Sonntag, 31. Januar 2016

Sonne am 31.1.2016

Nach der Wettervorhersage war nur bedingt mit einer Beobachtung zu rechnen. Während der Dämmerung waren noch ein paar Sterne zu sehen, danach zog es dann sehr schnell zu, so dass nicht unbedingt mit einer Beobachtung zu rechnen war. Glücklicherweise kam es anders und zwar nicht zum Negativen hin, wie sonst. Allerdings war es nicht wirklich völlig klar, denn ein leichte Wolkenschleim war ständig vorhanden. 

Da der Sonnenaufgangspunkt sich mittlerweile deutlich nach Norden verschoben hat, konnte ich erstmals in diesem Jahr am Vormittag von meiner Wohnstube aus unser Tagesgestirn ins Visier nehmen. In den wenigen klaren Abschnitten zeigte sich bei der ersten Beobachtung nur ein einziger Fleck: die AR 12489 als H1. Aufgrund neuerlich durchziehender, tieferer Wolken musste ich die ohnehin nur sehr fragwürdige Beobachtung abbrechen. Die nächste und bislang letzt Lücke war dann etwas größer und so konnte ich tatsächlich wieder beide Teleskop einsetzen, den kleinen Refraktor und das PST.

Im Weißlicht zeigte sich neben der AR 12489 im Norden auf der Südhalbkugel südöstlich dieser Gruppe noch eine kleine A1, während am Ostrand eine leichte Einkerbung eine neue Aktive Region ankündigte. 

Die H-Alpha-Beobachtung litt sehr unter den Wetterverhältnissen und nur für wenige Momente war wirklich etwas zu sehen. Der Hintergrund war zumeist hellorange, was immer ein untrügliches Zeichen für miese Bedingungen ist. Am Rand erspähte ich 2 kleine Protuberanzen, die praktisch nur kleine Aufwölbungen waren und leicht mit seeingbedingten Wellenbewegungen verwechselt werden konnte, die allerdings heute nicht so stark ausfielen. Auf der Oberfläche gab es zwei Flaregebiete sowie 8 Filamente. Zwei davon in Richtung Westrand waren etwas größer und hübsch anzusehen. Eine im Nordosten ebenfalls. Rund um ein Flaregebiet, vom den im Weißlicht nur eine A1 zu sehen war, sah ich noch eine schöne bogenförmige Erhebung, bis neuerliche Wolken das Schauspiel beendeten und kurz danach sogar wieder Schnee vom Himmel herabfiel …

Donnerstag, 28. Januar 2016

Sonne am 28.1.2016

Ein geplatzter beruflicher Termin ermöglichte mir einen früheren Feierabend als gedacht. So kam ich zu Hause an, als die Sonne gerade eben von meiner Wohnung aus nicht mehr zu erreichen war und hinter dem Hochhaus stand. Allerdings ergab sich auf dem Dachboden noch ein etwa zehnminütiges Zeitfenster zur Beobachtung. Da meine beiden Teleskope stets einsatzbereit sind, schnappte ich sie mir und konnte bereits etwa eine Minute später mit der Beobachtung beginnen.

Leider war es nicht ganz so einfach wie gedacht, denn eine kleine Wolkenreihe hatte sich just vor die Sonne geschoben und die reichte bis zum Horizont. Zum Glück wanderte sie relativ schnell über den Himmel und wurde schnell dünner. Schnell kam aber auch die Hausmauer des Hochhauses heran. So konnte ich rasch vier Gruppen im Weißlicht sehen: im Norden die AR 12488 als C5, darüber eine A1 ohne Nummer sowie die AR 12489 als D10 in Richtung Osten. Im Süden fand ich die AR 12490 als B3, von der AR 12487 war hingegen nichts mehr zu sehen.

Rasch nahm ich das Stativ mit dem PST darauf und blickte noch ins H-alpha: Am Rand erkannte ich bei recht gutem Seeing - das hatte ich so gar nicht erwartet - 5 kleine Protuberanzen, darunter einen kleinen Spitzkegel im Nordosten. Die Oberfläche - das Hochhaus „knabberte bereits an der Sonne - enthielt drei helle Flaregebiete und 8 mehr geschätzte als gezählte Filamente. Schön war das nahe des Sonnenmeridians gelegene Teil, das richtig flächig aussah und schon bald hinter dem Haus verschwand. Zwischendurch nervten ein paar Wolken und behinderten die Beobachtung. Logisch, dass die weg waren, als die Sonne komplett hinter dem Hochhaus stand …  

Mittwoch, 27. Januar 2016

Die Sonne im Dezember 2015

Gegenüber dem November fiel die Aktivität im Weihnachtsmonat im Weißlicht noch geringer aus. Die Zahl der neuen Fleckengruppen ging auf nur noch zwölf im ganzen Monat zurück. Erst am 22. tauchte am Ostrand die erste größere Fleckengruppe auf, die AR 12473. Alle vorher zu beobachtenden Aktivitätsgebiete waren den Waldmeiergruppen A, B und C, bzw. in einem Fall auch D zuzuordnen. Fleckenfrei war die Sonne trotz niedriger Aktivität auch im Dezember nicht. Insgesamt gab es 2015 überhaupt keinen fleckenfreien Tag, wenngleich die Zahl der Fleckengruppen an manchen Tagen sehr gering war. Die AR 12473 entwickelte sich innerhalb weniger Tage zur Klasse F, wies aber kaum Aufsehen erregende Penumbren auf. Sie umfasste zwar drei penumbrale Bereiche, deren Größe aber nicht mit denen im Maximum vergleichbar war. Mir gelang aber dennoch an einigen Tagen eine Sichtung mit bloßem Auge und Sofibrille. Am 27. stand sie zusammen mit der AR 12472 ziemlich zentral auf dem Sonnenmeridian. Bis zum Jahreswechsel bildeten die beiden Gruppen ein Tandem, dass sich langsam aufgrund der Sonnenrotation dem Westrand annäherte, ihn aber noch nicht erreichte.

Zu Zeiten eines abklingenden Zyklus und des Minimums sind sehr häufig Koronalöcher – Bereiche der solaren Korona mit geringerer Temperatur und verminderter Teilchendichte – zu beobachten, aus denen verstärkt Röntgenstrahlung austritt. Das liegt an den Magnetfeldlinien, die zu anderen Zeiten geschlossen sind, jetzt aber offen in den Weltraum hinaus greifen. Gleich drei sehr großflächige Koronalöcher konnten am 4. Dezember gesehen werden und führten zu einem kleinen geomagnetischen Sturm, der die Erde am 6. traf und in den darauf folgenden Nächten für Polarlichter in nördlichen Breiten sorgte. 

Ein weiterer, schwacher, Sturm (Klasse: G1) folgte am 14./15. Einen koronalen Massenauswurf registrierte man am 16., der mit einem C6.6-Flare verknüpft war. Daraufhin gab es am 20. in hohen Breiten wieder ordentliche Polarlichter zu sehen. Die AR 12473 machte sich schon am 20. in Form eines CMEs am Ostrand bemerkbar. Dem folgte am 21. um 1:03 UT ein M2.8-Flare, am 22. um 3:34 UT ein M1.6 und am 23. um 0:40 ein M4.7 (inkl. Typ II Radiosturm, einer Teilchengeschwindigkeit von 1318 km/s, aber kein CME). Die nächsten Tage blieb es vergleichsweise ruhig. Erst am 28. stieg in der AR 12473 mit Höhepunkt um 12:45 UT ein lang andauernder M1.8-Flare auf, der mit einem Typ IV-Radiosturm und einem Tenflare auf der 10cm-Linie des Wasserstoffs assoziiert war. Binnen 45 Minuten wurden 370 solare Flusseinheiten (solar flux units = SFU) abgestrahlt. Darin enthalten war eine erdwärts gerichtete Komponente, die in der Silvesternacht eintraf und zu einem Impakt im Erdmagnetfeld führte, der aber wegen der Feierlichkeiten zum Jahreswechsel und dessen Folgeerscheinungen so gut wie nicht beobachtet wurde.

Das Sonnenobservatorium auf der Kanzelhöhe schrieb dazu in seinem Monatsbericht: „Das Aktivitätsniveau vom Dezember blieb auf dem Novemberwert, nur zum Monatsbeginn und um Weihnachten war die Aktivität etwas erhöht. Zwei Regionen bestimmten diesen Dezember, zum Beginn war dies Region 12468 (S15,L=125), eine D-Gruppe, die nur wenige Tage aktiv war. Ab Weihnachten war dann die F-Gruppe in der Region 12473 (S22,L=325) bestimmend, auf diese fiel etwa 50% der Flaretätigkeit. Immerhin gab es in dieser Gruppe 4 M-Flares und es konnten auch 4 Imp.-1 Flares beobachtet werden. Zum Jahresende fiel dann die Relativzahl wieder deutlich ab, da nur mehr eine einzige Gruppe zu sehen war.Das gesamte Jahr 2015 verlief somit ungewöhnlich ruhig, besonders in Anbetracht dessen, dass die Sonne sich noch im Aktivitätsmaximum befand. Es wurden nur zwei X-Flares registriert, einmal im März (X2.1) und einmal im Mai (X2.7), normalerweise erwartet man sich gegen Ende eines Maximums bzw. dann im abklingenden Zyklus die größten Ereignisse. Insgesamt konnten im optischen Bereich 128 Subflares und 8 Imp.-1 Flares gesichtet werden; im Röntgenbereich wurden 85 C-Flares und 6 M-Flares registriert.“

Ehrliche Sonnendaten?

Nicht zuletzt die Affäre um ein gefälschtes Bild des Vorbeiflugs der ISS am Saturn durch einen deutschen Amateurastronomen, der dem Vernehmen nach aus Frust auch über das Wetter einfach Bilder zusammenmontierte, lässt die Frage aufkommen, wir ehrlich wir denn selber bei unseren Sonnendaten sind.
All zu oft verhindert das Wetter in Mitteleuropa eine Beobachtung der Sonne oder beendet sie mittendrin. Oder die Beobachtungsbedingungen sind so schlecht, dass man viele Details auf der Sonne erst gar nicht sieht. Im Internet sind für jeden Tag frei verfügbar Bilder in den gängigen Wellenlängen des Weißlichts und der H-alpha-Linie zu bekommen. Was läge also näher, gar nicht erst das Teleskop zu nehmen, sondern gleich die Bilder für die Ermittlung von Sonnenfleckenrelativzahlen zu verwenden?
Darüber wurde auf der letztjährigen SONNE-Tagung bereits diskutiert und festgehalten, dass eigentlich nur das zur Auswertung gelangen darf, was man auch wirklich gesehen hat, egal, wie die Bedingungen waren. Aber ganz so einfach ist es nicht. 

Jede Form der astronomischen Beobachtung wird von vielen Faktoren beeinflusst. Neben dem Seeing ist es der Stress, noch eine Beobachtung zu bekommen, bevor die Sonne hinter einem Baum oder Nachbarhaus verschwindet. Die körperliche Verfassung und auch der Stress von der Arbeit bilden nicht zu unterschätzende Faktoren. So kann es passieren, dass man kleine Fleckengruppen nicht sieht, weil man zu unkonzentriert ist. Oder man sieht sie nicht, weil man ein zu kleines Teleskop hat oder eine zu geringe Vergrößerung wählt. Also könnte man dann doch das Webbild der Sonne nehmen und die eigene Beobachtung ergänzen, bzw fehlende und nicht beobachtete Teile der Sonnenoberfläche nur flüchtig durchsuchen. Wäre das noch wissenschaftlich?

Wie wissenschaftlich ist es, wenn man nach dem Betrachten des Bildes noch mal ans Teleskop geht und gezielt nach einem kleinen Fleck sucht und ihn dann findet, obwohl man ihn vorher trotz sorgfältigster Beobachtung nicht gesehen hat. Und wie wissenschaftlich ist es, wenn man sich mit anderen Beobachtern austauscht und seine eigenen Werte daraufhin möglicherweise korrigiert?

Nun ist es etwas anderes, wenn man Daten „verbessert“, die in ein großes Netz fließen und dort zusammen mit anderen Beobachtungen ausgewertet werden, als wenn man Bilder manipuliert. Doch die Frage nach der Wissenschaftlichkeit der eigenen Daten bleibt. Ganz ausschließen - das war auch der Tenor der Diskussion auf der SONNE-Tagung - wird man es nie können, dass Beobachter ihre Daten in gewisser Weise, nennen wir es ruhig, manipulieren. 

Mir selber ist in den mittlerweile 23 Jahren, in denen ich die Hamburger Sonnengruppe leite, nur ein einziger Fall bekannt geworden und das dazu noch in einer Zeit, als es kein Internet gab. Woher die Datengrundlage damals stammte, konnte ich nicht ermitteln. Mir war nur aufgefallen, dass der Beobachter im Dezember, wo man in Hamburg selten mehr als 10 Beobachtungen zusammenbekommt, über 20 Datensätze ermittelte und Werte für die Ruhe und Schärfe von jeweils 2 angab. Die Auswertung der Daten über die Fachgruppe Sonne bestätigte die Manipulation: der Korrelationskoeffizient wies bei dem Beobachter für das 4. Quartal Minuswerte auf.

Solche Manipulationen sind anscheinend aber extrem selten, sie zeigen aber, wohin falscher Ehrgeiz und vielleicht auch der Wunsch, für kurze Zeit berühmt zu werden, führen können. Dass sich der Fotograf, dessen manipuliertes ISS-Bild vor dem Saturn sogar zum - inzwischen wieder entfernten - "Astronomy Picture Of The Day" (APOD) geführt hat, damit selbst diskreditiert hat, dürfte klar sein. Es zeigt aber auch, dass Amateure wie Wissenschaftler, Menschen sind, mit all ihren Facetten, mit Wünschen und Träumen und keine Heiligen!

Dienstag, 26. Januar 2016

Sonne am 26.1.2016

Mit einer fetten Erkältung zu Hause sein und dann noch nicht mal vernünftig die Sonne beobachten können, das ist irgendwie typisch. Nachdem am Vormittag der Himmel teilweise richtig gut sonnig war, zog der Syph eine Stunde bevor ich mit der Beobachtung hätte beginnen können, herein und machte sich über der Stadt breit.

Dennoch gab es kurzfristige Reduzierungen des Schleims und in einer davon probierte ich eine Beobachtung. Der Sonnenrand war zwar zu erkennen und auch die vier Gruppen, aber mehr auch nicht. Die Gruppen waren gleichmäßig auf beide Hemisphären verteilt: im Norden standen die AR 12488 als C8 und die 12489 als C5, im Süden die AR 12490 und die 12487 jeweils als A1. Sie waren aber immer nur für wenige Sekunden im Syph sichtbar.

Eigentlich war es unter den gegebenen Bedingungen sinnlos, noch kurz eine H-alpha-Beobachtung zu versuchen. Der Hintergrund war hellorange, ein Sonnenrand zeitweise nicht auszumachen, dennoch habe ich mal grob die Erscheinungen durchgezählt und bin auf drei Protuberanzen, zehn Filamente und drei Flaregebiete gekommen. Doch das vermeintliche Glück währte nicht lange, denn eine korrigierende Wolkenschicht zog schnell heran und stellte die normale Ordnung wieder her: ein völlig zugezogener und verschleimter Himmel …

Freitag, 22. Januar 2016

Sonne am 22.1.2016

Nachdem mir neulich die erste Beobachtung des Jahres 2016 nach einem frühen Feierabend gelang, ich aber keine Zeit zum Bloggen hatte, folgte heute die zweite. Der lichte Tag weitet sich zunehmend und damit steigen auch wieder die Chancen auf eine nachmittägliche Beobachtung der Sonne. Schließlich liegt das Jahresziel wieder bei mindestens 200 Beobachtungstagen.

Vom Dachboden aus konnte ich die Sonne zwischen meinen beiden Hochhäusern erreichen, die dabei nun nicht mehr die Giebel der Bäume streifte. Dafür gab es reichlich Seeingprobleme, weil sich atmosphärisch schon die herannahende Wetterfront mit deutlichen Plusgraden bemerkbar machte.

Der Sonnenrand bewegte sich heftig und auf der Oberfläche blubberte es ganz ordentlich. Daher betrugen die Werte für Ruhe und Schärfe heute nur jeweils 4.  Die Augenblicke mit ruhiger Luft waren selten, aber vorhanden. So gelang mir im Weißlicht die Sichtung von drei kleinen Fleckengruppen: die AR 12486 als J1, die AR 12489 als D4 und die AR 12488 als D11.

Im H-alpha waren die Beobachtungsbedingungen ein wenig besser, weil ein vorher träge dahinziehendes Wolkenband einen kleinen Ausschnitt des Himmels freigegeben hatte. Der Hintergrund war jedoch hellorange und der Kontrast gering. Am Rand zeigten sich, soweit ich es erkennen konnte, fünf Protuberanzen: im Nordwesten ein sich nach außen öffnender Bogen und im Osten eine kleine Ansammlung von vier kleinen Materieerhebungen. Auf der Oberfläche entdeckte ich mit einiger Anstrengung zwei mittelhelle Flaregebiete sowie 8 Filamente. Drei davon waren etwas größer und schlängelten sich beiderseits des Sonnenäquators und nordwestlich davon. 

Wegen nun schnell aufziehender, horizontnaher Wolken endete die Beobachtung vorzeitig. Überdies stieß die Sonne ohnehin gerade an die Hauskante des zweiten Hochhauses, sodass schon dadurch die Beobachtung zu Ende gewesen wäre.

Sonntag, 17. Januar 2016

Sonne am 17.1.2016

Das Wetter war bestens geeignet, um davon einen Herzinfarkt zu bekommen. Sollte es erst ab mittags aufklaren, kam von Nordosten her schon am Vormittag eine große Wolkenauflösung herein, als die Sonne noch unerreichbar hinter Häusern und Bäumen stand. Sämtliche Ausweichplätze fielen eben wegen dieser Bäume aus. 

Mich auf die Wettervorhersage verlassend, musste ich darauf warten, bis die Sonne ab kurz nach 12 Uhr über die Bäume hinaus kommen würde. Das wurde nicht belohnt. Im Gegenteil, denn kurz vor 12 Uhr zog es wieder völlig zu. Inzwischen hatten zwei Sonnenbeobachter - einer aus Halstenbek, ein anderer aus Bergedorf - per WhattsApp berichtet, dass sie mehr oder weniger problemlos hatten beobachten können. Bei mir zuzog es dagegen immer weiter zu, während der Osthimmel weitgehend wolkenfrei war.

Erst kurz nach 13 öffnete sich der bewölkte Himmel für wenige Minuten, die ich für eine Beobachtung im Weißlicht nutzen konnte, wobei das Seeing extrem schwankte und immer wieder kleine Wölkchen durch das Bildfeld zogen. Wirklich frei war der Blick auf die Sonne auch zu diesem Zeitpunkt nicht. Dennoch reichte es, um die AR 12480 und die AR 12483 jeweils als J1 am Westrand stehend, die AR 12485 als A1 und eine weitere J1 am Ostrand stehen zu sehen. Die Hoffnung, wenigstens einen kurzen Blick ins H-alpha zu erhaschen, zerschlug sich, weil sich die winzige Lücke binnen Sekunden schloss.

Erst eine gute Stunde später - die Sonne stand jetzt dicht beim Hochhaus - war mir dann doch noch eine kurze Beobachtung mit dem PST geglückt, wenn auch diese Wolkenlücke wesentlich kleiner war, als die erste. So konnte ich gerade noch 5 kleine Protuberanzen, 4 schwache Flaregebiete und 16 Filamente - darunter eine schöne Kette im Norden - erkennen, dann kamen schon wieder Wolken und diese blieben bis über den Zeitraum der letzten Beobachtungsmöglichkeit hinaus. 

2016 entwickelt sich immer mehr zu einem Astro-Krampf-Jahr, in dem ich die meisten klaren Stunden - von ganzen Tagen oder Nächten kann man hier nicht wirklich sprechen - verpasse … 

Sonntag, 10. Januar 2016

Sonne am 10.1.2016

Womit ich heute angesichts der Wettervorhersage nicht mit gerechnet habe, ist nun eingetreten: von Westen her lockerte die dichte Wolkendecke auf und ermöglichte mir so vom Dachboden aus in westlicher Richtung eine Beobachtung der knapp über den Bäumen stehenden Sonne.

Das Seeing war wabbelig mit einigen ruhigen Momenten dazwischen. Die aber genügten überraschenderweise, weil auch ein kleiner, fast wolkenfreier Streifen, vor die Sonne zog.

Von der AR 12481 war im Süden nur noch ein kläglicher Rest zu sehen, den ich als J1 klassifizierte. Im Norden war die AR 12478 sehr schwer und nur noch - geschätzt - als A1 - zu sehen. Man sah sie nur hin und wieder kurz aus dem Seeinggeblubber hervortreten. Einfacher war es da mit der AR 12477 als J1 und der AR 12482 als B2. Die AR 12483 war klar als D8 und die AR 12480 als D9 zu erkennen.

Schnell wechselte ich danach mit dem PST ins H-alpha und war ein wenig enttäuscht. Bei dem Seeing und dem tiefen Sonnenstand war nicht wirklich viel zu sehen: vier kleine Protuberanzen am Rand, fünf Fackelgebiete und sieben unscheinbare Filamente. Das interessanteste Gebiet war im Nordosten zu finden, wo eine Protuberanz in ein Filament überging und das Ganze sogar ein wenig dreidimensional wirkte. Leider waren die Beobachtungsbedingungen so schlecht, dass man die meisten Erscheinungen mehr raten als wirklich beobachten musste.

Samstag, 9. Januar 2016

Sonne am 9.1.2016

Die erste Beobachtung des neuen Jahres war eine verdammt schwere Angelegenheit, denn das Wetter machte es mir nicht leicht. Am Vormittag war es zunächst klar, doch als ich mein Teleskop aufgebaut hatte, setzte sich eine fette Wolke solange vor die Sonne, bis sie hinter dem Nachbarhaus stand und ich nicht mehr beobachten konnte. Natürlich war für die nächsten drei Stunden der Himmel weitgehend wolkenfrei, doch wegen der Bäume in meiner Gegend kann ich keinen alternativen Beobachtungsplatz aufsuchen.

Die zweite Sichtbarkeit ergibt sich bei mir prinzipiell kurz nach 12 Uhr, bis die Sonne kurz nach 13 Uhr dann hinter weiteren Hochhäusern verschwinden würde. Es droht ein zweites Debakel, denn gegen 12 Uhr war ein kompaktes Wolkenfeld zu sehen, dass genau auf meinen Standort zukam. Wie so oft, hatte es aber am Anfang Lücken und die konnte ich endlich für eine erste Sonnenbeobachtung in 2016 nutzen (2015 hatte ich zum gleichen Zeitpunkt bereits drei Beobachtungstage absolviert).

Das Seeing war angesichts der Außentemperaturen von knapp unter 0 Grad ganz passabel, nur der sich ständig in Bewegung befindliche Sonnenrand war nervig. Nach der flauen Aktivität im Dezember waren heute deutlich mehr Fleckengruppen im Weißlicht zu sehen. Auf der Nordhalbkugel standen westlich des Sonnenmeridians die AR 12478 als B6, die AR 12482 als B2 und die AR 12477 als J2. Östlich davon waren die beiden Aktiven Regionen 12483 als D5 und die AR 12480 als D9 zu finden, während im Süden ganz am Westrand die AR 12481 als D4 stand.

Die Wolkenfront rückte schon heran, als ich das PST auf die Fensterbank stellte. Ich musste mich also wieder mal beeilen, um etwas zu sehen. Zum Glück war in dieser Wellenlänge nicht viel zu sehen. Am Rand standen am Westrand eine Bogenprotuberanz und am Ostrand eine spitzkegelige. Auf der Oberfläche fand ich sechs kleine Filamente sowie sechs kaum wahrnehmbare Flaregebiete: alle an den Positionen, an denen sich im Weißlicht die Flecken befanden. Und dann waren auch schon die Wolken heran und schlossen die Lücke wieder. Wenigstens eine erste Sonnenbeobachtung bekommen, während ich bei der Nachtbeobachtung schon seit Monaten nicht mehr zustande bekommen habe, weshalb ich bislang weder den Kometen Catalina oder eine der schönen Planetenkonstellationen zu Gesicht bekam.