Sonntag, 9. November 2014

Sonne am 09.11.2014

An eine Sonnenbeobachtung hatte ich an diesem Morgen nicht so recht geglaubt, denn die Wettervorhersagen waren alles andere als sicher. Zumeist war darin von einem bewölkten Himmel die Rede.

Nach dem Aufwachen schien sich das auch zu bestätigen und während ich beim Frühstück saß, schien sich der übliche Murph anzudeuten: ein weitgehend klarer und blauer Himmel und jede Menge Wolken im Südosten, wo die Sonne aufgehen würde. So verpasste ich denn auch ihr Erscheinen über der Häuserkante, doch mehr und mehr verzogen sich die Wolken. Die Sonne stand zwar immer noch in einem Wolkenstreifen – darüber war alles klar -, dennoch baute ich mein kleines Teleskop auf der Fensterbank auf. Sah die Sonne zunächst aufgrund der rasch durchziehenden Wolken wie ein Jupiter aus, so wurde auch das im Laufe der Zeit besser. Doch das Seeing war hundsmiserabel. Der Rand war in so starker Bewegung, dass ich dort erst gar keine Flecken sehen konnte.

Daher erfasste ich im Weißlicht erst die AR 12205 als E33 und die AR 12207 als J1. Dahinter fand ich dann in den Wellenbewegungen eine weitere Fleckengruppe, die ich als J3 klassifizierte, weil ich nur einen winzigen, geradezu mit dem Seeing hüpfenden Teil der Gruppe sehen konnte. Zum Westrand hin wurde es dann echt schwer, überhaupt etwas zu sehen. In winzigen Momenten ruhiger Luft, als mal keine Wolken vor der Sonne standen, erkannte ich die AR 12204 und die 12201 jeweils als A1. Aus den Zick-Zack-Bewegungen des Sonnenrandes – verursacht durch das extrem schlechte Seeing – sprang irgendwann die dicht am Westrand stehende AR 12203 als J1 hervor. Danach zeigte sich die Sonne im Fernrohr milchig, denn es hatte sich eine Syphschicht davor geschoben.

Schnell noch einen Blick ins H-alpha riskiert, doch die Seeingbewegungen waren hier noch viel ausgeprägter, die Wahrnehmbarkeit der Erscheinungen bei hellem Himmelshintergrund stark herabgesetzt, sodass ich lediglich die vier hellsten Protuberanzen am Sonnenrand, das helle Flaregebiet rund um die AR 12205 und ein großes Filament im Nordosten sehen konnte. Das Auswurfmaterial des X-Flares (dazu hier ein interessantes Video) wird morgen hier eintreffen und voraussichtlich einen geomagnetischen Sturm der Klasse G2 verursachen.

Wenig, im Vergleich zu anderen Tagen, bei besserem Seeing. Dafür sind drei aufeinander folgende Beobachtungen im November an sich schon ein Novum, insofern nimmt man die Relativzahlen unter schlechten Bedingungen halt mit. Würde man allerdings nur unter bestem Seeing in Hamburg Relativzahlen bestimmen, bekäme man schätzungsweise nicht mal 50 Beobachtungstage zusammen. So kann man schon froh sein, überhaupt etwas zu sehen, zumal es auch immer wieder murpht. Es ist logisch, dass die Sicht erst besser wurde, als die Sonne hinter der Hauskante und hinter einem der Nervbäume stand, wie fast immer an meinem Standort.


PS: Dass die Sonne ein sehr dynamischer Himmelskörper ist, bewies sie, kaum, dass dieser Blogbeitrag veröffentlicht war: Im Südosten eruptierte plötzlich und unerwartet ein ohnehin schon sehr großes Filament, zeigte selbst im PST schon binnen Minuten leichte Veränderungen. Leider konnte ich das Geschehen erst ab ca. 10:15 UT verfolgen, weil dann erst die Sonne auf der anderen Seite des Hauses stand und dann kamen nach 10 Minuten auch schon wieder Wolken, die bis zum Verschwinden der Sonne hinter dem Hochhaus gegenüber die Sicht behinderten. Erst danach wurde es für etwa zwei Stunden richtig klar ... und die Sonne ging hinter dem Haus unter. Via GONG-Network war aber zu verfolgen, wie hier zwei dicke Materiebögen ihr Material entlang Magnetfeldlinien erhoben. Im Weißlicht war ein kleiner Zipfel einer „neuen“ Fleckengruppe zu sehen. Wir erinnern uns: die AR 12192 war am 30. Oktober um den Westrand herumrotiert und in dieser Woche dürfte sie wieder am Ostrand auftauchen,
hier kann man es verfolgen. 

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