Sonntag, 23. November 2014

Sonne am 23.11.2014

Kampf und Krampf, Enttäuschung und ein beinahe ständiges Auf und Ab bei der Hoffnung, nach zwei Wochen endlich mal wieder die Sonne live am Teleskop erleben zu dürfen, prägten diese Beobachtung. Nachdem ich gestern die einzige Wolkenlücke des ganzen Tages um gut 10 Minuten verpasst hatte. Hoffte ich heute auf besseres Wetter.

Gegen Mittag klarte es das erste Mal auf, da stand die Sonne noch hinter einem Baum. Die nächsten Wolkenlücken zogen zumeist südlich an der Sonne vorbei oder wurden durch tiefer liegende Wolkenschichten binnen Sekunden geschlossen. Mehrmaliges Auf- und Abbauen des Teleskops ohne einmal die Sonne sehen zu können, führten nur zu noch mehr Astrofrust. Das erste Mal klarte es dann richtig auf, als die Sonne gerade eben hinter der Kante des ersten Hochhauses verschwunden war.

Als sie dann rechts vom Hochhaus wieder auftauchte, stand sie knapp über den Bäumen, dafür war der Himmel mittelschwer abgesypht. Ich baute dennoch ein letztes Mal für heute das Teleskop auf und bekam dann ein mehr oder weniger schlechtes Bild der Sonnenaktivität ins Auge gezaubert. Der Himmelshintergrund im Okular war grau und schleimig, es zogen ständig Wolken durch und behinderten zusätzlich zu den Ästen, die mittlerweile ins Bild ragten, die Beobachtung.

So schätzte ich die Fleckenzahl mehr, als das ich sie wirklich zählte, aber etwas anderes war angesichts der Beobachtungsbedingungen nicht möglich. Die ehemals große AR 12209 war nicht mehr mit bloßem Auge zu sehen und sah auch so nicht mehr sehr beeindruckend aus. Ich klassifizierte sie als F18, die neue AR 12216 schien mir eine D8 zu sein, die leicht größer war als die 12209. Südwestlich davon war eine B4 zu sehen, die ebenso wenig eine NOAA-Nummer hatte wie die J1, die heute am Ostrand aufgetaucht war. Das Sonnenobservatorium auf der Kanzelhöhe hatte in seiner Zeichnung noch eine A1 verzeichnet, die ich aber beim besten Willen unter dem abgeschmodderten Himmel nicht finden konnte. Unter diesen Umständen ist auch klar, dass eine H-alpha-Beobachtung nicht möglich war.

Angesichts der miserablen Situation kann man sich durchaus die Frage stellen, welchen Wert diese Beobachtung angesichts der miserablen Beobachtungssituation hatte. Ich werde sie zwar zur Auswertung einreichen, aber zu meinen besten wird sie ganz sicherlich nicht zählen. Und während ich das hier blogge, verbessert sich der Himmel leicht … und die Sonne steht vollends hinter einem Baum ... 

Sonntag, 16. November 2014

Sonnenfleckengruppe AR 12209 als Tagebuch im Blogformat

Im Oktober sorgte die Aktive Region mit der von der NOAA vergebenen Nummer 12192 für einige Aufregung: Während ihres zweiten Umlaufs – erstmal hatte sie sie Sonne im September als AR 12172 umrundet hatte sie 6 X- und über 30 M-Flares hervorgebracht, dabei jedoch keinen einzigen koronalen Massenauswurf, was angesichts der Größe der Gruppe schon sehr ungewöhnlich war. Man war nach Ihren Verschwinden am Ostrand am 30. Oktober gespannt, ob sie die Passage der erdabgewandten Seite der Sonne überstehen würde. Da man die Gruppe aufgrund des typischen Novemberwetters wohl nicht zu Gesicht bekommen wird, soll hier versucht werden, eine Art Tagebuch im alten Blogformat zu führen.
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11.11.2014: Gespanntes Warten auf die alte AR 12192, die sich jetzt jeden Tag am Ostrand zeigen müsste. Da meldet das Solar Dynamic Observatory (SDO) eine spektakuläre Eruption knapp hinter dem Ostrand der Sonne, wobei der Fleck selbst noch nicht zu sehen ist.
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12.11.2014: Die AR 12192 ist wieder da und zeigt im Weißlicht einen H1-Fleck, was aber nicht alles sein kann.
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13.11.2014: Die alte AR 12192 hat die neue Nummer 12209 erhalten und zeigt jetzt etwas mehr von sich und brachte auch zwei Flares zustande: Zwischen 5:58 und 6:07 UT ein C8.4 und zwischen 19:17 UT und 19:21 UT ein C1.4.
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14.11.2014Dieser Tag brachte einen kleinen Flare: Zwischen 7:42 und 7:48 ein C5.4.
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15.11.2014: Das Magnetfeld der Gruppe ist nach wie vor vergleichsweise einfach gestrickt, man darf zwar auf weitere Ausbrüche hoffen, doch die Wahrscheinlichkeit für CMEs wird durch die Magnetfeldstruktur nicht höher! Gleich mehrere Flares der Gruppe wurden heute registriert: Zwischen 11:40 und 12:03 UT ein M3.2, zwischen 20:38 und 20:46 UT ein M3.7 sowie zwischen 23:33 und 23:44 UT ein C2.7. Der M-Flare war verbunden mit einem 8minütigen Tenflare, der es auf 229 sfu brachte. Die Gruppe zeigt sich nun in voller Größe und sieht gegenüber der AR 12192 schon arg gerupft aus. Der f-Teil der Gruppe ist zwar immer noch gigantisch groß, aber in den Zwischenräumen zum p-Teil hin gibt es kaum Einzelflecke. Die Klassifikation als F-Gruppe ist gerechtfertigt.
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16.11.2014: Das Wetter verhindert weiter eine erfolgreiche Beobachtung (Hochnebel, leichter Regen). Die Penumbra des hinteren Teils der Gruppe ist sehr groß und weist heute eine sehr große Lichtbrücke auf, demnach gibt es einiges an Aktivität im lokalen Magnetfeld. Heute wurden bislang folgende Flares beobachtet: Zwischen 1:11 und 1:21 UT ein C1.4, zwischen 06:11 und 06:14 UT ein C1.1 und zwischen 09:07 und 09:21 UT ein C2.0.
Nachtrag: Für den Sonntag war es mit der Aktivität der Gruppe nach der geringen Vormittagsaktivität noch lange nicht vorbei: zwischen 9:59 und 10:10 UT gab es einen C2.4, zwischen 13:40 und 13:46 UT einen C1.5, zwischen 16:39 und 16:55 UT einen C3.9 und zwischen 22:02 und 22:09 UT einen C2.4. Der stärkste allerdings war zwischen 17:35 und 17:57 zu sehen, hier stieg - die Quelle enthält allerdings bei der Lokalisierung des Flares einen Fehler - ein M5.7 auf, dazu ein Video. Dieser war zudem verbunden mit einem kurzen Radiosturm (Typ R2) und einem 1-minütigen Tenflare (Wellenlänge 10,7 cm), der zu einem kurzfristigen Anstieg des von der Sonne ausgehenden Teilchenstroms auf 300 sfu führte. 
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17.11.2014: Der Montag brachte für Hamburg sehr sonniges Wetter, das ich leider nicht für eigene, teleskopische, Beobachtungen nutzen konnte. Es war mir nur möglich, mit einer Sonnenfinsternisbrille in der Mittagspause einen kurzen Blick auf die Sonne mit bloßem Auge zu werfen. Dabei sah ich einen der Flecke, sehr wahrscheinlich den größeren f-Teil mehr oder weniger deutlich mit bloßem Auge. Via twitter hieß es, dass zumindest in einem Fall auch der zweite Fleck der p-Teil, mit bloßem Auge zu sehen gewesen sein soll. Auf Fotos war hingegen deutlich zu sehen, dass die Lichtbrücke im f-Teil der Gruppe ganze Arbeit geleistet und den Fleck in der Mitte durchgetrennt hatte. Hier hatten sich mehrere neue Umbren innerhalb der Penumbra gebildet, die wiederum ebenfalls Lichtbrücken enthielten, ein sicheres Zeichen für starke magnetische Aktivitäten im lokalen Magnetfeld. Ansonsten war die Aktivität an diesem Tag eher ruhig, lediglich zwischen 6:01 und 6:06 UT wurde ein schwacher C1.7-Flare zu beobachten. Viel spannender war die im Weißlicht nur unscheinbare AR 12214. Im H-alpha wirkte die eingenommene Fläche an chromosphärischen Fackeln größer als die AR 12209 und sie erzeugte auch erheblich mehr Flares an diesem Tage. Für die kommenden Tage wird von einer 27%igen Chance für X-Flares. einer 79%igen für M-Flares und einer 92%igen für C-Flares ausgegangen.
Nachtrag: Zwischen 18:06 und 18:30 gab es einen C1.6-Flare.
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18.11.2014: Den ganzen Tag über blieb die AR 12209 sehr ruhig, es gab zwar eine spektakuläre Eruption, die jedoch nicht aus dem Umfeld der Gruppe aufstieg. Die von ihr eingenommene Fläche hat zwar von 680 Millionstel Hemisphären (MH) am 15. über 800 MH am 16. und 940 MH am 17. auf 990 MH am 18. zugenommen, liegt damit aber weit unter dem Höchstwert von 2750 MH am 27.10.2014 unter der NOAA-Nummer 21092. Im Weißlicht ergab sich dennoch wieder das Bild aus dem Oktober: Neben der großen Gruppe existierten nur wenige kleine. Außerdem ist die Zahl der Flecken in dieser F-Gruppe anscheinend weiter zurück gegangen. An eigene Beobachtung war angesichts des novembrig-neblig-regnerischen Tages nicht einmal zu denken.
Nachtrag: Zwischen 7:49 und 8:09 UT gab es einen C1.8, zwischen 14:21 und 17:33 UT einen lang anhaltenden C1.9-, und zwischen 19:24 und 19:30 UT einen kleinen C1.3-Flare.
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19.11.2014: Der Amateursonnenbeobachter Andreas Viertel hatte am 17.11.2014 die AR 12209 in einer Wolkenlücke mit einem 50/540 mm Refraktor und 10-O Fadenkreuzokular vermessen können. Er kam dabei auf einen Durchmesser des Flecks im nachfolgenden Teil von rd. 71.000 km, während der kleinere Fleck im voranschreitenden Teil nur bei 30.000 km lag. Der gegenseitige Abstand der beiden Flecken betrugen 195.000 km. Zusammen mit den kleinen Flecken, die zur Gruppe gehören, berechnete er einen Gesamtdurchmesser der Gruppe von 300.000 km, was die Zuordnung zur Waldmeierklasse F begründet. Das korrespondiert mit der Angabe der NOAA von 1100 Millionstel Hemisphären Gesamtfläche. Ansonsten war die Gruppe auch am heutigen Tage relativ ruhig, irgendwelche Flares wurden bis jetzt nicht gemeldet. Morgen erfolgt die Passage des Zentralmeridian. Jetzt wäre also eine günstige Zeit für einen erdwärts gerichteten Flare mit CME. Doch danach sieht es ganz und gar nicht aus. Selbst wenn es zu einem solchen Ereignis käme, könnte man ein Polarlicht aus Witterungsgründen wohl nicht beobachten. Eine eigene Beobachtung der AR 12209 war mir auch heute nicht vergönnt, den ganzen Tag über gab es nur einen neblig-trüben Himmel.
Nachtrag: Zwischen 18:57 und 19:03 UT produzierte die AR 12209 einen C2.9-Flare.
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19.11.2014: Die AR 12209 hat den Zentralmeridian der Sonne überschritten, ist aber weiter völlig inaktiv. Wie schon bei ihrem Durchgang im Oktober hat sie bislang noch keinen einzigen CME produziert und lässt wieder die Gelegenheit verstreichen, mal einen ordentlichen Flare mit Koronalem Massenauswurf auszuhusten, der dann zu einem Polarlicht auch in mitteleuropäischen Breiten führen könnte. Aber nichts da: die Gesamtfläche ist auf 930 Millionstel Hemisphären zurück gegangen und die Aktive Region tut einfach nichts. Dafür hatte ich heute das Glück, in der Mittagspause während einer kurzen Wolkenlücke die Gruppe mit dem bloßen Auge und einer Sonnenfinsternisbrille sehen zu können. Unterdessen ist am Ostrand eine neue Fleckengruppe aufgetaucht, die AR 12216 (ex-12197), die für einen größeren C-Flare verantwortlich war, nähere Angaben hierzu in einem möglichen Nachtrag, da beim Solar Monitor die Daten erst später veröffentlicht werden.
Nachtrag: Die AR 12209 brachte dann doch noch einen kleinen C2.4-Flare zustande, der zwischen 18:57 und 19:03 UT registriert wurde.
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20.11.2014: Die "neue" AR 12216 meldete sich am frühen Morgen MEZ zwischen 6:31 und 6:41 mit einem C7.6 zu Wort, während die mittlerweile auf 930 MH geschrumpfte AR 12209 ebenfalls einen Ausbruch auf den Weg brachte: zwischen 19:36 und 19:56 UT einen C2.5. Die Zahl der Flecken in der Gruppe hat immer mehr abgenommen; das Aussehen der hinteren Penumbra wurde von vielen als "Löwentatze" bezeichnet. 
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21.11.2014: Das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe hat die Gruppe - die ich immer noch nicht selbst beobachten konnte - als zur Waldmeierklasse G zugehörig eingestuft, was auch Sinn macht, da die Gruppe im Weißlicht alle Flecken zwischen den beiden Polen verloren hat. Erstaunlicherweise soll die Gesamtfläche der Gruppe auf 970 MH angestiegen sein, was wohl nur daran liegt, dass man einige der vor bzw. hinter den Polen liegenden kleinen Flecken mit eingerechnet hat. Der Augenschein auf Fotos sagt einem aber eher etwas anderes. Die AR 12216 schickt sich denn auch an, immer größer zu werden. Die AR 12209 hingegen wird nun, als sie sich dem Rand annähert, wieder aktiver. Ganze 9 Flares binnen eines Tages gingen auf ihr Konto, heute: 

01:53-02:08 UT: ein C1.4
23:25-23:31 UT: ein C1.1

Eine eigene Beobachtung war auch heute wieder nicht möglich.
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22.11.2014: Wochenende, die Hoffnung auf die erste eigene Beobachtung der AR 12209 steigt, wird aber enttäuscht, da ich die einzige Wolkenlücke des ganzen Tages nur um Haaresbreite, sprich: gut 10 Minuten, verpasst habe. Zu Hause angekommen, konnte ich nur noch sehen, wie sie gen Osten abzog. Dafür ging die Flareaktivität in der AR 12209 munter weiter:

00:06-00:51 UT: ein C2.4 
00:54-01:01 UT: ein C8.1
03:35-03:41 UT: ein C2.4
05:58-06:03 UT: ein C6.5
06:09-06:17 UT: ein C3.2 09:53-09:57 UT: ein C1.5
13:09-13:31 UT: ein C2.1
17:08-17:13 UT: ein C3.1

Im Weißlicht sind nur noch drei Fleckengruppen zu sehen, dennoch war die AR 12209 mit ihren - nun wieder geschrumpften - 900 MH nach wie vor die größte Aktive Region des Tages.
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23.11.2014: In der Nacht hat es zwischen 5:32 und 5:39 UT ein C2.4-Flare gegeben und die Fläche ist nach Angaben der NOAA wieder auf 950 MH gestiegen. Auf Fotos ist die "Löwentatze" nach wie vor gut zu sehen und südwestlich davon hat sich eine unabhängige B-Gruppe gebildet. Da solarham und solarmonitor bislang nur wenige Daten gemeldet haben, kann es heute noch einen Nachtrag geben.

Wie versprochen, der Nachtrag: Meine erste eigene Beobachtung der Fleckengruppe unter denkbar schlechten Bedingungen, dazu ein Bild, das die beiden großen Gruppen zeigt, die derzeit auf der Sonne zu sehen sind. Und es hat in der AR 12209 einen weiteren Flare gegeben: ein C3.5 zwischen 10:41 und 10:53 UT.
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24.11.2014: Langsam endet die Beobachtungsperiode der AR 12209, die schon sehr nah am Westrand steht und heute auch keinen einzigen Flare mehr produziert hat. Zwar soll ihre Fläche wieder auf 1000 MH zugenommen haben, was aber wieder nur an den vor und hinter den Polen liegenden kleineren Flecken liegen kann. Die große Penumbra im nachfolgenden Teil ist sichtbar - nicht nur perspektivisch wegen der randnahen Stellung - kleiner geworden. Spätestens in zwei Tagen ist diese Gruppe dann weitgehend um den Westrand herumrotiert und man wird sich fragen müssen, ob sie noch zu einer weiteren, der dann vierten. Rotation fähig ist.
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25.11.2014: Am heutigen Tag durften wir uns von der AR 12209 verabschieden und sie blieb weiterhin sehr enttäuschend. Wie schon bei der vorherigen Rotation als 12192 brachte sie zwar jede Menge Flares zustande, jedoch keinen einzigen mit einem Koronalen Massenauswurf. Gab es im Oktober wenigstens noch einen X-Flare, so gab es diese Mal nur einen der Klasse M und ansonsten nur solche der Klasse C und zum Abschluss nicht einmal mehr das. Ob sie die kommenden 14 Tage überstehen oder sich auflösen wird, ist nicht vorhersehbar, dass sie sich aber noch einmal so entwickeln wird wie im Oktober, ist unwahrscheinlich, da ihre Fläche immer mehr abgenommen und ihre Aktivität immer geringer geworden ist. Immerhin hat sie drei Rotationen überlebt, was in diesem Zyklus nicht sehr häufig vorkam.
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Sonntag, 9. November 2014

Sonne am 09.11.2014

An eine Sonnenbeobachtung hatte ich an diesem Morgen nicht so recht geglaubt, denn die Wettervorhersagen waren alles andere als sicher. Zumeist war darin von einem bewölkten Himmel die Rede.

Nach dem Aufwachen schien sich das auch zu bestätigen und während ich beim Frühstück saß, schien sich der übliche Murph anzudeuten: ein weitgehend klarer und blauer Himmel und jede Menge Wolken im Südosten, wo die Sonne aufgehen würde. So verpasste ich denn auch ihr Erscheinen über der Häuserkante, doch mehr und mehr verzogen sich die Wolken. Die Sonne stand zwar immer noch in einem Wolkenstreifen – darüber war alles klar -, dennoch baute ich mein kleines Teleskop auf der Fensterbank auf. Sah die Sonne zunächst aufgrund der rasch durchziehenden Wolken wie ein Jupiter aus, so wurde auch das im Laufe der Zeit besser. Doch das Seeing war hundsmiserabel. Der Rand war in so starker Bewegung, dass ich dort erst gar keine Flecken sehen konnte.

Daher erfasste ich im Weißlicht erst die AR 12205 als E33 und die AR 12207 als J1. Dahinter fand ich dann in den Wellenbewegungen eine weitere Fleckengruppe, die ich als J3 klassifizierte, weil ich nur einen winzigen, geradezu mit dem Seeing hüpfenden Teil der Gruppe sehen konnte. Zum Westrand hin wurde es dann echt schwer, überhaupt etwas zu sehen. In winzigen Momenten ruhiger Luft, als mal keine Wolken vor der Sonne standen, erkannte ich die AR 12204 und die 12201 jeweils als A1. Aus den Zick-Zack-Bewegungen des Sonnenrandes – verursacht durch das extrem schlechte Seeing – sprang irgendwann die dicht am Westrand stehende AR 12203 als J1 hervor. Danach zeigte sich die Sonne im Fernrohr milchig, denn es hatte sich eine Syphschicht davor geschoben.

Schnell noch einen Blick ins H-alpha riskiert, doch die Seeingbewegungen waren hier noch viel ausgeprägter, die Wahrnehmbarkeit der Erscheinungen bei hellem Himmelshintergrund stark herabgesetzt, sodass ich lediglich die vier hellsten Protuberanzen am Sonnenrand, das helle Flaregebiet rund um die AR 12205 und ein großes Filament im Nordosten sehen konnte. Das Auswurfmaterial des X-Flares (dazu hier ein interessantes Video) wird morgen hier eintreffen und voraussichtlich einen geomagnetischen Sturm der Klasse G2 verursachen.

Wenig, im Vergleich zu anderen Tagen, bei besserem Seeing. Dafür sind drei aufeinander folgende Beobachtungen im November an sich schon ein Novum, insofern nimmt man die Relativzahlen unter schlechten Bedingungen halt mit. Würde man allerdings nur unter bestem Seeing in Hamburg Relativzahlen bestimmen, bekäme man schätzungsweise nicht mal 50 Beobachtungstage zusammen. So kann man schon froh sein, überhaupt etwas zu sehen, zumal es auch immer wieder murpht. Es ist logisch, dass die Sicht erst besser wurde, als die Sonne hinter der Hauskante und hinter einem der Nervbäume stand, wie fast immer an meinem Standort.


PS: Dass die Sonne ein sehr dynamischer Himmelskörper ist, bewies sie, kaum, dass dieser Blogbeitrag veröffentlicht war: Im Südosten eruptierte plötzlich und unerwartet ein ohnehin schon sehr großes Filament, zeigte selbst im PST schon binnen Minuten leichte Veränderungen. Leider konnte ich das Geschehen erst ab ca. 10:15 UT verfolgen, weil dann erst die Sonne auf der anderen Seite des Hauses stand und dann kamen nach 10 Minuten auch schon wieder Wolken, die bis zum Verschwinden der Sonne hinter dem Hochhaus gegenüber die Sicht behinderten. Erst danach wurde es für etwa zwei Stunden richtig klar ... und die Sonne ging hinter dem Haus unter. Via GONG-Network war aber zu verfolgen, wie hier zwei dicke Materiebögen ihr Material entlang Magnetfeldlinien erhoben. Im Weißlicht war ein kleiner Zipfel einer „neuen“ Fleckengruppe zu sehen. Wir erinnern uns: die AR 12192 war am 30. Oktober um den Westrand herumrotiert und in dieser Woche dürfte sie wieder am Ostrand auftauchen,
hier kann man es verfolgen. 

Samstag, 8. November 2014

Sonne am 08.11.2014

Den Tag mit einer Sonnenbeobachtung zu beginnen, kann auch jede Menge Stress bedeuten. So wachte ich auf, als der Himmel völlig klar war und freute mich, auch heute eine Beobachtung bekommen zu können, zumal ich nicht nur aufgrund des Bahnstreiks auf eine Teilnahme an der Bochumer Herbsttagung der Amateurastronomen verzichtet hatte.

Doch je näher der Zeitpunkt rückte, wo die Sonne über dem Nachbardach hochsteigen würde, desto mehr zog es sich in Sonnenrichtung zu, während der übrige Himmel nahezu wolkenfrei blieb. Ein Phänomen, das ich sehr oft beobachte. Durch den flacheren Tagbogen der Sonne dauerte es natürlich auch länger, bis sie erstmals über die Hauskante hinweglukte. Und da passierte es: binnen Sekunden zog der Himmel völlig zu. Meine Flüche erspare ich mal den Blogleserinnen und -lesern. Die Wolken zogen allerdings sehr schnell und nach etwa 10 Minuten öffnete sich wieder ein Wolkenloch. Ich stürzte regelrecht zum Teleskop, richtete es aus und fand als erstes die AR 12205 als E31. Durchziehende Wolkenstreifen nervten und behinderten das Aufsuchen der kleineren Fleckengruppen, von denen es gestern ja noch eine ganze Menge gab. Dann war der Himmel erst einmal frei und ich konnte die Beobachtung fortsetzen.

Am Westrand stand die AR 12203 als J1, die AR 12204 war erst auf den zweiten Blick zu sehen und dann als C8. Auf die AR 12201 – eine A1 - im Süden stieß ich auch erst später , gerade als wieder einzelne Wolkenstreifen durch das Gesichtsfeld zogen. Hart am Ostrand fand ich noch zwei J1-Gruppen ohne NOAA-Nummer, die ganz frisch erschienen waren. Alles in allem eine eher durchschnittliche Aktivität im Weißlicht mit der AR 12205 als einzigem Höhepunkt.

Im H-alpha sah es denn auch ganz ähnlich aus: 13 kleine Protuberanzen am Rand, 6 Filamente – nur eines davon sehr groß – und vier helle Flaregebiete. Eines davon rund um die AR 12205, wo man wieder den Eindruck hatte, dass heute dort neue Flares hervorkommen würden. Meine Prognose von gestern traf dann wenige Stunden später auch ein: zwischen 17:25 und 17:34 UT, mit Höhepunkt um 17:26 UT produzierte sie einen X1.6-Flare, der mit einer Typ II-Radioemmission (Typ R2) und einen Koronalen Massenauswurf verbunden war, dessen Teilchen mit 602km/s davongetragen wurden.

Kurz nach Ende der Beobachtung zog dann der Himmel zu und die Sonne kam erst wieder heraus, als sie hinter einem meiner zahlreichen Bäume stand ...

Freitag, 7. November 2014

Sonne am 07.11.2014

Dank vieler Überstunden konnte ich mir heute mal einen frühen Feierabend gönnen und den wollte ich für eine Sonnenbeobachtung nutzen, was mir auch gelang. Die Wolken hielten sich weitgehend zurück, dafür war das Seeing unterdurchschnittlich: der Rand war kräftig in Bewegung, während Oberffächenstrukturen gut zu sehen waren.

Im Weißlicht hatte sich seit der letzten Beobachtung vor 5 Tagen zwar einiges verändert, doch wirklich spektakuläres war nicht dabei Lediglich die auf der Nordhalbkugel zu sehende AR 12205 zog sofort das Beobachterauge auf sich. War sie doch die größte, derzeit zu beobachtende Fleckengruppe, die ich als E28 klassifizierte. Mit dem bloßen Auge konnte ich sie nicht sehen, sie verdankte ihre Einstufung auch nur ihrer Länge und weniger ihren Penumbren, die zwar vorhanden, insgesamt aber eher klein waren. Im Norden gab es dann noch die AR12204, die ich für eine A1 hielt, die AR12203 am Westrand (J1) sowie eine nummernlose A3 in deren Nähe. Im Südost gab es zwei A1 ohne Nummer und Richtung Westen die AR 12202 als C9. Im Endeffekt also ein eher ruhiger Weißlichttag.

Im H-alpha sah es fast ähnlich aus. Lediglich im Bereich der AR 12205 gab es ein helles Flaregebiet – hier waren in den vergangenen Tagen drei M-Flares aufgestiegen – und es schien, dass zur Beobachtung ein derartiger Ausbruch im Frühstadium seiner Entwicklung zu sehen war. Leider konnte ich wegen der nahenden Kante des gegenüberliegenden Hochhauses nicht weiter beobachten.

Rund um die AR 12201 gab es auch noch einige flareträchtige Aufhellungen. Insgesamt fand ich aber nur 4 Flaregebiete, 10, bis auf eine Ausnahme eher kleine, Filamente und 12 winzige Protuberanzen. Leider verschlechterte sich das Seeing zusehends, sodass die H-alpha-Beobachtung im Laufe der Zeit schwieriger wurde. Dennoch gehe ich davon aus, alle relevanten Phänomene zahlenmäßig erfasst zu haben.

Donnerstag, 6. November 2014

Die Sonne im Oktober 2014

Der Ende September zu beobachtende, leichte Anstieg der Sonnenaktivität, ließ in den ersten Oktoberdekade spürbar nach. Täglich ging die Zahl der Fleckengruppen zurück. Waren es am 1. noch 10 Gruppen, die man finden konnte, so sank die Zahl bis zum 13. auf nur noch 2 ab. Am ersten Oktobertag konnten die AR 12173, die AR 12175 und die AR 12177 noch als E- und die AR 12172 als F-Gruppen eingestuft werden, so fielen am folgenden Tag alle auf die Stufe D zurück und von der AR 12172 war nur noch der f-Teil am Westrand zu sehen. 

Am 3. war auch der verschwunden und so ging es dann zunächst kontinuierlich abwärts. Lediglich die AR 12181, erstmals am 1. am Ostrand erschienen, hielt die Klasse D bis zum 8. und fiel dann auf C zurück, der Rest gehörte ohnehin nur den Klassen A, B, C, H und J an. Nach dem 13. stieg die Aktivität wieder leicht an, wenn auch die Gruppen erst einmal nur den Klassen B und C angehörten. Am 16. war die Zahl der Fleckengruppen wieder auf 7 angestiegen, um danach am 18. erneut einzubrechen. 

Nur noch 3 Gruppen waren an diesem Tag zu sehen. Eigentlich unspektakulär, wenn da nicht die AR 12192 just an diesem Tage vollständig um den Ostrand herum rotiert wäre. Am Tag zuvor konnte man schon einen Teil des p-Flecks sehen, doch was sich danach entwickelte, war geradezu gigantisch. Diese auf der Südhalbkugel der Sonne wandernde Gruppe wies eine extrem chaotische Struktur auf. Richtige bipolare Zentren konnten visuell kaum ausgemacht werden und sie war praktisch ab dem 19. ohne Probleme mit Hilfe eines geeigneten Sonnenfilters mit bloßem Auge zu sehen. Und mehr noch: Sie nahm beständig an Größe zu, konnte an einigen Tagen sogar mit bloßem Auge flächig gesehen werden und zeigte binnen Stunden Veränderungen. In den kommenden Tagen wurde sie nicht nur zur dominierenden Gruppe auf der ganzen Sonne – die Zahl der übrigen Gruppen war dagegen sehr gering und lag nur bei 4 bis 5. Die AR 12192 entwickelte sich zur größten Fleckengruppe nicht nur im laufenden 24. Fleckenzyklus, sondern seit 2001, als die AR 9393 am 29. März eine Fläche von 2440 Millionstel Hemisphäre (MH) einnahm. Die AR 12192 kam dagegen am 27. Oktober auf 2750 MH! 

Da lohnt ein Vergleich mit früheren Gruppen. So erreichte die AR 10486 im Oktober / November 2003 im Maximum 2610 MH bei der AR. Im April 1947 kam eine Gruppe sogar auf mehr als 6000 MH – damals gab es noch keine Kennzeichnung der Gruppen per NOAA-Nr. die gibt es erst seit den 1970er Jahren – und beim großen Carrington-Event vom 1. September 1859, als die beiden Astronomen Richard Carrington und Richard Hodgson den bislang kräftigsten Flare aus einer Sonnenfleckengruppe erstmals „live“ heraus beobachteten, dürfte die verantwortliche Aktive Region ähnliche Ausmaße gehabt haben.

Seinerzeit konnte auch gleichzeitig ein Weißlicht-Flare beobachtet werden und in der Folge traten starke Polarlichter auf, die sowohl von Australien, als auch vom der Nordhalbkugel aus sichtbar waren. In den USA gab es zudem an der Ostküste, aber auch in weiten teilen Europas großflächige Stromausfälle und Zusammenbrüche der oberirdischen Telefonleitungen. Damit wurde erstmals ein Zusammenhang zwischen der Aktivität der Sonne und des Erdmagnetfeldes verifiziert.

Die AR 12192 war noch bis zum 30. zu sehen und als sie als Platzhirsch verschwunden waren, ja, schon, als sie sich immer stärker dem Westrand annäherte, waren plötzlich sehr viele kleine Gruppen zu sehen, sodass die Gruppenzahl am 31. Oktober wieder auf 10 angestiegen war. Das hatte dann zur Folge, dass der Gesamtanstieg der Relativzahlen im Oktober eher gering ausfiel, ihre Höhe die vom Monatsanfang nicht überstieg und sogar fast auf gleicher Höhe blieb.

Im H-alpha war der Oktober, ein sehr seltsamer Monat, denn die Aktivität blieb eher mittelmäßig bis durchschnittlich. Am 2. stieg, randnah, aus der AR 12173 um 19:01 UT ein M7.3-Flare auf, der mit einem nicht erdwärts gerichteten Koronalen Massenauswurf (CME) verbunden war, aber auf SDO-Bildern eine schöne Eruption offenbarte. Erst am 9. folgte das nächste, erwähnenswerte, Ereignis: Aus der AR 12182 kamen kurz hintereinander um 1:43 UT ein M1.3- und um 1:58 UT ein M1.4-Flare. Am 10. eruptierte um 18:25 UT im Südwesten ein großes Filament mit einem CME. Der 14.10.2014 brachte dann um 18:37 UT am Ostrand einen M1.1-Flare sowie um 21:05 UT einen M2.2, welcher ebenfalls mit einem CME verknüpft war. In der darauf folgenden Nacht konnte in den Polarregionen dann ein deutlich visuelles Polarlicht gesehen werden, das von einem geomagnetischen Sturm der (niedrigen) Klasse G1 ausgelöst worden war. Am 16. gab es dann – ebenfalls am Ostrand – einen M4.3-Flare, der um 13:03 UT von den SDO-Satelliten registriert worden war. 

Ab dem 19. Oktober hatte dann die AR 12192 ihren großen Auftritt auch im H-alpha. Während ihrer Sichtbarkeit produzierte sie 6 (!) X-Flares:

19.10., 05:03 UT: X1.1;
22.10., 14:28 UT: X1.6;
24.10., 21:40 UT: X3.1;
25.10., 17:08 UT: X1.0;
26.10., 10:56 UT: X2.0;
27.10., 14:47 UT: X2.0

sowie 30M-Flares, 5 Importance-2- und 4 Importance-3-Flares. Damit war sie die aktivste Gruppe seit vielen Jahren. Allerdings hatte das ganze einen kleinen Schönheitsfehler: Keines der Flares war mit einem CME verbunden, was hinreichend ungewöhnlich war. Die Magnetfeldstruktur der Gruppe war auch relativ einfach und somit konnte keine ausreichende Feldstärke für CMEs erreicht werden. 

Im Gegensatz etwa zum großen X.28-Flare vom Oktober 2003, als man noch in Thüringen auf der Kirchheimer Sternwarte richtig heftige Polarlichter sehen konnte, blieben diese in unseren Breiten aus. Nur in den innerhalb des Polarlichtoval liegenden Gebieten konnte eine leicht erhöhte Aktivität festgestellt werden. Wieso eine derart große Gruppe so wenig Aktivität zeigte, darf zu den ganzen anderen Merkwürdigkeiten des aktuellen Sonnenfleckenzyklus gerechnet werden. Nach dem Weggang der Gruppe fiel jedenfalls die Aktivität im H-alpha steil ab. Nichtsdestotrotz konnten während des ganzen Monats immer wieder, auch größere, Protuberanzen und Filamente, die (geschätzt) teilweise halben Sonnendurchmesser erreichten, beobachtet werden. Allerdings wurden auch sie nur selten so groß, dass sich über das Gesichtsfeld der weltweit verteilten Teleskope und Kameras des GONG-Netzwerkes herausreichten.

Sonntag, 2. November 2014

Sonne am 02.11.204

Der November macht es einem nicht leicht, die Sonne zu beobachten. Das für den Vormittag noch vor einigen Tagen angekündigte gute Wetter blieb aus und die Sonne war erstmals zu sehen, als sie, knapp neben der Kante meines Hauses stehend, erst hinter dieser und dann einem Baum verschwand und für mich unerreichbar wurde. Lt. Vorhersage für den heutigen Tag sollte es ab ca. 13 Uhr eine größere Wolkenauflockerung geben, stattdessen war zu dem Zeitpunkt der Himmel völlig bedeckt. Mein Zeitfenster reicht bis etwa 15 Uhr, danach steht die Sonne hinter einem Hochhaus und geht auch hinter diesem unter. Dabei zeigt sich zunächst ein riesiges Wolkenloch im Nordwesten, während die Sonne hartnäckig durch Wolken verborgen war. Das hielt sich beständig, bis aus Südwesten eine weitere Wolkenlücke gemächlich herankam. Diese hatte die Sonne dann endlich gegen 14:15 Uhr erreicht ... und war gut 10 Minuten später wieder verschwunden, bis es kurz nach 15 Uhr weitgehend aufklarte ...

Die 10 Minuten Beobachtungszeit reichten jedoch aus, um in zwei Wellenlängen zu beobachten. Im Weißlicht hatte die Zahl der Aktiven Regionen deutlich abgenommen. Die im Norden dicht am Westrand stehende AR 12195 war eine J1, die AR 12202 eine C10, die fast auf dem Zentralmeridian sitzende 12203 eine D15 und die AR 12204 eine C7. Der Süden enthielt heute nur noch die AR 12201 als C9 und die AR 12200 als A1. Das Seeing war während der Beobachtung recht gut und so war ich gespannt auf die Beobachtung im H-alpha.

Dort fiel mir als erstes eine großflächige Penumbra im Südwesten auf, sowie eine bogenförmige im Nordwesten. Fünf weitere waren eher von kleiner Statur und oftmals erst auf den zweiten Blick zu sehen. Vier helle Flaregebiete – eines im Bereich der AR 12203 – zierten die Oberfläche ebenso wie 15 kleine und ziemlich regellos über die Sonnenbeobachtung verteilte Filamente.

Für Detailstudien im H-alpha blieb auch heute keine Zeit, denn kurz nach dem Ende der Beobachtung zogen schnell tiefer liegende Wolken heran und ließen alle weiteren Beobachtungen scheitern.

Dies wird möglicherweise für die kommende Zeit die letzte Beobachtung gewesen sein, denn lt. Langfristiger Wettervorhersage erreicht mich nun eine Schlechtwetterzone, die über das kommende Wochenende hinaus reichen wird, der einzige Zeitraum, wo ich jetzt noch beobachten kann.

Samstag, 1. November 2014

Sonne am 01.11.2014

Der 1. November und gleich eine Sonnenbeobachtung: das hat Seltenheitswert, denn in diesem für viele auch als Gruselmonat oder Deprimonat bezeichneten Jahresabschnitt sind sonnige Tage am Wochenende ein Novum. Ich kann mich an Jahre erinnern, da habe ich im November keine einzige Sonnenbeobachtung zustande gebracht, weil es am Wochenende nie klar war und die Sonne in der zu früh unterging, wenn man sie überhaupt zu Gesicht bekam.

So begann der Tag fast mit einer Beobachtung bei erstaunlich gutem Seeing, aber hohen, durchziehendem Syph, der sich erst legte, als die Sonne hinter der Hauskante stand (Murphy kann es einfach nicht lassen). Dieser leichte Syph war es denn auch, der die Erkennbarkeit der sehr vielen kleinen Fleckengruppen zum Teil verhinderte, die heute die Sonnenoberfläche zierten. Oft waren sie auch erst auf den zweiten Blick zu erkennen und ich bin mir sicher, die eine oder andere Gruppe nicht erwischt zu haben, weil das Auflösungsvermögen meines kleinen 80/400er-Refraktors zu gering war, um sie darstellen zu können.

Beim ersten flüchtigen Blick fielen mir nur drei Gruppen ins Auge: Die AR 12195 als J1, die AR 12202 als C10 und die AR 12201 als C7. Erst später sah ich bei der AR 12201 eine A1 ohne NOAA-Nummer und eine B4, ebenfalls ohne Kennung, auf der Nordhalbkugel der Sonne. Nach längerer Beobachtungszeit kamen die AR 12200 als B4, die AR 21299 als A1 und die AR 12196, ebenfalls als A1, hinzu. Auf SDO-Aufnahmen waren noch drei weitere Gruppen eingetragen, die ich aber partout nicht finden konnte.

Das relativ ruhige Seeing erlaubte heute denn auch eine Beobachtung im H-alpha, was besonders interessant war. Am Ostrand schwebte eine Materiewolke über der Oberfläche, am Westrand waren eine sehr großflächige, eine spitzkegelige und eine irregulär geformte Protuberanz zu sehen. Bei näherem Hinsehen erkannte ich dann noch eine Schleifenprotuberanz am Ostrand und mehrere kleinere Erhebungen, wodurch die ihre Zahl auf 10 anstieg. Auf der Oberfläche waren 6 helle Flaregebiete – und ein gerade in der Sonnenscheibenmitte aktiver, kleinerer Flare – sowie 9 kleine Filamente zu sehen. Leider konnte ich wegen der Hauskante die Beobachtung dann nicht mehr fortsetzen und ein Ausweichen auf den Hinterhof war nicht zielführend, weil die Sonne dort den Boden nicht mehr erreicht und meine Umgebung für den niedrigen Sonnenstand zu viele Häuser und Bäume aufweist, die sich als Hindernis in den Weg stellen.