Samstag, 7. März 2015

Sonne am 02. und 07.03.2015

02.03.2015: Meine erste Sonnenbeobachtung nach Feierabend in diesem Jahr: der längere Tagbogen der Sonne führte dazu, dass sie nun auch wieder rechts vom gegenüber stehenden Hochhaus zu sehen ist und dort nicht gleich wieder hinter Bäumen verschwand. Die schlimmste Zeit liegt erst einmal wieder hinter mir: der Winter.

Dafür belohnte der Anblick im Weißlicht nun wahrlich nicht. Die Sonnenaktivität verharrt derzeit auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau. Das Seeing war eher durchschnittlich mit ab und zu stark wallendem Sonnenrand. Die AR 12290 war als A1 knapp am westlichen Sonnenrand zu sehen, die AR 12293 eine D8 und die AR 12292 eine D10. Alle Gruppen waren nach Westen gerückt und aus dem Osten keine weitere aktive Region zu sehen. Es bleibt abzuwarten, ob wir schon bald den ersten fleckenfreien Tag des Jahres 2015 haben werden, oder sich die Sonnenaktivität doch noch wieder erholt und wir noch ein paar große Fleckengruppen zu sehen bekommen.

Im H-alpha war dagegen die Situation vollkommen anders. Zwar gab es am Sonnenrand lediglich vier Protuberanzen. Die größte stand am Ostrand und war sehr kompakt, dazu zwei schwebende, einmal am Westrand, einmal im Nordosten sowie eine mickrige im Südosten. Auf der Oberffläche fanden sich nur zwei helle Flaregebiete, die zu den Aktiven Regionen 12293 und 12292 gehörten. Auffällig hell war die AR 12292, die drei M-Flares des Tages, der hellste war ein M8.2, kamen aber aus der randnahen AR 12290, die auch noch einen schönen CME erzeugte. Überdies zierten 12 Filamente die Oberfläche. Je eines nahe des Ost- bzw. des Westrandes und ein ringförmiges im Bereich der im Weißlicht nicht mehr sichtbaren AR 12294. Die beiden Polregionen der Sonne waren dagegen nahezu erscheinungsfrei.
07.03.2015: Angekündigt wurde für heute ein weitgehend sonniger Tag, doch dank eines riesigen Wolkenwirbels über der Nordsee wurde wieder einmal nichts daraus. Was übrig blieb war ein Blick durch das Teleskop, der zunächst keinen definierbaren Sonnenrand zeigte. Binnen eines längeren Zeitraumes wurde das etwas besser, aber durchziehende Wolken, vor dem Fernrohr hin- und her tanzende Äste und jede Menge Syph verhinderten eine wirklich gute Sicht auf unser Tagesgestirn. Zwar war das Seeing einigermaßen brauchbar, doch die Beobachtung wurde dadurch eher extrem grenzwertig.

Die neue Aktive Region mit der Nummer 12297 war einwandfrei in einem Fackelfeld zu sehen, doch die beiden anderen Regionen 122296 und 12293 konnte ich vor allem wegen der Wolken zunächst nicht sehen. Es stellte sich die Frage, ob ich sie hätte sehen können, wenn die Beobachtungsbedingungen besser gewesen wären, oder nicht, weil das Teleskop zu klein für so winzige Gruppen ist. 
Für etwa 2 Minuten verschwanden dann die Wolken, aber der Syph blieb. Von der AR 12296 konnte ich noch immer nichts erkennen, aber in Bruchteilen von Sekunden meinte ich, etwas von der AR 12293 am Westrand zu erkennen. Ich definierte sie, um überhaupt zu einer Zahl zu kommen, als J1, als kleinstmögliche Gruppe mit einer Penumbra. Man muss sich an dieser Stelle aber auch fragen, wie real diese Beobachtung ist, ob ich wirklich etwas gesehen habe, oder ob ich etwas sah, weil ich wusste, dass dort eine Gruppe zu erkennen sein müsste. Schlussendlich entschloss ich mich, die Beobachtung zu werten, auch wenn begründete Restzweifel bleiben. Andererseits werden unsichere Beobachtungen in der Auswertung weggemittelt. Man darf nur nicht mehr unsichere als sichere Beobachtungen haben, weil dann die Qualität der Beobachtungen generell den Bach runter geht und man als Beobachter auch nicht mehr ernst genommen wird.
Dass unter diesen Bedingungen eine H-alpha-Beobachtung nicht sinnvoll war, versteht sich von selbst.

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