Donnerstag, 6. November 2014

Die Sonne im Oktober 2014

Der Ende September zu beobachtende, leichte Anstieg der Sonnenaktivität, ließ in den ersten Oktoberdekade spürbar nach. Täglich ging die Zahl der Fleckengruppen zurück. Waren es am 1. noch 10 Gruppen, die man finden konnte, so sank die Zahl bis zum 13. auf nur noch 2 ab. Am ersten Oktobertag konnten die AR 12173, die AR 12175 und die AR 12177 noch als E- und die AR 12172 als F-Gruppen eingestuft werden, so fielen am folgenden Tag alle auf die Stufe D zurück und von der AR 12172 war nur noch der f-Teil am Westrand zu sehen. 

Am 3. war auch der verschwunden und so ging es dann zunächst kontinuierlich abwärts. Lediglich die AR 12181, erstmals am 1. am Ostrand erschienen, hielt die Klasse D bis zum 8. und fiel dann auf C zurück, der Rest gehörte ohnehin nur den Klassen A, B, C, H und J an. Nach dem 13. stieg die Aktivität wieder leicht an, wenn auch die Gruppen erst einmal nur den Klassen B und C angehörten. Am 16. war die Zahl der Fleckengruppen wieder auf 7 angestiegen, um danach am 18. erneut einzubrechen. 

Nur noch 3 Gruppen waren an diesem Tag zu sehen. Eigentlich unspektakulär, wenn da nicht die AR 12192 just an diesem Tage vollständig um den Ostrand herum rotiert wäre. Am Tag zuvor konnte man schon einen Teil des p-Flecks sehen, doch was sich danach entwickelte, war geradezu gigantisch. Diese auf der Südhalbkugel der Sonne wandernde Gruppe wies eine extrem chaotische Struktur auf. Richtige bipolare Zentren konnten visuell kaum ausgemacht werden und sie war praktisch ab dem 19. ohne Probleme mit Hilfe eines geeigneten Sonnenfilters mit bloßem Auge zu sehen. Und mehr noch: Sie nahm beständig an Größe zu, konnte an einigen Tagen sogar mit bloßem Auge flächig gesehen werden und zeigte binnen Stunden Veränderungen. In den kommenden Tagen wurde sie nicht nur zur dominierenden Gruppe auf der ganzen Sonne – die Zahl der übrigen Gruppen war dagegen sehr gering und lag nur bei 4 bis 5. Die AR 12192 entwickelte sich zur größten Fleckengruppe nicht nur im laufenden 24. Fleckenzyklus, sondern seit 2001, als die AR 9393 am 29. März eine Fläche von 2440 Millionstel Hemisphäre (MH) einnahm. Die AR 12192 kam dagegen am 27. Oktober auf 2750 MH! 

Da lohnt ein Vergleich mit früheren Gruppen. So erreichte die AR 10486 im Oktober / November 2003 im Maximum 2610 MH bei der AR. Im April 1947 kam eine Gruppe sogar auf mehr als 6000 MH – damals gab es noch keine Kennzeichnung der Gruppen per NOAA-Nr. die gibt es erst seit den 1970er Jahren – und beim großen Carrington-Event vom 1. September 1859, als die beiden Astronomen Richard Carrington und Richard Hodgson den bislang kräftigsten Flare aus einer Sonnenfleckengruppe erstmals „live“ heraus beobachteten, dürfte die verantwortliche Aktive Region ähnliche Ausmaße gehabt haben.

Seinerzeit konnte auch gleichzeitig ein Weißlicht-Flare beobachtet werden und in der Folge traten starke Polarlichter auf, die sowohl von Australien, als auch vom der Nordhalbkugel aus sichtbar waren. In den USA gab es zudem an der Ostküste, aber auch in weiten teilen Europas großflächige Stromausfälle und Zusammenbrüche der oberirdischen Telefonleitungen. Damit wurde erstmals ein Zusammenhang zwischen der Aktivität der Sonne und des Erdmagnetfeldes verifiziert.

Die AR 12192 war noch bis zum 30. zu sehen und als sie als Platzhirsch verschwunden waren, ja, schon, als sie sich immer stärker dem Westrand annäherte, waren plötzlich sehr viele kleine Gruppen zu sehen, sodass die Gruppenzahl am 31. Oktober wieder auf 10 angestiegen war. Das hatte dann zur Folge, dass der Gesamtanstieg der Relativzahlen im Oktober eher gering ausfiel, ihre Höhe die vom Monatsanfang nicht überstieg und sogar fast auf gleicher Höhe blieb.

Im H-alpha war der Oktober, ein sehr seltsamer Monat, denn die Aktivität blieb eher mittelmäßig bis durchschnittlich. Am 2. stieg, randnah, aus der AR 12173 um 19:01 UT ein M7.3-Flare auf, der mit einem nicht erdwärts gerichteten Koronalen Massenauswurf (CME) verbunden war, aber auf SDO-Bildern eine schöne Eruption offenbarte. Erst am 9. folgte das nächste, erwähnenswerte, Ereignis: Aus der AR 12182 kamen kurz hintereinander um 1:43 UT ein M1.3- und um 1:58 UT ein M1.4-Flare. Am 10. eruptierte um 18:25 UT im Südwesten ein großes Filament mit einem CME. Der 14.10.2014 brachte dann um 18:37 UT am Ostrand einen M1.1-Flare sowie um 21:05 UT einen M2.2, welcher ebenfalls mit einem CME verknüpft war. In der darauf folgenden Nacht konnte in den Polarregionen dann ein deutlich visuelles Polarlicht gesehen werden, das von einem geomagnetischen Sturm der (niedrigen) Klasse G1 ausgelöst worden war. Am 16. gab es dann – ebenfalls am Ostrand – einen M4.3-Flare, der um 13:03 UT von den SDO-Satelliten registriert worden war. 

Ab dem 19. Oktober hatte dann die AR 12192 ihren großen Auftritt auch im H-alpha. Während ihrer Sichtbarkeit produzierte sie 6 (!) X-Flares:

19.10., 05:03 UT: X1.1;
22.10., 14:28 UT: X1.6;
24.10., 21:40 UT: X3.1;
25.10., 17:08 UT: X1.0;
26.10., 10:56 UT: X2.0;
27.10., 14:47 UT: X2.0

sowie 30M-Flares, 5 Importance-2- und 4 Importance-3-Flares. Damit war sie die aktivste Gruppe seit vielen Jahren. Allerdings hatte das ganze einen kleinen Schönheitsfehler: Keines der Flares war mit einem CME verbunden, was hinreichend ungewöhnlich war. Die Magnetfeldstruktur der Gruppe war auch relativ einfach und somit konnte keine ausreichende Feldstärke für CMEs erreicht werden. 

Im Gegensatz etwa zum großen X.28-Flare vom Oktober 2003, als man noch in Thüringen auf der Kirchheimer Sternwarte richtig heftige Polarlichter sehen konnte, blieben diese in unseren Breiten aus. Nur in den innerhalb des Polarlichtoval liegenden Gebieten konnte eine leicht erhöhte Aktivität festgestellt werden. Wieso eine derart große Gruppe so wenig Aktivität zeigte, darf zu den ganzen anderen Merkwürdigkeiten des aktuellen Sonnenfleckenzyklus gerechnet werden. Nach dem Weggang der Gruppe fiel jedenfalls die Aktivität im H-alpha steil ab. Nichtsdestotrotz konnten während des ganzen Monats immer wieder, auch größere, Protuberanzen und Filamente, die (geschätzt) teilweise halben Sonnendurchmesser erreichten, beobachtet werden. Allerdings wurden auch sie nur selten so groß, dass sich über das Gesichtsfeld der weltweit verteilten Teleskope und Kameras des GONG-Netzwerkes herausreichten.

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