Dienstag, 21. April 2015

Die Sonne im März 2015

Im März ist die Sonnenaktivität gegenüber dem Vormonat leicht angestiegen, was sich vor allem an der Zahl der neuen Fleckengruppen ablesen lässt: im Februar waren es nur 15, im März hingegen 22. Unabhängig von der Zahl gewann man aber dennoch den Eindruck, dass die Fleckentätigkeit rückläufig war. Das lag vor allem daran, dass von den 22 neuen Gruppen ein großer Teil auf die kleinen A- und B-Gruppen entfielen. Ansonsten bot sich das gewohnte Bild, das man schon seit mehr als zwei Jahren kennt: Nach Abzug größerer Gruppen geht die Aktivität erst einmal fast auf den Nullpunkt zurück, bevor sich wieder neue Aktivitätszentren bilden. 

So war es auch Anfang März, als in den ersten Tagen konstant jeweils 4 bis 5 Gruppen zu sehen waren, am 5. dann plötzlich aber nur noch zwei. Am 6. waren es dann wieder drei und am 7. nur noch eine. Mit dem Auftauchen der AR 12297 am 7. änderte sich das erst einmal noch nicht. Sie war an diesem Tag noch als recht große H-Gruppe am Ostrand zu sehen gewesen, entpuppte sich danach aber zunächst als eine Region der Waldmeierklasse D mit einer großen Penumbra im hinteren Teil, die später sogar mit Sofibrille auch mit bloßem Auge zu sehen war. Erstaunlicherweise blieb die AR 12297 erst einmal die einzige auf der Sonne sichtbare Fleckengruppe, die sich von Tag zu Tag weiter entwickelte. Am 11. bekam sie zwei Begleiter in Form einer A- und einer B-Gruppe und ab dem 12. nahm die Zahl der Gruppen insgesamt wieder leicht bis auf 6 am 14. zu. 

Am 15., als sie zur Waldmeierklasse E aufstieg, verringerte sich die Gruppenzahl wieder auf 4, um am 16. wieder auf drei abzufallen. Am 18. kletterte die AR 12297 für einen Tag auf die Stufe F und am Tag der Sonnenfinsternis am 20. März war sie bereits um den Westrand herum wegrotiert. Gleichzeitig ging die Zahl der Gruppen insgesamt für ein paar Tage drastisch zurück. Zwar weist die Zeichnung des Sonnenobservatoriums auf der Kanzelhöhe für diesen Tag 5 Gruppen auf, während die NOAA und das SDO-Foto vom gleichen Tag nur drei Gruppen zeigten. Dieser Unterschied ist dem Autor nach eigenen Beobachtungen nicht erklärlich. Während der Sonnenfinsternis waren mir auch nur die noch verbliebene AR 12303 und die AR 12304 sowie eine ganz kleine A-Gruppe aufgefallen. Danach stieg die Aktivität aber rasant an und erreichte am 25. mit 9 Aktivitätszentren ihren Höhepunkt. Am 22. betrat mit der AR 12305 ein würdiger Nachfolger für die AR 12297 die Bühne und wurde zur dominantesten in ihrer Zeit. Schon einen Tag später gehörte sie zur Klasse E, ab dem 27./28. kurzfristig zur Klasse F, um sich danach relativ schnell zurück zu bilden. Am Monatsletzten war sie dann auch nur noch eine einfache D-Gruppe. 

Gegenüber dem Februar lag die Aktivität im Hα diesem Wellenlängenbereich deutlich höher, was aber ausschließlich einem einzigen großen Aktivitätsgebiet zu verdanken war. Am 2. Um 6:39 UT verabschiedete sich die AR 12290 mit einem M1.0- und um 9:48 UT mit einem M1.1-Flare am Westrand. Halb um den Rand herum rotiert schickte sie am dann noch um 15:28 UT einen M3.7 samt CME hinterher. Und so erstaunlich es klingen mag, es war nicht das letzte Lebenszeichen dieser Aktiven Region, denn als sie schon knapp hinter dem westlichen Sonnenrand lag, produzierte sie am 3. um 1:35 UT einen M8.2-Flare. 

Zwei Tage später registrierte das Solar Dynamics Observatory (SDO) um 18:11 UT hinter dem östlichen Rand einen M1.2-Flare, der zur neuen AR 12297 gehörte, die am 8. um 4:57 UT einen M3 erzeugte. Sie sollte zur aktivsten Region des ganzen Monats werden. Am 7. stieg hier ein M9.2-Flare mit Höhepunkt um 22:22 UT samt Typ II (21:57 UT), Typ IV (22:04 UT) und CME auf. So ging es in den nächsten Tagen weiter. Es folgten M-Flares zu Hauf:

09.: 14:33 UT, M4.5
09.: 23:53 UT, M5.8
10.: 03:24 UT, M5.1
11.: 00:02 UT, M2.9
11.: 07:18 UT, M1.8
11.: 07:57 UT, M2.6.

Höhepunkt der Aktivität war jedoch der X2.2-Flare am 11. mit Höhepunkt um 16:22 UT, der verbunden war mit einer Typ II-Radioemission und einem CME, dessen Teilchengeschwindigkeit 1461 km/s erreichte. Dem folgten eine ganze Reihe weiterer M-Flares in großer Zahl. Bedeutsamer war aber ein relativ unscheinbarer C9.2-Flare vom 15.3., der um 2:13 UT aufstieg. Dieser war erdwärts gerichtet und mit einem CME samt sich auflösendem Filament verbunden. Am 17. registrierte der ACE-Satellit im L1 kurz nach 4 Uhr UT einen deutlichen Anstieg der Teilchengeschwindigkeit auf über 500 km/s, die binnen Stunden auf über 600 km/s anstiegen. Das Erdmagnetfeld erhielt einen Volltreffer des Schauers und am Abend gab es kurz nach Mitternacht am 18. das kräftigste Polarlicht seit vielen Jahren zu sehen, das bis weit nach Süden reichte. Pech für Arbeitnehmer, die am nächsten morgen früh raus mussten – wie der Autor – und Glück für Urlauber und diejenigen, die sich die Nacht um die Ohren schlagen konnten. Sie erlebten eine wirklich brillante Polarlichtshow.

Unterdessen ging es im H-alpha munter weiter, denn auch nach diesem Paukenschlag gab die AR 12297 noch keine Ruhe, denn bis zu ihrem Verschwinden am 19. konnten hier noch 9 weitere M-Flares beobachtet werden. Selbst am 20., als sie schon längst über den Westrand der Sonne rotiert war, gab es um 1:33 UT einen C7.9-Flare mit einer Eruption, die locker Sonnendurchmesser erreichte, aber westlich angefeuert wurde und das Erdmagntefeld nicht beeinflusste. 

Vier Tage später entlud sich an der Stelle der AR 12297 noch ein CME, der dieses Mal sogar einen Durchmesser von deutlich mehr als 1,4 Mio. km erreichte. Am Morgen des 27. wurde nahe des Ostrandes noch eine sehr große Eruption bemerkt, die zumindest in den Polargebieten bzw. rund um den in Kanada liegenden geomagnetischen Pol der Erde für eindrucksvolle Polarlichter sorgte. Darüber hinaus wurden am 22. und am 29. mehrere Koronalöcher registriert, die ebenfalls für einen Anstieg von Teilchendichte und –intensität sorgten.

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