Samstag, 20. September 2014

Sonne am 20.09.2014

Sonnenbeobachtung kann manchmal zu einer Zitterpartie werden. Am frühen Morgen, als ich Zeit für die Beobachtung hatte, war der Himmel bewölkt, vercirrt und versypht. Erst als der Winkel für mein Dachbodenfenster zu eng geworden war, um noch vernünftig beobachten zu können, klarte es richtig auf. Als ich unterwegs war, verschwanden mehr und mehr Wolken und schließlich war es völlig aufgeklart. Natürlich. Wie auch sonst hätte Murphy seine reine Freude haben können. Auf dem Rückweg musste ich mich schon ziemlich beeilen, nach Hause zu kommen. Dank der kürzeren Tagbogens erscheint die Sonne mittags aber nun schon um 12:30 Uhr auf der anderen Hausseite und ich konnte mit halb aus dem Fenster gesetzten Teleskopen dann doch noch beobachten. Dem Wetterbericht zufolge, sollte es bereits jetzt schwere Gewitter und Starkregen geben, so der Stand gestern.

Das vollkommene Gegenteil war der Fall und so erlaubte das Wetter einen Blick auf die Sonne, bevor ich zum Tag der offenen Tür der Sternwarte Bergedorf fuhr. Das Seeing war aber nur mittelprächtig. Vor der AR 12171 war eine kleine A1 oder J1 erschienen (die Klassifikation war aufgrund des Seeings nicht ganz einfach, ich entschied mich schließlich für die Waldmeierklasse J), sie selbst war eine D4. Leicht zu erkennen waren auch die AR 12169 als C3 und die 12170 als J1. Schwieriger wurde es mit den beiden Regionen 12167 und 12166. Hiervon sah ich nur die 12167 als winzig kleine A1, die im Seeing fast schon ertrank und nur in wenigen kurzen Augenblicken zu sehen war. Nicht viel besser war es mit der AR 12168, die ich schemenhaft als B4 erkannte und zählte. Auch deren Sichtung war mehr als grenzwertig, denn ich konnte sie nur für Millisekunden aus dem Seeing hervorspringen sehen.

Viel einfacher war das Geschehen im H-alpha: 13 Protuberanzen, 4 Flaregebiete und 15 Filamente waren die Bilanz des Tages. Neben den nackten Zahlen waren aber zwei Protuberanzen besonders interessant: die beiden Materiebögen, die sich bereits gestern zeigten, hatten sich enorm weiterentwickelt. Fast genau im Osten stand nun eine große Bogenprotuberanz, die sich in den kommenden Stunden auflösen und ihr Material ins All hinausschleudern dürfte. Die Protuberanz im Südosten war ebenfalls erkennbar größer geworden und noch immer schwebte hier eine kleine Materiewolke frei im Raum: ein imposanter Anblick. Der Rest der Protuben war dann kleiner und nicht ganz so interessant, allenfalls noch eine Region im Nordwesten.

Auf der Oberfläche standen weiter viele kleine Filamente, wobei sich die nahe dem Westrand quasi über Nacht aufgelöst hatten und der Rest schön anzusehen, aber relativ klein war.

Derzeit ist eines klar: Während die Aktivität im Weißlicht augenblicklich eher auf dem Rückzug ist, wird die im H-alpha immer größer und beständiger in ihrer Entwicklung. Diese gegenläufige Entwicklung passt aber gut zu den bisherigen Erfahrungen des doch ziemlich kruden 24. Fleckenzyklus. 

PS: Kurz nach Fertigstellung dieses Blogbeitrages kamen wieder größere Wolken auf.

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