Donnerstag, 23. Oktober 2014

Sonne am 23.10.2014

Nach einen ärgerlichen Ausfalltag - aufgrund starken Regens und Sturmes - klarte es am Nachmittag über der Sternwarte Kirchheim in Thüringen auf. Endlich konnte ich die Entwicklung der großen Aktiven Region Nr. 12192, heute auf dem Zentralmeridian der Sonne sitzend, live verfolgen. Das Seeing war ausgesprochen gut und die Gruppe sogar mit bloßem Auge flächig und oval zu sehen. Im Fernrohr war die Gruppe gewaltig, mit riesigen Umbren und einer Penumbra, die gewaltige Ausmaße annahm. Sie gehört mit einer Gesamtfläche von 2700 Millionstel Hemisphären (MH) zur größten Fleckengruppe im 24. Zyklus und ist stark veränderlich, was die vielen kleinen Strukturen in der sehr kompakten Penumbra angeht. Ich stufte sie heute als F65 ein, kam beim Zählen aber irgendwie kaum hinterher und musste mehrfach ansetzen, besonders, wenn sich während dessen kleinere Wolken vor die Sonne schoben.

Die sich in der Nähe der AR 12192 vorgestern noch befindliche B-Gruppe war nicht mehr zu sehen, dafür stand die AR 12187 ziemlich genau am Westrand und war eine H1. Die AR 12193 war eine C2 und die neue AR 12195 eine C 6. Die AR 12194 war denn auch nur eine C2. Was zum wiederholten Male auffiel war die Tatsache, dass, wenn es große bis sehr große Fleckengruppen zu sehen gibt, die Zahl der übrigen Regionen stark zurück geht.

Im H-alpha fanden sich am Sonnenrand 8 Protuberanzen, von denen eine wie eine schmale Pyramide aussah, eine andere wie ein unterbrochener Halbbogen und der Rest irregulär. Keine der Materiebögen erreichte größere Ausmaße. Dafür waren vier der insgesamt fünfzehn Filamente sehr groß und überbrückten große Bereiche der Sonnenoberfläche. Wenn sie die Randbereiche im Westen erreichen, dürfte es sehr spannend werden. Spannend wurde es auch gestern Nachmittag ein X1.67-Flare gemeldet wurde, der um 14:28 UT entstanden und mit einem vierminütigen Radiosturm (200 sfu auf der 10,7 cm-Welle, zwischen 14:05 UT und 14:09 UT) verbunden war. Richtig positioniert für ein tolles Polarlicht ist die Gruppe, aber leider fehlte dem Flare ein richtig schöner koronaler Massenauswurf (CME), der die Sache hätte interessant machen können.

Vor ziemlich genau 11 Jahren hatte es nach einem X23-Flare ein bis nach Thüringen sichtbares Polarlicht gegeben, da der Ausbruch mit einem kräftigen CME verknüpft war. Das fehlte der Gruppe bisher bei allen C-M- und den beiden X-Flares, die sie in den letzten Tagen ausgeworfen hat. So stieg zwar die geomagnetische Aktivität leicht an, Polarlichter gab es aber bislang nur in den nördlichen Breiten und nicht bei uns. Auch das ist irgendwie symptomatisch für diesen Zyklus, der jetzt zwar viele interessante Gruppen hervorbringt, die aber allesamt seltsam inaktiv sind, was ihr Verhalten in Bezug auf erdwärts gerichtete Aktivitäten angeht. Das war in früheren Zyklen anders und hängt wohl mit den ganzen anderen Eigentümlichkeiten zusammen, die man bislang im 24. Zyklus erlebt hat.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen