Dienstag, 28. Oktober 2014

Sonne am 28.10.2014

Am zweiten Tag nach meiner Rückkehr aus dem Astrourlaub auf der Sternwarte Kirchheim, bei dem wir nicht ganz so viel Glück mit dem Wetter hatten, wie im letzten Jahr. Dafür konnte ich, nachdem ich meinen kleinen Refraktor bereits verpackt hatte, diesen wieder herausholen, denn noch vor dem Frühstück bildete sich eine sehr große Wolkenlücke über der Sternwarte, die ich nochmals für eine Sonnenbeobachtung nutzen konnte.

Die Rückkehr nach Hamburg brachte dann wieder die bittere Erkenntnis, dass ich im Herbst/Winter an meinem heimischen Standort nur noch morgens für eine und nachmittags für drei Stunden überhaupt an die Sonne heran komme. Im tiefen Winter rund um die Wintersonnenwende ist das noch viel schlimmer, da verbleiben nur maximal 1 bis 2 Stunden, weil unser Tagesgestirn dann von Häusern oder Bäumen verdeckt wird. Der frühe Sonnenuntergang führt dann regelmäßig dazu, dass ich in der Woche – selbst bei bestem Sonnenschein - nicht mehr beobachten kann. Man geht im Dunkeln zur Arbeit, sitzt den ganzen Tag unter Kunstlicht und hat bei Dunkelheit Feierabend.

So war ich froh, die letzten Tage – mein Urlaub dauert noch bis zum Freitag -, noch für Sonnenbeobachtungen nutzen zu können. Und es war weiterhin sehr spannend. Heute morgen war das Seeing war zwar nicht ganz so gut, mit durchgehend leicht wallendem Sonnenrand und schwankender Sichtbarkeit in den Details. Die große AR 12192 stand nahe dem Westrand und ich konnte sie schon nicht mehr mit bloßem Auge sehen. Ich kam bei ihr auf 45 Einzelflecken; die Penumbren waren nach wie vor extrem irregulär geformt und das sie umgebende Fackelfeld sehr groß. Die ihr nachfolgende AR 12194 war eine J1, die 12197 eine B4, die nördlich davon stehende 12196 eine weitere J1 und die AR 12195 eine C8. Letztere war aufgrund des Seeings besonders schwer einzustufen, da die sie begleitenden Einzelflecken immer nur für wenige Augenblicke „durchkamen“, in schlechten Phasen aber nicht zu erkennen waren.

Gespannt war ich auf die H-alpha-Beobachtung, die ein wenig unter dem Seeing und hohen Cirren zu leiden hatte. Der Hintergrund war mal aufgehellt, mal diffus verschmiert, sodass nur wenige, zudem allesamt nur kleine, Protuberanzen zu sehen waren. Ich kam hier auf 9 Stück, sowie 4 Flaregebiete und 10 Filamente. Bei diesen war besonders eine interessant, dass sich im Norden über die halbe Sonne erstreckte und bei Erreichen des Westrandes interessante Strukturen herausbilden dürfte. Sollte es eruptieren, dürfte das einen ordentlichen Flare ergeben. Hiervon spuckte die AR 12192 während der letzten Tage eine ganze Menge aus. Die hellsten davon waren ein X1.0 am 25. um 17:08 UT, ein X2.0 am 26. um 10:56 UT und ein X2.0 am 27. um 14:47 UT, dazu diverse Flares der Klassen C und M. Nach insgesamt 6 X-Flare verlässt uns diese auch bequem mit bloßem Auge und Sofibrille – bis auf heute – sichtbare Fleckengruppe, die zur größten seit 25 Jahren (!) gehört. Allerdings war eines allen Ausbrüchen gemein: Es wurde kein Koronaler Massenauswurf erzeugt, sodass die Störungen des Erdmagnetfeldes vergleichsweise bescheiden ausfielen und wir in unseren Breiten keine Polarlichter zu Gesicht bekamen.

Man darf nicht nur gespannt sein, auf die weitere Entwicklung – die man wegen ab morgen deutlich schlechteren Wetters wohl erst mal nicht mehr mit so schöner Regelmäßigkeit wird verfolgen können – und sich die Zeit um den Zeitraum 9. bis 12. November vormerken: in der Zeit müsste der Komplex, soweit er die nächsten zwei Seite auf der „Rückseite“ der Sonne übersteht, wieder am Ostrand auftauchen. Was dann in den, zumindest für mich, denkbar schlechtesten Beobachtungsmonat des ganzen Jahres fallen wird, wo beruflich sehr viel Arbeit ansteht und keine Zeit für Beobachtungen bleibt.

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