Samstag, 6. Dezember 2014

Sonne im November 2014

Nach dem doch recht furiosen Oktober erwartete man im November einen ähnlichen Verlauf der Sonnenaktivität und in der Tat verlief sie auf vergleichsweise hohem Niveau. Für den ambitionierten Sonnenbeobachter war der Monat allerdings eher schlecht, denn nur zu Monatsanfang konnte man als Arbeitnehmer noch ein paarmal beobachten, für diejenigen, die nicht dazu zählten, sah es ein wenig besser aus. Der niedrige Stand der Sonne selbst zur Mittagszeit und die Tatsache, dass das Wetter in vielen Fällen überhaupt nicht mitspielte und man etwa seit Mitte November im Norden unter einer beständigen, dicken Hochnebelschicht saß, tat ein Übriges, um einem die Beobachtungstätigkeit gründlich zu vermiesen.

Dabei gab es einiges zu sehen, spätestens, als pünktlich zu Karnevalsbeginn am 11.11. auch die alte AR 12192 wieder auftauchte, die Nummer 12209 bekam zu ihrem 3. Umlauf ansetzte. Sie war dieses Mal jedoch deutlich kleiner und kam gerade mal auf 1000 MH – kein Vergleich zu den Werten vom Oktober. Davor gab es zwar eine Vielzahl von Fleckengruppen, aber immer nur solche der unteren Waldmeierklassen – wie so oft in den letzten Monaten zu beobachten war. So wurden Relativzahlen um die 100,0 zum wiederholten Male nur durch eine hohe Zahl an Gruppen erreicht, während die Zahl der Einzelflecke gering blieb. Am 5. erschien im Norden mit der AR 12205 die erste größere Gruppe des Monats. Sie wies eine etwas verwirrende Struktur auf, konnte aber gleich der Klasse E zugeordnet werden. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Gruppen.

Alle bisherigen Aktiven Regionen waren nach Westen gerückt und bis auf die AR 12205 wirkte die Sonne in jenen Tagen regelrecht leergefegt. Diese Gruppe entwickelte sich aber schon nach wenigen Tagen zurück und verlor von Tag zu Tag an Substanz. Ab dem 11. gehörte sie dann auch nur noch zur Klasse D. Dafür übernahm an diesem Tag die AR 12209 auf der Südhalbkugel den Staffelstab und war als F-Gruppe an mehreren Tagen auch ohne Probleme bei Nebel oder durch eine Sonnenfinsternisbrille hindurch mit bloßem Auge zu sehen. Doch wer jetzt auf eine weitere Steigerung der Sonnenaktivität gehofft hatte, sah sich ein ums andere Mal wieder enttäuscht. Sie wies zwar an einigen Tagen ein recht bizarres Aussehen auf, was jemand mit einer Bärentatze verglich, dafür wurde es in der Umgebung sehr einsam, die Zahl der Fleckengruppen ging bis zum 22. auf nur noch 3 zurück, während die Gruppe selbst auch immer kleiner wurde und an manchen Tagen recht zerrupft aussah. Am 22. Tauchte am Ostrand mit der AR 12216 eine weitere, größere Fleckengruppe auf, die zur Klasse D nach Waldmeier gehörte, aber überraschend große und dicke Penumbren aufwies, da sich die Einstufung in eine Klasse nach der Länge in heliographischen Graden richtet und nicht nach der Größe einzelner Teile in der Aktiven Region. Am 23. war dann der Norden völlig fleckenfrei, während die AR 12209 an diesem Tag die Penumbra im p-Teil verloren hatte.

Nach deren Verschwinden am 26. nahm die Zahl der Fleckengruppen wieder zu und kletterte auf 9 am 29. Insgesamt stieg die Aktivität also wieder deutlich an. Die am 24. am Ostrand aufgetauchte AR 12217 stieg am 26. zur Klasse E auf, aber nur bis zum 29, dann war sie wieder eine C. Merkwürdig an dieser Gruppe war, das sie nur wenige bis gar keine Penumbra ausbildete und nur aufgrund ihrer enormen Länge der Klasse E zugeordnet wurde. Etwas anders war es bei der am 25. aufgetauchten AR 12219. Diese wies, auf der Nordhalbkugel die Sonne umlaufend, zwei deutliche Penumbren auf, dafür war die Zahl der Flecken dazwischen eher gering. Dafür hielt sie die Klasse bis zum Monatsende. Als dritter großen Gruppe in diesem Zeitraum gehörte die AR 12222 ebenfalls der Klasse E an. Sie konnte erstmals am 27. gesehen werden und bestand ebenfalls über den Monatswechsel hinaus und war die einzige, die diesen überlebte.

Im H-alpha bot sich ein Bild, das teilweise so gar nicht zu der Aktivität im Weißlicht passte. Die AR 12209 blieb, wie bei den beiden vorangegangenen Umläufen, weitgehend inaktiv und es gab nur 17 M- und ein X-Flare im ganzen Monat. Am 3. war der erste größere Ausbruch zu sehen, ein M2.2, der um 11:53 UT am nordöstlichen Sonnenrand aufleuchtete, dem um 22:40 UT ein M6.5 folgte, der einen 9 minütigen Tenflare mit 180 sfu und einem Typ II Radiosturm im Gepäck hatte, dessen Teilchen auf 612 km/s beschleunigt wurden. Das Ganze war denn auch verbunden mit einem ordentlichen CME. Ursprungsort war die neue AR 12205, wo am 4. zwei weitere M-Flares aufstiegen: um 8:38 UT ein M2.6 und ein M2.3 um 09:04 UT. Diese im Weißlicht gar nicht mal so auffällige Gruppe zeigte im H-alpha ein vollkommen anderes Gesicht, denn sie produzierte munter weitere Flares: am 5. um 9:47 UT ein M7.9 samt 6 minütigem Tenflare, 229 sfu und einem Typ II-Radiosturm, dessen Teilchen auf Spitzengeschwindigkeiten von 819 km/s kamen und um 19:44 einen M3.0.

Der 6. brachte um 3:46 UT einen M5.4, der 7. um 17:26 UT einen X1.6-Flare samt Typ II-Radiosturm (Teilchengeschwindigkeit 602 km/s). Dieser führte am 10. zu einem moderaten geomagnetischen Sturm der Klasse G2. Die AR 12205 blieb danach weiter aktiv und erzeugte am 9. um 15:32 UT einen M2 sowie eine Vielzahl kleinerer C-Flares. An der Stelle, an der einen Tag später die AR 12208 auftauchte, gab es am 9. im H-alpha um 8:00 UT ein gigantisches eruptives Filament zu sehen sowie in der AR 12205 einen M2-Flare. Dafür wurde die AR 12209 nun ein Hort – geringfügiger – Unruhe. Am 15. wurde zwischen 11:40 und 12:03 UT ein M3.2-Flare registriert sowie zwischen 20:38 und 20:46 UT ein M3.7, der verbunden mit einem 8minütigen Tenflare, der es auf 229 sfu brachte. Am 16. gab es hier zwischen 17:35 und 17:57 UT einen M5.7-Flare, der verbunden war mit einem kurzen Radiosturm (Typ R2) und einem 1-minütigen Tenflare (Wellenlänge 10,7 cm), der zu einem kurzfristigen Anstieg des von der Sonne ausgehenden Teilchenstroms auf 300 sfu führte. Dem folgte um 20:46 UT noch ein M3.7.

Am 17. gab es zwischen 17:35 und 17:57 einen M5.7 zu sehen, der mit einem kurzen Radiosturm (Typ R2) und einem 1-minütigen Tenflare (Wellenlänge 10,7 cm) assoziiert war, der zu einem kurzfristigen Anstieg des von der Sonne ausgehenden Teilchenstroms auf 300 sfu führte. Danach konnten im November keine M-Flares mehr registriert werden, dafür aber am 18. ein weiteres, eruptives Filament. Die Kanzelhöhe kam im ganzen Monat neben der bereits erwähnten Anzahl von M- und X-Flares noch auf 363 Subflares, 24 Imp.-1 Flares, zwei Imp.-2 Flares und ein Imp.-3 Flare im optischen Bereich und 151 C-Flares im Röntgenlicht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen