Samstag, 3. Mai 2014

Sonne am 03.05.2014

Nach einer klaren Nacht startete der Tag mit einem klaren, blauen Himmel, der regelrecht zur Sonnenbeobachtung noch vor dem Frühstück einlud. Vom Dachboden aus – der Straßenverkehr sorgte heute stärker als sonst für leichte Erschütterungen des Hauses, was aber nur mit dem Teleskop bemerkbar wird – visierte ich die Sonne an und schon der erste Blick offenbarte mir ein ziemlich schlechtes Seeing. Zunächst war überhaupt kein Schärfepunkt hinzubekommen. Der Dachboden war ausgekühlt und wurde nun von der Sonne erwärmt, was wohl die Ursache für die relativ schlechten Beobachtungsbedingungen war. Dennoch waren phasenweise im Weißlicht ganz gut Details in den Fleckengruppen zu sehen.

Auf der Nordhalbkugel stand einsam und verlassen die AR AR 12050 als J1 nahe des Sonnenmeridians. Am Ostrand war mit sehr großer Mühe die A1 von gestern wiederzufinden, denn schlechtes Seeing hat oft die Unsichtbarkeit kleiner Gruppen zur Folge. Sie hatte auch noch immer keine NOAA-Nummer erhalten. Im Süden war quasi über Nacht die kleine B von gestern zur C6 geworden und trug die NOAA-Nummer 12052. Demzufolge müsste die Gruppe im Norden die Nr. 12053 bekommen. Die AR 12049 stand goldrichtig für erdwärts gerichtete Ausbrüche genau am Sonnenmeridian und wurde von mir als D11 klassifiziert. Die AR 12047 war eine D16 und die dicht dabei stehende AR 12051 eine C8. Ohne die Entwicklung der letzten Tage zu kennen hätte man auch beide Gruppen für eine große F halten können.

Im H-alpha waren die Bedingungen ähnlich schlecht wie im Weißlicht, die Aktivität aber deutlich höher als gestern Abend. Am Westrand befand sich ein großer Protuberanzenkomplex aus vier dieser Materiebögen, der gleich meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ich zählte insgesamt 19 davon am Sonnenrand, 13 Filamente auf der Oberfläche und 4 Flaregebiete. Und gerade, als ich beobachtete, gab es in der AR 12051 einen Flare! Verdachtsflächen gibt es überdies auch in der AR 12049 in der Sonnenscheibenmitte. Ein kräftiger Ausbruch an dieser Stelle und wir hätten demnächst vielleicht ein Polarlicht.

Das Marshall Space Flight Center hat eine neue Berechnung des Maximumszeitpunktes vom aktuellen Zyklus vorgelegt. Danach fiel der Höhepunkt in den Oktober 2013 mit einer ausgeglichenen Relativzahl von 75,0. Da die aktivitätsstarken Monate danach naturgemäß noch nicht bei die Auswertung berücksichtigt wurden, ist mit weiteren „Verschiebungen“ des Maximumsmonats zu rechnen. 

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