Sonntag, 16. November 2014

Sonnenfleckengruppe AR 12209 als Tagebuch im Blogformat

Im Oktober sorgte die Aktive Region mit der von der NOAA vergebenen Nummer 12192 für einige Aufregung: Während ihres zweiten Umlaufs – erstmal hatte sie sie Sonne im September als AR 12172 umrundet hatte sie 6 X- und über 30 M-Flares hervorgebracht, dabei jedoch keinen einzigen koronalen Massenauswurf, was angesichts der Größe der Gruppe schon sehr ungewöhnlich war. Man war nach Ihren Verschwinden am Ostrand am 30. Oktober gespannt, ob sie die Passage der erdabgewandten Seite der Sonne überstehen würde. Da man die Gruppe aufgrund des typischen Novemberwetters wohl nicht zu Gesicht bekommen wird, soll hier versucht werden, eine Art Tagebuch im alten Blogformat zu führen.
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11.11.2014: Gespanntes Warten auf die alte AR 12192, die sich jetzt jeden Tag am Ostrand zeigen müsste. Da meldet das Solar Dynamic Observatory (SDO) eine spektakuläre Eruption knapp hinter dem Ostrand der Sonne, wobei der Fleck selbst noch nicht zu sehen ist.
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12.11.2014: Die AR 12192 ist wieder da und zeigt im Weißlicht einen H1-Fleck, was aber nicht alles sein kann.
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13.11.2014: Die alte AR 12192 hat die neue Nummer 12209 erhalten und zeigt jetzt etwas mehr von sich und brachte auch zwei Flares zustande: Zwischen 5:58 und 6:07 UT ein C8.4 und zwischen 19:17 UT und 19:21 UT ein C1.4.
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14.11.2014Dieser Tag brachte einen kleinen Flare: Zwischen 7:42 und 7:48 ein C5.4.
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15.11.2014: Das Magnetfeld der Gruppe ist nach wie vor vergleichsweise einfach gestrickt, man darf zwar auf weitere Ausbrüche hoffen, doch die Wahrscheinlichkeit für CMEs wird durch die Magnetfeldstruktur nicht höher! Gleich mehrere Flares der Gruppe wurden heute registriert: Zwischen 11:40 und 12:03 UT ein M3.2, zwischen 20:38 und 20:46 UT ein M3.7 sowie zwischen 23:33 und 23:44 UT ein C2.7. Der M-Flare war verbunden mit einem 8minütigen Tenflare, der es auf 229 sfu brachte. Die Gruppe zeigt sich nun in voller Größe und sieht gegenüber der AR 12192 schon arg gerupft aus. Der f-Teil der Gruppe ist zwar immer noch gigantisch groß, aber in den Zwischenräumen zum p-Teil hin gibt es kaum Einzelflecke. Die Klassifikation als F-Gruppe ist gerechtfertigt.
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16.11.2014: Das Wetter verhindert weiter eine erfolgreiche Beobachtung (Hochnebel, leichter Regen). Die Penumbra des hinteren Teils der Gruppe ist sehr groß und weist heute eine sehr große Lichtbrücke auf, demnach gibt es einiges an Aktivität im lokalen Magnetfeld. Heute wurden bislang folgende Flares beobachtet: Zwischen 1:11 und 1:21 UT ein C1.4, zwischen 06:11 und 06:14 UT ein C1.1 und zwischen 09:07 und 09:21 UT ein C2.0.
Nachtrag: Für den Sonntag war es mit der Aktivität der Gruppe nach der geringen Vormittagsaktivität noch lange nicht vorbei: zwischen 9:59 und 10:10 UT gab es einen C2.4, zwischen 13:40 und 13:46 UT einen C1.5, zwischen 16:39 und 16:55 UT einen C3.9 und zwischen 22:02 und 22:09 UT einen C2.4. Der stärkste allerdings war zwischen 17:35 und 17:57 zu sehen, hier stieg - die Quelle enthält allerdings bei der Lokalisierung des Flares einen Fehler - ein M5.7 auf, dazu ein Video. Dieser war zudem verbunden mit einem kurzen Radiosturm (Typ R2) und einem 1-minütigen Tenflare (Wellenlänge 10,7 cm), der zu einem kurzfristigen Anstieg des von der Sonne ausgehenden Teilchenstroms auf 300 sfu führte. 
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17.11.2014: Der Montag brachte für Hamburg sehr sonniges Wetter, das ich leider nicht für eigene, teleskopische, Beobachtungen nutzen konnte. Es war mir nur möglich, mit einer Sonnenfinsternisbrille in der Mittagspause einen kurzen Blick auf die Sonne mit bloßem Auge zu werfen. Dabei sah ich einen der Flecke, sehr wahrscheinlich den größeren f-Teil mehr oder weniger deutlich mit bloßem Auge. Via twitter hieß es, dass zumindest in einem Fall auch der zweite Fleck der p-Teil, mit bloßem Auge zu sehen gewesen sein soll. Auf Fotos war hingegen deutlich zu sehen, dass die Lichtbrücke im f-Teil der Gruppe ganze Arbeit geleistet und den Fleck in der Mitte durchgetrennt hatte. Hier hatten sich mehrere neue Umbren innerhalb der Penumbra gebildet, die wiederum ebenfalls Lichtbrücken enthielten, ein sicheres Zeichen für starke magnetische Aktivitäten im lokalen Magnetfeld. Ansonsten war die Aktivität an diesem Tag eher ruhig, lediglich zwischen 6:01 und 6:06 UT wurde ein schwacher C1.7-Flare zu beobachten. Viel spannender war die im Weißlicht nur unscheinbare AR 12214. Im H-alpha wirkte die eingenommene Fläche an chromosphärischen Fackeln größer als die AR 12209 und sie erzeugte auch erheblich mehr Flares an diesem Tage. Für die kommenden Tage wird von einer 27%igen Chance für X-Flares. einer 79%igen für M-Flares und einer 92%igen für C-Flares ausgegangen.
Nachtrag: Zwischen 18:06 und 18:30 gab es einen C1.6-Flare.
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18.11.2014: Den ganzen Tag über blieb die AR 12209 sehr ruhig, es gab zwar eine spektakuläre Eruption, die jedoch nicht aus dem Umfeld der Gruppe aufstieg. Die von ihr eingenommene Fläche hat zwar von 680 Millionstel Hemisphären (MH) am 15. über 800 MH am 16. und 940 MH am 17. auf 990 MH am 18. zugenommen, liegt damit aber weit unter dem Höchstwert von 2750 MH am 27.10.2014 unter der NOAA-Nummer 21092. Im Weißlicht ergab sich dennoch wieder das Bild aus dem Oktober: Neben der großen Gruppe existierten nur wenige kleine. Außerdem ist die Zahl der Flecken in dieser F-Gruppe anscheinend weiter zurück gegangen. An eigene Beobachtung war angesichts des novembrig-neblig-regnerischen Tages nicht einmal zu denken.
Nachtrag: Zwischen 7:49 und 8:09 UT gab es einen C1.8, zwischen 14:21 und 17:33 UT einen lang anhaltenden C1.9-, und zwischen 19:24 und 19:30 UT einen kleinen C1.3-Flare.
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19.11.2014: Der Amateursonnenbeobachter Andreas Viertel hatte am 17.11.2014 die AR 12209 in einer Wolkenlücke mit einem 50/540 mm Refraktor und 10-O Fadenkreuzokular vermessen können. Er kam dabei auf einen Durchmesser des Flecks im nachfolgenden Teil von rd. 71.000 km, während der kleinere Fleck im voranschreitenden Teil nur bei 30.000 km lag. Der gegenseitige Abstand der beiden Flecken betrugen 195.000 km. Zusammen mit den kleinen Flecken, die zur Gruppe gehören, berechnete er einen Gesamtdurchmesser der Gruppe von 300.000 km, was die Zuordnung zur Waldmeierklasse F begründet. Das korrespondiert mit der Angabe der NOAA von 1100 Millionstel Hemisphären Gesamtfläche. Ansonsten war die Gruppe auch am heutigen Tage relativ ruhig, irgendwelche Flares wurden bis jetzt nicht gemeldet. Morgen erfolgt die Passage des Zentralmeridian. Jetzt wäre also eine günstige Zeit für einen erdwärts gerichteten Flare mit CME. Doch danach sieht es ganz und gar nicht aus. Selbst wenn es zu einem solchen Ereignis käme, könnte man ein Polarlicht aus Witterungsgründen wohl nicht beobachten. Eine eigene Beobachtung der AR 12209 war mir auch heute nicht vergönnt, den ganzen Tag über gab es nur einen neblig-trüben Himmel.
Nachtrag: Zwischen 18:57 und 19:03 UT produzierte die AR 12209 einen C2.9-Flare.
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19.11.2014: Die AR 12209 hat den Zentralmeridian der Sonne überschritten, ist aber weiter völlig inaktiv. Wie schon bei ihrem Durchgang im Oktober hat sie bislang noch keinen einzigen CME produziert und lässt wieder die Gelegenheit verstreichen, mal einen ordentlichen Flare mit Koronalem Massenauswurf auszuhusten, der dann zu einem Polarlicht auch in mitteleuropäischen Breiten führen könnte. Aber nichts da: die Gesamtfläche ist auf 930 Millionstel Hemisphären zurück gegangen und die Aktive Region tut einfach nichts. Dafür hatte ich heute das Glück, in der Mittagspause während einer kurzen Wolkenlücke die Gruppe mit dem bloßen Auge und einer Sonnenfinsternisbrille sehen zu können. Unterdessen ist am Ostrand eine neue Fleckengruppe aufgetaucht, die AR 12216 (ex-12197), die für einen größeren C-Flare verantwortlich war, nähere Angaben hierzu in einem möglichen Nachtrag, da beim Solar Monitor die Daten erst später veröffentlicht werden.
Nachtrag: Die AR 12209 brachte dann doch noch einen kleinen C2.4-Flare zustande, der zwischen 18:57 und 19:03 UT registriert wurde.
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20.11.2014: Die "neue" AR 12216 meldete sich am frühen Morgen MEZ zwischen 6:31 und 6:41 mit einem C7.6 zu Wort, während die mittlerweile auf 930 MH geschrumpfte AR 12209 ebenfalls einen Ausbruch auf den Weg brachte: zwischen 19:36 und 19:56 UT einen C2.5. Die Zahl der Flecken in der Gruppe hat immer mehr abgenommen; das Aussehen der hinteren Penumbra wurde von vielen als "Löwentatze" bezeichnet. 
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21.11.2014: Das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe hat die Gruppe - die ich immer noch nicht selbst beobachten konnte - als zur Waldmeierklasse G zugehörig eingestuft, was auch Sinn macht, da die Gruppe im Weißlicht alle Flecken zwischen den beiden Polen verloren hat. Erstaunlicherweise soll die Gesamtfläche der Gruppe auf 970 MH angestiegen sein, was wohl nur daran liegt, dass man einige der vor bzw. hinter den Polen liegenden kleinen Flecken mit eingerechnet hat. Der Augenschein auf Fotos sagt einem aber eher etwas anderes. Die AR 12216 schickt sich denn auch an, immer größer zu werden. Die AR 12209 hingegen wird nun, als sie sich dem Rand annähert, wieder aktiver. Ganze 9 Flares binnen eines Tages gingen auf ihr Konto, heute: 

01:53-02:08 UT: ein C1.4
23:25-23:31 UT: ein C1.1

Eine eigene Beobachtung war auch heute wieder nicht möglich.
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22.11.2014: Wochenende, die Hoffnung auf die erste eigene Beobachtung der AR 12209 steigt, wird aber enttäuscht, da ich die einzige Wolkenlücke des ganzen Tages nur um Haaresbreite, sprich: gut 10 Minuten, verpasst habe. Zu Hause angekommen, konnte ich nur noch sehen, wie sie gen Osten abzog. Dafür ging die Flareaktivität in der AR 12209 munter weiter:

00:06-00:51 UT: ein C2.4 
00:54-01:01 UT: ein C8.1
03:35-03:41 UT: ein C2.4
05:58-06:03 UT: ein C6.5
06:09-06:17 UT: ein C3.2 09:53-09:57 UT: ein C1.5
13:09-13:31 UT: ein C2.1
17:08-17:13 UT: ein C3.1

Im Weißlicht sind nur noch drei Fleckengruppen zu sehen, dennoch war die AR 12209 mit ihren - nun wieder geschrumpften - 900 MH nach wie vor die größte Aktive Region des Tages.
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23.11.2014: In der Nacht hat es zwischen 5:32 und 5:39 UT ein C2.4-Flare gegeben und die Fläche ist nach Angaben der NOAA wieder auf 950 MH gestiegen. Auf Fotos ist die "Löwentatze" nach wie vor gut zu sehen und südwestlich davon hat sich eine unabhängige B-Gruppe gebildet. Da solarham und solarmonitor bislang nur wenige Daten gemeldet haben, kann es heute noch einen Nachtrag geben.

Wie versprochen, der Nachtrag: Meine erste eigene Beobachtung der Fleckengruppe unter denkbar schlechten Bedingungen, dazu ein Bild, das die beiden großen Gruppen zeigt, die derzeit auf der Sonne zu sehen sind. Und es hat in der AR 12209 einen weiteren Flare gegeben: ein C3.5 zwischen 10:41 und 10:53 UT.
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24.11.2014: Langsam endet die Beobachtungsperiode der AR 12209, die schon sehr nah am Westrand steht und heute auch keinen einzigen Flare mehr produziert hat. Zwar soll ihre Fläche wieder auf 1000 MH zugenommen haben, was aber wieder nur an den vor und hinter den Polen liegenden kleineren Flecken liegen kann. Die große Penumbra im nachfolgenden Teil ist sichtbar - nicht nur perspektivisch wegen der randnahen Stellung - kleiner geworden. Spätestens in zwei Tagen ist diese Gruppe dann weitgehend um den Westrand herumrotiert und man wird sich fragen müssen, ob sie noch zu einer weiteren, der dann vierten. Rotation fähig ist.
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25.11.2014: Am heutigen Tag durften wir uns von der AR 12209 verabschieden und sie blieb weiterhin sehr enttäuschend. Wie schon bei der vorherigen Rotation als 12192 brachte sie zwar jede Menge Flares zustande, jedoch keinen einzigen mit einem Koronalen Massenauswurf. Gab es im Oktober wenigstens noch einen X-Flare, so gab es diese Mal nur einen der Klasse M und ansonsten nur solche der Klasse C und zum Abschluss nicht einmal mehr das. Ob sie die kommenden 14 Tage überstehen oder sich auflösen wird, ist nicht vorhersehbar, dass sie sich aber noch einmal so entwickeln wird wie im Oktober, ist unwahrscheinlich, da ihre Fläche immer mehr abgenommen und ihre Aktivität immer geringer geworden ist. Immerhin hat sie drei Rotationen überlebt, was in diesem Zyklus nicht sehr häufig vorkam.
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