Donnerstag, 12. März 2015

Sonne am 12.03.2015

Solange wir nicht die von vielen Mitmenschen ungeliebte Sommerzeit haben, artet bei einem späteren Feierabend die Beobachtung in Stress aus. Man hat den ganzen Tag bei Sonnenschein im Büro gesessen und hetzt dann nach Hause, um kurz noch die Sonne zu beobachten, bevor sie hinter den horizontnahen Baumwipfeln dem Blick entschwindet. So wie heute. 

Zum Glück war der Himmel wolkenfrei, dafür war wieder das Seeing schlecht. Der Rand wallte heftig, nur die Oberfläche war einigermaßen ruhig. Auf Anhieb konnte ich die AR 12297 mit bloßem Auge durch meinen Glassonnenfilter beobachten. Im Teleskop war die Gruppe natürlich der Hingucker, bei der ich heute 25 Einzelflecke zählte. Ihre Penumbren und die darin eingebetteten Einzelflecke ließen den f-Teil wie ein finster dreinblickender Smiley aussehen. In der langen Penumbra des p-Teils fand ich sogar eine kleine Lichtbrücke im Hofgebiet. Des Weiteren entdeckte ich noch die kleine AR 12298 als B2 am Westrand und eine noch nummernlose B3 am Ostrand.

Turbulenter ging es da schon im H-alpha zu. Die AR 12297 hatte gestern um 16:22 UT  einen erdwärts gerichteten X2.2-Flare samt Typ II-Radiosturm und einer Teilchengeschwindigkeit von 1461 km/s sowie eine Vielzahl von M-Flares und - endlich mal - einen CME produziert. Für die kommenden Tage könnte also mit einem wie auch immer gearteten Polarlicht zu rechnen sein. Pünktlich zum wieder schlechter werdenden Wetter …

Im PST sah ich dann zunächst 5 Protuberanzen am Sonnenrand, die zwar ganz nett aussahen, aber doch eher weniger groß waren. Auf der Oberfläche gab es 5 Flaregebiete, das hellste befand sich wieder im Bereich der AR 12297 und, etwa auf gleicher Breite, nahe des Ostrandes. Der Rest war dann eher unscheinbar. Die 10 Filamente wirkten heute auch weniger beeindruckend als gestern, waren aber dennoch hübsch anzuschauen. Wenn - einer früheren Theorie zufolge, die jedoch längst widerlegt ist - Protuberanzen größere Fleckengruppen ankündigen würden, müsste bald wieder ein größeres Aktivitätsgebiet am Ostrand erscheinen. Leider hat der aktuelle Zyklus oft genug bewiesen, dass nach großen, schönen Protuberanzen oft gar keine im Weißlicht sichtbare Fleckengruppe folgte.

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