Mittwoch, 27. Januar 2016

Die Sonne im Dezember 2015

Gegenüber dem November fiel die Aktivität im Weihnachtsmonat im Weißlicht noch geringer aus. Die Zahl der neuen Fleckengruppen ging auf nur noch zwölf im ganzen Monat zurück. Erst am 22. tauchte am Ostrand die erste größere Fleckengruppe auf, die AR 12473. Alle vorher zu beobachtenden Aktivitätsgebiete waren den Waldmeiergruppen A, B und C, bzw. in einem Fall auch D zuzuordnen. Fleckenfrei war die Sonne trotz niedriger Aktivität auch im Dezember nicht. Insgesamt gab es 2015 überhaupt keinen fleckenfreien Tag, wenngleich die Zahl der Fleckengruppen an manchen Tagen sehr gering war. Die AR 12473 entwickelte sich innerhalb weniger Tage zur Klasse F, wies aber kaum Aufsehen erregende Penumbren auf. Sie umfasste zwar drei penumbrale Bereiche, deren Größe aber nicht mit denen im Maximum vergleichbar war. Mir gelang aber dennoch an einigen Tagen eine Sichtung mit bloßem Auge und Sofibrille. Am 27. stand sie zusammen mit der AR 12472 ziemlich zentral auf dem Sonnenmeridian. Bis zum Jahreswechsel bildeten die beiden Gruppen ein Tandem, dass sich langsam aufgrund der Sonnenrotation dem Westrand annäherte, ihn aber noch nicht erreichte.

Zu Zeiten eines abklingenden Zyklus und des Minimums sind sehr häufig Koronalöcher – Bereiche der solaren Korona mit geringerer Temperatur und verminderter Teilchendichte – zu beobachten, aus denen verstärkt Röntgenstrahlung austritt. Das liegt an den Magnetfeldlinien, die zu anderen Zeiten geschlossen sind, jetzt aber offen in den Weltraum hinaus greifen. Gleich drei sehr großflächige Koronalöcher konnten am 4. Dezember gesehen werden und führten zu einem kleinen geomagnetischen Sturm, der die Erde am 6. traf und in den darauf folgenden Nächten für Polarlichter in nördlichen Breiten sorgte. 

Ein weiterer, schwacher, Sturm (Klasse: G1) folgte am 14./15. Einen koronalen Massenauswurf registrierte man am 16., der mit einem C6.6-Flare verknüpft war. Daraufhin gab es am 20. in hohen Breiten wieder ordentliche Polarlichter zu sehen. Die AR 12473 machte sich schon am 20. in Form eines CMEs am Ostrand bemerkbar. Dem folgte am 21. um 1:03 UT ein M2.8-Flare, am 22. um 3:34 UT ein M1.6 und am 23. um 0:40 ein M4.7 (inkl. Typ II Radiosturm, einer Teilchengeschwindigkeit von 1318 km/s, aber kein CME). Die nächsten Tage blieb es vergleichsweise ruhig. Erst am 28. stieg in der AR 12473 mit Höhepunkt um 12:45 UT ein lang andauernder M1.8-Flare auf, der mit einem Typ IV-Radiosturm und einem Tenflare auf der 10cm-Linie des Wasserstoffs assoziiert war. Binnen 45 Minuten wurden 370 solare Flusseinheiten (solar flux units = SFU) abgestrahlt. Darin enthalten war eine erdwärts gerichtete Komponente, die in der Silvesternacht eintraf und zu einem Impakt im Erdmagnetfeld führte, der aber wegen der Feierlichkeiten zum Jahreswechsel und dessen Folgeerscheinungen so gut wie nicht beobachtet wurde.

Das Sonnenobservatorium auf der Kanzelhöhe schrieb dazu in seinem Monatsbericht: „Das Aktivitätsniveau vom Dezember blieb auf dem Novemberwert, nur zum Monatsbeginn und um Weihnachten war die Aktivität etwas erhöht. Zwei Regionen bestimmten diesen Dezember, zum Beginn war dies Region 12468 (S15,L=125), eine D-Gruppe, die nur wenige Tage aktiv war. Ab Weihnachten war dann die F-Gruppe in der Region 12473 (S22,L=325) bestimmend, auf diese fiel etwa 50% der Flaretätigkeit. Immerhin gab es in dieser Gruppe 4 M-Flares und es konnten auch 4 Imp.-1 Flares beobachtet werden. Zum Jahresende fiel dann die Relativzahl wieder deutlich ab, da nur mehr eine einzige Gruppe zu sehen war.Das gesamte Jahr 2015 verlief somit ungewöhnlich ruhig, besonders in Anbetracht dessen, dass die Sonne sich noch im Aktivitätsmaximum befand. Es wurden nur zwei X-Flares registriert, einmal im März (X2.1) und einmal im Mai (X2.7), normalerweise erwartet man sich gegen Ende eines Maximums bzw. dann im abklingenden Zyklus die größten Ereignisse. Insgesamt konnten im optischen Bereich 128 Subflares und 8 Imp.-1 Flares gesichtet werden; im Röntgenbereich wurden 85 C-Flares und 6 M-Flares registriert.“

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