Montag, 7. Juli 2014

Sonne am 07.07.2014

Manchmal macht sich längeres Ausharren am Teleskop doch irgendwie bezahlt. Aufgrund der Stilllegung des Streckenabschnittes Wandsbeker-Markt bis Wandsbek-Gartenstadt bei der U1 – diese Haltestelle wird barrierefrei ausgebaut und alles andere dann gleich mal mitgesperrt, ohne dass es dort Verbesserungen geben würde – und dem Busersatzverkehr kam ich später als sonst üblich zu Hause an und verpasste dadurch die in den letzten Tagen liebgewonnene „Feierabendwolkenlücke“. Exakt mit dem Betreten des Hauses machte sich eine riesige Flatschenwolke vor der Sonne breit, auch, als sich rundherum für eine kurze Zeit fast alle anderen Wolken verzogen hatten. Erst als aus Südwesten eine neue Wolkenfront herankam, lockerte sich die Wolke ein ganz klein wenig auf und ließ für etwa 3 bis 4 Minuten ein Blick auf die Sonne zu. Allerdings blieb auch das nicht störungsfrei, denn auch Nordwesten und Norden zogen immer wieder hohe Schleierwolken durch und verhinderten ein wirklich gutes Seeing.

Diesem zum Opfer fielen dann viele kleine Fleckengruppen, die gestern noch problemlos zu sehen und heute noch vorhanden waren. Im Norden stand die AR 12113 als J2 noch ziemlich nach am Ostrand. Die AR 12111 war eine kleine C3, die einsame A1 Richtung Osten hatte sich aufgelöst. Die AR 12106 war eine H1, die AR 12102 nur eine schwach wahrnehmbare A1.

Im Süden standen weiterhin die beiden großen Gruppen, die ich heute morgen vom Bürofenster aus als 2 knapp an der Wahrnehmungsgrenze stehende Flecken sehen konnte. Im Teleskop waren die AR 12109 eine E26, die AR 12108 eine E38, hier hatten sich zugunsten größerer Penumbren einige kleinere Flecken verabschiedet oder waren wegen des Seeings nicht sichtbar. Unterhalb der AR 12108 stand die AR 12110 als A1. Die AR 12104 war stark geschrumpft und heute nur noch eine D6, die 12107 eine C5. Die AR 12103 war nur noch eine B3. Erst kurz vor dem durch Wolken erzwungenem Ende der Beobachtung sah ich vor der AR 12106 noch eine A1 und eine B2. Anhand von Satellitenaufnahmen der Sonne konnte ich schon erkennen, dass mir seeingbedingt einige kleine Gruppen durch die Lappen gingen, aber was zählt ist das, was man mit seinem Fernrohr real sieht und so veränderte ich natürlich mein Beobachtungsergebnis nicht nachträglich. Das wäre nur für den Fall einer späteren Nachbeobachtung erlaubt.

Und während ich an diesem Text auf dem Sofa lag, wurde es draußen wieder heller und das Spiel wiederholte sich. Es war eine größere Wolkenlücke über meinem Standort entstanden und wieder stand eine einzige hartnäckige Wolke direkt vor der Sonne. Allerdings verzog sie sich deutlich schneller und so ergriff ich noch die Gelegenheit zu einer H-alpha-Beobachtung. Nachdem auch die letzte hohe Wolke endlich durch war, erkannte ich 8 helle Flaregebiete und 17 Filamente auf der Oberfläche, aber nur 10 kleine Protuberanzen am Rand. Ich sah gerade noch, dass die Filamente rund um die AR 12106 eine Art Dreiviertelkreis bildeten, eine richtig fette östlich der AR 12109 stand, sich aber erstaunlich wenig rund um die AE 12109 und die 12108 zeigten, als der Himmel zuschmierte und die Beobachtung der Sonne im H-alpha sinnlos machte, weil die Einzelheiten verschwammen und der Himmelshintergrund hellorange anlief. So gab es unter den misslichen Bedingungen letzten Endes dann noch noch eine brauchbare Beobachtung. Für die kommenden Tage sind schwere Gewitter und Dauerregen angesagt. Hier muss man sicherlich ebenfalls abwarten, denn der Wetterbericht für heute sprach auch von unwetterartigen Regenfällen in Hamburg und wir haben derzeit den schönsten Sonnenschein, während sich, wie im Auge eines Sturms, ringsherum die Wolken versammeln. 

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