Freitag, 6. Februar 2015

Die Sonne im Januar 2015

Das neue Jahr begann wie das alte aufgehört hatte: Kamen größere Fleckengruppen, verzogen sich die kleineren. Mit der AR 12253, die am Silvestertag 2014 auf der Südhalbkugel das erste Mal mit einer ziemlich wirren Struktur am Ostrand zu sehen gewesen war, konnte die erste größere Gruppe 2015 verzeichnet werden, denn sie überschritt bei Jahreswechsel die Waldmeierklasse D und wurde zur E, die in den kommenden Tagen das Geschehen auf der Sonne beherrschen sollte. Alle anderen aktiven Regionen kamen nur noch bis zur Klasse D und ab dem 5. Januar verringerte sich auch die Zahl der Fleckengruppen insgesamt. 

Nach der Passage des Zentralmeridians bildete sich die AR 12253 schrittweise zurück, verlor einen Großteil ihrer Penumbren und sah am 9., dann schon ziemlich zerfleddert aus. Von ihrem einstmals ohnehin nicht sehr großen Glanz war am Ende nicht mehr viel übrig geblieben. Dennoch wurde sie zunächst – aufgrund ihrer Längenausdehnung – bis zum 8. der Klasse F zugeordnet, danach der Klasse E. Die nächste größere Gruppe war – wieder im Süden – die AR 12259, die just an dem Tag auftauchte, als die AR 12253 am Westrand verschwand. Sie erhielt die Nummer 12259 und war vom ersten Tag an als E-Gruppe auszumachen, obwohl sie keine besonders herausragende Form vorzuweisen hatte. 

Und so war ein ums andere Mal wieder nur die Länge in heliographischen Graden Ausschlag geben für die Klassifizierung. Sie wirkte insgesamt eher wie eine vergrößerte D-Gruppe mit wenig Flecken zwischen den beiden Hauptflecken. Im p-Teil gab es kaum Veränderungen, hier war lediglich eine kleine Penumbra zu sehen, während der f-Teil sich kurzfristig ausdehnte, eine etwas komplexere Penumbra zeigte. Am 14. war dann plötzlich der p-Teil komplett verschwunden und die Gruppe auf die Stufe D (wieso eigentlich nicht H?) zurückgefallen. Fünf Tage später war sie nur noch eine C-Gruppe und am 20. nur noch eine H. Einen Tag später suchte man vergeblich nach ihr. Quasi in deren Schatten war auf der Nordhalbkugel am 6. die AR 12257 entstanden, die sich binnen weniger Tage rasch entwickelte und dabei an beiden Polen große Penumbren ausbildete. 

Leider reichte anfangs ihre Längsausdehnung nicht aus, um höher als D eingestuft zu werden. Dies war erst möglich, als sie schon fast wegrotiert war, denn erst ab dem 11. gehörte sie zu dieser Klasse und am 14 war am Westrand nichts mehr von ihr zu sehen. Nach dem 9. waren ihre Penumbren zunehmend zerfasert und zerfielen in mehrere Hofgebiete, die zum Teil nur rudimentär zu sehen waren. Ihre Struktur wurde auch immer wirrer, je näher sie sich dem Westrand annäherte. Unterdessen hatte die AR 11255, am 1. Januar am Ostrand als H-Gruppe sichtbar geworden, am 4. zur Klasse C und am 5. zur D aufgestiegen, zwischenzeitlich wieder auf H zurückgefallen, am 11. dann zur Klasse E entwickelt. Es war ein neuer f-Teil entstanden, der eine bizarre Struktur offenbarte. Dass sich Flecken wieder zurückbilden, um dann eine neue Struktur aufzubauen, sieht man auch nicht alle Tage. Daher gibt es zumindest den Anfangsverdacht, dass hinter der alten H eine ganz neue Gruppe entstanden ist, die man der Einfachheit halber mit der alten Nummer verknüpft hat. Schon einen Tag später fiel sie auch prompt wieder auf die Stufe D zurück, die sie bis zu ihrem Verschwinden am 14. beibehielt. Danach entwickelte sich die Sonnenaktivität für ein paar Tage stark zurück, bis am 18. nur noch drei Fleckengruppen zu sehen waren, die allesamt über die Nordhalbkugel liefen, während gleichzeitig der Süden fleckenfrei blieb. Erst am 22. stieg die Aktivität mit dem Auftauchen der AR 12268 auf der Südhalbkugel wieder spürbar an. 

Zwei Tage später war sie in ihrer vollen Länge als E-Gruppe zu sehen, wies zwei deutliche Zentren mit Penumbren auf, zwischen denen sich viele kleine Einzelflecken gebildet hatten. Sie wurde zur dominantesten Gruppe des restlichen Monats auf der ganzen Sonne und kletterte am 27 sogar auf die Stufe F. An diesem Tag sprang die Aktivität auch wieder richtig an und die Zahl der Gruppen stieg von 3 am 25. auf 8 am 30. neben der AR 12268 entwickelte sich auch die AR 12777, die erstmals am 28. zu sehen war. Bei beiden Gruppen war ein Merkmal ihre ganz enorme Länge, die den Verdacht nährte, dass es sich in beiden Fällen in Wirklichkeit um zwei dicht beieinander stehende Regionen handelte. Der Monat brachte insgesamt nur 24 neue Fleckengruppen hervor, was auch als Hinweis auf einen bereits wieder erlahmenden Sonnenfleckenzyklus gedeutet werden darf.

Im Hα war die Sonne in den ersten Wochen des neuen Jahres angesichts einiger großer Fleckengruppen erstaunlich ruhig, es gab einige C-Flares, aber nur wenige der Klasse M. Das erste größere Ereignis fand am 3. um 9:57 UT statt, als aus der AR 12253 ein M1.1-Flare aufstieg, dem am 4. um 15:36 UT ein M1.3 folgte. Am 3. wurde außerdem ein kurzer geomagnetischer Sturm der Klasse G1 gemessen; die Geschwindigkeit des Sonnenwinds erhöhte sich dadurch kurzfristig auf 400 km/s. Am 5. registrierten die SDO-Satelliten sowohl im Norden, als auch im Süden je ein Koronaloch

Am 12. stieg aus der Gegend rund um die AR 12261 kurz nach 15:00 UT ein eruptives Filament auf, das sogar mal mit einem leichten koronalen Massenauswurf (CME) verbunden war, die in den letzten Monaten bei großflächigen Regionen eher die Ausnahme als die Regel waren. Die AR 12257 produzierte am 13. um 4:24 UT genau am Westrand einen M5.6-Flare, den größten des ganzen Monats und war verknüpft mit einem kurzen, aber intensiven Tenflare (10,7cm Wellenlänge). Nur eine knappe halbe Stunde später, um 4:58 UT stieg hier ein M4.9-Flare auf. Einen Tag später, am 14. um 12:58 UT kam aus der AR 12257 ein M2.2-Flare hervor, während am 17. wiederum zwei Koronalöcher beobachtet wurden. 

Erst am 22. um 4:52 UT wurde in der neuen AR 12268 der nächste Flare, ein M1.4, registriert. Danach vergingen 5 Tage ohne Flares. Die sich noch hinter dem Ostrand befindliche alte AR 12257 kündigte sich einen Tag vor ihrer erneuten Sichtbarkeit (als AR 12777) mit einer heftigen Eruption an. Vorher erzeugte die AR 12268 am 28. um 4:41 UT einen M1.4-Flare. Am 28. kam um 21:37 UT aus der AR 12277 ein M1.0, dem am 30. um  12:16 UT ein M2.4 folgte, während zuvor die AR 12268 um 0:44 UT für einen M2.0 verantwortlich war. Der Monatsletzte brachte dann noch abschließend ein Koronaloch im Süden sowie ein aktiv-eruptives Filament unweit davon zustande. Mit insgesamt nur 10 M-, zahlreichen C- und keinem X-Flare gehörte der Januar eher zu den schwächeren Monaten im H-alpha. Dazu passt denn auch der Monatsbericht des Sonnenobservatoriums auf der Kanzelhöhe.

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