Dienstag, 30. Dezember 2014

Sonne am 30.12.2014

Mein Erstaunen war riesengroß, als im Laufe des Vormittags mit einem Mal Wolkenlücken auftauchten, die es laut amtlichem Wetterbericht gar nicht geben sollte. Für den ganzen Tag war bedeckter Himmel und Schneefall angekündigt. Letzterer kam in der Nacht und war am Morgen wieder verschwunden. Leider kam das erste große wolkenfreie Feld um 2 Stunden zu früh, denn da stand die Sonne noch tief hinter den Nachbarhäusern. 

Gegen Mittag gab es dann weitere, allerdings kleinere, Lücken, die mir aber einen raschen Blick ermöglichten, denn gleich nach der Beobachtung musste ich zu einem zuvor vereinbarten Termin. Natürlich kam die Wolkenlücke nur sehr zögerlich voran und ich konnte den besten Teil der Auflockerung dann auch nicht mehr mitnehmen, weil ich da bereits unterwegs war.

In der Auflockerungszone war das Seeing ausgebrochen mäßig, der Rand blubberte und auf der Oberfläche verschwammen zwischendurch auch immer wieder die Details. Das reichte aber aus, um eine Relativzahl zu bestimmen. Im Norden stand die AR 12250 als J1 ganz dicht am Westrand. Des Weiteren war hier die AR 12246 als H1 zu erkennen. Im Süden konnte ich die AR AR 12247 nicht mehr finden. Die AR 12248 war eine C4 und die AR 12252 eine H1. Die Entwicklung der AR 12251 stagnierte heute ein wenig, sie war nach wie vor eine Gruppe der Klasse D und wies 10 Einzelflecke auf. Am Ostrand bemerkte ich dann noch eine neue Gruppe, die ich aufgrund des nicht besonders guten Seeings als B3 klassifizierte, weil es mir nicht möglich war, hier eine Penumbra zu erkennen.

Schnell noch das PST auf die Sonne gerichtet, denn die Zeit drängte, auf eine Beobachtung wollte ich dann aber doch nicht verzichten. Der Ostrand zeigte zwei sehr schöne Protuberanzen, eine mit einem Halbbogen, der rückwärts gerichtet und eine, deren Struktur nicht einfach zu beschreiben war. Am Westrand standen dafür 4 kleine Protübchen. Auf der Oberfläche war das große Filament verschwunden, es blieben nur 7 kleinere Exemplare zurück. Dafür konnten drei von insgesamt 5 hellen Flaregebieten als heller eingestuft werden. Eines bei der AR 12250, eines bei der AR 12251 und eines am Ostrand bei der neuen Gruppe. Kurze Zeit später musste ich die Beobachtung abbrechen, um nicht zu spät zum Termin zu erscheinen. Logisch, dass auf den Weg dorthin der Himmel kurzzeitig völlig wolkenfrei war …

Montag, 29. Dezember 2014

Sonne am 29.12.2014


Wettervorhersagen und tatsächliches Wetter gehen nicht immer Hand in Hand. Heute sollte es den ganzen Tag bedeckt sein und mehr oder wenige oft schneien, stattdessen klarte es schon am Vormittag auf - wonach ich noch mehr als 2 Stunden warten musste, bis ich die Sonne zu Gesicht bekam - und der Himmel war auch noch zur passenden Zeit kurz nach 12 Uhr weitgehend klar. Erst nach meiner Beobachtung zog es langsam wieder zu. Das Seeing war, weil ich keinen blauen Himmel hatte, sondern durch eine leicht milchige Schicht hindurchschauen musste, auch nicht so gut wie gestern noch. Vor allem der spürbar wallende Sonnenrand machte Probleme bei der Erkennbarkeit randnaher Fleckengruppen.

Das betraf im Süden besonders die AR 12249, deren Struktur nur schwer im Detail zu erkennen war und die ich als D4 klassifizierte. Die AR 12247 war nur bei näherem Hinsehen zu erkennen, ich hielt sie für eine B3. Besser sah es mit der AR 12248 als C5 und der AR 12252 als H1 aus. Kräftig weiterentwickelt hatte sich die AR 12251, die gestern noch eine B-Gruppe war und heute drei kleine Penumbren aufwies, weshalb ich sie als D11 einstufte. Im Norden standen lediglich zwei Gruppen: die AR 12246 als H1 und die AR 12250 als J1, wobei das Blubberseeing am Rand eine sichere Identifikation sehr erschwerte.

Im H-alpha machte sich die leichte Syphschicht vor der Sonne zwar bemerkbar, aber man konnte noch gerade eben viele Detail sehen. Die 8 Protuberanzen am Sonnenrand waren eher mickrig, lediglich eine im Südwesten wies eine leicht bogenförmige Struktur auf, die sich etwas weiter über dem Rand erhoben hatte und auch nur dann im PST gut zu sehen war, wenn man am Einstellrad für den Filter herumdrehte, was man sowieso bei der Beobachtung machen muss, um Details am Rand und auf der Oberfläche herauszuarbeiten.

Die Oberfläche der Sonne war denn auch weitaus interessanter, als ihr Rand. Das große Filmend im Osten war noch immer vorhanden und hatte sich sogar weiter ausgedehnt, die restlichen 11 Erscheinungen dieser Art nahmen sich denn ich gegenüber den großen Filament  recht bescheiden aus. Hauptaugenmerk waren aber die fünf Flaregebiete, die sich deutlich vom Hintergrund abhoben. Vier von ihnen wiesen sehr helle Strukturen aus, sodass hier davon auszugehen war, dass sich über kurz oder lang Flares produzieren würden. Die betraf besonders die Region um die AR 12250 war sehr hell, während die bei den Aktiven Regionen 12251 und 12252 auffällige Einzelstrukturen aufwiesen. Aus der AR 12251 schien sich sogar ein kleiner Bogen gebildet zu haben, was zu der rasanten Entwicklung der Gruppe seit gestern gut passen würde. Hier ist wohl am ehesten mit einem Flare zu rechnen.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Sonne am 28.12.2014

Ein sonniger Tag in Hamburg ist im Winter eher eine Seltenheit und wenn dann auch noch beim Auftauchen des Tagesgestirns über den Bäumen keine Wolken auftauchen, ist eine entspannte Sonnenbeobachtung angesagt. So wie heute. Das Seeing war - verglichen mit den letzten Tagen - ausgesprochen gut, nur der Sonnenrand war ein wenig in Bewegung.

Im Weißlicht hatte sich seit der letzten Beobachtung nur wenig verändert. Im Norden fand ich mit der AR 12246 als H1 und der nur sehr schwer zu beobachtenden AR 12250 als A1 lediglich zwei der insgesamt 7 Gruppen, die heute auf der Sonne zu sehen waren. Der Rest stand auf der Südhalbkugel. Eine spektakuläre Gruppe war nicht dabei, die vorhandenen Aktivitätsgebiete gehörten bis auf eine Ausnahme allesamt der niedrigen Waldmeierklassen an.

Die einzige, etwas höher entwickelte, war die AR 12249, die als D8 nah an den Westrand herangerückt war. Die zeigte zwei interessante, wenn auch winzige, Penumbren, von denen die im f-Teil nahezu in nord-südlicher Richtung orientiert war und vier kleine Umbren in ihrem Feld umschloss. Die AR 12247 war eine B3, die 12248 eine C5, die nah am Ostrand stehende 12251 eine weitere B3 und die frisch um den Rand herumrotierte 12252 eine oval geformte H1 in einem etwas größeren Fackelfeld. Von den Fackeln war erstaunlicherweise heute auch nur wenig zu sehen.

Endlich konnte ich auch wieder mal ins H-alpha schauen und dort war es durchaus interessant. Sieben Protuberanzen standen am Sonnenrand, worunter eine spitzkegelige im Südosten und eine schwebende im Nordosten zu finden war. Die Exemplare am Westrand waren eher strukturlos geformt. Auf der Oberfläche sah ich 6 helle Flaregebiete und 10 Filamente. Eines davon im Osten, das größte dieses Tages, war fast dreidimensional zu sehen und erhob sich deutlich über die Oberfläche.

Insgesamt aber war die Aktivität am heutigen Tage eher durchschnittlich, als herausragend, für die Zeit nach dem Maximum aber leider völlig normal. 

Freitag, 26. Dezember 2014

Sonne am 26.12.2014

Astronomische Beobachtungen unterliegen oft sonderbaren Eigenheiten. Sie sind naturgemäß abhängig vom lokalen Wettergeschehen und Einflüssen, die oft nicht wirklich erklärbar sind. So sollte es heute Mittag aufklaren, was auch tatsächlich passierte, allerdings erst, als die Sonne hinter meinem gegenüberliegenden Hochhaus verschwunden war. Zuvor hatten sich sämtliche Wolken im Süden versammelt und es kamen eine Zeitlang auch noch tieferliegende hinzu, ein Phänomen, das mich gerade in den letzten Wochen gut und gerne 10 bis 20 Beobachtungen gekostet hat.

Gut zwei Stunden später tauchte sie recht vom Hochhaus wieder auf und ich konnte, bis sie zu tief hinter den Bäumen stand, zumindest noch die größten Fleckengruppen erfassen. Dies waren im Norden die AR 12246 als H1 und die AR 12245 als B4 - sie war seit gestern vollkommen in sich zusammengefallen - und im Süden die AR 12249 als D12, die AR 12248 als D9 und die AR 12247 als A1. Nach der Passage des Baumes stand die Sonne wieder hinter dem Baukran und in der kurzen Phase, bis sie hinter dem zweiten Hochhaus verschwand, erkannte ich gleich mehrere kleine Flecken. Nördlich des Sonnenäquators fand ich die AR 12244 und eine weitere, ohne Bezeichnung, jeweils als A1, südlich noch eine B4 und eine B8, ebenfalls noch ohne NOAA-Nummer.

Zum Schluss wurde es hektisch. Ich setzte noch kurz mein PST auf das kleine Stativ, doch es war sinnlos geworden, weiter zu beobachten. Ein Baum ragte ins Gesichtsfeld, ebenso der Ausleger des Krans und dann machte sich auch sehr schnell die Kante des zweiten Hochhauses bemerkbar, hinter der die Sonne verschwand und kurz darauf unterging.

Eine entspannte Beobachtung sieht anders aus, doch was soll man machen, wenn man in keiner einzigen Himmelsrichtung eine wirkliche Horizontsicht hat und alles durch Bäume und Häuser vollgestellt ist. Da gibt es dann nicht nur Wolkenlückenastronomie, sondern eine solche, die durch irdische Objekte zusätzlich erschwert wird, damit es auch nicht zu einfach ist, seine tägliche Relativzahl zu bekommen.

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Sonne am 25.12.2014

Es war ein ausgesprochener Glücksfall, der mir heute eine Beobachtung bescherte. Den ganzen Morgen über zeigten sich mehr oder weniger große Wolkenlücken, doch das war, als die Sonne noch zu tief stand. Kurz nach 12 Uhr kamen aus Richtung Nordwesten in sehr schnellem Tempo abermals größere, wolkenfreie Abschnitte heran. 

Der Wind zerrte recht ordentlich an meinem kleinen Refraktor, der, wie üblich, auf der Fensterbank stand. In der Küche fiel ein Plastikbecher herunter und ein zusammengeknülltes Papiertaschentuch wurde nach draußen gewirbelt. Eigentlich die ungünstigsten Bedingungen, die man sich vorstellen konnte. Der Zettel zum Aufschreiben der Beobachtung musste mit einer schweren Thermosflasche gesichert werden. Außerdem durfte ich mich nicht allzuweit vom Teleskop entfernen, damit nicht, wie es mir vor einigen Jahren passiert ist, das Instrument vom zuwehenden Fenster nach unten geworfen wird. 

In der ersten Lücke stand die Sonne noch hinter einem Baum, bei der zweiten war sie schon weitgehend dahinter hervorgetreten und ich konnte mit der Weißlichtbeobachtung beginnen.

Gegenüber der gestrigen Beobachtung hatte sich nur wenig verändert. Die AR 12241 auf der Südhalbkugel war schon halb über dem Westrand weggewandert und eine H1. Die AR 12244 konnte der Klasse D zugeordnet werden und besaß sechs Einzelflecke. Sie war sehr langgestreckt und wies nur zwei kleine Penumbren auf. Südöstlich davon hatte sich in der Nacht eine neue D-Gruppe gebildet, die noch ohne NOAA-Nummer war und in der ebenfalls 6 Einzelflecke gezählt werden konnten. Dafür hatte sie deutlich ausgeprägter Penumbren. Im Osten standen dann noch die AR 12247 und die 12248, beide, wie gestern, jeweils eine J1. Im Norden waren dagegen nur die AR 12246 als J1 und die 12245 als B6 zu sehen, allerdings erst im letzten Moment, weil wieder aufkommende Wolken die Beobachtung empfindlich störten. So war hier die Zahl der Flecken eher geschätzt als real beobachtet.

Die Hoffnung auf eine H-alpha-Beobachtung erfüllte sich nicht, weil die nachfolgenden Wolkenlücken alle an der Sonne vorbeiliefen oder erst die Position der Sonne trafen, als diese wieder hinter meinen Hochhaus stand. 

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Sonne am 24.12.2014


Es ist kaum zu glauben und kommt einem Weihnachtswunder gleich: Nach 10 Tagen ohne die geringste Aussicht auf eine Sonnenbeobachtung gelang mir heute endlich wieder ein Blick auf unser Tagesgestirn. Freilich nicht, ohne dabei keines der bekannten Murphys auszulassen. Die ersten Wolkenlücken zeigten sich – natürlich – erst, nachdem die Sonne hinter dem ersten nervigen Hochhaus stand. Die nächste kam, als sie rechts davon hinter einem Baum stand und die dritte, als sie von einem Baukran verdeckt wurde.

Diese Chance konnte ich - allerdings erst nach einem zwischenzeitlichen Regenguss - insofern nutzen, weil sich die Flecken zwischen den einzelnen Streben des Kran zeigten. Kaum hatten sie das Hindernis passiert, zog eine Wolkenschicht exakt vor die Sonne, während der Himmel darüber und darunter – natürlich - klar war. Sie zeigte sich dann erst wieder, als sie vom zweiten Hochhaus verdeckt war. Irgendwie gelang es mir in den einzelnen Phasen, wo ich die Sonne sehen konnte, die meisten Fleckengruppen zu erfassen. Das Seeing war überdies auch eher mittelmäßig, doch für eine kurze Relativzahlbestimmung reichte es dann am Ende.

Von der hohen Aktivität in der letzten Woche hatte ich – natürlich – nur etwas über diverse Internetquellen mitbekommen. Eigene Beobachtungen blieben mir - natürlich – versagt. Die heutige Aktivität im Weißlicht war denn auch sehr übersichtlich. Am Westrand standen auf der Nordhälfte die AR 12241 als H1, die AR 12244 als D4, die AR 12245 als B4 und die AR 12246 als J1. Im Süden waren mit der AR 12247 und der AR 12248 nur zwei weitere J1-Gruppen auf die Schnelle zu finden. Die AR 12242 gehörte jedoch nicht dazu. Kurz nach dem ersten Kontakt der Sonne mit dem zweiten Hochhausschatten musste ich abbauen, weil mich ein neuerlicher Regenscauer dazu zwang, als ob man dieser Tage noch nicht schon genug davon bekommen hätte. Eine H-alpha-Beobachtung war unter diesen Umständen – natürlich – wieder einmal nicht möglich.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Sonne am 14.12.2014

Wäre es nach der Wettervorhersage bei wetteronline.de gegangen, hätte der Tag den typischen Verlauf eines mitteleuropäischen Spätherbsttages nehmen sollen: grau, trüb und ohne die geringste Aussicht auf ein paar Stunden Sonnenschein. Dies war noch vor wenigen Tagen für den 3. Advent prognostiziert worden. Doch es kam mal wieder alles ganz anders und endlich auch mal positiv. Gegen Mittag begannen sich erste Lücken in der dichten Wolkendecke zu zeigen und gegen Mittag, kurz bevor ich mit dem Essen begann, wurde es richtig sonnig. 

Da ich die frisch zubereitete Mahlzeit nicht unterbrechen wollte, dachte ich an meine zahlreichen Murphys, die dafür sorgten, dass der Himmel immer dann klar war, wenn ich nicht beobachten konnte. Zum Glück kam es anders und so konnte ich entspannt das Teleskop auf die Fensterbank stellen und mit der Beobachtung im Weißlicht beginnen. Das Seeing war ganz passabel, zeigte zwar am Sonnenrand heftige Bewegungen, dafür war die Oberfläche ziemlich ruhig.

Die Sonne war heute im Weißlicht sehr fleckenreich und zeigte 12 Gruppen unterschiedlicher Klassen. Im Norden standen exakt am Westrand die AR 12227, die ich als J1 klassifizierte. Ihr folgte die AR 12234 als C2, die AR 12232 als B3 und die AR 12236 als H2. Daneben gab es hier noch eine D11 und eine D8 ohne NOAA-Kennung. Zum Süden zählten von Ost nach West zunächst drei Gruppen ohne Nummer: eine D3, eine B2 und eine J2. Die erste „offizielle“ war die AR 12237 als J1 und die AR 12235 als H1 sowie die AR 12230 als D7, die nur aus einer, dafür aber langen, Penumbra bestand.

Die Wolkenlücken wurde immer beständiger, daher baute ich noch mein PST auf, um mir die Aktivität im H-alpha anzuschauen. Im Osten waren zwei größere Protuberanzen und ein über dem Rand schwebendes Materiewölkchen zu sehen. Vier kleine Erhebungen gab es am Westrand. Die Oberfläche wies 7 Filamente auf,  aber nur eines war wirklich groß zu nennen. Dafür waren hier 8 Flaregebiete zu sehen, die der Sonne ein leicht gesprenkeltes Aussehen verliehen. Und im Südosten, hinter der AR 12237, schien sich gerade eine größere Aktivität zu entwickeln. Leider konnte ich das nicht weiter verfolgen, weil nur Minuten später die Sonne hinter meinen Hochhaus verschwand und ich keine weitere Möglichkeit zur Beobachtung hatte. 

Die AR 12237 ist übrigens der klägliche Rest der AR 12209, die im November und Oktober noch locker mit bloßem Auge zu sehen war und nunmehr seit September ihren vierten (!) Umlauf absolviert. Das hat in diesem Zyklus Seltenheitswert. Da sie nun arg zusammengefallen ist, dürfte fraglich sein, ob sie den jetzigen Durchlauf überhaupt unbeschadet überstehen wird. Im H-alpha gehört die jedenfalls zu den 8 Flaregebieten, die heute zu sehen waren.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Sonne am 07.12.2014

Es war ausgesprochenes Glück, dass ich heute zu einer Beobachtung gekommen bin. Angekündigt war ein stürmischer und regnerischer Tag, der keinerlei Hoffnung auf eine Sichtung der Sonne aufkommen lassen sollte. Kurz nach 11 Uhr MEZ zeigten sich aber erste größere Lücken in der Wolkenschicht und kurz vor 12 Uhr ergab sich ein größeres Wolkenloch, in dem der Himmel aber nicht blau, sondern hellweiß war. Man sah im Okular auch einen ständigen Schleier, der aber so dünn war, dass man im Weißlicht einfach hindurchsehen konnte. Das Seeing war einen Hauch besser als gestern, was dazu führte, dass ich kleine Gruppen trotz des Syphs sehen konnte.

Die AR 12222 mit seiner umfassenden und kompakten Penumbra, der die ganze Gruppe umschloss, stand im Süden ganz am Sonnenrand und wurde von mir als D4 geschätzt, weil ein wirkliches Zählen unter den gegebenen Umständen nicht möglich war. Die AR 12227 war heute eine H1 mit einer ovalen Penumbra. Dahinter hatte sich eine kleine D-Gruppe mit 4 Flecken gebildet, die noch keine NOAA-Nummer erhalten hatte. Ob sie eine Erweiterung der AR 12227 darstellte oder eine eigene Gruppe bildete, konnte nicht eindeutig geklärt werden, weshalb ich sie als zwei Gruppen wertete. Schwieriger wurde es mit der AR 12229, die ich nur per Zufall fand und als A1 klassifizierte. In Richtung Ostrand stand, immer noch nahe des Sonnenrandes, die AR 12230. Nur durch die Randverdunkelung war ihr Kontrast hoch genug, damit ich sie trotz Syph überhabt finden konnte. Ich schätzte sie - mehr war während der ganzen Beobachtungszeit nicht möglich - als B2 ein.

Aufgrund der Witterungsbedingungen war an eine H-alpha-Beobachtung nicht einmal zu denken.

Nachtrag: Kaum gepostet, riss die Wolkendecke noch einmal auf und ermöglichte nun doch eine H-alpha-Beobachtung. Die Aktivität in diesem Wellenlängenbereich war auch heute ziemlich gering. Am Rand fand ich nur 8 Protuberanzen, davon nur eine größere im Nordwesten. Auf der Oberfläche gab es kaum Filamente, ich fand jedenfalls nur 5 Stück, wobei im Nordosten eines ein wenig über den Rand hinausragte, und vier schwache Flaregebiete. 

Samstag, 6. Dezember 2014

Sonne im November 2014

Nach dem doch recht furiosen Oktober erwartete man im November einen ähnlichen Verlauf der Sonnenaktivität und in der Tat verlief sie auf vergleichsweise hohem Niveau. Für den ambitionierten Sonnenbeobachter war der Monat allerdings eher schlecht, denn nur zu Monatsanfang konnte man als Arbeitnehmer noch ein paarmal beobachten, für diejenigen, die nicht dazu zählten, sah es ein wenig besser aus. Der niedrige Stand der Sonne selbst zur Mittagszeit und die Tatsache, dass das Wetter in vielen Fällen überhaupt nicht mitspielte und man etwa seit Mitte November im Norden unter einer beständigen, dicken Hochnebelschicht saß, tat ein Übriges, um einem die Beobachtungstätigkeit gründlich zu vermiesen.

Dabei gab es einiges zu sehen, spätestens, als pünktlich zu Karnevalsbeginn am 11.11. auch die alte AR 12192 wieder auftauchte, die Nummer 12209 bekam zu ihrem 3. Umlauf ansetzte. Sie war dieses Mal jedoch deutlich kleiner und kam gerade mal auf 1000 MH – kein Vergleich zu den Werten vom Oktober. Davor gab es zwar eine Vielzahl von Fleckengruppen, aber immer nur solche der unteren Waldmeierklassen – wie so oft in den letzten Monaten zu beobachten war. So wurden Relativzahlen um die 100,0 zum wiederholten Male nur durch eine hohe Zahl an Gruppen erreicht, während die Zahl der Einzelflecke gering blieb. Am 5. erschien im Norden mit der AR 12205 die erste größere Gruppe des Monats. Sie wies eine etwas verwirrende Struktur auf, konnte aber gleich der Klasse E zugeordnet werden. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Gruppen.

Alle bisherigen Aktiven Regionen waren nach Westen gerückt und bis auf die AR 12205 wirkte die Sonne in jenen Tagen regelrecht leergefegt. Diese Gruppe entwickelte sich aber schon nach wenigen Tagen zurück und verlor von Tag zu Tag an Substanz. Ab dem 11. gehörte sie dann auch nur noch zur Klasse D. Dafür übernahm an diesem Tag die AR 12209 auf der Südhalbkugel den Staffelstab und war als F-Gruppe an mehreren Tagen auch ohne Probleme bei Nebel oder durch eine Sonnenfinsternisbrille hindurch mit bloßem Auge zu sehen. Doch wer jetzt auf eine weitere Steigerung der Sonnenaktivität gehofft hatte, sah sich ein ums andere Mal wieder enttäuscht. Sie wies zwar an einigen Tagen ein recht bizarres Aussehen auf, was jemand mit einer Bärentatze verglich, dafür wurde es in der Umgebung sehr einsam, die Zahl der Fleckengruppen ging bis zum 22. auf nur noch 3 zurück, während die Gruppe selbst auch immer kleiner wurde und an manchen Tagen recht zerrupft aussah. Am 22. Tauchte am Ostrand mit der AR 12216 eine weitere, größere Fleckengruppe auf, die zur Klasse D nach Waldmeier gehörte, aber überraschend große und dicke Penumbren aufwies, da sich die Einstufung in eine Klasse nach der Länge in heliographischen Graden richtet und nicht nach der Größe einzelner Teile in der Aktiven Region. Am 23. war dann der Norden völlig fleckenfrei, während die AR 12209 an diesem Tag die Penumbra im p-Teil verloren hatte.

Nach deren Verschwinden am 26. nahm die Zahl der Fleckengruppen wieder zu und kletterte auf 9 am 29. Insgesamt stieg die Aktivität also wieder deutlich an. Die am 24. am Ostrand aufgetauchte AR 12217 stieg am 26. zur Klasse E auf, aber nur bis zum 29, dann war sie wieder eine C. Merkwürdig an dieser Gruppe war, das sie nur wenige bis gar keine Penumbra ausbildete und nur aufgrund ihrer enormen Länge der Klasse E zugeordnet wurde. Etwas anders war es bei der am 25. aufgetauchten AR 12219. Diese wies, auf der Nordhalbkugel die Sonne umlaufend, zwei deutliche Penumbren auf, dafür war die Zahl der Flecken dazwischen eher gering. Dafür hielt sie die Klasse bis zum Monatsende. Als dritter großen Gruppe in diesem Zeitraum gehörte die AR 12222 ebenfalls der Klasse E an. Sie konnte erstmals am 27. gesehen werden und bestand ebenfalls über den Monatswechsel hinaus und war die einzige, die diesen überlebte.

Im H-alpha bot sich ein Bild, das teilweise so gar nicht zu der Aktivität im Weißlicht passte. Die AR 12209 blieb, wie bei den beiden vorangegangenen Umläufen, weitgehend inaktiv und es gab nur 17 M- und ein X-Flare im ganzen Monat. Am 3. war der erste größere Ausbruch zu sehen, ein M2.2, der um 11:53 UT am nordöstlichen Sonnenrand aufleuchtete, dem um 22:40 UT ein M6.5 folgte, der einen 9 minütigen Tenflare mit 180 sfu und einem Typ II Radiosturm im Gepäck hatte, dessen Teilchen auf 612 km/s beschleunigt wurden. Das Ganze war denn auch verbunden mit einem ordentlichen CME. Ursprungsort war die neue AR 12205, wo am 4. zwei weitere M-Flares aufstiegen: um 8:38 UT ein M2.6 und ein M2.3 um 09:04 UT. Diese im Weißlicht gar nicht mal so auffällige Gruppe zeigte im H-alpha ein vollkommen anderes Gesicht, denn sie produzierte munter weitere Flares: am 5. um 9:47 UT ein M7.9 samt 6 minütigem Tenflare, 229 sfu und einem Typ II-Radiosturm, dessen Teilchen auf Spitzengeschwindigkeiten von 819 km/s kamen und um 19:44 einen M3.0.

Der 6. brachte um 3:46 UT einen M5.4, der 7. um 17:26 UT einen X1.6-Flare samt Typ II-Radiosturm (Teilchengeschwindigkeit 602 km/s). Dieser führte am 10. zu einem moderaten geomagnetischen Sturm der Klasse G2. Die AR 12205 blieb danach weiter aktiv und erzeugte am 9. um 15:32 UT einen M2 sowie eine Vielzahl kleinerer C-Flares. An der Stelle, an der einen Tag später die AR 12208 auftauchte, gab es am 9. im H-alpha um 8:00 UT ein gigantisches eruptives Filament zu sehen sowie in der AR 12205 einen M2-Flare. Dafür wurde die AR 12209 nun ein Hort – geringfügiger – Unruhe. Am 15. wurde zwischen 11:40 und 12:03 UT ein M3.2-Flare registriert sowie zwischen 20:38 und 20:46 UT ein M3.7, der verbunden mit einem 8minütigen Tenflare, der es auf 229 sfu brachte. Am 16. gab es hier zwischen 17:35 und 17:57 UT einen M5.7-Flare, der verbunden war mit einem kurzen Radiosturm (Typ R2) und einem 1-minütigen Tenflare (Wellenlänge 10,7 cm), der zu einem kurzfristigen Anstieg des von der Sonne ausgehenden Teilchenstroms auf 300 sfu führte. Dem folgte um 20:46 UT noch ein M3.7.

Am 17. gab es zwischen 17:35 und 17:57 einen M5.7 zu sehen, der mit einem kurzen Radiosturm (Typ R2) und einem 1-minütigen Tenflare (Wellenlänge 10,7 cm) assoziiert war, der zu einem kurzfristigen Anstieg des von der Sonne ausgehenden Teilchenstroms auf 300 sfu führte. Danach konnten im November keine M-Flares mehr registriert werden, dafür aber am 18. ein weiteres, eruptives Filament. Die Kanzelhöhe kam im ganzen Monat neben der bereits erwähnten Anzahl von M- und X-Flares noch auf 363 Subflares, 24 Imp.-1 Flares, zwei Imp.-2 Flares und ein Imp.-3 Flare im optischen Bereich und 151 C-Flares im Röntgenlicht.

Sonne am 06.12.2014

Endlich hatte einmal alles gepasst: Der fast eine Woche andauernde Hochnebel hatte sich verzogen und gegen Mittag kam auch die Nikolaus-Sonne raus und ich war rechtzeitig wieder zu Hause, um sie beobachten zu können, bevor sie hinter einem meiner beiden Hochhäuser verschwinden würde.

Der Himmel wurde von Minute zu Minute klarer, weil eine kleine Hochdruckzone aus Nordwesten herankam, die zur Zeit noch einen klaren Himmel beschert. Das Seeing war allerdings grausig, wenn auch für wenige Sekunden das Bild stand und man dadurch auch kleine Gruppen erkennen konnte. Manchmal wurde man auf diese erst dadurch aufmerksam, dass sich im allgemeinen Seeinggeblubber Strukturen wie durch ein Vergrößerungsglas zeigten und die auch dann noch da waren, als sich die Luft ein wenig beruhigt hatte. Dieses Phänomen ist zwar bekannt, ich habe es selber aber auch nur selten beobachtet. Heute war es von Vorteil.

Als erstes erkannte ich im Süden die beiden einzigen Fleckengruppen mit Penumbra, die AR 12222, die ich als D3 klassifizierte und die aus einer einzigen, langgestreckten Penumbra bestand, und die AR 12227, die ich für eine H2 hielt, was aber auch am Seeing gelegen haben kann. Bisweilen sah ich zwei deutlich getrennte Umbren, dann wieder nur eine. Es war schwer zu entscheiden, was hier Wirklichkeit und was nur vorgetäuscht war. Dann erkannte ich im Norden noch die AR 12218 als J1, die aber spätestens morgen um den Westrand herumrotiert sein wird. Dann machte ich mich auf die Suche nach den kleinen Gruppen, was sehr schwer war und nur in den wenigen Sekunden ruhiger Luft oder paradoxerweise beim Durchzug dünnerer Wolken gelang. So fand ich die AR 12228 als A1, die AR 1225 ebenfalls als A1, eine unterhalb der AR 1227 stehende B3 ohne NOAA-Nummer und, ganz zum Schluss, eine nah am Ostrand stehende B2 in einem Fackelfeld, ebenfalls noch ohne Nummer.

Da noch Zeit blieb, bis das Hochhaus mit die letzte Chance auf eine Beobachtung nehmen würde, baute ich schnell das PST auf. Im H-alpha zeigte sich allerdings keine besonders aufgepägte Aktivität. Am Rand sah ich mit Mühe, weil das schlechte Seeing hier noch stärker durchschlug, als im Weißlicht, magere 8 Mini-Protübchen – nur je eine im Südosten und eine im Nordwesten waren überhaupt erwähnenswert -, während auf der Oberfläche 6 kleine Filamente und 5 Flaregebiete auszumachen waren, wobei nur das rund um die AR 12226 befindliche wirklich hell war. Hier hatte es am 4. um 18:25 den bislang letzten großen Flare gegeben, ein M6.1. Nur Stunden vorher, um 8:10 UT war hier ein M1.3 aufgestiegen und am 5. hatte es um 11:33 UT einen M1.5-Flare gegeben.

Montag, 1. Dezember 2014

Sonne am 01.12.2014

Unverhoffte Beobachtungen seien die besten, hat jemand mal behauptet. Zumindest heute könnte der unbekannte Autor dieser Behauptung recht behalten. Dabei war für heute eigentlich ein sehr sonniger Tag angekündigt worden, was jedoch zunächst blieb war die seit Wochen andauernde und nervender Hochnebelepampe. 

Gegen Mittag klarte es das erste Mal auf, aber da saß ich noch bei meinem Hausarzt. Die zweite Gelegenheit verstrich, als ich wieder nach Hause kam und die Sonne gerade  hinter dem Hochhaus verschwunden war. Ewig das selbe Spiel des Schotten, langsam wird es langweilig. Daher hatte ich den Tag schon abgeschrieben, doch dann kam die Sonne rechts vom Hochhaus wieder raus und war für exakt zwei Minuten zu sehen, bis sie hinter einem Baum verschwand und weitere Beobachtungen nicht möglich waren. Daher kam ich heute auch wieder nur zu einer Weißlicht- und nicht zu einer H-alpha-Beobachtung (die letzte ist schon fast einen Monat her).

Eigentlich hätte die derzeitige Aktivität eine genauere Beobachtung verdient, aber wenn man in keiner Himmelsrichtung einen freien Blick zum Horizont hat, muss man sich in den wenigen Augenblicken freier Sicht auf die Sonne halt beeilen. Aber ganz ohne den Blick durch die Äste der Bäume ging es dann halt doch nicht.

Der erste Blick der hinter dem Hochhaus hervorkommenden Sonne zeigte im immer noch vorhandenen Hochnebel einen heftig wallenden Sonnenrand mit regelrechten Einkerbungen, Dellen und Löchern. Das Seeing bei den -4° Außentemperaturen war grausig. Dennoch erkannte ich 9 Fleckengruppen. Als erstes sah ich im Süden die große AR 12222 als F 14, ihr folgte eine D8 ohne Nummer, dann die AR 12217 als D5 und die AR 12216 als H1 und die AR 12220 als A1. Im Norden standen die AR 12221 als E14, die AR 12218 als H1 und die AR 12223 als A1 sowie die AR 12219 als H2. Die letzten Gruppen erkannte ich erst, als die Sonne schon fast vollständig von den Ästen verdeckt war. Die Chance, die Sonne rechts vom Baum zu sehen, wurde durch neuerliche Hochnebelschwaden zunichte gemacht. Und in der ganzen Zeit war der Himmel in Richtung Norden dunstig, aber wolkenfrei …