Samstag, 12. Juli 2014

Sonne am 12.07.2014

Die Beobachtung zu früher Stunde und vor dem Frühstück litt heute ein wenig unter einem wechselhaften Seeing, das Einzelheiten mal mehr und mal weniger gut sichtbar werden ließ. Wolken störten kaum – ein größeres Wolkenfeld war kurz vor Beginn der Beobachtung abgezogen -, ich musste nur abwarten, bis die Sonne hinter meinem Nervbaum herauskam.

Als erstes versuchte ich wieder eine Beobachtung der Sonne mit bloßem Auge, hatte aber schon Schwierigkeiten, mit der Sonnenfinsternisbrille den randnah stehenden Fleck zu sehen. Ich bildete mir aber ein, ihn erkannt zu haben, schwer zu sagen, ob ich ihn real gesehen habe. Daher zählte ich ihn heute nicht mit, denn bei einer weiteren Beobachtung konnte ich ihn nicht mehr sehen. Da war wohl der eher Wunsch der Vater des Gedanken.

Im Weißlicht hatte sich seit der letzten Beobachtung gestern Nachmittag nur wenig verändert. Aus dem Fleckengemurksel im Norden sind nun zwei Gruppen geworden, die AR 12117 und die AR 12113. Die gestrige Einstufung der NOAA in eine C-Gruppe passte schon aufgrund der Länge nicht. Daran gemessen hätte es nämlich fast schon eine F-Gruppe sein müssen. Die Klassifikation nach Waldmeier war insofern schwierig, weil die Flecken in den p- und f-Teilen der beiden Gruppen zwar dunkel erschienen, Penumbren allenfalls aber nur rudimentär vorhanden waren. Dennoch habe ich beide gleich bewertet, als D7 und D9, wenn auch recht willkürlich. Nicht einfacher war es mit der AR 12111, die wie zwei dicht beieinander stehende C-Gruppen aussah, die ich aber dennoch als D8 klassifiziert habe.

Im Süden waren die beiden großen Gruppen nun ganz nah an den Westrand gerückt. Die AR 12107 war noch teilweise als H1 am Rand zu sehen, von der AR 12104 aber nichts mehr zu finden. Die AR 12108 erschien nun wie eine einzige zusammenhängende Gruppe und das gestern noch knapp dahinter stehende Anhängsel hatte sich mit der Gruppe verbunden und gehörte wohl auch ursprünglich dazu. Daher nahm ich hier heute keine Aufteilung in zwei Gruppen vor, wie gestern, sondern stufte den ganzen Bereich als D18 ein. Die 12109 war, ebenfalls wie gestern, eine H-Gruppe, aber nur noch mit 9 Flecken in den drei Penumbren. Ganz weit in Richtung Osten stand die AR 12114 als C8, darunter – aufgrund des Seeings nur schwer zu erkennen – die AR 12116 als A1. Nicht unerwähnt bleiben sollte noch, dass die beiden großen Aktivitätsgebiete in den letzten Tagen immer wieder mal ein paar Lichtbrücken – Einkerbungen, Einschnürungen oder Verbindungen im Fleck, die heller als die Umgebung sind – hervorbrachte. Gestern saß eine ziemlich zentral in der Penumbra der AR 12109, heute gab es eine leichte Einkerbung in die Penumbra.

Es hatte den Anschein, als ob sich tatsächlich das Spiel der letzten Monate wiederholen würde und nach dem Durchgang einiger großer Gruppen die Sonne eine kleine Erholungspause einlegte, denn aus dem Osten waren immer noch keine neuen Gruppen erschienen.

Gespannt war ich auf die Beobachtung im H-alpha. Obwohl der Himmel blau erschien, zeigte sich das Bild im PST im Hintergrund leicht orange und der Sonnenrand war deutlicher in Bewegung als im Weißlicht. Dafür konnte ich dort aber, im Gegensatz zu gestern Nachmittag, sehr viele Protuberanzen sehen, nämlich 13 Stück. Die größte Aktivität hatte dabei der Ostrand entfaltet, was als Indiz für bald erscheinende neue Flecken gedeutet werden kann, weil Protuberanzen stets mit Aktivitätsgebieten assoziiert sind und über deren Zentren hängen. Im Nordosten stand ein weit ausgreifendes, aber nicht hoch reichendes, Areal an kleinen Bögen, aufrecht stehenden Spritzern oder Türmchen. Weiter den Rand im Gegenuhrzeigersinn entlang stieß ich auf zwei kleine Büschel, dann auf einen Bogen, im Süden auf zwei irreguläre Erhebungen und im Westen, sogar noch auf eine größere Protuberanz, die aber nur schwach erschien, dafür aber eine hohen Bogen aufwies. Dieser ließ sich erst mit veränderten Filtereinstellungen am PST sichtbar werden, zuvor wirkte sie wie ein frei schwebendes Teil über einem Aktivitätsgebiet. Auf der Oberfläche sah es dagegen ein wenig ruhiger aus. Ich erkannte 6 großflächige Fackelfelder und 12 Filamente, die aber meist nur sehr klein waren. Vor allem der Norden war wieder nahezu erscheinungsfrei. So konzentrierte sich die Aktivität im H-alpha heute eher auf den Sonnenrand.

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