – vollgelaufenem Keller war eigentlich nicht mehr mit einer Sonnenbeobachtung zu rechnen, doch dann riss plötzlich die Bewölkung auf, aber nur dort, wo die Sonne grad nicht stand. An ihrer Position zog Schleim und Syph durch. Ich machte mich dennoch an eine Beobachtung heran und fand zumindest für kleine, wenige Augenblicke, einen fast klaren Himmel vor. Der Durchzug neuer Wolken – über mir war mittlerweile schönster blauer Himmel – störte immer wieder die Beobachtung und die Gesamtsituation wurde nur in kurzen Momenten besser, denn die ganze Zeit über stauten sich die Wolken in Sonnenrichtung, während der übrige Himmel dann fast ohne Wolken war und erst als unser Tagesgestirn hinter einem Baum stand, verschwanden auch dort die Wolken. So blieb mit in diesem extrem beobachtungsschwachen Mai wieder nur der Rest.

Dabei war die Sonne dieser Tage sehr aktiv. Alle zuletzt beobachteten Gruppen waren nach Westen gerückt – die Entwicklung konnte wegen der vielen Ausfalltage von mir nicht mit eigener Anschauung verfolgt werden. Im Norden war die AR 12053 als kleine B2 zu sehen, gefolgt von der AR 12055 als D4, die AR 12057 als J1 und die AR 12056 als D10. Gerade die letzten drei Gruppen bildeten wieder mal einen Komplex von Fleckengruppen, der gemeinsam über die Sonne rotierte. Der Süden war da schon erkennbar schwächer. Am Ostrand standen gleich zwei J1-Gruppen: die AR 12058 und eine weitere, noch ohne Nummer. Am Zentralmeridian war die AR 12054 als A1 zu sehen und von der AR 12049 fand ich noch ein Fragment am Westrand.

Angesichts der miesen Beobachtungsbedingungen war an eine H-alpha-Beobachtung nicht mal zu denken. Und während diese Zeilen entstehen, ist der Himmel in Richtung Sonne völlig wolkenfrei und sie selbst steht nun vollständig hinter Bäumen ...

Montag, 5. Mai 2014

Sonne am 05.05.2014

Manchmal geht es auch anders herum: gestern wurde für den Nachmittag Sonnenschein angekündigt, der nicht kam, heute kam Sonnenschein, der nicht angekündigt wurde. Ein Astrokumpel aus Bergedorf hatte mich wieder mal vorgewarnt und so durfte ich binnen Minuten miterleben, wie aus einem völlig bedeckten Himmel ein nahezu wolkenfreier war, allerdings mit sehr viel Dunst und Schleim dazwischen. Der war zum Glück nicht so intensiv, dass eine Beobachtung unmöglich wurde und so erwischte ich dann doch noch einen Blick auf unser Tagesgestirn. Das Seeing war nach Abzug der letzten Wolkenreste dann auch erstaunlich gut und ließ trotz des allgemeinen Syphs viel Detail in den Gruppen erkennen.

Die Aktivität des heutigen Tages – insgesamt konnte ich 8 Fleckengruppen zählen – war annähernd gleichmäßig auf beide Hemisphären verteilt. Im Norden stand in der Westhälfte die AR 12050 als J1, die AR 12053 als D7 und gerade um den Ostrand herum kommend eine neue Gruppe, die ich erstmal als C5 eingestuft habe, die aber wohl erst morgen offenbaren wird, ws sie nun wirklich ist. Sie wird wohl die Nr. 12055 von der NOAA bekommen. Auf der Südhälfte standen gleich zwei Gruppen am Westrand: die AR 12051 als D5 und die AR 12047 als C5. Dahinter die derzeit größte Gruppe,die AR 12049 als D14, östlich des Sonnenmeridians die AR 12052 als C7 und die AR 12054 als J1.

Die Beobachtung im H-alpha war, bedingt durch den Schleim am Himmel, schon ziemlich schwierig. Der Kontrast war stark herabgesetzt und auch das Drehen am Einstellring brachte nur wenige Verbesserungen. Protuberanzen waren außerordentlich schwer zu erkennen, weil eine andere Filterstellung auch keine größere Helligkeit brachte. So ergingen mir einige kleine Protuben, wohingegen ich fast alle Flaregebiete erwischt hatte. Auch bei den 14 Filamenten war ich mir sicher, wirklich alle erfasst zu haben. Der Hintergrund im PST zeigte sich hell und orange, stets ein schlechtes Zeichen, was die Beobachtungsbedingungen angeht.

Am Ende war ich froh, doch noch etwas gesehen zu haben, denn die Wetteraussichten waren und sind eher schlecht. Aber vielleicht wird im Laufe der Woche doch noch mal die Vorhersage pessimistischer ausfallen, als als Wetter dann wirklich wird.

Samstag, 3. Mai 2014

Sonne am 03.05.2014

Nach einer klaren Nacht startete der Tag mit einem klaren, blauen Himmel, der regelrecht zur Sonnenbeobachtung noch vor dem Frühstück einlud. Vom Dachboden aus – der Straßenverkehr sorgte heute stärker als sonst für leichte Erschütterungen des Hauses, was aber nur mit dem Teleskop bemerkbar wird – visierte ich die Sonne an und schon der erste Blick offenbarte mir ein ziemlich schlechtes Seeing. Zunächst war überhaupt kein Schärfepunkt hinzubekommen. Der Dachboden war ausgekühlt und wurde nun von der Sonne erwärmt, was wohl die Ursache für die relativ schlechten Beobachtungsbedingungen war. Dennoch waren phasenweise im Weißlicht ganz gut Details in den Fleckengruppen zu sehen.

Auf der Nordhalbkugel stand einsam und verlassen die AR AR 12050 als J1 nahe des Sonnenmeridians. Am Ostrand war mit sehr großer Mühe die A1 von gestern wiederzufinden, denn schlechtes Seeing hat oft die Unsichtbarkeit kleiner Gruppen zur Folge. Sie hatte auch noch immer keine NOAA-Nummer erhalten. Im Süden war quasi über Nacht die kleine B von gestern zur C6 geworden und trug die NOAA-Nummer 12052. Demzufolge müsste die Gruppe im Norden die Nr. 12053 bekommen. Die AR 12049 stand goldrichtig für erdwärts gerichtete Ausbrüche genau am Sonnenmeridian und wurde von mir als D11 klassifiziert. Die AR 12047 war eine D16 und die dicht dabei stehende AR 12051 eine C8. Ohne die Entwicklung der letzten Tage zu kennen hätte man auch beide Gruppen für eine große F halten können.

Im H-alpha waren die Bedingungen ähnlich schlecht wie im Weißlicht, die Aktivität aber deutlich höher als gestern Abend. Am Westrand befand sich ein großer Protuberanzenkomplex aus vier dieser Materiebögen, der gleich meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ich zählte insgesamt 19 davon am Sonnenrand, 13 Filamente auf der Oberfläche und 4 Flaregebiete. Und gerade, als ich beobachtete, gab es in der AR 12051 einen Flare! Verdachtsflächen gibt es überdies auch in der AR 12049 in der Sonnenscheibenmitte. Ein kräftiger Ausbruch an dieser Stelle und wir hätten demnächst vielleicht ein Polarlicht.

Das Marshall Space Flight Center hat eine neue Berechnung des Maximumszeitpunktes vom aktuellen Zyklus vorgelegt. Danach fiel der Höhepunkt in den Oktober 2013 mit einer ausgeglichenen Relativzahl von 75,0. Da die aktivitätsstarken Monate danach naturgemäß noch nicht bei die Auswertung berücksichtigt wurden, ist mit weiteren „Verschiebungen“ des Maximumsmonats zu rechnen. 

Freitag, 2. Mai 2014

Sonne am 02.05.2014

Astronomie bei Tageslicht kann ernüchternd und enttäuschend sein. Während den ganzen Tag über der Himmel völlig bedeckt war, riss die Bewölkung in den späten Nachmittagsstunden aus und es tobte ein Kampf zwischen hohen, mittelhohen und niedrigen Wolken. Der Blick durch das Teleskop zeigte zwar ein gutes Seeing, aber die immer wieder durchziehenden Wolken störten die Beobachtung ganz erheblich. Zeitweise war das Bild der Sonne völlig verschwommen, dann wurde die Sicht wieder klarer, nur damit tiefere Wolken die Lücke wieder schlossen. Und natürlich – manchmal frage ich mich, wieso immer mir das passiert – war der Himmel in fast alle Richtungen klar und blau, nur nicht dort, wo die Sonne stand. So konnte ich die Sonne oft nur zeilenweise abscannen und habe so binnen etwas anderthalb Stunden hoffentlich alle Gruppen erwischt.

Eine ganz besondere Entwicklung hatte die AR 12051 im Süden genommen. Gestern Morgen noch hatte ich sie als A1 klassifiziert und heute war sie schon eine C9 mit zwei senkrecht übereinander stehenden Penumbren. Die AR 12047 dahinter war heute für mich eine E17, die Kanzelhöhe hatte sie als D, die NOAA als E eingestuft. Manchmal ist die Klassifikation schwierig, wenn man keine Messung der Länge vornimmt. Mir ist zwar bekannt, dass beide Einrichtungen auch weitere Messungen, z.B. des dazugehörigen Magnetfeldes und der Länge in heliographischen Graden bzw. Kilometer, vornehmen, wieso es dennoch zu so unterschiedlichen Eingruppierungen kommt, ist ein wenig rätselhaft. Die nächste Gruppe war die AR 12049 als D12. Zum Sonnenrand hin stand noch eine B2 ohne NOAA-Nr. Im Norden war als auffälligste Gruppe die AR 12050 als J1 zu sehen, die fast am Rand stehende A1 bemerkte ich erst zum Schluss, als für ein paar Sekunden die Sicht wieder etwas klarer wurde.

Das nervige Wetter schadete dann auch ganz erheblich der H-alpha-Beobachtung, wo im PST der Hintergrund orange leuchtete und der Sonnenrand verschwommen war. Noch weniger als im Weißlicht waren überhaupt Details zu erkennen. Daher fand ich gerade mal 3 Protuberanzen, 14 Filamente und 3 Flaregebiete. Auf Satellitenaufnahmen sind Flareaktivitäten in den drei großen Gruppen zu sehen, hier waren sie nicht mal andeutungsweise zu erkennen. Und auch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrages ziehen die richtigen Wolkenlücken weiter immer an der Sonne vorbei, ohne sie auch nur noch einmal zu erreichen ... 

Die Sonne im April 2014

ACHTUNG: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!!!

Seit einem ersten Höhepunkt im Februar 2014 ist die Sonnenaktivität insgesamt leicht zurückgegangen. Das machte sich schon im März bemerkbar, in viel stärkerem Maße aber im April. Am ersten des Monats war ziemlich genau in der Sonnenscheibenmitte nahe des Zentralmeridians die AR 12021 als D-Gruppe mit einigen recht auffälligen Penumbren zu sehen. 

Viel interessanter aber war die AR 12026, die bereits am 31. März aus der Südhalbkugel zunächst als B-Gruppe zu sehen war. Sie entwickelte sich binnen weniger Tage zur D und gehörte vom 3. bis zum 9. der Klasse E an und war auch das einzige Aktivitätsgebiet des ganzen Monats, welches das zustande brachte. Waren am 1. noch 8 Fleckengruppen bei der NOAA (und 6 bei der Kanzelhöhe) zu sehen, so ging diese Zahl in den kommenden Tagen kontinuierlich zurück und erreichte am 13. mit 5 Gruppen einen ersten Tiefstand in diesem Monat. An diesem Tag hatte sich die AR 12035 auf der Südhalbkugel ebenfalls zu einer E-Gruppe entwickelt, verdankte die Klasse aber nur ihrer Längsausdehnung und weniger der Komplexität der Penumbren. Sie hielt die Klasse bis zum 15, stieg dann zur Waldmeierklasse F auf, die sie bis zum 18. hielt und dann wieder auf die Stufe E zurückfiel. Sie war darin noch bis zum 24. zu sehen. 

Unterdessen war am 11. auf der Nordhalbkugel die AR 12034 am Ostrand aufgetaucht und als D klassifiziert worden. Sie nahm fast eine analoge Entwicklung die die AR 12035, die einen Tag später erschienen war. Auch sie stieg binnen weniger Tage zu Klasse E auf – ab dem 15. April – und hielt die Klasse bis zum 23. April. Und auch die AR 12036 auf der Südhalbkugel – man sah in diesen Tagen also drei große Fleckengruppen – konnten ab dem 21. als E-Gruppe gesehen werden. Sie war am 14. April ebenfalls als D-Gruppe am Ostrand zu sehen. Der überwiegende Teil des Monats wurde durch diese Aktivitätsgebiete geprägt.

Diskrepanzen gab es zum wiederholten Male zwischen den Angaben des österreichischen Sonnenobservatoriums auf der Kanzelhöhe und der NOAA, was die Frage der Klassifikation anging. Nicht immer, wenn die NOAA eine E-Gruppe meldete, war das auch bei der Kanzelhöhe der Fall, was verschiedene Ursachen haben kann. Oft sind auch Unterschiede zwischen den auf den Zeichnungen der Kanzelhöhe festgehaltenen Gruppen und den entsprechenden Angaben der NOAA zu finden, über die man nur rätseln kann, denn, verglichen mit eigenen Beobachtungen, ergab sich dann an einigen Tagen eine dritte Variante in dem Zahlengeflecht. Zumindest sind sich beide Einrichtungen, was die Tendenz der Aktivität angeht, weitgehend einig, was aber, wenn man seine eigenen Beobachtungen vergleichen möchte, nicht immer hilfreich ist. Liegt es an der Unerfahrenheit mancher Beobachter, oder an deren ungenaues Arbeiten? Man weiß es nicht.

Dass trotz der drei E-Gruppen die Aktivität insgesamt gegenüber dem Vormonat zurück gegangen war, lag an dem fast völligen Einbruch nach dem 24. April. Als der große Komplex an Fleckengruppen um den Westrand herum rotiert und den Blicken der irdischen Beobachter entschwunden war, ging die Zahl der verbliebenen Gruppen auf fünf, am 27. sogar auf nur noch drei zurück, um danach am 28. wieder erst auf 6 anzusteigen und einen Tag später wieder auf 5 abzufallen. In diesen Tagen wurde die Waldmeierklasse D nicht mehr überschritten und alles sah wieder eher nach Minimum als nach Maximum aus.

Im H-alpha wurde der Niedergang der Aktivität im April noch deutlicher: Neben einigen schön anzusehenden Protuberanzen und Filamenten, traten extrem wenige Flares auf. Das erste größere – bis dahin gab es nur solche der unteren Klasse b und c – wurde zwar bereits am 2. April in Form eines M6.5-Flares registriert worden, der zwischen 13:18 UT und 14:28 UT auftrat, mit Höhepunkt um 14:05 UT, danach war aber erst einmal relative Ruhe angesagt, was angesichts der drei großen E-Gruppen dann doch schon ein wenig verwunderte. Diese blieben nämlich im H-alpha ziemlich inaktiv. Am 12. April gelangen zwar Nachweise erhöhten Sonnenwindes aus Koronalöchern, doch erst am am 16. wurde zwischen 19:54 UT und 20:04 UT (Höhepunkt um 19:49 UT) wieder ein kurzer M1.0 Flare aus der AR 12035 heraus gesichtet. Zwei Tage später, am 18. wurde zwischen 12:31 UT und 13:20 UT (Höhepunkt 13:03) ein M7.3-Flare beobachtet, der später zu schwachen Polarlichtern führte, die von zwei Beobachtern aus Husum fotografisch nachgewiesen wurden. Am 25. April wurde dann der stärkste Ausbruch des ganzen Monats beobachtet: ein X1.3-Flare, der von 0:17 UT bis 0:38 UT (Maximum 0:27 UT) zu sehen war.

Insgesamt blieb der April also im H-alpha trotz des einen X-Flares eher ruhig. Dazu passte, dass an einigen Tagen wieder polnahe Regionen gab, die keinerlei Protuberanzen oder Filamente aufwiesen, was im Kontext zum widersprüchlichen und sehr seltsamen 24. Fleckenzyklus steht, der nach wie vor zum schwächsten seit 100 Jahren gerechnet wird.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Sonne am 01.05.2014

Wer am frühen Morgen die Möglichkeit zur Sonnenbeobachtung hat, sollte diese auch nutzen. Je nach Standort kann das Seeing in den frühen Morgenstunden sehr gut sein und man hat seine tägliche Beobachtung schon bekommen. Erst einmal Frühstücken und dann allmählich anzufangen, kann zur Folge haben, dass der Himmel dann schon wieder bedeckt ist.

Darum nutze ich im Sommer am Wochenende und freien Tagen immer die erste sich bietende Gelegenheit und beobachte durch ein schmales Dachbodenfenster, dessen Winkel aber nur Beobachtungen zu ganz bestimmten Zeiten ermöglicht. So auch am heutigen 1. Mai. Der Himmel war mit leichten Wolkenbänken hier und da versehen, aber in Sonnenrichtung war er frei. Das Seeing zu dieser Zeit war aber nicht wirklich gut. Phasenweise stand das Bild, um gleich danach wieder in allgemeinem Geblubber zu versinken, inkl. starken Bewegungen auf der Oberfläche und einem bisweilen gezackt aussehenden Rand.

Gegenüber der letzten Beobachtung hatte sich nur wenig verändert. Von der AR 12048 erwischte ich gerade noch einen Tel der Penumbra, die wie eine Beule am Sonnenrand aussah und hatte sie erst mit einer Erscheinung des wallenden Sonnenrandes verwechselt. Ich klassifizierte sie als C3, denn auch die kleinen Flecken waren in den kleinen Momenten ruhiger Luft klar zu erkennen. Zusammen mit der AR 12050 als J1 waren dies wieder die einzigen Aktivitätsgebiete auf der Nordhalbkugel. Im Süden hatte die AR 12045 fast den Sonnenrand erreicht und war auch heute eine J1. Dahinter stand die AR 12047 als D16, sie ist in der Nacht leicht geschrumpft und gehört nun nicht mehr der Klasse E an. Leicht von ihr in nordwestlicher Richtung versetzt entdeckte ich eine kleine A1 – es wird wohl die AR 12051 werden – und dann war da noch die AR 12049 als D11.

Im H-alpha sah es leider nicht viel besser aus, denn das Seeing machte hier arge Probleme, selbst das Scharfstellen war manchmal nicht möglich. Es gab dann aber wieder bessere Abschnitte, die dann doch wieder einen etwas genaueren Blick zuließen. So erkannte ich12 Protuberanzen – nur eine im Südwesten war einen Tick größer und sah aus wie ein Flaschenöffner -, 14 Filamente und 4 Flaregebiete. Zwei Filamente waren dabei besonders interessant: im Nordwesten stand eine Formation, die aussah wie ein von der Seite betrachteter Wall und kam auch perspektivisch sehr schön heraus. Im Südosten tummelten sich drei dieser Gebilde, die ebenfalls eine sehr plastische Form aufwiesen. Zwischen den beiden Polen der AR 12049 und der AR 12047 waren deutliche Aufhellungen zu sehen: sie könnten die Quelle für Flares sein, die ich aber erst ab mittags beobachten könnte, wenn die Sonne Hindernisse wie Bäume und Häuser überwunden hatte.

Im Übrigen: nach dem Frühstück und just in dem Moment, wo die Worte in die Tastatur flossen, hatte sich eines der leichten Wolkenfelder vor die Sonne geschoben ...