Mittwoch, 20. Mai 2015

Die Sonne im April 2015

Der kurzfristige, aber kräftige Anstieg der Sonnenaktivität ist nur einigen wenigen großen Gruppen zu verdanken, die in diesem Monat zu sehen waren. Dabei sah es am Anfang nicht wesentlich günstiger aus, als Ende März. Lediglich zwei kleine Fleckengruppen am Westrand, die AR 12305 als H1 und die AR 12317 als D-Gruppe waren zunächst zu finden. Ab dem 4. stieg die Anzahl der Fleckengruppen für einen Tag an, um danach gleich wieder abzufallen. Vom 5. bis zum 11. waren mit den beiden Regionen 12318 und 12320 zwar zwei recht ansehnliche, aber doch wenig spektakuläre Gruppen auf der Sonne zu sehen, auch wenn letztgenannte zur Waldmeierklasse E gezählt werden konnte. 

Mit dem 11. änderte sich das schlagartig. Die AR 12318 war verschwunden und die AR 12320 hatte abgebaut, doch am Ostrand kam eine sehr groß erscheinendes Aktivitätsgebiet um den Sonnenrand herumrotiert, das die Nummer 12321 erhielt. Davor war mit der AR 12322 eine weitere, jedoch deutlich kleiner, Gruppe entstanden. Das Aussehen der Gruppe erinnerte zunächst an ein großes, österliches, Kreuz, das später Pfeilform annahm. Anfangs war nicht ganz klar, ob es sich dabei um eine ganz große E-, bzw, F-Gruppe handelte oder ob die leicht südlich stehende H eine unabhängige Region war. Das sahen die NOAA und das Sonnenobservatorium auf der Kanzelhöhe auch sehr unterschiedlich. Und hinter der AR 12321 ging es noch weiter, denn dort rotierten die AR 123254 und südlich davon die AR 12325 in das Blickfeld der Beobachter hinein und schienen – ein gutes Jahr nach dem Hauptmaximum - das Nebenmaximum einläuten zu wollen. 

In dieser Zeit verlagerte sich die gesamte Aktivität der Sonne auf die Nordhälfte. Die AR 12321 wurde beständig länger, überschritt dabei aber nie die Grenze zur Klasse F. Ab dem 16. spalteten sich bereits einige Teile ab und bildeten eine eigene Gruppe. Die AR 12324 und die AR 12325, beide zur Klasse C bzw. D gehörend, zeigten nur wenig Neigung zu Veränderungen. Nach dem 16. allerdings stieg die Zahl kleinerer Regionen wieder an, während gleichzeitig bei der AR 12321 die Penumbren geschrumpft wurden, wenn sie sich nicht gleich ganz verlor. 

Auch die abgespaltete Gruppe löste sich nach ein paar Tagen auf und der südlich stehende H-Fleck war spätestens ab dem 18. nicht mehr zu sehen. Zeitgleich nahm die Zahl der kleinen Gruppen weiter zu und trieben die Relativzahlen nach oben, sodass sie in jenen Tagen mehrfach die 100.0 überschritten. Ab dem 23. wurde es dann wieder spürbar ruhiger auf der Sonne. Bis zum Monatsende reduzierte sich die Zahl der Aktivitätsgebiete immer mehr, ein fleckenfreier Tag war aber nicht dabei. Das wurde durch eine kleine B- und eine H-Gruppe am Monatsletzten verhindert.

Als H-alpha-Beobachter musste man lange auf wirklich spannende Zeiten warten. In den ersten Tagen des April waren lediglich einige sehr lange Filamente zu sehen, gepaart mit schönen, aber nicht besonders hoch aufragenden Protuberanzen. Flares bekam man auch nur selten zu Gesicht und wenn, gehörten sie den unteren Klassen b und c an. Am 4. gab es um 23:13 UTC im Zusammenhang mit einem eruptierenden Filament einen schönen C3-Flare samt CME und einer Typ II-Radioemission und am 5. 

Auf der erdabgewandten Seite der Sonne einen kräftigen CME, dessen Material um mehr als in Sonnendurchmesser weit in den Weltraum hinausgeschleudert wurde, was man aber nur mit Hilfe von Satelliten beobachten konnte. Die AR 12321 brachte auch im H-alpha einen Aktivitätsanstieg, denn schon am 12. war um 9:49 UTC einen M1.1-Flare zu sehen, während die 12320 gleichzeitig mehrere C-Flare hervorbrachte. Am 14. registrierten Sonnensonden einen weiteren, sehr ausgeprägten CME auf der erdabgewandten Seite der Sonne, der ebenfalls sein Material um mehrere Sonnendurchmesser ins All pustete. In den Nächten zwischen 14. und 17. April konnte in einigen Regionen Norddeutschlands mehrmals fotografische und schwach visuelle Polarlichter beobachtet werden. 

Am 20. wurde aus einem Koronaloch eine erhöhte Menge an solarer Strahlung in Richtung Erde geschickt und am 21. aktivierte sich plötzlich die AR 12322, die bis dahin weitgehend unauffällig geblieben war. Binnen weniger Stunden erzeugte sie gleich drei M-Flares: einen M1.0 um 7:20 UTC, einen M2.2 um 11:57 UTC und einen M4.0 um 15:45 UTC. Am 23. schickte sie um 10:07 UTC noch einen M1.1 hinterher, der mit einem Typ II-Radiosturm verbunden war, dessen Teilchen mit 664 km/s durchs Sonnensystem flogen. Zwei Tage später wurde abermals ein großer koronaler Massenauswurf „hinter“ der Sonne registriert, dessen Ausmaße wieder über mehrere Sonnendurchmesser ging. Ein eruptierendes Filament war am 28. für das nächste Großereignis verantwortlich, dieses Mal jedoch ohne CME und am 29. waren gleich vier Koronalöcher zu sehen, deren Auswirkungen auf das Erdmagnetfeld gering ausfielen.

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