Sonntag, 12. April 2015

Sonne am 12.04.2015

Nach der ersten - bewölkten - Nacht auf der Kirchheimer Sternwarte startete der Tag stark dunstig, was in meinem klieinen 80/400er Refraktor zu einem sehr ruhigen und kontrastreichen Bild führte. Im Gegensatz zu den üblichen Hamburger Bedingungen hatte der Dunst hier eine deutliche Bildverbesserung zur Folge.

Bereits gestern hatte sich ein Wiederanstieg der Sonnenaktivität im Weißlicht abgezeichnet. Dieser - natürlich kurzfristige - Trend setzte sich heute fort. Im Norden konnte ich die AR 12318 zwar nicht mehr finden, dafür war die neue AR 12321 etwas weiter herumgekommen und offenbarte eine ulkige Struktur, die schwer zu beschreiben war und aus einem langen Strich mit Flecken in der Umgebung zu bestehen schien. Ich klassifizierte sie als D8, weil die wahre Größe der Gruppe aufgrund ihrer randnahen Position noch nicht vernünftig abschätzbar war. 

Aus guten Grund werden Fleckengruppen, die weniger als 10° Abstand zum Sonnenrand haben, bei der Positionsbestimmung nicht berücksichtigt. Randverdunklung, aber mehr noch die perspektivische Verkürzung, führen an dieser Stelle oft zu Fehlinterpretationen, weswegen man meist eine einigermaßen sinnvoll erscheinende Gruppeneinteilung wählt. Ziel dabei ist, die jeweilige Gruppe bei der Bestimmung der Wolfschen Relativzahl trotz der noch unklaren Situation trotzdem zu erfassen.

Auf den hochaufgelösten Satellitenaufnahmen von SOHO konnte man erahnen, dass bei dieser Gruppe das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht war und es noch einiges hinter dem Ostrand gab, das sich in den nächsten Tagen zeigen würde. Den südlich davon abgesetzten einpoligen Fleck sah ich getrennt von der Gruppe und stufte sie als J1 ein. Vor der AR 12321 lag noch die - ebenfalls gestern erstmals sichtbare - AR 12322, eine B3.

Im Süden war von der AR 12320 nurmehr ein kläglicher Rest übrig geblieben, den ich als C7 klassifizierte. Die in sie gesteckte Erwartung, zu einer weiteren großen Gruppe zu werden, hatte sie nicht erfüllt. Dahinter hatte sich in den Stunden seit der letzten Beobachtung eine weitere kleine Gruppe gebildet, die AR 12323, die ich ebenfalls für eine B3 hielt.

Notleidend war dagegen die Beobachtung im H-alpha. Das PST zeigte anfangs nur ein sehr flaues und kontrastarmes Bild, das sich erst im Laufe der Zeit etwas verbesserte. Beeinträchtigend wirkte hier vor allem der starke Dunst, der erst nach und nach Details offenbarte. So entdeckte ich am Sonnenrand gerade mal 4 magere Protübchen sowie auf der Oberfläche 6 Flaregebiete, und 10 Filamente. Viel Kleinkram, zwei strichförmige und zwei etwas dickere Filamente waren darunter, aber auch zwei aktivere Gebiete in den Regionen 12321 und 12322, wo gerade zwei Flares zu sehen waren. Besonders erstaunlich war der Flare in der AR 12322, die im Weißlicht nur als B3 zu sehen war, hier aber eine deutlich höhere, lokale, Aktivität zeigte. Und schon jetzt zeigte auch die neue große Gruppe sehr helle und komplizierte Strukturen. Von dieser Gruppe ist derzeit für die nächsten Tage einiges zu erwarten, obwohl sie vor ihrem Erscheinen keine von ihrem Magnetfeld gestützte Protuberanz gezeigt hatte.

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