Donnerstag, 12. Juni 2014

Sonne am 12.06.2014

Bei sommerlichen Temperaturen und einem ebensolchen Wetter nebst guten Seeing ging die heutige Beobachtung leicht von der Hand. Mit bloßem Auge und Sofibrille konnte ich keine der Gruppen mehr sehen, vermutlich, weil diese schon zu nahe am Westrand standen. Was gestern Vormittag noch mit Ach und Krach ging, war heute nicht mehr möglich.

Dafür pulsierte im Weißlicht das Leben auf der Sonne. Die großen Gruppen standen nun fast alle am Sonnenrand oder in dessen Nähe und auch aus dem Osten kam nun endlich wieder was nach. Im Süden standen die drei großen Gruppen dicht gedrängt am Westrand: die AR 12085 als E20, die 12080 als D14 und die 12088 als C7. Am Zentralmeridian stand eine D5 ohne Bezeichnung, weiter im Osten folgte die AR 12987 als eigentlich eher unscheinbare D9. Hinter ihr gab es noch eine B6, ebenfalls ohne NOAA-Nummer. Im Norden stand am Westrand die AR 12079 als J3, die AR 12082 als C9, leicht östlich vom Zentralmeridian die AR 12089 als D10 sowie ganz am Rand die AR 12090 als H1 und dahinter noch eine J1, ebenfalls ohne Nummer. Und alle Gruppen waren wieder schön entlang des Sonnenäquators hintereinander aufgereiht, was eigentlich typisch ist für einen zu Ende gehenden Zyklus.

Dem aber widersprach das, was in den letzten Tagen im H-alpha passiert ist. Hier produzierte nämlich die im Weißlicht nicht weiter auffallende AR 12087 drei X-, mehrere M und zahlreiche C-Flares: ein offener Widerspruch, der wiederum geradezu klassisch ist für den 24. Zyklus, aber ungewöhnlich im Kontext mit anderen Zyklen. Dort war es üblich, dass X-Flare von Fleckengruppen der Waldmeierklassen E und F hervorgebracht wurden, aber nicht von solchen der Klasse D. Und so wies die heute Sicht auf die H-alpha-Sonne mit dem PST wieder einiges an Überraschungen auf. Als hätte jemand den Schalter umgelegt, standen am Rand 11 Protuberanzen und auf der Oberfläche 18 Filamente sowie 9 helle Flaregebiete, aus denen sicher noch so mancher Flare entweichen dürfte.

Enttäuschend war das Sinuskurvenfilament, denn dieses hatte sich weitgehend aufgelöst und stark verändert. Konnte man gestern noch auf große Protuberanzen am Westrand hoffen, so sah das heute schon ganz anders aus. Obwohl der Rest immer noch relativ groß war, war der Sonnenrand an dieser Stelle leer und es fand sich hier keine Spur einer Protuberanz. Nun kann man nur noch hoffen, dass der übrig gebliebene Teil wenigstens Morgen noch zu einem beeindruckenden Materiebogen wird. Nach den heutigen Beobachtungen glaube ich aber nicht mehr so ganz daran. Die restlichen Filamente wiesen im Übrigen nicht die Dimensionen wie das ehemalige Sinuskurventeil auf, dennoch war der Sonne im H-alpha deutlich ihre abermals leicht gestiegene Aktivität anzusehen.

Was den aktuellen Verlauf des 24. Zyklus angeht, so scheinen wir uns derzeit in einer weiteren Maximumsspitze, einem sogenannten Mini-Maximum zu befinden. Erstaunlicherweise gab es in den vorangegangenen Zyklen immer zuerst das höhere Hauptmaximum, dem im Abstand von 1 bis 2 Jahren das niedrigere Nebenmaximum folgte. Hier aber ist es genau umgekehrt, erst folgte die niedrige Spitz im Februar 2012 und dann die höhere im Herbst 2013. Gleichwohl – die aktuellen Beobachtungen zeigen es – bleibt der 24. Zyklus der merkwürdigste seit Beginn der regelmäßigen Zählung im 18. Jahrhundert und nach wie vor der niedrigste seit 100 Jahren. Glaubt man allerdings dem hier könnte uns sogar ein Triple-Maximum statt eines Doppelmaximums, wie bei den letzten drei Zyklen, bevorstehen. Man muss das, wie immer, bei der Sonne abwarten, die, besonders in diesem Zyklus, immer wieder für eine Überraschung gut ist.

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