Dienstag, 21. Juli 2015

Die Sonne im Juni 2015

Zum dritten Mal in Folge ist die Sonnenaktivtät – geht man nach den ermittelten Relativzahlen – angestiegen. Geht man aber in die Datentiefe, so sieht das schon ein wenig anders aus, denn es gab im Juni lediglich 18 neue Fleckengruppen darunter zwei große und viele kleine. Am Anfang des Monats war die Aktivität noch sehr übersichtlich und die Flaute Ende Mai setzte sich in den ersten drei Tagen fort, danach tauchten viele kleine Gruppen der Waldmeierklassen A bis D auf, sodass die Relativzahlen jener Tage größtenteils durch niedrigere Klassen beeinflusst wurden. 

Die AR 12360 war die erste größere Gruppe, die ab dem 4. zu sehen war und ab dem 9. nur durch ihre Länge in heliographischen Graden zur Klasse E gezählt werden durfte. Spektakuläre Penumren etc., wie man es von dieser Waldmeierklasse eigentlich erwarten könnte, gab es nicht. Einen Tag später konnte man beobachten, wie der schrittweise Verfall an ihr nagte und sie am 11. Auf die Klasse D zurückfiel. Die weiteren Gruppen waren, da den niedrigen Klasse angehörend, kaum der Rede wert.  

Nach dem 12. fing die Aktivität wieder spürbar zurück. Lediglich die am 11. erstmals sichtbare AR 12367 erreichte auf der Südhalbkugel der Sonne als erste in diesem Monat respektable Längen, überschritt jedoch nicht die Grenze zur Klasse F. Als am 16. die AR 12371 im Norden erschien, zogen sich die anderen Gruppen huldvoll zurück. Ab dem 20. zerfiel die AR 12367 und übrig blieb nur die nun immer umfangreicher werdende AR 12371, die an mehreren Tagen auch mit einer Sonnenfinsternisbrille mit dem bloßem Auge zu sehen war. Sie war denn auch der Star der SONNE-Tagung in Uslar und bequem mit den dort getesteten Schweißergläsern zu beobachten. 

Ab dieser Zeit konnte sie auch der Waldmeierklasse F zugeordnet werden. Bis zum 27. war sie die einzige, auf der Sonne zu beobachtende Fleckengruppe. Eine A1, die wohl nur in großen Teleskopen gesehen werden konnte, war die erste Gruppe, die sich blicken ließ, als die AR 112371 schon fast am Westrand wegrotiert war und kaum war die Gruppe fast weg, trauten sich im Osten wieder neue Gruppen heran, eine J und zwei D und so endete der Juni im Weißlicht mit einer Fleckenzahl, die der am Monatsanfang sehr ähnlich war.

Im Hα erschien die Aktivität der Sonne im Juni höchst unterschiedlich. Das der erste größere Flare erst am 11. um 8:55 UTC in Form eines M1 zu sehen war, darf nicht darüber hinweg täuschen, dass in den Tagen zuvor durchaus einige Flares der Klassen b und c registriert wurde und es auch größere Eruptionen zu sehen gab. So war denn der M1 der Vorboten der AR 12367, während zwei Tage später um 7:29 UTC aus der AR 12360 ein M1.3 aufstieg. Sie schickte am 14. um 0:59 UTC einen M2 und am 18. um 17:36 UT noch einen M1.2 hinterher, bevor sie ganz hinter dem Westrand verschwunden war. Nur ein paar Stunden später schickte die neue AR 12371 um 16:45 UT einen M3.0 ins All, dem kurz darauf ein kräftiger koronaler Massenauswurf (CME) hinterher kam. 

Am 20. brachte die AR 12371 um 6:47 UT einen M1 und am 21. um 1:42 UT einen M2.0 um 2:34 UT einen M2.6 hervor. Am 21. gab es zudem in der AR 12367 den drittkräftigsten Flare des ganzen Monats. Um 9:44 UT schoss hier ein M3.8 ins den Weltraum. Der energiereiche Flare stieg am 22. um 18:23 UT aus der AR 12371 hervor: ein M6.5 samt kurz danach erfolgendem CME. Der kräftigste Ausbruch wurde am 25 in der randnahen AR 112371 registriert, wo um 8:16 ein M7.9 aufstieg. Trotz mehrfacher, auch erdwärts gerichteter CMEs kam es in der fraglichen Zeit leider zu keinem in unseren Breiten sichtbares Polarlicht. 

Das Sonnenobservatorium auf der Kanzelhöhe vermerkte dazu in seinem Monatsbericht: „Ein typisches Zeichen für den abklingenden Zyklus ist, dass die Schwankungen in der Aktivität stärker werden, man kann durchaus immer wieder damit rechnen, dass es besonders starke Flares und CMEs gibt, obwohl es fast immer ruhig ist. Dieses Monat konnten vom 22. bis zum 24. Nordlichter bis herunter nach Norddeutschland gesehen werden. Ausgelöst wurden diese durch die Region 12371 (N11,L=300), die als stattliche F-Gruppe sichtbar war und neben vielen, zwar eher bescheidenen Röntgenflares, auch mit einem Imp.-3B Flare aufwarten konnte (am 25.). Es war dies erst das dritte Imp.-3 Flare, das in diesem Zyklus auf dem Observatorium beobachtet werden konnte. Kurz vor Monatsende konnte dann nur mehr eine Gruppe auf der Sonnenscheibe gesehen werden. Insgesamt konnten im optischen Bereich 218 Subflares, 16 Imp.-1 Flares, 3 Imp.-2 Flares und ein Imp.-3 Flare gesichtet werden; im Röntgenbereich wurden 135 C-Flares, und 12 M-Flares registriert.“

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