Samstag, 27. September 2014

Sonne am 27.09.2014

Dieses ist eines der letzten Wochenende, wo ich noch vom Dachboden aus die Sonne erreichen kann. Der Sehwinkel ist schon so stark eingeschränkt, dass das Objektiv des Fernrohres nicht mehr vollständig ausgeleuchtet wird. Die Folge: Im Okular sind Schlieren, Lichtreflexe etc. zu sehen, die, je kleiner der Winkel wird, immer stärker hervortreten. Nicht mehr vom Dachboden aus beobachten zu können heißt aber auch, wegen meiner vielen Bäume und den umliegenden Häusern bis mittags warten zu müssen, was – wie im November und Dezember letzten Jahres – regelmäßig dazu führt, dass ich gar nicht mehr beobachten kann, weil es damals immer meist rechtzeitig vorher zuzog und man trotz blauem Himmel am Ende doch wieder keine Beobachtung bekam. Und auch die letzten Tage waren wenig erbaulich, die Ausfalltage purzelten nur so herein und eine sich gestern am Spätnachmittag ergebende Möglichkeit zur Beobachtung endete vorzeitig, weil in Richtung Sonne nur ein kleines Wolkenloch stand, während der Rest der Himmels praktisch wolkenfrei war. Das Wolkenloch schloss sich nach etwa einer Minute wieder, während ich sonst von fast wolkenlosem Himmel umgeben war. Ein typischer Murph.

Ein krasser Gegensatz zum heutigen Morgen mit einem wirklich schön blauen Himmel. Dieser führte aber dennoch nicht zu einer stressfreien Beobachtung. Abseits der Rahmenbedingungen war das Seeing schlecht bis grottig. Der Sonnenrand war in ständiger, gezackter, Bewegung, auf der Sonnenoberfläche verschwanden zeitweise viele Details, es gab aber auch Momente, wo man doch noch einiges sehen konnte. Von den beiden Gruppen AR 12169 und 12170 im Norden konnte ich nichts mehr finden, die AR 12175 war eine E 35 mit vielen Penumbren und die AR 12177 eine D6 in einem Fackelfeld. Die AR 12176 konnte ich ebenfalls, wohl auch aufgrund des Seeings, nichts mehr finden. Auf der Südhalbkugel tummelten sich gleich mehrere Aktive Regionen in einem schmalen Gebiet, welches schon seit Wochen immer wieder mal mehr oder weniger stark entwickelte Gruppen hervorbrachte. Die AR 12172 klassifizierte ich als F-Gruppe mit 37 Flecken, die AR 12173 war für mich eine D20, die AR 12171 eine D 7 und das Teil dazwischen hielt ich für eine D2. Aufgrund der dichten Nähe der Gruppen und der schwer abzuschätzenden Grenzen, kann es hier auch andere Klassifikationen und Gruppeneinteilungen geben. Auf jeden Fall gab es in diesem Komplex viele Penumbren und zwei der großen Flecken konnte ich auch schwach mit bloßem Auge sehen, bin mir über die Realität der Wahrnehmung aber nicht ganz sicher, mal sah ich was, mal nicht. Einbildung, Wirklichkeit oder nur der Wunsch, etwas sehen zu wollen, vermischten sich hier offenbar, denn am Ende der teleskopischen Beobachtung konnte ich die beiden Flecken nicht mehr mit bloßem Auge finden.

Die Zeit reichte gerade noch aus, um das schmalere PST in den einfallenden Winkel des Sonnenlichtes aus dem Dachboden zu stellen. Auch hier machte sich das inzwischen noch schlechter gewordene Seeing übermäßig bemerkbar. Ich zählte 14 Protuberanzen am Rand, 6 helle Flaregebiete – in dem zum großen Komplex gehörenden gab es gerade einen Flare – und 12 Filamente. Besonders drei von ihnen waren sehr beeindruckend, weil sehr lang, stark strukturiert, wobei eine an einen Komet mit aufgefächertem Schweifen erinnerte. Anscheinend erleben wir gerade wieder einen leichten Anstieg der Aktivität, was insofern auch wieder irgendwo typisch ist, weil ausgerechnet jetzt die Phase im Jahr beginnt, wo man nur noch selten die Sonne beobachten kann und alle aktuellen Entwicklungen verpasst.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen